Selbstmordkommandos im 3. Reich

Hallo ihr Wissenden,
angesichts der aktuellen Situation kam mir der Gedanke warum es unter den Nationalsozialisten keine Selbstmordkommandos gab?
Fanatiker gab es sicher genug.
Es wäre doch möglich gewesen, ein mit Sprengstoff vollgepacktes Flugzeug in den Buckingham Palace zu stürzen.
Japan als rassistisch-nationalistisch geprägtes Regime hatte ja z.B. auch Kamikazeflieger.
Lag es am „deutschen Wesen“ oder an der christlichen Verdammung des Selbstmordes?

Sue

es gab meines Wissens Überlegungen mit Klein-U-Booten eine Art Selbstmordkommandos durchzuführen (Klein-U-Boot Biber und ähnliches). Man hatte aber Bedenken, denn wer sollte diese Torpedos steuern. Der normale Soldat war dafür zu schade, „böse“ Kriegsgefangene oder „unehrenhafte“ Soldaten könnten aber auf die Idee kommen, die Bombe gegen den Absender zu steuern. Daraufhin hat man darauf verzichtet.

Ich weiß nicht, ob das Taschenbuch von Brian Ford „Die deutschen Geheimwaffen“ noch zu bekommen ist. Meine 3. Auflage ist 1985 im Moewig-Verlag erschienen. Soweit ich mich erinnere, standen da einige Hinweise zu diesem Thema.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Sue!

Etwas Ähnliches gab es in Deutschland :

Bei der Luftwaffe wurden Raketenjäger eingesetzt. Ab 1943. Die Me 163.
Diese Flugzeuge konnten nur starten, auf 10 000 m Höhe gehen und dort war der Brennstoff verbraucht. Das Flugzeug hatte gute Segeleigenschaften und sollte, weit über den Bombergeschwadern der Alliierten, auf diese warten und dann angreifen. Bewaffnet waren sie mit normalen Maschinenkanonen. Als diese Me 163 zum erstenmal auftauchte, versetzte sie die Bomber in Angst und Schrecken.
Auf ihrem Rückflug (als Segler) waren sie aber eine leichte Beute der begleitenden Jagdflugzeuge der Alliierten.

Bei der Marine gab es zum Schluß sogenannte Sprengboote. Diese waren mit einem Kampfschwimmer besetzt. Das Boot selbst mit mehreren 100 kg Sprengstoff und Aufschlagzünder ausgerüstet. Das Boot wurde bis kurz vor dem Ziel von Hand gesteuert. Dann ließ der Kampfschwimmer sic über Bord fallen und versuchte irgendwohin zu entkommen.

Beide Waffen, Raketenjäger und Sprengboot waren für ihre Piloten/Führer so gut wie ein Himmelfahrtskommando. Nur, man sagte es nicht.

Die Zweimann-U-Boote waren mit zwei ganz normalen Torpedos bewaffnet und hatten die gleiche Aufgabe, wie ein normales U-Boot. Nämlich ihre Torpedos abzuschießen. Sie hatten nur eine Eigenart: Die Besatzung konnte das U-Boot nur mit fremder Hilfe verlassen. Die Glasglocke (Turm) durch die der Kommandant sah, war, wie bei einem Taucherhelm, mit einigen Schrauben angeflanscht. Die Engländer, die so ein Boot erwischten, machten sich den „Spaß“, diese Glasglocke mit Farbe anzustreichen und das Boot dann fahren zu lassen.
Gruß Werner

Hallo Sue!

Etwas Ähnliches gab es in Deutschland :

Die einzigen wirklichen Selbstmordkandidaten waren die Piloten, die sich als Rammjäger gemeldet hatten. Diese erlitten in den letzten Kriegswochen noch grosse Verluste, es gab aber auch Überlebende.

