Währungsreform 1948/Detailfragen

Hallo,
nachdem wir gerade eine Währungsumstellung haben, frage ich mich, wie das 1948 genau war, also z.B.

  1. Wie wurden die Münzen in Umlauf gebracht? (bisher habe ich in den Filmen immer nur 20 DM-Scheine, des „Kopfgeldes“ gesehen)
  2. Wovon wurden die ersten Löhne bezahlt? (Die Unternehmer selbst haben ja auch nur 20 DM bekommen, oder?)
  3. Wie wurde die Echtheit der neuen Scheine/Münzen festgestellt?

Cu Rene

Hallo,
nachdem wir gerade eine Währungsumstellung haben, frage ich
mich, wie das 1948 genau war, also z.B.

  1. Wie wurden die Münzen in Umlauf gebracht? (bisher habe ich
    in den Filmen immer nur 20 DM-Scheine, des „Kopfgeldes“
    gesehen)

Hallo!
Es gab anfangs nur Scheine. Bis runter zum 0,10DM-Schein.

  1. Wovon wurden die ersten Löhne bezahlt? (Die Unternehmer
    selbst haben ja auch nur 20 DM bekommen, oder?)

Wie gesagt, es gab Kleingeld in Scheinen. 10 Pfennig, 50 Pfennig, 1 DM.

  1. Wie wurde die Echtheit der neuen Scheine/Münzen
    festgestellt?

Damals machte sich niemand Gedanken um Falschgeld. (1948) Die DM wollte doch niemand haben.
Gruß Max

Cu Rene

Hallo !

Noch etwas:

Du mußt Dir 1948 etwas anders vorstellen als die Zeit heute. Es gab das Problem kaum, daß jemand gearbeitet hat und dafür einen bestimmten Lohn bekam.
Die meisten Leute hamsterten sich durch die Gegend. Mein Vater arbeitete, wie viele Männer damals, beim „Labour Service“ (Arbeitsdienst). Das waren Hiwis für die englische Besatzung. putzen, aufräumen und Blindgänger einsammeln. Bezahlt in Naturalien. Und Zigarettenkippen!!
Meine Tante mit meiner Schwester fuhren von uns in Mehrtagesreisen (200 km) nach Hamburg, besorgten sich dort Waren, die es hier auf dem Dorf nicht gab im Tausch mit Schinken und anderen landwirtschaftlichen Dingen.
Ich, als 9 jähriger, wohnte damals in den Sommerferien in Hamburg bei Verwandten und schmuggelte aus der Innenstadt Kaffee aus HH raus. Das täglich mehrmals mit der S-Bahn. Das muß sich gelohnt haben, meinen Verwandten ging es gut.
In den Herbstferien mußten/wollten wir Kinder beim Bauern in die Kartoffeln. Für 2,60 DM 5-6 Stunden. (Also 0,50 Stundenlohn) Und Vesper.

Wenn man damals anfing Stundenlöhne zu zahlen, bewegten sich diese im Bereich von unter einer DM.
Mein Stundenlohn als Maschinenschlosser 1959 (11 Jahre später) war 1,83 DM. Also hatte man keine Probleme, Personal, so man welches hatte, auszuzahlen.

Es hat keinen Zweck, diese chaotische Zeit mit der heutigen vergleichen zu wollen. Die meisten Menschen in Deutschland bewegten sich im fastkriminellen Bereich, nur um die Familien satt zu bekommen. Die DM brachte nicht das Paradies auf Erden. Auch, wenn die Läden plötzlich voll waren, kaufen konnte sich kaum jemand etwas. 1948 fing nicht das Paradies an, sondern die Wirtschaft kam langsam auf die Beine.
Gruß Max

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Hallo,

  1. Wie wurden die Münzen in Umlauf gebracht? (bisher habe ich
    in den Filmen immer nur 20 DM-Scheine, des „Kopfgeldes“
    gesehen)

anfangs gab es nur Geldscheine, auch für Kleingeld. Aber scvhon 1949 wurden die ersten 10 Pfennig-Münzen geprägt, spätrer auch solche zu 50 Pfennig und andere.
Und da es noch keine Bundesbank gab (es gab ja auch noch keine Bundesrepublik) trugen diese Münzen den Aufdruck „Bank deutscher Länder“. Die waren bis vor 4 Tagen noch offizielles zahlungsmittel und mit etwas Glück konnte man mal eine in der Geldbörse finden. nicht unbedingt wegwerfen, wer noch eine hat, die haben (je nach Ausgabjahr 1949 oder 1950 und Prägestätte) zum Teil heute schon erheblichen Wert, das kann nur mehr werden…

Gernot Geyer

Danke,

Du mußt Dir 1948 etwas anders vorstellen als die Zeit heute.
Es gab das Problem kaum, daß jemand gearbeitet hat und dafür
einen bestimmten Lohn bekam.

interessant sich mit einem Zeitzeugen zu unterhalten (meine Eltern waren damal noch zu jung). Ich habe an größere Handwerksbetriebe und Industriebetriebe (VW, IG-Farben-Nachfolger, etc.), die es damals schon gab, gedacht.

Cu Rene

Hallo Rene,

Ich habe an größere Handwerksbetriebe und Industriebetriebe
(VW,IG-Farben-Nachfolger, etc.), die es damals schon gab,
gedacht.

