1919: Englische Kriegsgefangene in Russland?

Hallo

Laut Wolfgang Leonhard im Buch „Völker hört die Signale“ waren 1919 englische Kriegsgefangene in Moskau.
Wie und warum sind diese nach Russland geraten und weshalb gefangen worden?
Weshalb waren sie 1919 noch nicht repatriiert? England und Russland hatten doch bis 1917 den gleichen Feind.

Gruss
Ueli

Hallo !

Die damaligen Alliierten waren mit der russischen Monarchie verbündet, nicht mit Lenin und den Bolschewiken! Diese schlossen mit Deutschland den Separatfrieden von Brest-Litowsk.
Dieser wurde von den Alliierten nicht anerkannt.
Im allgemeinen Durcheinander in Rußland (Weiße-Rote usw) waren dann auch englisches Militärs in Rußland, selbst die Japaner waren auf der asiatischen Seite einmarschiert.
Nach dem Teilsieg Lenins wurde diese Engländer erstmal festgesetzt. Deutsche Truppen kämpften damals auch noch in den baltischen ländern, nach 1918. Der zweite Weltkrieg war längst zu Ende, aber die Kämpfe in Rußland nicht.
Gruß Werner

Hallo !

Aus den Kerenski-Memoiren :

Nach einem Monat Auslandsaufenthalt bekam ich die von russischen Beamten an mich weitergeleitete zuverlässige Information, daß in aller Eile zwei Expeditions-Korps gebildet und ausgerüstet wurden. Das eine sollte in Wladiwostok landen, um den Weg für Admiral Koltschak zu ebnen, der dort die demokratischen Behörden durch eine Militärdiktatur ersetzen sollte.
Das zweite sollte unter der Leitung des britischen Generals Poole in der gleichen Absicht in Archangelsk an Land gehen.

Ein anderer Abschnitt :

Während die neue Regierung zunächst in Samara und später in Ufa gebildet wurde, bestand weiter Kontakt mit jenen von uns, die im Ausland waren. Als jedoch das Direktorium angesichts der bolschewistisch-deutschen Angriffe nach Omsk ausweichen mußte, wurden diese Verbindungen fast vollständig unterbrochen.

Um die Vorgänge zur bolschewistischen Revolution in Rußland zu verstehen, braucht man mehr, als eine Antwort im www. Man muß ganze Bibliotheken lesen.
Am ersten Abschnitt erkennst Du, daß alliiertes Militär in Rußland war und am zweiten, daß deutsche Truppen noch lange nach Kriegsende in Rußland waren und auf Seiten der Bolschewiken kämpften.
Die militärische Zusammenarbeit UdSSR-Deutschland ging bis zum Anfang des 2. Weltkrieges. Deutsche wurden in der UdSSR am Flugzeug und Panzer ausgebildet. Die UdSSR kaufte Waffen in Deutschland. Unter anderem den Schweren Kreuzer „Lützow“ während der Bauphase.
Gruß Werner

Ind en baltischen Ländern kämpften nach dem vertrag von versaille keine regulären dt. Truppen sondern vielmehr die Freikorps…

Ind en baltischen Ländern kämpften nach dem vertrag von
versaille keine regulären dt. Truppen sondern vielmehr die
Freikorps…

Hallo !

Und? Eben deutsche Trupen, mit Genehmigung und im Auftrag der Republik!
Freikorps
Freikorps hießen die zu Beginn der Weimarer Republik aus heimkehrenden Truppenteilen rekrutierten Freiwilligenverbände. Sie hatten die Aufgabe, die innere Ordnung wiederherzustellen.
Die OHL widersetzte sich zunächst ihrer Aufstellung, da sie dem Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht widersprachen. Angesichts der Bedrohung der deutschen Ostgebiete durch einen polnischen Aufstand gab sie am 16. November 1918 aber doch ihre Zustimmung. Den Kern der Freikorps stellten Sturmkompanien aus Offizieren und Unteroffizieren. Im März umfaßten sie 250.000 Mann. Diese Soldaten waren auf Zeit verpflichtet, erhielten höheren Sold als die normale Truppe und standen unter strenger Disziplin. Ihr Kampfwert war hoch, ihre Zuverlässigkeit jedoch fraglich.

Gruß Werner

Noch etwas!

Friedensvertrag von Brest-Litowsk
Der Friedensvertrag von Brest-Litowsk wurde am 3. März 1918 zwischen dem Deutschen Reich und der bolschewistischen Regierung Rußlands geschlossen. Er verschaffte den Bolschewisten eine nötige „Atempause“, da er ihre Herrschaft dadurch stützte, daß sie nun vom Deutschen Reich anerkannt und nicht mehr bekämpft wurden.
In dem Vertrag wurden Polen, Litauen und die Provinz Kurland (in Lettland) von Rußland abgetreten. Die politischen Verhältnisse in diesen Ländern sollten vom Deutschen Reich und Österreich-Ungarn im Einvernehmen mit der dortigen Bevölkerung gestaltet werden. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung blieben deutsche Polizeitruppen in Livland (Lettland) und Estland stationiert. Die Bolschewisten erkannten die Ukraine und Finnland als selbständige Staaten an und verpflichteten sich, die gesamten Streitkräfte zu demobilisieren. Die Truppen der Mittelmächte sollten sich nach einem allgemeinen Friedensschluß aus den besetzten Gebieten zurückziehen. Die Zahlung von Reparationen durch Rußland war zuerst nicht vorgesehen, in einem Ergänzungsvertrag vom 27. August 1918 mußte sich Rußland aber zur Zahlung von 6 Milliarden Goldmark bereit erklären. Außerdem wurden Estland und Lettland endgültig aus dem russischen Staatsverband gelöst.
Deutsche „Polizeitruppen“ waren sicher keine Polizeibeamten im heutigen Sinn, sondern Reichswehr mit Ordnungsaufgaben.

Gruß Werner

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