Bei der Luftwaffe wurden Raketenjäger eingesetzt. Ab 1943. Die
Me 163.
Diese Flugzeuge konnten nur starten, auf 10 000 m Höhe gehen
und dort war der Brennstoff verbraucht. Das Flugzeug hatte
gute Segeleigenschaften und sollte, weit über den
Bombergeschwadern der Alliierten, auf diese warten und dann
angreifen. Bewaffnet waren sie mit normalen Maschinenkanonen.
Als diese Me 163 zum erstenmal auftauchte, versetzte sie die
Bomber in Angst und Schrecken.
Auf ihrem Rückflug (als Segler) waren sie aber eine leichte
Beute der begleitenden Jagdflugzeuge der Alliierten.

Die grösste Gefahr für die Me 163 war jedoch nicht die alliierte Jagd sondern das unzuverlâssige Triebwerk, das mit dem T und C-Stoff betrieben wurde. So manche Me 163 löste sich von selbst mit einem lauten Knall auf. Sie sollte an sich auch nach meinem Wissen nur zur Objektverteidigung eingesetzt werden.

Bei der Marine gab es zum Schluß sogenannte Sprengboote. Diese
waren mit einem Kampfschwimmer besetzt. Das Boot selbst mit
mehreren 100 kg Sprengstoff und Aufschlagzünder ausgerüstet.
Das Boot wurde bis kurz vor dem Ziel von Hand gesteuert. Dann
ließ der Kampfschwimmer sic über Bord fallen und versuchte
irgendwohin zu entkommen.

Diese Sprengboote wurden auch Linsen genannt, der Führer eines derartigen Bootes wurde nach dem Verlassen von einem zweiten Boot aufgenommen, welches auch die Linse ins Ziel steuerte. Danach wurde der Rückmarsch, der sich oft zu einem Wettrennen mit den allierten Jabos entwickelte, zum Einsatzhafen angetreten.

Beide Waffen, Raketenjäger und Sprengboot waren für ihre
Piloten/Führer so gut wie ein Himmelfahrtskommando. Nur, man
sagte es nicht.

Die Zweimann-U-Boote waren mit zwei ganz normalen Torpedos
bewaffnet und hatten die gleiche Aufgabe, wie ein normales
U-Boot. Nämlich ihre Torpedos abzuschießen. Sie hatten nur
eine Eigenart: Die Besatzung konnte das U-Boot nur mit fremder
Hilfe verlassen. Die Glasglocke (Turm) durch die der
Kommandant sah, war, wie bei einem Taucherhelm, mit einigen
Schrauben angeflanscht. Die Engländer, die so ein Boot
erwischten, machten sich den „Spaß“, diese Glasglocke mit
Farbe anzustreichen und das Boot dann fahren zu lassen.
Gruß Werner

Ich glaube hier wirfst Du etwas durcheinander, es gab den Seehund, zwei Mann Besatzung, 2 Torpedos, 15 Tonnen Verdrängung, den Biber: einMann Besatzung, zwei Torpedos, 6 Tonnen Verdrängung, und den Neger(habe auch schon Marder gelesen):er bestand aus zwei Torpedos, wobei der eine der Trägertorpedo war und der andere der Gefechtstorpedo, hier gab es diese Plastikkuppel, damit das eine Besatzungsmitglied etwas sehen konnte. Die Neger wurden, glaube ich zuerst vor Anzio, eingesetzt.
Es gibt ein Buch zu diesem Themenkomplex, Marinekleinkampfmittel, Kampfschwimmer etc. oder so, genauer Tittel ist mir entfallen. Wurde glaube ich in den 60er Jahren von Ruge geschrieben.
Gruss
Rainer

