Wiedereinstieg in den Beruf mit Hindernissen

Von: , Frage gestellt am So, 22. Dez 2002

Hallo,

in unserer ortsansässigen Zeitung ist in der Wochenendausgabe ein Artikel über berufstätige Mutter abgedruckt, den ich interessiert gelesen habe.
Zitat: seit 12 Jahren vermittelt Martina Borgmann als Headhunterin Führungskräfte mit Jahresgehältern ab 75 000 Euro. Ein einziges Mal hat sie eine Mutter in eine Top-Position gebracht....
...Jeder dritte Personalchef sieht bei Führungskräften, die Kinder haben und flexible Arbeitszeiten nutzen, Akzeptanzprobleme mit Mitarbeitern, Chefs und Kunden. 17% glauben, dass Beschäftigte mit Kindern schlechter über den laufenden Betreib informiert sind, wie eine Umfrage unter 30 Personalchefs für das "Stern"-Spezialheft "Campus&Karriere" ergab.....
Hier nachzulesen:
http://umstellung.donau.de/news/tipps_tricks/beruf_b...
unter der Überschrift Beim Ausstieg den Wiedereinstieg planen


Nun überlege ich, ob das Vorurteile oder Erfahrungswerte seitens der Personalchefs sind, die zu diesen Einschätzungen führen.
Ich selbst habe schon bei Einstellungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass mir eine Arbeitszeit genannt wurde, mit der ich als Mutter nicht zurechtkam. Und später erfuhr ich von Arbeitszeitmodellen in den Firmen, bei denen ich mich bewarb, mit denen ich hätte etwas anfangen können. Werden Job suchende Mütter auf die Bereitschaft getestet, ihren Job wichtiger als ihr Familienleben zu nehmen? Und sind sie erstmal im Laden, dann ist doch ein Entgegenkommen möglich?

Ich fände es interessant, wenn wir hier Erfahrungen austauschen würden. Ich kann es einfach nicht glauben, dass die schlechten Erfahrungen mit Müttern Schuld an dem Mangel an Wiedereinstieg ins Berufsleben sein soll.

hier noch ein Link, falls Interesse besteht:
http://www.berufstaetige-muetter.de/

viele Grüße
Claudia

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Wiedereinstieg in den Beruf mit Hindernissen

    Hallo Claudia,

    Dein Artikel liefert doch die Begründung gleich mit:
    "Als Headhunterin für Führungskräfte hat sie ein einziges Mal eine Mutter in eine Top-Position gebracht: Sie war 44 Jahre alt, der Sohn 14, für die Betreuung stand eine engagierte Großmutter bereit."

    Da kann ich nur sagen: Bei den meisten Müttern steht halt keine engagierte Grossmutter bereit. Weiter: "Unzureichende öffentliche Betreuungsmöglichkeiten sind für berufstätige Mütter das Haupthindernis, bestätigt Ulrike Wenner, bei der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg Leiterin des Referats Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Beim Wiedereinstieg wünschen sich viele Frauen zwar Teilzeitarbeit. Die aber gilt bei den Personalchefs als schwer zu organisieren und teuer, sagt Ingrid Parsch-Haertel, beim Landesarbeitsamt Kiel Leiterin des Referats Chancengleichheit am Arbeitsmarkt."

    Das sehe ich genauso. Um vollzeit zu arbeiten, bräuchte es eine Kinderbetreuung, die ca. 10 Stunden geöffnet hat. Möglichst länger, denn einige werden sie von 7-17, andere von 9-19 Uhr brauchen. Und die gibt es nicht. oder sagen wir mal, fast nicht. Wie also soll es gehen, dass eine Mutter in eine 75000-Euro-Führungsposition kommt?

    Wollen denn so viele Mütter einen Vollzeit-Job mit 75000 Euro Jahresgehalt? Ich bin da wie gesagt eher desillusioniert. Viele Mütter die ich persönlich kenne und die meisten, die sich in Foren und Leserbriefen zu Wort melden sind dagegen, ein Kind ganztägig in Krippe/Kindergarten/Schule zu geben und wollen dementsprechend höchstens eine 1/2 bis 2/3-Stelle, die sich gerade noch mit den üblichen Maximalöffnungszeiten von 10-16 Uhr deckt.

