Wenn man sich auf Webseiten, die sich vornehmlich mit geschichtlichen Themen des II. Weltkriegs befassen, umsieht, stößt man immer wieder auf sog. „re-enactment“-Gruppen. Da sich diese zumeist in den USA und GB befinden, glaube ich eigentlich nicht, daß es sich um dumpfsinnige und bornierte „Wehrsportgruppen“ rechtsextremen Strickmusters handelt. Aber was ist das dann? Historiker-Vereinigungen? Veteranen-Organisationen? Wer weiss es?
Das einzige was ich darüber gefunden hab steht in dem folgenden Artikel.
Gandalf
Collingwood, Robin George (1889-1943), englischer Philosoph, Historiker und Archäologe. Er versuchte mit den Mitteln der Metaphysik die Voraussetzungen für wissenschaftliche Denksysteme unterschiedlicher Gesellschaften historisch zu begründen.
Collingwood wurde am 22. Februar 1889 in Coniston (County Lancashire) geboren und lehrte von 1934 bis 1941 als Professor für Philosophie am Pembroke College in Oxford. Als Methode für die Geschichtswissenschaft empfahl er das so genannte
re-enactment,
die gedankliche Wiederaufführung und Durchdringung des vergangenen Geschehens. Darüber hinaus beschäftigte er sich auch mit Fragen der Erkenntnistheorie, Religion, Ästhetik und Sprache; dabei wurde er von Benedetto Croce, John Ruskin und Georg Wilhelm Friedrich Hegel beeinflusst. Zu seinen bedeutendsten Schriften zählen Religion and philosophy (1916), The philosophy of history (1930), The principles of arts (1938) und The idea of history (posthum 1946). Collingwood starb am 9. Januar 1943 in Coniston.
Fuer die USA sprechend:
Bei uns gibt es Vereine von gleichgesinnten Geschichteliebhabern, die eine Periode waehlen- und weil es mit der Menschheit zu tun hat, ist meistens ein Krieg dabei - und GRUENDLICH alle Einzelheiten von Uniformen, Behalten, Sprachgebrauch (Wortwahl, Anrede-audruecken, usw.) nachforschen. Sie schliessen sich in Vereine zusammen und gemeinsam ab und zu dem Publikum ein re-enactment vorzeigen und oft dabei ein Wochenende unter sich in Zelten (periodtreu) um Lagerfeuer verbringen. Das re-enactment ist entweder ein typischer Schlacht der Periode, oder ein re-enactment von einem bestimmten wichtigen Schlacht. Bei allen beiden erklaert meistens ein Sprecher dem Publikum, was die re-enacters tragen, was man damals ass, wie man ueberhaupt lebte, was fuer Waffen und Taktiken ueblich waren, usw.
Die re-enacters verbringen viele Stunden beim nachforschen, um sicher zu sein, nicht nur dass ihre Uniforme oder andere Kleider absolut korrekt und zeit-, rangs-, regionsgemaess sind, aber auch, dass die Art und Weise stimmen, wie ihre angenomene “personna” mit Anderen umgeht, sich benimmt, spricht usw.
Ich bin selber kein re-enacter, habe aber viele solche Veranstaltungen gesehen und bin mit den Leuten richtig imponiert. Wenn man mit den Leuten spricht, erfaehrt man ganz schnell, dass die ihre “Hausarbeit” gemacht haben. Einmal, zum Beispiel, habe ich mit einem gesprochen, der einen amerikanischen Dragoon der am. Revolution spielte. Unter anderem erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass die Dragoons beider Seiten ihre Schwerte absichtlich stumpf gemacht haben, damit die sich gegenseitig nicht allzu schreckliche Wunden machten, falls sie sich kaempfen mussten. Das hing vermutlich damit zusammen, was auch mir neu war, dass die sich nicht als Kavalerie betrachtet, sondern als eine Art Infanterie zu Pferd, die dazu da waren, zu einer kritischen Stelle rechtzeitig zu reiten, untersteigen und mit Schiesswafen eingreifen.