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Hallo Susanne,

neben den anderen hier im Thread angemerkten Himmelfahrtskommandos zu Luft- und See gibt es noch weitere deutsche „Kampftaktiken“ aus dem WK II anzumerken, die alles in Allem zu ähnlichen Resultaten geführt haben:

da sind zum einen die sogenannten „Rammjäger“ ab Ende 1944 zu nennen. Das waren konventionelle schwere Jagdflugzeuge - FW 190 - deren Flügelkanten schwer gepanzert worden waren. Ihr Ziel war es, insbesondere die amerikanischen Viermot-Bomber B 17 und B 24 frontal anzugreifen, um kurz vor dem Crash dann seitlich auszuweichen und dabei die Propeller der Bomber auf der jeweiligen Seite abzurasieren. Wenn Du mal die Geschwindigkeiten der beiden aufeinanderzurasenden Maschinen zusammenaddierst, kommst Du auf etwa 1.300 KM/H, die in weniger als 2m Abstand aneinander vorbeidonnerten - von „Wagemut“ kann da m.E. keine Rede mehr sein, das war vielmehr kompletter Wahnsinn. Schau mal unter Literatur zum Jagdgeschwader 54 „Wilde Sau“ nach, die haben m.W. diese Taktik angewendet - solange sie noch Piloten hatten.

desweiteren erinnere ich mich gelesen zu haben, dass in den letzten Kriegswochen mehr oder minder alles, was Flügel hatte, zu Luftangriffen verwendet worden ist. U.a. auch Luftwaffen-Schulungsmaschinen aus den 30er Jahren (alte Bücker-Doppeldecker). Der Co-Pilot wurde mit einer Panzerfaust oder so etwas bewaffnet, und dann ging es los zur Panzerjagd auf russische T 34 und sowas. Wenn die Kisten nicht bereits von alleine vom Himmel fielen, so erwischte sie wohl der russische Koch mit der Bratpfanne.

Das sind zwar alles keine expliziten Kamikaze-Einsätze gewesen, aber - wie gesagt - summa summarum kam es wohl auf das selbe raus.

Trauriges Thema übrigens, fällt mir da mal auf. Wieviel Irrsinn und Verblendung es in dieser Welt gibt, ist immer wieder erschreckend.

Gruss

Uwe Pätzold

Sonderkommando Elbe
Hallo Sue!
Nachdem hier schon einiges recht ungenau genannt wurde, hier mal der Versuch einer Art Zusammenfassung:

Wie schon richtig von Dir vermutet hatte man aufgrund europäischer Mentalität sowie auch dem christlichen Glauben Vorbehalte gegenüber solch eines Totaleinsatzes von Mensch und Maschine.
Als sich 1943 eine zunehmende Verschlechterung der Situation abzeichnete gab es allerdings schon die ersten Vorschläge für den sogenannten SO-Einsatz (Sondereinsatz). Diese wurden zu diesem Zeitpunkt noch alle abgelehnt.
Erst im Lauf des Jahres 1944 wurden verschiedene Ideen wieder aufgenommen. Aber selbst bei Projektion die offiziell die Titulierung SO hatten, baute man immer noch eine letzte Rettungsmöglichkeit für den Betrof-fenen ein, was alleine zeigt, dass man nie ganz von dieser Einsatzart überzeugt war.

Von allen Vorschlägen kam nur einer wirklich zur Ausführung (seltsamerweise hat den noch keiner erwähnt).

Im Herbst 1944 wurde das „Sonderkommando Elbe“ gebildet. Die Piloten dieser Einheit waren Freiwillige, die durch einen Totaleinsatz mit ihrem konventionellen Jagdflugzeug (vorgesehen waren Me109) - durch Rammen - US-Bomber zum Absturz bringen sollten und wollten!
Diese sind nicht zu verwechseln mit den Rammjägern (besser: Sturmjäger), die sich schon seit Frühjahr 1944 im Einsatz befanden (s.a. unten bei anderer Antwort).
Am 7.April 1945 kam es zum einzigen Einsatz dieses Verbandes. Ca. 120 Jäger starteten dabei zum Angriff auf US-Bomber. Da ich die genauen Angaben erst nachschlagen müsste nur soviel aus der Erinnerung dazu: Deutscherseits wurden ca. 35 Bomber als „abgeschossen“ gemeldet. Von US-Seite wurden für diesen Tag aber nur ca. 15 Verluste angegeben. Von den "Elbe-"Piloten kehrten nur ca. 15 mit ihren Maschinen zum Flugplatz zurück. Ausserdem konnte sich ein Teil mit dem Fallschirm retten. Ca. 80 Piloten sollen getötet worden sein. Später sollen auch noch kleinere Einsätze durch das Kommando im konventionellen Rahmen geflogen worden sein (ohne Selbstopferung).