    Die anderen, die gerne Kind und Karriere verbinden wollen schimpfen kollektiv über die mangelnde Kinderbetreuung. Und die vielen anderen Mütter, die eher gegen ganztägige Kinderbetreuung sind, machen ihnen die Situation gerade leichter. Ich selbst habe schon bei Einstellungsgesprächen die Erfahrung
    gemacht, dass mir eine Arbeitszeit genannt wurde, mit der ich
    als Mutter nicht zurechtkam. Und später erfuhr ich von
    Arbeitszeitmodellen in den Firmen, bei denen ich mich bewarb,
    mit denen ich hätte etwas anfangen können.
    Um das beurteilen zu können, müsste ich natürlich mehr von Dir wissen. Du bist Tischlerin, oder? Bei Handwerksberufen kenne ich mich leider über Arbeitszeiten gar nicht aus.
    Wie müßte denn ein Arbeitszeitmodell für Dich aussehen? Wie viele Stunden pro Woche und pro Tag könntest Du arbeiten, was wäre die Kernzeit und wie würdest Du die Kinderbetreuung einrichten? Ich fände es interessant, wenn wir hier Erfahrungen
    austauschen würden. Ich kann es einfach nicht glauben, dass
    die schlechten Erfahrungen mit Müttern Schuld an dem Mangel an
    Wiedereinstieg ins Berufsleben sein soll.
    Ich glaube, es ist ein Problem der Arbeitszeit. Selbst eine 40-Stundenwoche ist für eine Mutter nur in Ausnahmefällen machbar (wenn sie wie das Beispiel zeigt, eine engagierte Grossmutter hat). Und bei den zitierten 75-Euro Jobs für Führungskräfte wird wesentlich mehr erwartet.

    Mit vielen Grüßen, Stefanie

    • Antwort von nach 21 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Wiedereinstieg in den Beruf mit Hindernissen

      Hallo Miteinander,

      es ist nicht nur ein Problem der Arbeitszeit.
      Es liegt auch daran, daß man
      1.) nach einigen Jahren fachlich nicht mehr auf dem Laufenden ist und bei einer Umschulung der Unterhalt meistens nicht bezahlt wird, (nur in Ausnahmefällen)
      2.) ab 40 für das Arbeitsamt nicht mehr vermittelbar ist.

      Ich bin Bauingenieurin und habe nach 14 Jahren Pause einen Job gesucht. Da war ich 1.) über 40 und 2.) alleinerziehend. Somit kommt auch Umschulung nicht in Frage, da ich den Unterhalt für mich und die Kinder alleine bestreiten muß.
      Seit drei Jahren arbeite ich nun in einem Hotel. Offiziell als ungelernt Hilfskraft. Ich bin froh um den Job. Ich kenne Mütter, die keinen Job gefunden haben.

      Viele Grüße
      Margarita

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        keine Chance f. Wiedereinstieg in Deine Branche?

