Leni Riefenstahl

Lieber Experte/In,
für die Examensarbeit unserer Tochter benötigen wir eine Auskunft über Leni Riefenstahl. Die Frage lautet:

Leni Riefenstahls Olympiafilm von 1936 wurde 1958 von einem Gremium in den USA zu einem der 10 besten jemals gedrehten Filme gewählt.
Meine Frage: Um welches Gremium handelt es sich?
Welche Bedeutung kann man der Auszeichnung beimessen?
Vielen Dank im Voraus
Heike Christiansen
Ebenfalls Grüße
Uwe C. Christiansen

Hallo Uwe,

der Film wurde am 20. April 1938 [Führergeburtstag] uraufgeführt. vorher aber schonmal privat gezeigt. Besser gesagt: Es sind zwei Filme: Teil I: „Fest der Völker“ und Teil II „Fest der Schönheit“.

Filmographie:
http://www.leni-riefenstahl.de/deu/film.html

Die Filme haben mehrere Auszeichnungen bekommen, 1937 die Goldmedaille der Weltausstelung in Paris, auf dem Filmfestspielen in Venedig 1938 als „bester ausländischer Film“ ausgezeichnet. 1948 bekam Leni Riefenstahl per Diplom vom IOC eine Goldmedaille zugesprochen.

Doch konkret zu deiner Frage: Ich habe diese 1958 Geschichte auch überall gelesen im Netz, ich habe zu Hause alle Riefenstahl Biographien und noch ein bisschen mehr, ich schau nochmal, ob ich hier anderes finde, diese Sache mit den „10 besten Filmen“ wird nirgendwo richtig vertieft dargestellt. Was ich gefunden habe, ist folgendes: "Schon 1939 versuchte das New Yorker Museum of Modern Art einen repräsentativen Überblick über die Filmgeschichte. Und 1958 wurden anläßlich der Brüsseler Weltausstellung renommierte Kritiker aus aller Welt gebeten, die »Besten zwölf Filme der Filmgeschichte« zu benennen. Die Reihenfolge mag sich geändert haben, die Filmtitel und hauptsächlich die Namen der Regisseure wären wohl auch heute noch in jeder Hit-parade zu finden: Eisensteins »Panzerkreuzer Potemkin«, de Sicas »Fahrraddiebe«, Chaplins »Goldrausch«,
Dreyers »Die Passion der Jeanne d’Arc«, Renoirs »Die große Illusion«, Stroheims »Greed«, Griffith’ »Intolerance«, Pudowkins »Mutter«, Welles’ »Citizen Kane«, Dowshe n-kos »Erde«, Murnaus »Der letzte Mann«, Wienes »Das Kabinett des Dr. Caligari«.

zitiert aus: http://www.kreidestriche.de/onmerz/pdf-docs/engelhar… [Achtung große Datei]

Also keine Riefenstahl unter den besten zwölf bei einer Expertenbefragung 1958. Hm! Ich schau das aber zu Hause nochmal nach, was in ihrer Biographie dazu steht. Da komme ich frühstens heute sehr spät abends oder morgen dazu.

Beste Grüße,

barbara

Das Film-Gremium/Birth of a Nation
Hallo Uwe,

also ich habe nochmal in Leni Riefenstahls Biographie gewühlt.

1958 sollte der Film nochmal in den (deutschen) Kinos gezeigt werden. Die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) war sich offensichtlich nicht sicher, ob der Film nicht Nazi-Propaganda ist. Daraufhin schrieb der für die Durchführung der Olympischen Spiele 1936 verantwortliche Generalsekretär, Prof Dr. Carl Diem 1958 einen Empfehlungsbrief an die FSK, in dem er u.a. erklärte, dass der Film 1956 (!) in den „USA von einem Gremium bekannter Filmregisseure unter die zehn besten Filme der Weltproduktion eingestuft“ wurde (Leni Riefenstahl, Memoiren 1945-1987, S. 173ff.)

Mehr habe ich nicht gefunden.

Also 1956 ja, nicht 1958.

Was das wert ist? Da ich nicht herausgefunden habe, was das für Filmregisseure waren, kann ich das nicht sagen.

Dass aber Riefenstahls Filme von der Technik, vor allem ihre Schnitttechnik und ihre Kameraperspektiken, ihre Dramatik Filmgeschichte geschrieben hat, ist unbestritten. Die Olympiafilme habe ich auf Video, „das blaue Licht“, der das Highlight ihres Schaffens sein soll (1932, ihr erster Film als Regisseurin), habe ich ledier (noch) nicht gesehen.

Außerhalb Deutschlands werden ihre Filme als „Lehrfilme“ verwendet. Selbst „Triumph des Willens“ über den Parteitag 1935 hat Kameraperspektiven und -fahrten, die man so noch nicht gesehen hat.

Ich selbst halte sie für bestenfalls politisch ignorant, aber künstlerisch genial.

Ihre Ästhetik wird aber auch als „faschistische“ Ästhetik diskutiert. (Susan Sonntag z.B.)

Wie auch immer, da kann man spannend drüber diskutieren.

Birth of a Nation

Der erste „Spielfilm“, ein Meilenstein der Filmgeschichte und technischer Innovation, eigentlich die Geburt des Spielfilms wie wir ihn heute kennen, ist z.B. „Birth of a Nation“ von D.W. Griffith 1914. Der Film wird heute auch als Reklamefilm innerhalb Kukluxklans verwendet. Es handelt vom amerikanischen Bürgerkrieg ( sowohl Vom Winde verweht als auch Fakeln im Sturm haben hier schamlos geklaut) und ist übelst rassistisch (die Helden sind die Kukluxklan-Männer). Trotzdem wurde hier fast alles, was heute einen guten Spielfilm ausmacht, das erste Mal versucht.

Beste Grüße,

barbara