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Re: Kindergarten
Hallo,
unser Sohn gehörte auch zu der Kategorie (noch nie ein Kind gesehen, daß sich so problemlos in eine Gruppe einfügt), was vielleicht daher kam, daß er seit dem ersten Lebensjahr halbtags bei einer Tagesmutter war. Er wollte schon mit 2 unbedingt in den Kiga (die Tagesmutter hatte zu dem Zeitpunkt gerade ein Kind, das in den Kiga kam). Als er dann endlich drin war (an seinem dritten Geburtstag), wollte er zum Frühdienst hin und zum Spätdienst abgeholt werden (von 7 Uhr 30 bis 17 Uhr). Das ging wirklich eine Zeitlang so. Dann habe ich angefangen zu arbeiten (ganztags) und nach ca. zwei Monaten alles prima, kam plötzlich der Einschlag. Einige Tage verbrachte ich mehr als zwei Stunden morgens im Kiga, um ihn abzugeben. Er weinte, er tobte, er schrie, er klammerte - und ich hatte ein schrecklich schlechtes Gewissen. Geholfen hat mir die Kindergärtnerin. Nach dem zweiten oder dritten Tag hat sie mich vor die Tür geschoben und gemeint, sie mache das schon, ich sollte mir keine Sorgen machen (ich habe dann trotzdem ein paar Tage lang angerufen, um mir jedes Mal zu bestätigen, was ich schon aus früherer Erfahrung bei der Tagesmutter kannte: sobald ich raus war, ging es meinem Sohn großartig, die Tränen waren wie weggeblasen! Nachmittags begrüßte er mich freudestrahlend und ohne jeden Vorwurf!).
Was unser Sohn - und vermutlich auch ihr Kind erreichen will, ist einfach folgendes: Die Lebenssituation hat sich geändert. Alles ist anders als bisher. Welchen Einfluß kann ich (als Kind - natürlich nicht in dem Alter so bewußt!)auf diese neue (deshalb muß ich ja testen, altbekannte Situationen, da weiß ich ja schon, wie die Eltern reagieren) Situation nehmen, wie sie zu meinem Vorteil verändern? Kann ich Theater machen und damit erreichen, daß Mama nicht mehr arbeiten geht? Daß ich nicht mehr in den Kindergarten muß? Mit Mama mehr zusammen sein kann?
Hilfreich ist Konsequenz (also nicht nachgeben!) und ihm/ihr aufzählen, welche Vorteile die Trennung hat (wir freuen uns darauf, uns wiederzusehen, wenn keiner weggeht, kann aber keiner wiederkommen! Mama und Papa sind ausgeglichener und toleranter, wenn sie ihre Aufgaben erledigt haben. Du kannst doch deine Freundin, deinen Freund dann nicht treffen, wenn du nicht in den Kindergarten gehst. Es geht uns finanziell besser (wir können mehr Spielzeug kaufen, gemeinsam in Urlaub fahren). Entsprechende Erklärungen müssen natürlich wahr sein und in dem Kind verständlicher Sprache ausgedrückt werden. Außerdem müssen sie auf Sie und ihre Familie zutreffen, also keine Allgemeinplätze!)
- Übrigens, diese Situationen kommen offenbar immer wieder. Unser Sohn ist jetzt 8 und wieder mal gerade in einer Phase, wo ich ihm klar machen muß, warum ich arbeiten gehe (jetzt ist ein Alter erreicht, wo er versteht, daß ich auch (!) Arbeiten gehe, weil es mir Spaß macht), warum Eltern und Kinder nicht ständig aufeinander hocken (sollten) usf. Tatsache ist, daß die Kinder dies sehr wohl begreifen (!) und den Eltern die Abwesenheit auch nicht (!) übel nehmen, sofern sie adäquat (altersgemäß und in liebevoller Umgebung) untergebracht sind. Und die Eltern in der gemeinsam zu verlebenden Zeit dann auch offen sind für das Kind.
Unser zweiter Sohn (zweieinhalb) zeigt jetzt auch erste Anzeichen einer solchen Entwicklung (bei der Tagesmutter). Das tun also wohl alle Kinder.
MfG
Susanne Mensah