        Hallo Margarita,

        Gerne möchte ich ´mal nachfragen: Es liegt auch daran, daß man
        1.) nach einigen Jahren fachlich nicht mehr auf dem Laufenden
        ist und bei einer Umschulung der Unterhalt meistens nicht
        bezahlt wird, (nur in Ausnahmefällen)
        Kannst Du das Fachwissen nicht in Eigenregie nachholen?
        Gibt es in Deiner Branche keine artverwandte Jobs, so dass Du aus Deiner Branche nicht ganz rausmußtest?
        Eine Umschulung habe ich bezahlt bekommen, als das Arbeitsamt Geld dafür hatte. Auf diese Weise werden Statistiken geschönt. Ich hatte Glück in dem Moment. Das hat nichts mit den Begründungen des Arbeitsamtes zu tun. Vielleicht müßtest Du einen Antrag auf Umschulung öfters stellen. 2.) ab 40 für das Arbeitsamt nicht mehr vermittelbar ist.
        Oh ja. Wortwörtlich bekam ich zu hören, dass ich ab 40 für den Arbeitsmarkt eine alte Frau bin! Ich bin Bauingenieurin und habe nach 14 Jahren Pause einen Job
        gesucht. Da war ich 1.) über 40 und 2.) alleinerziehend. Somit
        kommt auch Umschulung nicht in Frage, da ich den Unterhalt für
        mich und die Kinder alleine bestreiten muß.
        Bei meiner Umschulung wurde mir in der Zeit das branchenübliche Gehalt mit den Sozialversicherungen bezahlt.
        Als Alleinerziehende müßte doch der Staat Interesse daran haben, dass Du eine Arbeit hast, die besonders erträglich ist. Seit drei Jahren arbeite ich nun in einem Hotel. Offiziell als
        ungelernt Hilfskraft. Ich bin froh um den Job. Ich kenne
        Mütter, die keinen Job gefunden haben.
        Würdest Du gerne wieder als Bauingeneurin oder in ähnlicher Richtung arbeiten? Ich finde es so schade um Deine Ausbildung und Deine Kenntnisse.

        viele Grüße
        Claudia

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re: keine Chance f. Wiedereinstieg in Deine Branch

          Hallo Grilla, Kannst Du das Fachwissen nicht in Eigenregie nachholen?
          Gerade technische Berufe verändern sich sehr schnell. Der Stoff ist für abends fast zu umfangreich. Ideal wäre also, wenn ich mich irgendwo einarbeiten könnte. Ob mir jemand so eine Chance gibt? Gibt es in Deiner Branche keine artverwandte Jobs, so dass Du
          aus Deiner Branche nicht ganz rausmußtest?
          1.) Ich habe mich schon 1990 dafür interessiert, den Job in Heimarbeit zu machen. Damals wäre meine Familienpause nur 5 Jahre gewesen. Ich habe mir vorgestellt, einen Computer zu kaufen und Bauzeichnungen an PC zu erstellen. Früher hatte ich noch auf den ehemaligen Zeichenbrettern gearbeitet. PC, Software, spezielle Hardware, Plotter hätten mich damals stolze 60.000,- DM gekostet.
          2.) Solange ich keine Kinder hatte, war die 100 Stunden Woche für mich normal. Aber pünktlich heimgehen? Wenn auf der Baustelle vielleicht gerade die nächste Firma am anrollen ist? Oder wenn im Büro gerade Abgabetermine sind? Die Bauleute unter Euch werden wissen, wovon ich rede. Eine Umschulung habe ich bezahlt bekommen, als das Arbeitsamt
          Geld dafür hatte. Auf diese Weise werden Statistiken geschönt.
          Ich hatte Glück in dem Moment. Das hat nichts mit den
          Begründungen des Arbeitsamtes zu tun. Vielleicht müßtest Du
          einen Antrag auf Umschulung öfters stellen.
          Wann bitte hat das Arbeitsamt Geld? Bei meiner Umschulung wurde mir in der Zeit das
          branchenübliche Gehalt mit den Sozialversicherungen bezahlt.
          Als Alleinerziehende müßte doch der Staat Interesse daran
          haben, dass Du eine Arbeit hast, die besonders erträglich ist.
          Dein Wort in Schröders Ohr. Würdest Du gerne wieder als Bauingeneurin oder in ähnlicher
          Richtung arbeiten? Ich finde es so schade um Deine Ausbildung
          und Deine Kenntnisse.
          Ja, schade finde ich es auch, und einen besser bezahlten Job hätte ich auch gerne.

          Viele Grüße
          Margarita

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            nicht aufgeben!

            Hallo Margarita, Würdest Du gerne wieder als Bauingeneurin oder in ähnlicher
            Richtung arbeiten? Ich finde es so schade um Deine Ausbildung
            und Deine Kenntnisse.
            Ja, schade finde ich es auch, und einen besser bezahlten Job
            hätte ich auch gerne.
            Tja, so ist es mir bisher auch ergangen. Ich habe immer unter meinem Niveau gearbeitet, weil sonst das Geld zu knapp war. Aber ich gebe nicht auf, und ich denke sogar darüber nach, mich in einigen Jahren selbstständig zu machen. Ein paar Ideen habe ich schon.