In der Stadt Lafayette, Indiana, gibt es ueber zwei Wochenende jedes Jahr ein riesengrosses Treffen, das man “Feast of the Hunter’s Moon” nennt. Das hat mit der Zeit zu tun, als der ganze Mittlere Westen Frankreich gehoerte und Frankreich eine Serie von Pfahlfestungen hatte, die Fluesse entlang, wo die “voyageurs” auf ihre Handelsreisen, die sie mit Grosskanus von Quebec nach Nouvelle Orlean machten, aufhalten konnten. Das “Feast” befindet sich in einem Park, wo die Franzosen frueher so eine “fort” hatten. Die re-enacters sind nicht alle Soldaten, sonder auch ihre Weiber (Ehefrau oder nicht), Indianer, Jesuitenpriester, die Voyageurs selber, usw. Einmal begann ich eine Konversation mit einem, der wie ein Voyageur ausgestattet war. Weil er mir eher aussah, als ob er einen Film uber Piraten der Karabik einmal gesehen hat und verschiedene farbvolle Kleiderstuecke aus dem Kleiderregal seiner Frau ausgesucht hat, dachte ich, dass ich einen gefunden hat, der nur aus Spass dabei war. Aber er kannte sich aus. Die Voyageurs tragen eben solche Kleider, weil die sich gerne wie Pfaue ankleideten, weil die es eben fuer angemessen fanden, Geld fuer persoenlichen Schmuck auszugeben (was sonst in der Wildniss damit tun und ausserdem waren sie ja schliesslich Franzosen) und weil man die Indianer, mit denen man Handel trieb so ein farbvolles Aussehen erwarteten.
Auch dabei sind mehrere Pfeiffe und Trommel Korps. Der Aelteste von ihnen kommt eben aus Lafayette und ist einer franz. Gruppe der Periode insofern treu, dass franz. Historiker ihre Uniformen, Ausstattungen, usw. studiert haben, um die Periode nachzuforschen. Die Instrumenten, die Musik, die Befehle auf Franzoesisch, usw. sind alle echt. Die Gruppe ist sogar mehrmals in Frankreich aufgetreten, von der franz. Regierung eingeladen.
Die meisten Gruppen befassen sich mit der am. Buergerkrieg. Dieser Krieg ist sehr moerderisch gewesen, weil die Generale ihn mit Taktiken aus der napoleonischen Zeit kaempften, waehrend man dabei die Waffen staendig verbesserten und man ging von Muskete bis zum ersten Maschinengewehr (Gattling gun) innerhalb von vier Jahren. In der Tat starben mehr am. Soldaten im Buergerkrieg als in allen am. Kriegen seitdem. Daher muessen natuerlich einige re-enacters „sterben,“ um realistisch zu sein. Aber das ist ein Problem. Keiner will sich so viel Muehe um die Uniform usw. geben, vielleicht einige Tage mit dem Auto hinfahren und danach gleich bei den ersten Schuessen fallen und in der Sonne fuer eine halbe Stunde oder so liegen. Ich glaube, die entscheiden durch Los, um fair zu sein.
Was hat man als Zuschauer davon? Recht viel. Zum Beispiel, man kann ein wenig erfahren, wie es war, wenn eine Truppe mit Kannone und Musketen von der anderen Seite einer Wiese auf einen schiesst (erstaunlich laut) und gleich danach einen schreienden Bajonettenangriff machen (erschreckend… Man ist erleichtert, wenn die kurz vor einem anhalten und laecheln.)
Ich habe nie eine re-enactment Gruppe gesehen, die sich mit der 2. Weltkrieg befasst. Das sind bestimmt nicht die Alten, die tatsaechlich dabei waren. Die hatten genug davon. Das muessen hauptsaechlich die Enkelgeneration sein.
Sorry, dass diese Antwort so lange ist. Schien mir aber angemessen, um eine Sinne davon zu geben. Jim
danke!
Sorry, dass diese Antwort so lange ist.
Schien mir aber angemessen, um eine Sinne
davon zu geben. Jim
aber jim, das war so interessant was du geschrieben hast! danke!
Echt super!
Das ist aber ein tolles Hobby! 
Wieso ist in Europa noch niemand auf die Idee gekommen?