Bei der Industrie/Handel/Gewerbe laufen die Währungsumstellungen etwas anders ab als für OttoNormalbürger.
Z.B. bekamen ja die Händler diesesmal schon einige Tage früher an die Euro-Scheine und groessere Mengen Geld - natürlich mit der Auflage nix vor dem 1.1.2002 in Umlauf zu bringen.
Grossbetriebe haben schon seit Jahr und Tag alles (incl.Lohn) in Euro gerechnet und bloss noch wo es nicht anders ging (Lohn, Finanzamt) DM ausgewiesen.
Ich kann mir aber denken, dass damals jeder Geschäftsinhaber pro Beschäftigten (war ja irgendwo sprich Krankenkasse/Finanzamt gemeldet) 20 DM (bzw. die Lohnsumme) abheben durfte + x % vom Monatsumsatz, um Bareinkäufe fürs Geschäft zu erledigen.

Tschuess Marco.

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Ich habe an größere Handwerksbetriebe und Industriebetriebe (VW,
IG-Farben-Nachfolger, etc.), die es damals schon gab, gedacht.

Hy, soviel ich mitbekommen habe, wurde Kapitalvermögen auch umgestellt, ebenso Papiergeld. Wenn ich mich recht erinnere, das Papiergeld in einem Wert von (fast-unendlich)-zu-nichts, das hat damals kaum einer mehr gemacht. Das Kapitalvermögen (auf Konten und so) wurde irgendwie 100:1 oder so umgestellt. Ich weiss, das hat es gegeben, aber ich kenne den Kurs nicht. Da es nicht mehr viel Kapitalvermögen hab, bzw. es durch die Inflation ja eigentlich wertlos war, hatte hier ein Privatmann normalerweise nichts mehr. Bei Unternehmen war dies ja anders, die hatten entsprechendes Vermögen, wobei es als Vermögen zu bezeichnen auch nicht ganz so richtig ist. Durch diese Umstellung konnten Löhne bezahlt werden. Mit Sicherheit war man damals aber auch schon froh, bei einem solchen Konzern zu arbeiten, da man ja Aussichten hatte, eine sichere Arbeit zu haben. Daher hat man sicherlich nicht als erstes an den Lohn gedacht.

Noch ein persönliches Statement: Heute fängt man ja erst an etwas zu machen, wenn man ganz genau weiss, was unterm Strich für einen rausschaut. Das war damals m.E. anders, da man einfach in Vorleistung ging, in der vagen Hoffnung, dass man dadurch mal überleben könnte. Das soll jetzt nicht diskutiert werden - aber es musste mal raus.

Viele Grüsse,

Michael

Hallo,
ich habe mir die ganzen Antworten durchgelesen und war nicht schlauer als vorher. Daher habe ich „Währungsreform“ bei Google eingegeben und da findet man unter den verschiedenen Rubriken alles was man darüber wissen will, gesetzliche Grundlagen, Umtauschverhältnisse etc.
Gruss
Rainer

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Hallo,

Bei der Industrie/Handel/Gewerbe laufen die
Währungsumstellungen etwas anders ab als für OttoNormalbürger.
Z.B. bekamen ja die Händler diesesmal schon einige Tage früher
an die Euro-Scheine und groessere Mengen Geld - natürlich mit
der Auflage nix vor dem 1.1.2002 in Umlauf zu bringen.
Grossbetriebe haben schon seit Jahr und Tag alles (incl.Lohn)
in Euro gerechnet und bloss noch wo es nicht anders ging
(Lohn, Finanzamt) DM ausgewiesen.

Ich bin selbst (Klein-)Unternehmer, und hatte den Euro schon im November im Tresor, so bin ich auch auf die Frage gekommen. Damals war aber alles geheim. Das neue Geld kam ja quasi über Nacht.

Cu Rene

Danke,

ich habe mir die ganzen Antworten durchgelesen und war nicht
schlauer als vorher. Daher habe ich „Währungsreform“ bei
Google eingegeben und da findet man unter den verschiedenen
Rubriken alles was man darüber wissen will, gesetzliche
Grundlagen, Umtauschverhältnisse etc.

Hatte ich natürlich vorher gemacht, auch schon einige andere Fragen beantwortet bekommen, aber das richtige wohl übersehen (falls es existiert)

Cu Rene

Hallo Rene,

Ich bin selbst (Klein-)Unternehmer,

freiberuflicher Physiker ? Im Ernst: Was für eine Art Business betreibst Du denn ?

und hatte den Euro schon
im November im Tresor, so bin ich auch auf die Frage gekommen.
Damals war aber alles geheim. Das neue Geld kam ja quasi über
Nacht.

Ich denke, die 20 DM-Story dominiert die öffentliche Wahrnehmung, da davon alle Betroffen waren. Die paar 100.000 Unternehmer, für die ein anderes Proceder galt, fallen da eher unter den Tisch.

Tschuess Marco.

Hallo, René,
ich erinnere mich auch noch gut der 10-Pfennig-Scheine :smile: allerdings war ich damals noch nicht so an Geld interessiert als daran, den Bauch vollzubekommen.

Das Chiemgau-Gymnasium hat ein Geschichtsprojekt zum Thema gemacht, wie ich finde recht beachtlich und gut aufbereitet. Vielleichcht magst Du es dir mal ansehen? http://home.chiemgau-online.de/~CHG-TS/
Ebenfalls sehr umfangreich und detailliert ist der Text hier http://www.teachers-online.com/papers/vol-002/p-006/…
Auch ein Museum zur Währungsreform 1948 gibt es: http://www.fuldatal.de/kommunal/sehensw/dm.htm
So, ich denke, das ist erst mal genug Material :smile:
Besten Gruß
Eckard…

Hallo,
die links die Eckhart angegeben hat stehen glaube ich alle auf der ersten Seite bei google, ich habe mir einige angesehen, es wird umfassend alles erklärt. War mein Eindruck beim flüchtigen überlesen.
Gruss
Rainer

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