            Folgendes Buch hat mir ganz gut gefallen, und möchte es Dir gerne empfehlen:
            http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3593370883/ref...
            Darin sind Ratschläge zu finden, wie man sich auf den Weg macht um einen geeigneten Arbeitsplatz zu finden.
            Allerdings, meinen Traumjob habe ich auch noch nicht gefunden. Ich verdiene jetzt einfach Geld, und werde weiterhin nach "der" Gelegenheit Ausschau halten.

            Nach seinen Fähigkeiten und Talenten Leistungen bringen zu dürfen und dafür Wertschätzung zu bekommen, ist etwas (für mich zumindest) menschlich Elementares. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau. Leider hat man mit der Hauptverantwortung für seine Kinder nicht nur eine große und auch zeitraubende Verpflichtung, sondern steht in seinem Umfeld meist sehr alleine da. Das ist ein Hauptproblem, und das gilt zu knacken - im Kleinen (für sich persönlich) wie im Großen (in gesellschaftlicher Hinsicht).

            mit lieben Grüßen und frohe Weihnachten
            wünscht
            Claudia

      • Antwort von nach 3 Tagen 1 hilfreich
        Re^3: Wiedereinstieg in den Beruf mit Hindernissen

        Hallo Margerita, Es liegt auch daran, daß man
        1.) nach einigen Jahren fachlich nicht mehr auf dem Laufenden
        ist und bei einer Umschulung der Unterhalt meistens nicht
        bezahlt wird, (nur in Ausnahmefällen)
        Ok, das sehe ich natürlich ein. Ich hatte jetzt an Mütter mit sehr kleinen Kindern gedacht, die ohne lange Pause weiter arbeiten wollen. Elternzeit von 3 Jahren (oder länger) habe ich schon immer für äußerst riskant gehalten. Natürlich ergibt sich das als Folgeproblem, denn wenn Mütter mit kleinen Kindern wegen der fehlenden Kinderbetreuung nicht im Job drinbleiben können, dann haben sie einige Jahre später dann Dein Problem, fachlich nicht mehr auf dem Laufenden zu sein. 2.) ab 40 für das Arbeitsamt nicht mehr vermittelbar ist.
        Naja, ich glaube, das ist etwas zu absolut formuliert. Mein Partner ich über 40 und auch gerade seit 4 Monaten arbeitslos. Natürlich sucht er nicht nur übers Arbeitsamt (um Himmels willen!), aber momentan hat er eine relativ aussichtsreiche Sache laufen, die tatsächlich vom Arbeitsamt kam. Ich bin Bauingenieurin und habe nach 14 Jahren Pause einen Job
        gesucht. Da war ich 1.) über 40 und 2.) alleinerziehend. Somit
        kommt auch Umschulung nicht in Frage, da ich den Unterhalt für
        mich und die Kinder alleine bestreiten muß.
        Seit drei Jahren arbeite ich nun in einem Hotel. Offiziell als
        ungelernt Hilfskraft. Ich bin froh um den Job. Ich kenne
        Mütter, die keinen Job gefunden haben.
        Mein Vater ist auch Bauingenieur, selbständig, schon im Rentneralter und natürlich nicht 100-prozentig auf dem neusten Stand der Technik. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: natürlich ist er auf dem aktuellen Stand der Bauvorschriften, aber er macht sicher etliche Dinge etwas langwieriger von Hand am Reissbrett, oder
        noch mit verhältnismaessig viel Eigenarbeit, die ein besser aufgerüsteter Computer ihm abnehmen würde. Dennoch ist er mit Aufträgen eingedeckt. Von daher könnte man sicher auch nach einer Pause - jetzt rein fachlich gesehen - wieder einsteigen. Vermutlich arbeitet man dann am Anfang nicht so schnell und effektiv, aber sagen wir mal die Schneelasten, Windstärken und Bewährungen ändern sich in 10 Jahren nun auch nicht bis zur Unkenntlichkeit.