Weitere Projekte:

##Luftwaffe:

Fieseler Fi-103 „Reichenberg“

SO-Einsatz gegen wichtige Punktziele (z.B. Kraftwerke, grosse Kriegsschiffe u.ä.) mit einer bemannten V1-Flugbombe (besser: Fieseler Fi-103).
Der Pilot sollte die „Reichenberg“ von einem Trägerflugzeug aus starten und die Flugbombe auf den Kurs zum Ziel bringen. Die Planung sah dabei eigentlich vor, das der Pilot kurz vorher absprang. Man wurde sich aber schnell darüber klar, dass dieser Einsatz nur funktionieren würde, wenn der Pilot bis zum Schluss am Steuer blieb.
Die „Reichenberg“ entstand durch Umbau aus bestehenden Fi-103. Probeflüge wurde noch durchgeführt und bewiesen die Durchführbarkeit (Testpilot war u.a. die bekannte Fliegerin Hanna Reitsch). Auch eine Übungs-variante mit Doppelsteuer für einen Fluglehrer sollte gebaut werden.
Insgesamt sollen sich ca. 200 Freiwillige gemeldet haben. Eine grosse Anzahl von „Reichenberg“ wurde noch umgebaut, bei Kriegsende aber von den Amerikanern unversehrt erbeutet. Taktisch unterstellt wurde das Projekt dem Kampfgeschwader 200 (KG200) - ein Spezialverband der Luftwaffe (flog u.a. auch die Misteleinsätze - unbemannte mit Sprengkopf versehene Ju88-Bomber, die von einem Trägerflugzeug ins Ziel gesteuert wurden - gegen die Oderbrücken).
Zum Einsatz kam es aufgrund der Bedenken gegen diese Einsatzart (zum Glück) nicht mehr.

Messerschmitt Me 328

Ursprünglich ein Projekt für ein billig herzustellendes Jagdflugzeug (u.a. auch eine Ausführung als Bordjäger für Bomber). Als Antrieb sollten die Pulso-Triebwerke der Fi-103 verwendet werden. Nach Einstellung des Jägerprojektes sollte die Maschine für den SO-Einsatz umkonstruiert werden. Die Arbeiten dazu verzögerten sich (gewollt?) und wurden nicht mehr beendet.

Absolut keine Selbstopferprojekte der Luftwaffe waren:

Mistelflugzeuge (s.o.) oder auch
Raketenjäger (neben der schon genannten Me163 auch nicht die senkrecht startende Bachem Ba 349 „Natter“)

Marine:

Er wurden in den anderen Antworten schon einige Dinge genannt, aber ausgesprochene Selbstopferungspro-jekte gab es hier nie! Einigen der genannten Marinekleinkampfmittel haftet dieser Ruf zu Unrecht an. Allen gemeinsam ist allerdings, dass sie zu schnell, zu spät und meist als zu provisorische Konstruktionen (insbe-sondere „Neger“ und „Marder“) zum Einsatz kamen (Zeit hatte man eben keine). Dazu hier noch einiges:

Bemannte Torpedos

„Neger“ und „Marder“ (Folgetyp des „Neger“) waren beides Einmanntorpedos (unten schon erklärt) und ver-schossen modifizierte normale Torpedos auf ihre Ziele.
Projekte für den Einsatz von Kamikazetorpedos (Mann und Torpedo gehen gemeinsam ins Ziel) wie bei den Japanern (dort auch noch eingesetzt) gab es nicht!
Die hohen Verluste insbesondere der „Neger“ waren eine Folge der noch improvisierten Konstruktion, schlechter Einsatzplanung und schlechter Schulung der Fahrer.

