Schulbücher der NS-Zeit

Werte Experten, hallo Michael,

in den Massenmedien habe ich in all den Jahrzehnten eigentlich nur eine einzige Aussage über die Schulbücher der NS-Zeit kennengelernt. Es war eine Textaufgabe, in der die Kosten für die Unterbringung eines erbkranken Psychopathen den Lebenshaltungskosten einer deutschen Normalfamilie gegenübergestellt wurden; und der Rest der Schulbücher sei genauso menschenverachtend.

Ich habe ein Biologiebuch für die 8. Klasse Gymnasium von 1943. Angesichts des Fachs und der Zielgruppe müßte sich hier eigentlich die rassistische Indoktrination zur systematischen Ausrottung usw. in konzentrierter Form der Aufhetzung idealtypisch darstellen.
Gleichwohl erscheint mir der Inhalt des Buches bis auf eine einzige Stelle in der Vererbungslehre völlig harmlos, dort heißt es, das deutsche Volk stamme tatsächlich von einer kleinen Anzahl von Familien ab, und die Juden gehörten nicht dazu.

Ist mein Biologiebuch die große Ausnahme oder ist es die eingangs erwähnte Textaufgabe?

Gruß

Wolfgang Berger

Hallo Wolfgang,

ich hab ein Mathebuch aus dieser Zeit und das hat genau diese ganzen Texaufgaben drin - und zwar nicht wenige. Ich habe auch ein Geschichtsbuch, das echt übelst propagandistisch ist.

beste Grüße,

barbara

Hallo Barbara,

erzähl doch bitte mal ein wenig mehr über diese Textaufgaben. Geht es da immer nur um die Kosten „lebensunwerten“ Lebens, oder z.B. auch um die Berechnung des Munitions- oder Gasverbrauchs für Massentötungen usw., ich weiß es eben nicht, darum frage ich ja?

Propagandistisch sind die heutigen Geschichtsbücher natürlich auch, nur mit dem Unterschied, daß die Propaganda damals wie heute geglaubt wird.

Doch mit „übelst“ mußt Du Propaganda meinen, die darüber hinausgeht, nur zu werten, mißliebige Dinge wegzulassen, anderes sehr in den Vordergrund zu stellen. Anders gefragt: werden da Geschichtsereignisse beschrieben, die nie stattgefunden haben? Gibt es Aufrufe zu unmoralischen Handlungen, werden Juden als zu tötende Wesen dargestellt?

Gruß

Wolfgang Berger

Hi Wolfgang,

die müsst ich im Keller suchen gehen, die Bücher. Bin zur Zeit beruflich recht eingespannt, kannst mich ja in ein paar Wochen nochmal dran erinnern, dann geh ich auch mal im Keller gucken, wenn’s dich so sehr interessiert.

so aus der Erinnerung:

Das Mathebuch hatte so Textaufgaben wie: eine asoziale Familie hat so und soviel Kinder, eine deutsche Familie soundosviele, welche kostet den Staat mehr…blabla…

Das Geschichtsbuch war eine Chronik der Weimarer Zeit *grins* ausgerechnet und hieß schon irgendwie Schicksalsjahre oder sowas ähnliches …da wurde halt die Dolchstoßlegende propagiert und die Terminologie und Beschreibung der Parteien und gesellschaftlichen Gruppen war entsprechend nazimäßig. Mit Propaganda meine ich Hetze und Lüge, klar.

Warum interessiert dich das denn so im einzelnen? Du willst die Bücher doch wohl hoffentlich nicht wieder als Lernmaterial verwenden?

Propagandistisch sind die heutigen Geschichtsbücher natürlich
auch, nur mit dem Unterschied, daß die Propaganda damals wie
heute geglaubt wird.

Wo wäre denn da ein Unterschied bei deiner Ansicht*grübel*…für mich ist da ein sehr großer Unterschied. Aber wenn man den damaligen Gedankengut recht nahe steht, sieht das wahrscheinlich anders aus, vermute ich mal.

…ich müsst mal wieder in ein aktuelles Schulbuch schauen (mein Vater ist Geschichtslehrer, da lässt sich das sicher machen:smile:).
Ich bin der Meinung, der Geschichtsunterricht kann nur ein paar Basisgrundlagen legen und die Fähigkeit und das Intersse wecken, selbst neugierig weiterlernen. Zumindest in Ba-Wü hat man ja recht wenig Stunden. Was ich sehr schade finde. Auf jedenfall muss schon aufgrund der beschränkten Ressourcen eine Auswahl getroffen werden. Das ist aber immer der Fall, Objektivität gibt es nicht, nur den Versuch, objektiv zu sein.

Gruss,

barbara

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Hallo Barbara,

beruflich recht eingespannt, kannst mich ja in ein paar Wochen
nochmal dran erinnern, dann geh ich auch mal im Keller gucken,

Dankesehr, mach ich.

so aus der Erinnerung:
Das Mathebuch hatte so Textaufgaben wie: eine asoziale Familie
welche kostet den Staat mehr…blabla…

Ja klar, mir ist halt aufgefallen, daß das so ziemlich das einzige ist, was der moderne Wissensfundus der Journalistik über NS-Schulbücher zu sagen weiß.

Das Geschichtsbuch war eine Chronik der Weimarer Zeit *grins*
ausgerechnet und hieß schon irgendwie Schicksalsjahre oder
sowas ähnliches …da wurde halt die Dolchstoßlegende
propagiert und die Terminologie und Beschreibung der Parteien
und gesellschaftlichen Gruppen war entsprechend nazimäßig.
Mit Propaganda meine ich Hetze und LEe, klar.

Das habe ich mir schon gedacht, daß man ein Geschichtslehrbuch nicht so schnellschnell abhandeln kann. Vielleicht kannst Du mir später mehr darüber erzählen oder es mir mal leihen.

Warum interessiert dich das denn so im einzelnen? Du willst
die BEher doch wohl hoffentlich nicht wieder als Lernmaterial
verwenden?

Ich bin nicht so gefährlich, wie Du vielleicht glaubst. Ich suche nur nach der Wahrheit, weil es meine Pflicht ist, diese meinen Kindern zu sagen.

Ansicht*grEel*…fE mich ist da ein sehr großer Unterschied.
Aber wenn man den damaligen Gedankengut recht nahe steht,
sieht das wahrscheinlich anders aus, vermute ich mal.

Das heutige Gedankengut ist durchaus extremistisch.

Ich bin der Meinung, der Geschichtsunterricht kann nur ein
paar Basisgrundlagen legen und die Fähigkeit und das Intersse
wecken, selbst neugierig weiterlernen. Zumindest in Ba-WEhat

Da hast Du sicherlich recht.

jedenfall muss schon aufgrund der beschränkten Ressourcen eine
Auswahl getroffen werden. Das ist aber immer der Fall,
Objektivität gibt es nicht, nur den Versuch, objektiv zu sein.

Auch dem stimme ich gerne zu.

Gruß

Wolfgang Berger