        Das Problem in der freien Wirtschaft ist halt die Konkurrenz. Man kann einem Unternehmen schlecht vorschreiben, eine Mutter (oder einen Vater) nach 10 Jahren Erziehungspause zu nehmen, wenn es auch andere Bewerber zur Verfügung hätte. Im öffentlichen Dienst geht das ja, dort werden die Stellen lange freigehalten, aber in der freien Wirtschaft regelt sich das natürlich nach den miteinander konkurrierenden Bewerbern.

        Was mich sehr interessieren würde ist:

        1. Wie hattest Du Dir das damals vorgestellt, als Du Deine Kinder bekommen hast. Wolltest Du so lange im Job pausieren? Dachtest Du, der Wiedereinstieg wäre leichter? War Dir das damals egal?

        2. Welche Maßnahmen oder Hilfestellungen hätten Dir geholfen?

        3. Auf gut Deutsch: Was sollte man ändern, um es den Müttern leicher zu machen, im Job zu bleiben?

        Mit vielen Grüßen, Stefanie

        Ja, und frohe Weihnachten und vielleicht ergibt sich ja doch noch eine bessere Lösung....

        • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Wiedereinstieg in den Beruf mit Hindernissen

          Einen guten Rutsch ins neue Jahr an Alle.

          Hallo Stefanie, 1. Wie hattest Du Dir das damals vorgestellt, als Du Deine
          Kinder bekommen hast. Wolltest Du so lange im Job pausieren?
          Dachtest Du, der Wiedereinstieg wäre leichter? War Dir das
          damals egal?
          Also beim ersten Kind habe ich mir vorgestellt, daß ich in Heimarbeit einfach weitermachen könnte. Da hat aber mein Chef nicht mitgespielt.
          Im Laufe der nächsten ein bis zwei Jahre war ich über diese Entscheidung dann sogar recht froh, denn es gibt natürlich immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, bei denen ich dann wirklich nicht berufstätig hätte sein wollen. Z.B. Zahnen, Blähungen, Krankenhausaufenthalt, (ich durfte Tag und Nacht bei meinem Kind bleiben) der erste Schritt, der erste Zahn, das erste Wort, usw.... nichts von alledem hätte ich versäumen wollen.
          Beim zweiten Kind, vier Jahre später, war ich ja eh nicht berufstätig, war also kein Thema.
          6 Monate später (ich hab die Kleine noch gestillt damals) verließ uns mein Mann ganz plötzlich (wegen einer Anderen). Nun mußte ich ganz plötzlich arbeiten, und zwar bedingungslos, und meine Kinder durchbringen. Mit eiserner Faust. In meinem alten Beruf ging es nicht so plötzlich, also habe ich genommen was es gab, aber immer Heimarbeit. (Schreiben am PC, Nähen mit der Nähmaschine, Hachhilfe für Schüler, Verkaufen von allem Möglichen, ...)
          Als Wiedereinstieg habe ich das nie betrachtet. 2. Welche Maßnahmen oder Hilfestellungen hätten Dir geholfen?
          Ein Wiedereinsteigerinnen Programm, bei dem auch der Unterhalt der Familie gewährleistet ist. Alles andere ist Schönfärberei und hilft nur den Frauen, die es eigentlich nicht brauchen, nicht aber Alleinerziehenden.
          (Mit Kuren ist es übrigens das Gleiche. Über Arzt und Krankenkasse würde ich eine Kur bezahlt bekommen, nicht aber den Unterhalt für die Kinder. Also mache ich eben keine Kur.) 3. Auf gut Deutsch: Was sollte man ändern, um es den Müttern
          leicher zu machen, im Job zu bleiben?
          Ganz einfach: die Kinderfeindlichkeit in Deutschland.