Sprengboote

Diese Einsatzart war nicht neu. Schon im 1.Weltkrieg gab es dazu Versuche. U.a. wurden vor der flandri-schen Küste ferngelenkte Sprengboote deutscherseits versuchsweise eingesetzt.
Vor und zu Beginn des 2.Weltkrieges waren u.a. die Italiener führend. Im Mittelmeer wurden auch einige Einsätze mit geringen Erfolgen ausgeführt (1941 wurde in einer Bucht von Kreta der englische Kreuzer York so schwer beschädigt, das er aufgegeben werden musste; ein Unternehmen gegen Malta 1942 misslang völ-lig).
Nach italienischem Vorbild setzen dann auch die Deutschen ab Sommer 1944 ihre Sprengboote ein (eben „Linsen“ genannt). Wie schon hier in einer Antwort richtig erwähnt wurden die Fahrer von einem Führungs-boot aufgenommen und die „Linse“ dann per Fernlenkung ins Ziel gesteuert.
Erfolge hatte man hier aus gleicher Ursache wie bei den Einmanntorpedos nur im beschränkten Rahmen.
Übrigens setzten auch die Japaner dieses Kampfmittel ein - zur Abwechslung mal nicht als ausgesprochenes Selbstmordgerät.

Klein-U-Boote (i.d.R. mit 1 bis 2 Mann Besatzung)

Hier spricht schon der Name für sich: Es handelte sich um U-Boote! D.h. sie verschossen Torpedos gegen Ziele. Typisch sind hier auf deutscher Seite die Typen „Biber“ und „Seehund“ (letzterer noch relativ erfolgreich, in einer anderen Antwort schon ausreichend beschrieben).
Die Besatzungen sollten hier auf jeden Fall vom Einsatz zurückkehren. Dies macht schon aus Sicht der auf-wendigeren Ausbildung Sinn.
Ein Grenzfall stellt das Klein-U-Boot „Delphin“ dar (nur ein Prototyp gebaut). Es sollte als eine Art Spreng-boot unter Wasser eingesetzt werden. Wichtig ist hierbei aber : Da man nicht recht wusste, wie sich der Fahrer retten sollte, wurden andere Bewaffnungsmöglichkeiten getestet und der Spreng-U-Boot-Gedanke wieder aufgegeben.

Heer

Hier gelten sinngemäss die bei der Marine schon gemachten Feststellungen.

Manchmal werden hier die „Ladungsträger“ fälschlicherweise als Selbstopferfahrzeuge angegeben.
Dabei handelt es sich um kleine gepanzerte Fahrzeuge, die ferngelenkt eine Sprengladung zu einem Ziel bringen und dort ablegen. Per Funkbefehl kann aber auch das gesamte Fahrzeug gesprengt werden. Da die Fern-lenkung nicht unbedingt zuverlässig arbeitete, konnten die grösseren Fahrzeuge auch von einem Fahrer im Fahrzeug gesteuert werden. Da dies möglichst lange der Fall sein sollte (da die Fernlenkung eben anfällig war), waren die Fahrer sehr gefährdet durch Feindfeuer. Eine Selbstopferung war hier nie geplant (und kam meines Wissens auch nicht vor).
Typische Fahrzeuge sind der „Ladungsträger BIV“ von Borgward, der „Springer“ von NSU (auf Basis des bekannten Kettenkrades) oder der generell unbemannte „Goliath“ (zu klein für einen Fahrer). Der Erfolg dieser Fahrzeuge hielt sich aber trotz nicht unerheblich gefertigter Mengen eher in Grenzen, zumal sie sich für eine der ursprünglich vorgesehenen Aufgaben - das Minenräumen - als ungeeignet erwiesen.

So - hoffe etwas geholfen zu haben.

