Hochbegabung oder elterliches Wunschdenken?

Von: , Frage gestellt am Mi, 13. Okt 2004

Hallo,

kommt es mir nur so vor oder ist in letzter Zeit jedes 3. Kind "hochbegabt" nur weil es vor der Zeit Schuhe binden oder lesen kann?

Ich beobachte immer mehr Eltern, die angeblich gleich mehrere hochbegabte Kinder haben, die natürlich entsprechend gefördert werden müssen - *Stress* (= allerlei nachmittägliche Beschäftigungen deren Sinn und Spass dahingestellt bleibt).

Ich bin da eher skeptisch, so wie jedes laute, schlecht erzogene und zappelige Kind neuerdings ADS hat, und jedes Kind mit trockener Haut Neurodermitis, gibts es nun plötzlich Massen von Hochbegabten Kindern?

Ich möchte klarstellen, natürlich gibt es hocbegabte Kinder, Neurodermitis und ADS Kinder - aber mir kommt es so vor als wären diese Erkrankungen zum Teil auch gerade "in".

*grübelgruss*
Rahja

29 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 19 Minuten 1 hilfreich
    Jein....

    Hallo,

    einerseits - andererseits....

    Einerseits sind Eltern heute sensibilisierter und besser aufgeklärt über die Existenz von Hochbegabung und AD(H)S. Für tatsächlich betroffene Kinder ist das ein Segen.

    Andererseits ist Hochbegabung für viele ehrgeizige Eltern etwas besonders tolles, das hebt die Eltern auch gleich mit hoch. Meistens sind diese Kinder dann nicht wirklich hochbegabt, spätestens nach einem Test werden solche Eltern ganz ruhig.

    AD(H)S wird bei so manchem ungezogenen Fratz als elterlicher Verdacht vorgeschoben.

    Eltern und Kinder, die tatsächlich betroffen sind, leiden unter all den Pseudos. Lehrer und Erzieherinnen verdrehen nur noch die Augen, wenn schon wieder so eine Eislaufmutter daherkommt...

    Ich hatte das Glück, dass die HB meiner ältesten Tochter zuerst dem Arzt und dann der Lehrerin auffielen, bevor das so sehr Mode war, so dass vermutlich in der Schulakte ein Hinweis ist "KEINE ehrgeizigen Eltern". Trotzdem vermuteten damals plötzlich ganz viele Miteltern, auch ihr Kind könne doch hochbegabt sein.... das nervt !

    Im echten Leben sprechen wir kaum darüber, leider fällt die HB immer mal wieder auf (Kinder sind jünger als Klassenkameraden), bzw. die Hyperaktivität unseres Jüngsten läßt sich nicht verstecken.

    Seid alle froh, wenn Ihr mit HB und AD(H)S nichts zu tun habt und Eure Kinder ganz normale Schullaufbahnen haben !

    Viele Grüße,

    Inselchen (die es als Kind sehr viel leichter gehabt hätte, wenn damals schon eine Diagnostik stattgefunden hätte)

    • Antwort von nach 54 Minuten 2 hilfreich
      HB ist nicht immer ein Segen

      Hallo zusammen!

      Inselchen hat es schon ziemlich auf den Punkt gebracht.

      Hinzufügen möchte ich, dass es nicht nur ein Segen ist, wenn man HB ist. Die landläufige Ansicht dazu lautet:"da braucht man dann ja nix mehr für die Schule tun, klasse!"
      Weit gefehlt!
      HBs laufen mit extrem feinen Antennen durch die Gegend, sind häufig schneller frustriert (so war´s bei uns) und sind mitnichten die Kings in ihrer Klasse.
      Übrigens sind wir nicht immer mit dem Wörterbuch hinter unserem Sohn hergelaufen oder haben sonstwie versucht, ihn zu trainieren.
      Ich schrieb es schonmal in einem anderen thread.
      Ebensowenig, wie man ein Kind am Wachsen hindern kann indem man ihm einen Brockhaus auf den Kopf legt, kann man HBs am Aufsaugen all dessen hindern, was sie interessiert.

      Dass heute Abweichungen von der "Norm" (blöder Begriff, aber mir fällt grad kein besserer ein) schneller ans Licht kommen mag einfach an der aufgeklärteren Gesellschaft und höheren Informationsdichte liegen.

      Angelika

  2. Antwort von nach 47 Minuten 2 hilfreich
    Hochbegabtenschwemme

    Moin, kommt es mir nur so vor oder ist in letzter Zeit jedes 3. Kind
    "hochbegabt" nur weil es vor der Zeit Schuhe binden oder lesen
    kann?
    Nur jedes 3. ? *g*.