          Beispiel: (Hoffentlich schweife ich jetzt nicht zu sehr aus.)
          Ich sitze zu Hause und arbeite am PC. Die Kinder spielen draußen vor dem Haus auf dem Spielplatz.
          Alle paar Minuten gibt es Krach mit den Nachbarn, weil die Kinder angeblich zu laut sind. Dann kamen Briefe von der Hausverwaltung: Ihr Sohn hat Sand am Sandkasten verstreut: Räumungsklage. Ihre Tochter hat auf der Wiese Blümchen gepflückt: Räumungsklage. Ihre Katze hat im Hof einen Vogel gefressen: Räumungsklage.
          (Die Hausverwaltung hat zwar alle Prozesse verloren, und meine Nachbarn haben jede Menge Unterlassungsklagen, und nun klappt ja auch alles. Endlich. Aber was das Nerven, Zeit und Energie kostet, dafür gibt es keinen Schadenersatz.)
          Die Kinder wurden regelmäßig vom Spielplatz vor unserem Haus von unseren Nachbarn vertrieben. So spielten sie eben zwei Straßen weiter auf einem anderen Spielplatz. Dort hatte ich sie aber nicht mehr im Blick. Also renne ich alle paar Minuten die zwei Straßen hin und her, um nach meinen Kindern zu sehen.
          Welche Berufstätigkeit kann man unter sochen Bedingungen ausüben? Interessiert sich das Arbeitsamt oder die Gewerkschaften für solche Arbeitsbedingungen?

          Ich hoffe, ich habe ein bißchen Praxisnähe in die Diskusion gebracht. Fröhliche Weihnachten noch an Alle

          Margarita

    • Antwort von nach 23 Stunden 2 hilfreich
      Klischeebilder von berufstätigen Müttern

      Hallo Stefanie,

      mein Posting habe ich nicht ohne Absicht geschrieben, auch wenn das Thema über berufstätige Müttern hier schon ausführlich besprochen wurde. Mir geht es darum, dieses Problem, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, ein wenig von einer anderen Perspektive zu betrachten. Und da fand ich diesen Zeitungsartikel ganz anregend.
      Um deutlicher zu werden: Ich kenne hier in unserer Stadt einige Frauen, die sich selbstständig gemacht haben, weil sie keine adäquate Stelle gefunden haben. Es sind Frauen dabei, die allein erziehend sind. Ist das nicht erstaunlich? Es ist doch bekannt, dass Selbstständigkeit wesentlich mehr Arbeitszeit beansprucht, als ein Angestelltenverhältnis. Ich weiss von den Frauen, dass sie manchmal oder regelmäßig Verwandtschaft und Nachbarn um Kinderbetreuung bitten können. Entsprechend des Einkommens haben manche aber auch Tagesmütter. Unsere Geschäftspartnerin hat einen Sohn, arbeitet etwa 30-35 Stunde die Woche, und überbrückt Zeitlücken des Horts mit Nachbarn oder mit mir (Freundin).
      Also, der Wille und die Entschlossenheit zur Berufstätigkeit ist da.
      Ich habe den Verdacht, dass sich in unserer Gesellschaft ein Klischeebild von Frauen mit Kindern manifestiert hat, dem entweder die Frauen selbst gerecht werden, oder von Arbeitgebern nicht angezweifelt und somit auch nicht durchdacht werden. Bei Handwerksberufen kenne ich mich leider über Arbeitszeiten
      gar nicht aus.
      Zugegebenermaßen ist nicht jeder Beruf und nicht jede Stelle dafür geeignet, mit beliebigen Arbeitszeitmodellen zu versehen.
      Handwerker haben es noch leicht. Die fangen um 7Uhr morgens an, und sind, wenn sie angestellt sind, um 16Uhr fertig. Diesen Job bekommt man mit Hortöffnungszeit gebacken. Wie müßte denn ein Arbeitszeitmodell für Dich aussehen? Wie
      viele Stunden pro Woche und pro Tag könntest Du
      arbeiten, was wäre die Kernzeit und wie würdest Du die
      Kinderbetreuung einrichten?
      Ich bin zu allem bereit und immer bereit gewesen. Aber die Chancen eine Stelle zu finden, sind hier nicht besonders gut. Als ich vor 3 Jahren mit der Stellensuche anfing, fiel es mir allmählich schwer zuzugeben, dass ich Mutter bin. Das ist für manche Arbeitgeber wie ein rotes Tuch. Eine Bekannte von mir riet mir, einfach einen Vollzeitjob anzunehmen, oder auf alle Bedingungen eines Teilzeitvertrages einzugehen, um denn fest im Sattel Bedingungen zu stellen. Aber das ist nicht mein Stil, bei aller Liebe zur Berufstätigkeit.
      Zur Zeit habe ich 2 Jobs und mache die Hintergrundarbeit für die Firma meines Mannes. Ich komme ohne Hort und ohne Oma aus – das ist eine Frage der Organisation und der Kindererziehung, nicht zuletzt eine Frage des Alters der Kinder. Stundenweise können die Kinder in der Firma meines Mannes betreut werden.
      Den Job meiner Chefin könnte ich nicht machen, die morgens um 9 im Laden steht, und um 20 Uhr heimkommt, 6 Tage die Woche, 6 Wochen lang bis es Weihnachten ist. Das geht nur, wenn man keine Kinder hat.