Gruss

Tom

Hallo Uwe!

da sind zum einen die sogenannten „Rammjäger“ ab Ende 1944

zu nennen. Das waren konventionelle schwere Jagdflugzeuge - FW
190 - deren Flügelkanten schwer gepanzert worden waren. Ihr
Ziel war es, insbesondere die amerikanischen Viermot-Bomber B
17 und B 24 frontal anzugreifen, um kurz vor dem Crash dann
seitlich auszuweichen und dabei die Propeller der Bomber auf
der jeweiligen Seite abzurasieren. Wenn Du mal die
Geschwindigkeiten der beiden aufeinanderzurasenden Maschinen
zusammenaddierst, kommst Du auf etwa 1.300 KM/H, die in
weniger als 2m Abstand aneinander vorbeidonnerten - von
„Wagemut“ kann da m.E. keine Rede mehr sein, das war vielmehr
kompletter Wahnsinn. Schau mal unter Literatur zum
Jagdgeschwader 54 „Wilde Sau“ nach, die haben m.W. diese
Taktik angewendet - solange sie noch Piloten hatten.

Da wirfst Du einiges durcheinander.
Mit den Rammjägern sind die „Sturmjäger“ gemeint.
Auf Anregung von Major Dahl wurde im Frühjahr 1944 die Sturmstaffel 1 aufgestellt.
Die Flugzeugführer mussten sich per Eid dazu verpflichten pro Einsatz mindestens einen Bomber abzuschie-ssen. Dabei sollten sie so nahe wie möglich heran bevor sie das Feuer mit den Bordwaffen eröffneten. Not-falls - z.B. nach Verschuss der gesamten Munition oder bei Ladehemmung - sollte der Bomber auch durch Rammen zum Absturz gebracht werden. Der Flugzeugführer sollte sich aber ausdrücklich durch Absprung retten. Das Rammen stellte eher die Ausnahme dar und war aufgrund der Geschwindigkeiten auch nicht un-bedingt einfach. Die Fw190 dieser Verbände waren modifizierte Maschinen mit zusätzlicher Bewaffnung und Panzerung (nur Cockpit und Motor!).

Hintergrund dieser Einsatzart war der zunehmende Begleitschutz der Bomber. Diesem sollte entgegen ge-wirkt werden, indem sich die Sturmjäger auf die Bomber konzentrierten, während es die restlichen begleiten-den eigenen Jäger es mit den alliierten Begleitjägern aufnahmen und diese ablenkten.
Nach der Bewährung des Konzeptes (die eigenen Verluste hielten sich in vertretbaren Grenzen) wurden wei-tere Einheiten innerhalb bestehender Verbände aufgestellt.

Eine der bekanntesten Gruppen wurde dabei die IV. des Jagdgeschwaders 3 „Udet“ (IV/JG3) unter Major Dahl selbst. Dieser Gruppe gelang u.a. im Sommer 1944 der Abschuss von 30(!) viermotorigen Bombern in einem Einsatz (wenn ich mich recht erinnere über dem Luftraum Magdeburg - Aschersleben).
Ein weiterer Verband war das JG4, welches komplett auf den „Sturmeinsatz“ umgestellt wurde.
Das JG54 „Grünherz“ war im übrigen ein normales JG (z.T. auch in der Reichsverteitigung eingesetzt).
Den Titel „Wilde Sau“ hatte das JG300, welches auch in der Reichsverteitigung flog (u.a. auch Sturmeinsät-ze). Allerdings rührt der Name von der ursprünglichen Verwendung des Verbandes als Nachtjäger her und hat mit dem Sturmeinsatz nichts zu tun! Ab 1944 wurden aber aufgrund der Lage und der hohen Verluste bei Nacht durch Unfälle und dem effizienteren Einsatz der zweimotorigen Nachtjäger fast nur noch Tageseinsätze geflogen (dabei allerdings als eine Art Allwetterjäger, da die meisten Piloten über Blindflugerfahrung ver-fügten).