Bilder von ‚Feast of the Hunter’s Moon‘
Good old Internet!
www.lafayette-in.com, dann „attractions“ anklicken, runterscrollen, „Fort Ouiatenon“ anklicken, unbedingt ueber Fort Ouiatenon lesen, und dann „Feast of the Hunters’ Moon“ anklicken.
Waehrend Ihr gerade dabei seid, sind andere Links unter attractions vielleicht von Interesse: Tippecanoe Battlefield (ein Schlacht, der ung. 200 Jahre spaeter als die Feasts bei Fort Ouiatenon stattfand), Wolf Park (eine Universitaetsrecherche-Anlage fuer Woelfe. Niedliche Fotos von Wolfwelpen), usw.
Vielleicht auch von Interesse: www.connerprairie.org Ungefaehr 80 km von Lafayette entfernt liegt dieses open-air living history museum, wo bezahlte re-enactors ein Dorf aus 1836 bevoelkern. Alles, was die machen ist das Resultat von Recherche und die Anlage ist sogar von einer Universitaet gefuehrt. Die re-enactors beharren sich so heftig darauf, in 1836 zu leben, wenn man mit ihnen spricht, dass man es notwendig gefunden hat, Besuchern zu erklaeren, bevor sie das Dorf betretten, dass die re-enactors nicht verrueckt sind, dass die wissen, dass es wirklich 1999 ist und dass sie nach 17:00 in ihrem Autos nach Hause fahren.
Zwischen all diesen Zeiten kann man die Gegend durch 200+ Jahren folgen und da ist ein Haufen Materielle fuer Schueler, die was fuer die Schule schreiben muessen.
Hmm - faellt mir auch ein, dass bei dem lafayette-in.com page koennte man auch Purdue anklicken. Purdue ist eine der state universities von Indiana. Wie die meisten am. Universitaeten, ist sie eine Stadt an sich - aber Purdue hat auch seinen eigenen Flughafen. Purdue nennt man „the mother of astronauts,“ weil mehr astronauten von Purdue sind, als von irendeiner anderen Universitaet. Purdue tauscht (oder hat getauscht) Professoren mit mehreren deutschen Universitaeten - mit der U. von Oldenburg und Hamburg, zum Beispiel. Sie hat ein Program fuer Purdue Studenten in Freiburg (frueher in HH), ein neues masters program in Hannover, und der Praesident von Purdue kamm als teen-ager zu den Staaten aus Deutschland, weil sein Vater als Grossindustrialist mit Hitler nicht mitmachen wollte, wenn man mir das richtig erzaehlt hat. Jim
Das re-enactment ist entweder ein
typischer Schlacht der Periode, oder ein
re-enactment von einem bestimmten
wichtigen Schlacht. Bei allen beiden
erklaert meistens ein Sprecher dem
Publikum, was die re-enacters tragen, was
man damals ass, wie man ueberhaupt lebte,
was fuer Waffen und Taktiken ueblich
waren, usw.Die re-enacters verbringen viele Stunden
beim nachforschen, um sicher zu sein,
nicht nur dass ihre Uniforme oder andere
Kleider absolut korrekt und zeit-,
rangs-, regionsgemaess sind, aber auch,
dass die Art und Weise stimmen, wie ihre
angenomene “personna” mit Anderen umgeht,
sich benimmt, spricht usw.Ich bin selber kein re-enacter, habe aber
viele solche Veranstaltungen gesehen und
bin mit den Leuten richtig imponiert.
Tja, Ich BIN einer, das gibt es nämlich auch hier in Deutschland.
Sogar schon seit einigen 100 Jahren , von den Steinzeitmenschen über Wickinger, Germanen , Landsknechte bis in die Neuzeit.
Lediglich die Bezeichnung „Reenactment“ ist relativ neu hier.
Andererseits finden viele RE ohne Öffentlichkeit statt, da unsere Gesetze extrem restrictiv sind, wenn bspw Waffen oberhalb des Taschenmessers ( also bereits der Ritterliche Hirschfänger, geschweige denn, Schußwaffen) getragen werden.
Wenn man mit den Leuten spricht, erfaehrt
man ganz schnell, dass die ihre
“Hausarbeit” gemacht haben. Einmal, zum
Beispiel, habe ich mit einem gesprochen,
der einen amerikanischen Dragoon der am.