      Aber eine Bekannte von mir ist freie Journalistin für die Süddeutsche, mit einem Superequipment (PC, Drucker, Digi.Kamera), so dass sie ihre Hauptarbeitszeit Zuhause hat. Ich glaube, es ist ein Problem der Arbeitszeit. Selbst eine 40-:Stundenwoche ist für eine Mutter nur in
      Ausnahmefällen machbar (wenn sie wie das Beispiel zeigt, eine
      engagierte Grossmutter hat). Und bei den zitierten
      75-Euro Jobs für Führungskräfte wird wesentlich mehr erwartet.
      Wie gesagt, es kommt wirklich auf den Job an. Ich hatte schon Chefs, die ihre Vormittage am Golfplatz verbrachten. Manche Aufgaben lassen sich durch Weitergabe der Arbeit, tüchtiges Personal und durch ein gutes Time-Management bewältigen. An den Einzelhandel denkend, ein ehemaliger Chef von mir saß viel im Büro, und hatte eine recht gute Erstverkäuferin. Theoretisch hätte er den Bürokram auch Daheim erledigen können, und nur zu Kernzeiten auftauchen.

      Du fragst mich nach meiner idealen Arbeitszeit? Keine Ahnung, ob es die gibt. Nach meiner letzten Fortbildung tat ich mich mit einer Schulkollegin zusammen, so dass wir uns beide auf einen Vollzeitjob bewarben. Wir wollten unsere Arbeitszeit verzahnt anbieten – wenn die eine nicht kann, kommt die andere. Rat mal, ob wir den Job bekommen haben :-)

      Alles in allem will ich damit sagen, dass es in Sachen Mütter und Berufstätigkeit sich nichts generalisieren läßt. Ich weiss aus meinen Erfahrungen heraus, dass es Mütter gibt, die Führungsqualitäten haben, die entsprechende Arbeit auch bewältigen könnten, es ihnen aber an Chancen fehlt. Personalchefs wollen von ihren Arbeitgebern eine Garantie für ihre Verfügbarkeit, und nehmen manchmal lieber eine schlechter qualifizierte Kinderlose als eine gut ausgebildete Teilzeitmutter. Diese Erfahrung habe ich gemacht.

      Viele Grüße
      Claudia

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re: Klischeebilder von berufstätigen Müttern