Der Frontalangriff wurde im übrigen schon relativ früh nach dem Auftauchen der B-17 über Europa ange-wandt (schon 1942)! Wenn ich mich richtig erinnere war es das in Frankreich stationierte JG2, welches diese Taktik zuerst anwandte. Hintergrund war hier die schwere Bewaffnung der B-17 die aber in der Front eine Lücke aufwies. Die Amerikaner gingen daher bei den letzten Fertigungslosen der B-17F Ende 1943 und bei der folgenden Serie B-17G auf die Installation eine Frontturmes über.
Und noch eine Bemerkung dazu: Auf englischer Seite wurde diese Taktik insbesondere von einer Staffel (112. Sqd.??? - müsste ich nachschlagen) schon in der Luftschlacht um England 1940 gegen deutsche Bomber angewandt!
Zugegebenermassen handelt es sich hierbei um ein sehr riskantes Manöver, aber von Selbstmordeinsatz kann man hier nicht sprechen.

desweiteren erinnere ich mich gelesen zu haben, dass in den

letzten Kriegswochen mehr oder minder alles, was Flügel hatte,
zu Luftangriffen verwendet worden ist. U.a. auch
Luftwaffen-Schulungsmaschinen aus den 30er Jahren (alte
Bücker-Doppeldecker). Der Co-Pilot wurde mit einer Panzerfaust
oder so etwas bewaffnet, und dann ging es los zur Panzerjagd
auf russische T 34 und sowas. Wenn die Kisten nicht bereits
von alleine vom Himmel fielen, so erwischte sie wohl der
russische Koch mit der Bratpfanne.

Stimmt so leider auch nicht ganz.
In den letzten Wochen wurden mit Schulmaschinen vom Typ Bücker Bü 181 (ein damals moderner Tiefdek-ker mit zwei nebeneinander liegenden Sitzen, die über den gesamten Krieg hinweg gebaut wurde) leichte Panzerjägerstaffeln aufgestellt.
Dabei wurden unter den Tragflächen je 4-6 Panzerfäuste angebracht. Geflogen wurde die Maschine nur von einem Piloten. Im Einsatz hat sich dieses Konzept aber nicht wegen der leichten Schulmaschinen sondern wegen der mangelhaften Schussweite der Panzerfaust beim Lufteinsatz nicht bewährt. Da die Maschinen klein und wendig waren, hoffte man auch sich den gegnerischen Jagdflugzeugen in geringer Flughöhe entzie-hen zu können.
Einsätze wurden aufgrund des Treibstoffmangels nur noch von einer Staffel in beschränktem Rahmen geflo-gen (eine zweite kam wahrscheinlich nicht mehr zum Einsatz).

Treibstoffmangel ist eh ein wichtiger Punkt. An Flugzeugen mangelte es nämlich der Luftwaffe bei Kriegsen-de nicht!. Allein vor Beginn des russischen Angriffes auf Berlin konnten dort im Umland noch 800-900 Jäger sowie weitere Kampfflugzeuge (Schlachtflieger, Bomber usw.) stationiert werden (und dies im März/April 1945), welche aber wegen des Treibstoffproblems nur beschränkt Einsätze fliegen konnten. Aber selbst mit diesen beschränkten Vorräten konnten im April 1945 noch täglich einige hundert Einsätze aller Arten von Kampfflugzeugen gegen die russischen Streitkräfte geflogen werden!
Von einem Selbstmordeinsatz kann also hier auch nicht gesprochen werden. „Selbstmord“ war in den letzten Wochen des Krieges bei der absoluten Luftüberlegenheit der Alliierten schon der Einsatz in einer normalen Maschine - selbst für Piloten des vielgerühmten Düsenjägers Me262. Die Verluste an Piloten sprechen da eine klare Sprache.
Noch eine Bemerkung: Veraltete Doppeldecker waren allerdings wirklich im Einsatz - bei sogenannten „Nachtschlachtgruppen“. Diese befanden sich u.a. seit Ende 1943 im Osten im Einsatz. Dabei kopierte man eine Einsatzart der Russen, die mit kleinen Po-2 Doppeldecker bei Nacht erfolgreich Störflüge über der Front unternahmen.

Soweit.

Gruss

Tom

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