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Re: Was ist 'Re-enactment'?
Fuer die USA sprechend:
Bei uns gibt es Vereine von gleichgesinnten Geschichteliebhabern, die eine Periode waehlen- und weil es mit der Menschheit zu tun hat, ist meistens ein Krieg dabei - und GRUENDLICH alle Einzelheiten von Uniformen, Behalten, Sprachgebrauch (Wortwahl, Anrede-audruecken, usw.) nachforschen. Sie schliessen sich in Vereine zusammen und gemeinsam ab und zu dem Publikum ein re-enactment vorzeigen und oft dabei ein Wochenende unter sich in Zelten (periodtreu) um Lagerfeuer verbringen. Das re-enactment ist entweder ein typischer Schlacht der Periode, oder ein re-enactment von einem bestimmten wichtigen Schlacht. Bei allen beiden erklaert meistens ein Sprecher dem Publikum, was die re-enacters tragen, was man damals ass, wie man ueberhaupt lebte, was fuer Waffen und Taktiken ueblich waren, usw.
Die re-enacters verbringen viele Stunden beim nachforschen, um sicher zu sein, nicht nur dass ihre Uniforme oder andere Kleider absolut korrekt und zeit-, rangs-, regionsgemaess sind, aber auch, dass die Art und Weise stimmen, wie ihre angenomene “personna” mit Anderen umgeht, sich benimmt, spricht usw.
Ich bin selber kein re-enacter, habe aber viele solche Veranstaltungen gesehen und bin mit den Leuten richtig imponiert. Wenn man mit den Leuten spricht, erfaehrt man ganz schnell, dass die ihre “Hausarbeit” gemacht haben. Einmal, zum Beispiel, habe ich mit einem gesprochen, der einen amerikanischen Dragoon der am. Revolution spielte. Unter anderem erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass die Dragoons beider Seiten ihre Schwerte absichtlich stumpf gemacht haben, damit die sich gegenseitig nicht allzu schreckliche Wunden machten, falls sie sich kaempfen mussten. Das hing vermutlich damit zusammen, was auch mir neu war, dass die sich nicht als Kavalerie betrachtet, sondern als eine Art Infanterie zu Pferd, die dazu da waren, zu einer kritischen Stelle rechtzeitig zu reiten, untersteigen und mit Schiesswafen eingreifen.
In der Stadt Lafayette, Indiana, gibt es ueber zwei Wochenende jedes Jahr ein riesengrosses Treffen, das man “Feast of the Hunter’s Moon” nennt. Das hat mit der Zeit zu tun, als der ganze Mittlere Westen Frankreich gehoerte und Frankreich eine Serie von Pfahlfestungen hatte, die Fluesse entlang, wo die “voyageurs” auf ihre Handelsreisen, die sie mit Grosskanus von Quebec nach Nouvelle Orlean machten, aufhalten konnten. Das “Feast” befindet sich in einem Park, wo die Franzosen frueher so eine “fort” hatten. Die re-enacters sind nicht alle Soldaten, sonder auch ihre Weiber (Ehefrau oder nicht), Indianer, Jesuitenpriester, die Voyageurs selber, usw. Einmal begann ich eine Konversation mit einem, der wie ein Voyageur ausgestattet war. Weil er mir eher aussah, als ob er einen Film uber Piraten der Karabik einmal gesehen hat und verschiedene farbvolle Kleiderstuecke aus dem Kleiderregal seiner Frau ausgesucht hat, dachte ich, dass ich einen gefunden hat, der nur aus Spass dabei war. Aber er kannte sich aus. Die Voyageurs tragen eben solche Kleider, weil die sich gerne wie Pfaue ankleideten, weil die es eben fuer angemessen fanden, Geld fuer persoenlichen Schmuck auszugeben (was sonst in der Wildniss damit tun und ausserdem waren sie ja schliesslich Franzosen) und weil man die Indianer, mit denen man Handel trieb so ein farbvolles Aussehen erwarteten.
Auch dabei sind mehrere Pfeiffe und Trommel Korps. Der Aelteste von ihnen kommt eben aus Lafayette und ist einer franz. Gruppe der Periode insofern treu, dass franz. Historiker ihre Uniformen, Ausstattungen, usw. studiert haben, um die Periode nachzuforschen. Die Instrumenten, die Musik, die Befehle auf Franzoesisch, usw. sind alle echt. Die Gruppe ist sogar mehrmals in Frankreich aufgetreten, von der franz. Regierung eingeladen.
Die meisten Gruppen befassen sich mit der am. Buergerkrieg. Dieser Krieg ist sehr moerderisch gewesen, weil die Generale ihn mit Taktiken aus der napoleonischen Zeit kaempften, waehrend man dabei die Waffen staendig verbesserten und man ging von Muskete bis zum ersten Maschinengewehr (Gattling gun) innerhalb von vier Jahren. In der Tat starben mehr am. Soldaten im Buergerkrieg als in allen am. Kriegen seitdem. Daher muessen natuerlich einige re-enacters "sterben," um realistisch zu sein. Aber das ist ein Problem. Keiner will sich so viel Muehe um die Uniform usw. geben, vielleicht einige Tage mit dem Auto hinfahren und danach gleich bei den ersten Schuessen fallen und in der Sonne fuer eine halbe Stunde oder so liegen. Ich glaube, die entscheiden durch Los, um fair zu sein.
Was hat man als Zuschauer davon? Recht viel. Zum Beispiel, man kann ein wenig erfahren, wie es war, wenn eine Truppe mit Kannone und Musketen von der anderen Seite einer Wiese auf einen schiesst (erstaunlich laut) und gleich danach einen schreienden Bajonettenangriff machen (erschreckend.. Man ist erleichtert, wenn die kurz vor einem anhalten und laecheln.)
Ich habe nie eine re-enactment Gruppe gesehen, die sich mit der 2. Weltkrieg befasst. Das sind bestimmt nicht die Alten, die tatsaechlich dabei waren. Die hatten genug davon. Das muessen hauptsaechlich die Enkelgeneration sein.
Sorry, dass diese Antwort so lange ist. Schien mir aber angemessen, um eine Sinne davon zu geben. Jim