Hallo Ueli,
Mike hat ja schon netterweise das DOEW gepostet:smile:.
Hier noch der genaue Link zu einem Buch, besser einer Materialsammlung, die sich genau mit deiner Fragestellung auseinandersetzt:
http://www.doew.at/publikationen/wuv/anschluss/inhal…
Um deine Frage noch verwirrender zu machen (und Eure Diskussion ;-D): Die Österreicher hatten ihren Faschismus ja ansich schon seit 1934. Wie im übrigen viele europäischen Staaten in dieser Zeit. Faschismus war Anfang der 30er „en vogue“ und Nationalsozialismus erstmal nichts besonderes im europäischen Kontext: Die Pfeilkreuzler in Ungarn, die eiserne Garde unter Corneliu Codreanu in Rumänien uswusf. - Spanien und Italien nicht zu vergessen.
Und Arbeitslager für Sozis und KPDler gabs in Österreich deshalb auch schon vor 1938.
Achso, hier eine Ausstellung in Mauthausen [KZ in Ö] zum Thema „NS-Herrschaft in Ö“ [teilweise online lesbar]:
http://www.mauthausen-memorial.gv.at/Aktuell/menu-he…
Ich persönlich denke, dass das so eine Mischung war. Deutsche waren ja auch erstmal „Piefke“, Preußen [igitt!!] + Protestanten [*örgs*], andererseits versprach der Anschluss vielleicht wieder alten Weltmachtruhm.
Wir sollten über den Versailler Vertrag nicht vergessen, dass es teilweise wesentlich härtere Vertrags-Konditionen für andere Länder gab: Österreich war vor 1918 auf dem Kontinent eine Weltmacht gewesen, nach den Verträgen in Paris [St.Germain] war es auf einen winzigen Krüppelstaat zurechtgestutzt worden. Dito Ungarn, dass [so aus dem Kopf weiß ich es nicht ganz genau] gut 70 Prozent seiner Gebiete verlor.
Ganz Südosteuropa war völlig willkürlich in kleine ungefährliche Häppchen zerstückelt worden: Ohne zu schauen, wo da Wirtschaftsgebiete und Handelslinien lagen - der Protektionsmus der einzelnen Länder tat das übrige und dann noch ab 1929 die Wirtschaftskrise…alles im allem hatte die jungen Staaten keinen guten Start und die Demokratie dementsprechend meistens auch nicht allzuviele Liebhaber…Revolutionen, politische Attentate und faschistische Bewegungen überall.
Und alle diese Staaten wurden in den 30er Jahren wirtschaftlich und politisch in eine immer größere Abhängigkeit von Deutschland gebracht. Satelliten nannte man das später im Kalten Krieg, die Deutsche wussten auch schon vorher, wie das ging.
In diesem Kontext muss man auch Österreich sehen. Einerseits hatten sie sowieso keine Wahl. Zu dem Zeitpunkt war glaube ich vielen klar, dass sich Hitler nehmen würde, was er wollte. Zum anderen versprach der Anschluss auch, eine Position in Europa wiederzuerlangen, von der man meinte, sie stehe einem zu.
So schätze ich das zumindest ein,
viele Grüße,
barbara