Ein Haustyrannenmord

Von: , Frage gestellt am Fr, 26. Jul 2002

http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel6712.php

Was haltet ihr von dem Urteil des Gerichts in diesem Fall? Ich finde es mutig und nachvollziehbar. Mir stellt sich nur die Frage warum die Frau in den 10 Jahren es nicht geschafft hat von dem Mann wegzukommen. Vielleicht bin ich zu naiv, aber gibt es nicht die Chance durch die Polizei, durch Frauenhäuser oder das Sozialamt dem Martyrium zu entfliehen? Sicherlich ist dieser Fall zu Rudimentär beschrieben um ihn in allen Einzelheiten zu analysieren, aber er ist wohl leider kein Einzelfall!

Nachdenkliche Grüße

Bernd

44 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Beziehungsfilz

    Warum hat die Frau sich nicht scheiden lassen?

    • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
      gelähmt vor Angst

      Hallo Biggi,

      es könnte ja sein, dass die Frau schon als Kind mit einem tyrannischen Vater zu tun hatte, der sie regelmäßig niedermachte.
      Und oftmals suchen sich die Frauen genau wieder so einen Mann mit diesem (miesen) Strickmuster aus. Vielleicht hat sie niemals eigene Kräfte zum Davonlaufen entwickeln können, geschweige denn die Phantasie dazu gehabt, auch alleine zurecht zu kommen, abgesehen von ihrem Selbstbild und ihrem Selbstwertgefühl.

      Sag mal einem vor Angst gelähmten, er soll davonlaufen.

      viele Grüße
      Claudia

      • Antwort von nach 13 Tagen 0 hilfreich
        Grenze

        Sehnsucht nach Nähe ist manchmal Selbst-Zerstörung.

  2. Antwort von nach 2 Stunden 3 hilfreich
    Re: Ein Haustyrannenmord

    http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel6712.php

    hallo bernd, hallo biggi,

    sich gegen den haustyrannen zu wehren, setzt voraus, daß die frau noch wenigstens spurenelemente von selbstachtung hat. doch meist wird in solchen fällen die persönlichkeit regelrecht demontiert, so daß die frau (ich bleibe jetzt mal der einfachheit halber bei dieser rollenverteilung, wohl wissend, daß auch schon mal männer von frauen gequält worden sind.) sich selbst gar nicht mehr als wesen mit rechten und bedürfnissen wahrnimmt.
    rede ihr lange genug ein, daß sie der letzte dreck ist - und sie glaubts irgendwann. und dreck begehrt nicht auf gegen sein schicksal und fragt nicht, ob es gerecht ist, getreten zu werden. die frage nach polizei, sozialämtern und frauenhäusern ist auf der ebene, wo sich diese frau erlebt hat, irrelevant. wenn die frau sich nicht selbst als hilfebedürftig empfindet (braucht dreck hilfe?), bieten diese institutionen dort keinen schutz, bzw. werden gar nicht wahrgenommen.

    aber ganz tief im inneren muß ja wohl noch ein funke geglimmt haben, für das kind wahrscheinlich, so daß die frau aus ihrer lethargie doch noch erwacht ist.

    gruß
    ann

    • Antwort von nach 13 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Ein Haustyrannenmord

      Hi ann,

      ein * von mir und ein *dir-recht-geb* weil ich deinen artikel erst jetzt gelesen habe.
      gruß
      grilla

      • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
        :-)

        du bekommst in nächsten woche ein päckchen :-)

        liebe grüße
        ann

    • Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
      ich korrigiere mich

      wenn die frau sich nicht selbst als
      hilfebedürftig empfindet (braucht dreck hilfe?), bieten diese
      institutionen dort keinen schutz, bzw. werden gar nicht
      wahrgenommen.
      richtig müßte es heißen: ... wenn die frau sich nicht als hilfewürdig empfindet...

      gruß
      ann

  3. Antwort von nach 8 Stunden 2 hilfreich
    Re: Ein Haustyrannenmord

    Hallo Bernd http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel6712.php

    Was haltet ihr von dem Urteil des Gerichts in diesem Fall?
    In mir löst dieses Urteil Unverständnis aus !
    Die Frage von Biggi ist durchaus gerechtfertigt : Warum hat sie sich nicht scheiden lassen ? Bzw. warum ist sie nicht gegangen ?

    Ok, man könnte nun meinen, die Begründung liegt in Anns Artikel (den ich überigens sehr gut finde!).

    Aber der ganze Schlamassel hat doch sehr viel früher begonnen, nämlich da, als die Frau noch Achtung vor sich selbst hatte, als ihr Selbstwertgefühl noch intakt war.

    Nun kann es auch sein, dass die Frau bereits "gebrochen" war, als sie ihrem Mann begegnete und sich für ihn entschied.

    Aber all das ist absolut keine Rechtfertigung, über Leben und Tod zu bestimmen !

    Meine Misere mit meinem Ex-Mann verlief sehr ähnlich....auch ich verspürte irgendwann den dringenden Wunsch, ihn einfach zu töten....heute bin ich froh, einen anderen, damals sicher sehr schwierigen Weg, für mich gewählt zu haben.
    Ganz egal, was ein mensch mit mir macht : Wenn ich es nicht zulasse, kann er es nicht mehr machen !
    Auf keinen Fall jedoch habe ich das Recht, einen Menschen umzubringen !
    Der Weg, den diese Frau gewählt hat, war der einfachste, aus diesem Elend herauszukommen.
    Trennung hätte evtl. ständige Angst und Konfrontation bedeutet......
    Aber damit hätte sie einfach leben müssen.
    Sie hat sich seinerzeit für diesen Mann entschieden. Sie hat sich entschieden, dieses Szenario 10 lange Jahre mitzuspielen.
    Sie hat sich entschieden, ihn umzubringen.
    Und dafür sollte sie entsprechend bestraft werden. Ich
    finde es mutig und nachvollziehbar.
    Mutig ?
    Ich hätte es mutig gefunden, Sie hätte ihre Kinder geschnappt und wäre gegangen.

    Und nachvollziehbar ?
    Magst du darauf mal näher eingehen ? Mir stellt sich nur die
    Frage warum die Frau in den 10 Jahren es nicht geschafft hat
    von dem Mann wegzukommen.
    Genau diese Frage stellt sich mir auch ! Vielleicht bin ich zu naiv, aber
    gibt es nicht die Chance durch die Polizei, durch Frauenhäuser
    oder das Sozialamt dem Martyrium zu entfliehen?
    Doch, diese Chance gibt es - es gibt aber auch die Chance, ohne diese Hilfe einem solchen Martyrium zu entkommen ! Sicherlich ist
    dieser Fall zu Rudimentär beschrieben um ihn in allen
    Einzelheiten zu analysieren, aber er ist wohl leider kein
    Einzelfall!
    Sicher ist dies kein Einzelfall - aber zum Glück greift nicht jede Frau zum Messer.
    Opfer und Täter.....die arme Frau das Opfer und der böse Mann der Täter ?
    Nein, die Frau hat ihre Rolle jahrelang gespielt und die Spielregeln mitgestaltet - sie ist genauso Täter wie Opfer !

    Sie hat einen Menschen umgebracht ! Dafür 2 Jahre auf Bewährung ?
    Das ist für mich unbegreiflich ! Nachdenkliche Grüße
    Ebensolche zurück,
    Vanessa



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