Hallo, Kai!
Ich glaube die Engländer räumten den Juden im heutigen Israel
nach dem 2.WK das „Land“ ein, aber wohnten dort nicht schon
vorher zB. Palästinenser o.ä.?
Gaben diese sich denn damit zufrieden, oder gab es sogar
Verträge bzw. iergendwelche Abmachungen, um dies zu regeln?
Schwieriges Thema.
Fangen wir trotzdem an:
Aus religiöser Sicht ist das Land zwischen Mittelmeer und Jordan für Menschen jüdischen Glaubens das „gelobte Land“, das ihnen von Gott zugewiesen wurde (siehe auch Altes Testament, Auszug der Israeliten aus Äqypten unter Moses). Das Land kam später unter die Herrschaft Roms, ständig gab es Aufstände. Schließlich wurde es den Römern zu bunt. Im Jahre 70 n.Chr. zerstörten sie Jerusalem samt dem sog. „Zweiten Tempel“ und verwiesen die meisten Juden des Landes (angeblich sollen in dieser Zeit über 1 Mio Juden umgekommen sein). Der letzter Widerstand wurde 73 n.Chr. bei Masada gebrochen.
In den nächsten 1.800 Jahren lebten die Juden über die ganze Welt verstreut. Im 19.Jahrhundert bildete sich eine politische Bewegung, die eine Rückführung der Juden in das Gebiet des heutigen Israels zum Ziel hatte. Führender Kopf dieser Bewegung war Theodor Herzl, die Bewegung wurde als „Zionismus“ genannt (Zion ist eigentlich ein Hügel in Jerusalem, wird aber in diesem Zusammenhang als Kern eines jüdischen Staates benutzt).
Zu dieser Zeit war das Gebiet des heutigen Israels Teil des Osmanischen Reiches. Das Land gehörte größtenteils entweder reichen türkischen Großgrundbesitzern, osmanischen Beamten oder wohlhabenden Ausländern. Ende des 19.Jahrhunderts begannen reiche Juden, jedes Fitzelchen Land aufzukaufen, teilweise zu exorbitanten Preisen. Die dort lebenden Araber waren damals stark nomadisch geprägt, lebten von ihren Herden und betrieben so gut wie keinen Ackerbau (das Land ähnelt damals mehr einer Wüste denn einem „gelobteb Land“).
Da das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg auf Seiten Deutschlands/Österreich-Ungarns gekämpft hatte, verlor es 1918 riesige Gebiete an die Briten und Franzosen. Großbritannien übernahm u.a. die Kontrolle über das Gebiet diesseits und jenseits des Jordans (Palästina). Der Anteil des Landes in jüdischem Besitz stieg von 42.000 ha (1914) auf 160.000 ha (1948). In den 20ern und 30ern stieg die Zahl jüdischer Einwanderer drastisch an, es kam zu ersten Konflikten mit den ansässigen Arabern. Die Briten versuchten zu schlichten. Während des Zweiten Weltkrieges und der Verfolgung der Juden durch die Nazis nahmen die Einwanderungszahlen enorm zu. Die Briten versuchten die Quoten zu regeln (u.a. durch Festhalten von Einwanderungsschiffen in Zypern, damals auch britisches Mandatsgebiet).
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war die jüdische Bevölkerung in weiten Teilen des heutigen Israels in der Mehrheit. Der Ruf nach Selbständigkeit von den Briten wurde laut. Die ganze Angelegenheit ging vor die UNO, die seit 1945 die Kontrolle über Palästina hatte. Sollte das Gebiet unabhängig werden? Die UNO stimmt mit 33 Ja und 13 Nein bei 10 Enthaltungen dafür. Sofort brachen Unruhen aus.
Am 14.Mai 1948 wurde Israel unabhängig. Am darauffolgenden Tag griffen die Armeen von fünf arabischen Staaten an (Ägypten, Jordanien, Syrien, Irak, Libanon). Gleichzeitig wurden alle Araber innerhalb der Grenzen Israels von den angreifenden Staaten aufgefordert, sofort ihre Ländereien zu verlassen, bis der Krieg beendet und Israel ausgelöscht sei. Der Krieg schleppte sich über 15 Monate hin. Entgegen allen Erwartungen behauptete sich Israel und brachte Nordgaliläa unter seine Kontrollen. 1949 wurde dann ein Waffenstillstand geschlossen (außer mit dem Irak). In den arabischen Nachbarstaaten gab es erste Flüchtlingslager von heimatlosen Palästinensern.
Nach dem Waffenstillstand mit den Arabern im Jahre 1949 lagen über zwei Millionen Hektar Land innerhalb der israelischen Grenzen, über die Hälfte davon unkultivierbare Wüste. Knapp 90% waren Staatsbesitz, hauptsächlich aus britischem Mandatsboden stammend. Kurz vor dem Krieg besaßen jüdische Besiedlungsorganisationen (JNF, PICA) etwa 125.000 Hektar, einzelnen Juden gehörten rund 50.000 ha. Nicht geflohenen Arabern gehörten zu diesem Zeitpunkt 85.000 ha Land.
Mit der Proklamierung des jüdischen Staates und dessen Sieg über die arabischen Angreifer ergab sich ein erheblicher Bevölkerungsaustausch: 600.000 Araber verliessen das Land, und eine ungefähr gleiche Anzahl von Juden kamen aus arabischen Ländern - vertrieben oder rechtzeitig fliehend - nach Israel. Ein Großteil der verlassenen arabischen Böden wurde für diese jüdischen Flüchtfinge verfügbar gemacht.
1950 trat das «Absentee Property Law» in Kraft, mit dem verlassener arabischer Boden dem Staat oder dem Jüdischen Nationalfond übertragen wurde. Dieser Boden kann nicht in Privateigentum übergehen.
Eine Enteignung von Grund und Boden, das sich im Besitz arabischer Bürger befand, hat es im Rahmen der Staatsgründung Israels nicht gegeben.
Grüße
Heinrich