Revolution spielte. Unter anderem erfuhr
ich zu meinem Erstaunen, dass die
Dragoons beider Seiten ihre Schwerte
absichtlich stumpf gemacht haben, damit
die sich gegenseitig nicht allzu
schreckliche Wunden machten, falls sie
sich kaempfen mussten. Das hing
vermutlich damit zusammen, was auch mir
neu war, dass die sich nicht als
Kavalerie betrachtet, sondern als eine
Art Infanterie zu Pferd, die dazu da
waren, zu einer kritischen Stelle
rechtzeitig zu reiten, untersteigen und
mit Schiesswafen eingreifen.
Nun - DA hat einer seine Hausaufgaben aber nicht so ganz gemacht : Dragoner wie bspw. die Sussex light dragoons ( übrigens mit einer besonderen Waffenfarbe -orange - gekennzeichnet) waren einfach schwere Kavallerie. Die Säbel waren aus wei weniger menschenfreundlichen Gründen stumpf:
Beim „choc“ , dem aufeinanderprallen von Kavallerie auf Feindtruppen, sollte der Säbel nicht zu tief eindringen, damit er nicht hängen blieb ! 
Die meisten Gruppen befassen sich mit der
am. Buergerkrieg. Dieser Krieg ist sehr
moerderisch gewesen, weil die Generale
ihn mit Taktiken aus der napoleonischen
Zeit kaempften, waehrend man dabei die
Waffen staendig verbesserten und man ging
von Muskete bis zum ersten
Maschinengewehr (Gattling gun) innerhalb
von vier Jahren. In der Tat starben mehr
am. Soldaten im Buergerkrieg als in allen
am. Kriegen seitdem. Daher muessen
natuerlich einige re-enacters „sterben,“
um realistisch zu sein. Aber das ist ein
Problem. Keiner will sich so viel Muehe
um die Uniform usw. geben, vielleicht
einige Tage mit dem Auto hinfahren und
danach gleich bei den ersten Schuessen
fallen und in der Sonne fuer eine halbe
Stunde oder so liegen. Ich glaube, die
entscheiden durch Los, um fair zu sein.
Nee- bei einem richtigen RE gibt es ein Szenario und im Rahmen dessen werden die Verluste grob festgelegt.
Außerdem „merkt“ ein aufmerksamer REr oft, daß er „getroffen“ wurde.
Habe bspw. bei der Verteidigung von Sharbsburg geradezu gefühlt, daß in dem Moment, als ich mein Geschütz abfeuerte, mich ein Yankee-Scharfschütze im Visier hatte: Mein „Ausfall“ war so echt, daß meine halbe Truppe auf mich zustürzte, um festzustellen, wie’s mir ging 
Was hat man als Zuschauer davon? Recht
viel. Zum Beispiel, man kann ein wenig
erfahren, wie es war, wenn eine Truppe
mit Kannone und Musketen von der anderen
Seite einer Wiese auf einen schiesst
(erstaunlich laut) und gleich danach
einen schreienden Bajonettenangriff
machen (erschreckend… Man ist
erleichtert, wenn die kurz vor einem
anhalten und laecheln.)Ich habe nie eine re-enactment Gruppe
gesehen, die sich mit der 2. Weltkrieg
befasst.
Gibt es in letzter Zeit immer mehr.
Problem dabei : Kaum einer will Aliierter sein -
Als in Rußland ein Leningrad-RE stattfinden sollte, waren fast alle russen in waschcht aussehenden SS-Uniformen angetreten- die paar Deutschen mußten dann Russen spielen.
Ähnlich mit den Amis in Hammelburg . Merke : In den SS-Uniformen stecken so gut , wie NIE Deutsche !
Aber prima Antwort für einen „Zivilisten“ ! Danke ! whk
Gemach… gemach…
s.o.P.
whk
…wo hast Du nachgesehen ?
habe in diversen Suchmaschinen einiges gefunden, weiß bnur nicht, wie ich’s hier herbringen soll.
Tip : Guck mal unter Reenactment/Reenactor ohne Bindestrich ! whk
Beispiel : Washington Artillery - Homepage
http://www.geocities.com/Heartland/Woods/3501/index…
viel glück ! whk