Re: Klischeebilder von berufstätigen Müttern
Hallo Claudia,
mein Posting habe ich nicht ohne Absicht geschrieben, auch
wenn das Thema über berufstätige Müttern hier schon
ausführlich besprochen wurde. Mir geht es darum, dieses
Problem, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, ein wenig von
einer anderen Perspektive zu betrachten. Und da fand ich
diesen Zeitungsartikel ganz anregend.
ist dir gelungen. Ich musste mal richtig nachdenken ;-)
Um deutlicher zu werden: Ich kenne hier in unserer Stadt
einige Frauen, die sich selbstständig gemacht haben, weil sie
keine adäquate Stelle gefunden haben. Es sind Frauen dabei,
die allein erziehend sind. Ist das nicht erstaunlich? Es ist
doch bekannt, dass Selbstständigkeit wesentlich mehr
Arbeitszeit beansprucht, als ein Angestelltenverhältnis. Ich
weiss von den Frauen, dass sie manchmal oder regelmäßig
Verwandtschaft und Nachbarn um Kinderbetreuung bitten können.
Entsprechend des Einkommens haben manche aber auch
Tagesmütter. Unsere Geschäftspartnerin hat einen Sohn,
arbeitet etwa 30-35 Stunde die Woche, und überbrückt
Zeitlücken des Horts mit Nachbarn oder mit mir (Freundin).
Also, der Wille und die Entschlossenheit zur Berufstätigkeit
ist da.
Ich habe den Verdacht, dass sich in unserer Gesellschaft ein
Klischeebild von Frauen mit Kindern manifestiert hat, dem
entweder die Frauen selbst gerecht werden, oder von
Arbeitgebern nicht angezweifelt und somit auch nicht
durchdacht werden.
Ein klares "Jein"! (Mal wieder.)
Also ich frag mich was machen diese selbstständigen Mütter?
Eine 30-35h Stunden Woche für einen Selbsständigen ist verdammt wenig. Genauso verstehe ich auch warum die von dir zitierte Headhunterin ein Problem hat. Führungskräfte werden nun mal schnell mit 50-60 Stunden aufwärts beansprucht.
Trotz allem möchte ich den Willen nicht in Abrede stellen.
Bei Handwerksberufen kenne ich mich leider über Arbeitszeiten
gar nicht aus.
Zugegebenermaßen ist nicht jeder Beruf und nicht jede Stelle
dafür geeignet, mit beliebigen Arbeitszeitmodellen zu
versehen.
Handwerker haben es noch leicht. Die fangen um 7Uhr morgens
an, und sind, wenn sie angestellt sind, um 16Uhr fertig.
Diesen Job bekommt man mit Hortöffnungszeit gebacken.
Wie müßte denn ein Arbeitszeitmodell für Dich aussehen? Wie
viele Stunden pro Woche und pro Tag könntest Du
arbeiten, was wäre die Kernzeit und wie würdest Du die
Kinderbetreuung einrichten?
Ich bin zu allem bereit und immer bereit gewesen. Aber die
Chancen eine Stelle zu finden, sind hier nicht besonders gut.
Als ich vor 3 Jahren mit der Stellensuche anfing, fiel es mir
allmählich schwer zuzugeben, dass ich Mutter bin. Das ist für
manche Arbeitgeber wie ein rotes Tuch. Eine Bekannte von mir
riet mir, einfach einen Vollzeitjob anzunehmen, oder auf alle
Bedingungen eines Teilzeitvertrages einzugehen, um denn fest
im Sattel Bedingungen zu stellen. Aber das ist nicht mein
Stil, bei aller Liebe zur Berufstätigkeit.
Zur Zeit habe ich 2 Jobs und mache die Hintergrundarbeit für
die Firma meines Mannes. Ich komme ohne Hort und ohne Oma aus
– das ist eine Frage der Organisation und der Kindererziehung,
nicht zuletzt eine Frage des Alters der Kinder. Stundenweise
können die Kinder in der Firma meines Mannes betreut werden.
Den Job meiner Chefin könnte ich nicht machen, die morgens um
9 im Laden steht, und um 20 Uhr heimkommt, 6 Tage die Woche, 6
Wochen lang bis es Weihnachten ist. Das geht nur, wenn man
keine Kinder hat.
Gratuliere.
Aber eine Bekannte von mir ist freie Journalistin für die
Süddeutsche, mit einem Superequipment (PC, Drucker,
Digi.Kamera), so dass sie ihre Hauptarbeitszeit Zuhause hat.
Es stellt wohl keiner in Abrede, dass es auch Jobs gibt, die idealst wären. Doch die sind meist schon besetzt.
Ich glaube, es ist ein Problem der Arbeitszeit. Selbst eine 40-:Stundenwoche ist für eine Mutter nur in
Ausnahmefällen machbar (wenn sie wie das Beispiel zeigt, eine
engagierte Grossmutter hat). Und bei den zitierten
75-Euro Jobs für Führungskräfte wird wesentlich mehr erwartet.
Wie gesagt, es kommt wirklich auf den Job an. Ich hatte schon
Chefs, die ihre Vormittage am Golfplatz verbrachten. Manche
Aufgaben lassen sich durch Weitergabe der Arbeit, tüchtiges
Personal und durch ein gutes Time-Management bewältigen. An
den Einzelhandel denkend, ein ehemaliger Chef von mir saß viel
im Büro, und hatte eine recht gute Erstverkäuferin.
Theoretisch hätte er den Bürokram auch Daheim erledigen
können, und nur zu Kernzeiten auftauchen.
Vielleicht hast du da ein bischen ein falsches Bild. Der Vormittag auf dem Golfplatz ist Business. Ich glaube da sitzt nun du einem Klischee auf, von dem Chef's die nicht wirklich arbeiten.
Du fragst mich nach meiner idealen Arbeitszeit? Keine Ahnung,
ob es die gibt. Nach meiner letzten Fortbildung tat ich mich
mit einer Schulkollegin zusammen, so dass wir uns beide auf
einen Vollzeitjob bewarben. Wir wollten unsere Arbeitszeit
verzahnt anbieten – wenn die eine nicht kann, kommt die
andere. Rat mal, ob wir den Job bekommen haben :-)
Alles in allem will ich damit sagen, dass es in Sachen Mütter
und Berufstätigkeit sich nichts generalisieren läßt. Ich weiss
aus meinen Erfahrungen heraus, dass es Mütter gibt, die
Führungsqualitäten haben, die entsprechende Arbeit auch
bewältigen könnten, es ihnen aber an Chancen fehlt.
völlige Zustimmung. Es läßt sich wirklich nicht generalisieren.
Personalchefs wollen von ihren Arbeitgebern eine Garantie für
ihre Verfügbarkeit, und nehmen manchmal lieber eine schlechter
qualifizierte Kinderlose als eine gut ausgebildete
Teilzeitmutter. Diese Erfahrung habe ich gemacht.
Kannst du wirklich die Qualifikation deiner Mitbewerber objektiv beurteilen?
Gruß Ivo