Hallo Fragezeichen,
ein sehr komplexes Thema.
Ich probier mal mich kurz zu fassen.
1. Man kann in Deutschland nur adoptieren,
wenn man von einem deutschen Jugendamt als
geeignet eingestuft wird. Egal ob man ein
deutsches Kind oder ein auslaendisches
Kind adoptieren will. Dieser Prozess dauert
von Minimum 6 Monate bis 2 Jahre. Dann kommt
die Wartezeit auf ein Kind hinzu. Was uebrigens
keine vergeudete Zeit ist, denn wenn das Paar
diese Zeit nutzt, kann sie sehr gewinnbringend
sein, was die Beweggruende usw. fuer eine Adoption
betrifft.
Jede Adoption wird arbeitsintensiv betreut,
auf der Ado-Elternseite wie auch auf der Kinderseite.
Das begrenzt auf gewisse Weise auch die Zahl
der Adoptionen.
2. Es ist nicht allen Menschen gegeben ein
Adoptivkind zu akzeptieren. Es ist noch weniger
Menschen moeglich, ein fremdlaendisches Kind,
besonders wenn das Kind auch fremdlaendisch aussieht,
als eigenes anzunehmen.
3. Auslandsadoptionen geraten mehr und mehr in
die Kritik.
Da heute erwachsene Adoptierte ueber ihre Erfahrungen
berichten koennen, wird man vorsichtiger mit Verpflanzungen
von Kindern in ein anderes Land. Rassismus ist ein
Aspekt, das Verlieren von Wurzeln ein anderes.
Organisationen, die sich lange Jahre mit Auslandsadoptionen
beschaeftigt haben (zum Beispiel Terre des hommes) haben
sich gaenzlich aus Auslandsadoptionen zurueckgezogen und
sind nur noch mit Hilfe vor Ort involviert (Kinderdoerfer usw.).
Dritte Welt Laender sehen Adoptionen ihrer Kinder
ins reiche (westliche) Ausland inzwischen oft als neo-
kolonialistische Ausbeutung.
Zudem sind Auslandsadoptionen durch unlautere bis kriminelle
Machenschaften der Vermittlungsagenturen in Verruf
geraten. Wobei zu erwaehnen ist, dass die in Deutschland
anerkannten Vermittungsorganisationen einen guten Ruf
geniessen.
4. Die meisten Laender, die Auslandsadoptionen erlauben
(damit meine ich jetzt, Laender, in denen Menschen mit
anderer Staatsbuergerschaft adoptieren koennen) mehr und
mehr unter Vorbehalt. Meist werden nur Kinder, die im
eigenen Land nicht vermittelbar sind, zur Adoption angeboten,
das sind entweder bereits aeltere Kinder (1 Jahr und aufwaerts)
oder kranke Kinder.
Es ist inzwischen allgemein akzeptiert, dass es immer besser ist,
wenn man erst Eltern im eigenen Land fuer Eltern sucht.
5. Adoption sollte nichts mit "Kindern fuer Eltern" zu
tun haben, sondern es ist ein Methode um Eltern fuer Kinder
zu finden, die aus verschiedenen Gruenden nicht bei
ihren biologischen Eltern oder nahen Verwandten leben
koennen. Das klingt nach Haarspalterei, aber ist ein
sehr wichtiger Unterschied.
Ich habe bestimmt den einen oder anderen GEsichtspunkt vergessen.
Wenn du dich naeher mit dem Thema beschaeftigen willst,
kann ich zum Beispiel die Seite
http://adoption.de
empfehlen. Das ist ein Forum, in dem Ado-Eltern (im Allgemeinen
Adoptionsbefuerworter) mit Adoptierten (in diesem Forum of
Ado-Gegner) aufs Heftigste aufeinanderprallen.
Obwohl ich mit vielen Ansichten dort nicht uebereinstimme,
bringt das Mitlesen dort oft neue Perspektiven auf
ein Thema von dem ich denke, dass ich eigentlich damit
vertraut bin.
WEnn du noch Fragen hast, bitte leg los. Auf konkrete
Fragen ist einfacher zu antworten als lange STellungsnahmen
zu schreiben.
Gruesse
Elke