    Wenn mir Eltern von ihrem "hochbegabten" Kind erzählen, dann frag ich nur, welche Probleme das Kind denn hat. Ernte ich für diese Frage verständnislose Blicke, hake ich diese ohne weiteren Kommentar ab.

    Gruß
    Marion

    • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
      Re: Hochbegabtenschwemme

      Hallo Marion,

      ich habe du hast den Eindruck, jedes hochbegabte Kind hat Probleme, und wes es keine hat, kann es nicht sein, dass es hochbegabt ist? Oder habe ich das jetzt falsch verstanden?

      VG

      gipsy

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^2: Hochbegabtenschwemme

        Moin gipsy,

        doch, du hat mich ganz richtig verstanden. Hochbegabte Kinder sind definitiv "anders" als durchschnittliche oder "nur" begabte Kinder und "Anders sein" bringt immer direkt darauf bezogene Probleme mit sich (die nicht hochbegabte Kinder eben nicht haben).

        Gruß
        Marion

        • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
          Re^3: Hochbegabtenschwemme

          Hallo Marion,

          die meisten Hochbegabten sind erfolgreich, sowohl schulisch als auch im sozialen Bereich. Viele fallen nicht weiter als durch gute Leistungen auf, und selbst das fällt meist nicht besonders auf.

          Nur - die "problemlosen" Fälle werden oft gar nicht getestet, warum auch? Hören tut man immer wieder von denen, die Probleme haben. Die aufgrund von Unterforderung, Ignoranz oder gar Mobbing und anderen Gründen oder Komorbitäten große Schwierigkeiten haben. Das mag den Eindruck erwecken, dass Hochbegabte immer Schwierigkeiten haben und überall anecken. Es ist aber keinesfalls so, dass Hochbegabung zwangsläufig Probleme bedeutet, sondern ganz im Gegenteil. Aber wie gesagt, ober die problemlosen Fälle hört man selten etwas.

          Viele Grüße

          gipsy

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^3: Hochbegabtenschwemme

          Hallo Marion,

          ein hochbegabtes Kind kann im schulischen, emotionalen, sozialen oder körperlichen Bereich Probleme haben.

          Das ist aber kein MUSS sondern ein KANN.

          http://www.logios.de/ kann ich zu dem Thema empfehlen, was meine Behauptung im übrigen stützt.

          Ansonsten bitte ich dich irgend eine Studie zu benennen, in der alle hochbegabten Kinder Probleme hatten.

          Gruß Ivo

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^4: Hochbegabtenschwemme

            Hallo Ivo, Ansonsten bitte ich dich irgend eine Studie zu benennen, in
            der alle hochbegabten Kinder Probleme hatten.
            Das wir d Marion wohl kaum gelingen, wo doch alle mir bekannten Studien bislang genau das Gegenteil feststellen... nämlich dass es erheblich mehr HBler ohne als mit auffälligen Problemen gibt. (Probleme irgendwelcher Art hat wohl jeder Mensch)

            In diesem Sinne..

            gipsy

          • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
            Re^4: Hochbegabtenschwemme

            Moin Ivo Ansonsten bitte ich dich irgend eine Studie zu benennen, in
            der alle hochbegabten Kinder Probleme hatten.
            Kinder werden nicht generell auf Hochbegabung getestet. Wenn, wie hier an anderer Stelle verkündet, Hochbegabung am IQ festgemacht wird, dann muss erstmal ein Grund vorliegen, den IQ eines Kindes überhaupt erst zu ermitteln. Dieses Grund kann nur lauten, dass ein Kind auffällig ist. Auffälligkeit bedeutet jedoch Probleme. Für ein Kind, das keine Probleme bereitet, besteht nämlich überhaput kein Grund, nach der Ursache für irgend welche Auffälligkeiten zu suchen.

            Nur nochmal zur Erinnerung: Es ging hier nicht darum, wie viele Kinder tatsächlich hochbegabt sind (wir nur durch routinierte IQ Tests für alle Kinder in Studien festgestellt wird, die eben auch die unauffälligen hochbegabten erfassen), sondern es geht um Eltern behaupten ihre Kinder seinen hochbegabt.

            Ich dachte, mit soviel Hochbegabung hier im Brett, müssten die Zusammenhänge eigentlich klar sein *fg*.

            Gruß
            Marion, natürlich auch hochbegabt



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