        Hallo Claudia,
        mein Posting habe ich nicht ohne Absicht geschrieben, auch
        wenn das Thema über berufstätige Müttern hier schon
        ausführlich besprochen wurde. Mir geht es darum, dieses
        Problem, Vereinbarkeit von Karriere und Familie, ein wenig von
        einer anderen Perspektive zu betrachten. Und da fand ich
        diesen Zeitungsartikel ganz anregend.
        ist dir gelungen. Ich musste mal richtig nachdenken ;-) Um deutlicher zu werden: Ich kenne hier in unserer Stadt
        einige Frauen, die sich selbstständig gemacht haben, weil sie
        keine adäquate Stelle gefunden haben. Es sind Frauen dabei,
        die allein erziehend sind. Ist das nicht erstaunlich? Es ist
        doch bekannt, dass Selbstständigkeit wesentlich mehr
        Arbeitszeit beansprucht, als ein Angestelltenverhältnis. Ich
        weiss von den Frauen, dass sie manchmal oder regelmäßig
        Verwandtschaft und Nachbarn um Kinderbetreuung bitten können.
        Entsprechend des Einkommens haben manche aber auch
        Tagesmütter. Unsere Geschäftspartnerin hat einen Sohn,
        arbeitet etwa 30-35 Stunde die Woche, und überbrückt
        Zeitlücken des Horts mit Nachbarn oder mit mir (Freundin).
        Also, der Wille und die Entschlossenheit zur Berufstätigkeit
        ist da.
        Ich habe den Verdacht, dass sich in unserer Gesellschaft ein
        Klischeebild von Frauen mit Kindern manifestiert hat, dem
        entweder die Frauen selbst gerecht werden, oder von
        Arbeitgebern nicht angezweifelt und somit auch nicht
        durchdacht werden.
        Ein klares "Jein"! (Mal wieder.)
        Also ich frag mich was machen diese selbstständigen Mütter?
        Eine 30-35h Stunden Woche für einen Selbsständigen ist verdammt wenig. Genauso verstehe ich auch warum die von dir zitierte Headhunterin ein Problem hat. Führungskräfte werden nun mal schnell mit 50-60 Stunden aufwärts beansprucht.
        Trotz allem möchte ich den Willen nicht in Abrede stellen. Bei Handwerksberufen kenne ich mich leider über Arbeitszeiten
        gar nicht aus.
        Zugegebenermaßen ist nicht jeder Beruf und nicht jede Stelle
        dafür geeignet, mit beliebigen Arbeitszeitmodellen zu
        versehen.
        Handwerker haben es noch leicht. Die fangen um 7Uhr morgens
        an, und sind, wenn sie angestellt sind, um 16Uhr fertig.
        Diesen Job bekommt man mit Hortöffnungszeit gebacken. Wie müßte denn ein Arbeitszeitmodell für Dich aussehen? Wie
        viele Stunden pro Woche und pro Tag könntest Du
        arbeiten, was wäre die Kernzeit und wie würdest Du die
        Kinderbetreuung einrichten?
        Ich bin zu allem bereit und immer bereit gewesen. Aber die
        Chancen eine Stelle zu finden, sind hier nicht besonders gut.
        Als ich vor 3 Jahren mit der Stellensuche anfing, fiel es mir
        allmählich schwer zuzugeben, dass ich Mutter bin. Das ist für
        manche Arbeitgeber wie ein rotes Tuch. Eine Bekannte von mir
        riet mir, einfach einen Vollzeitjob anzunehmen, oder auf alle
        Bedingungen eines Teilzeitvertrages einzugehen, um denn fest
        im Sattel Bedingungen zu stellen. Aber das ist nicht mein
        Stil, bei aller Liebe zur Berufstätigkeit.
        Zur Zeit habe ich 2 Jobs und mache die Hintergrundarbeit für
        die Firma meines Mannes. Ich komme ohne Hort und ohne Oma aus
        – das ist eine Frage der Organisation und der Kindererziehung,
        nicht zuletzt eine Frage des Alters der Kinder. Stundenweise
        können die Kinder in der Firma meines Mannes betreut werden.
        Den Job meiner Chefin könnte ich nicht machen, die morgens um
        9 im Laden steht, und um 20 Uhr heimkommt, 6 Tage die Woche, 6
        Wochen lang bis es Weihnachten ist. Das geht nur, wenn man
        keine Kinder hat.
        Gratuliere. Aber eine Bekannte von mir ist freie Journalistin für die
        Süddeutsche, mit einem Superequipment (PC, Drucker,
        Digi.Kamera), so dass sie ihre Hauptarbeitszeit Zuhause hat.
        Es stellt wohl keiner in Abrede, dass es auch Jobs gibt, die idealst wären. Doch die sind meist schon besetzt. Ich glaube, es ist ein Problem der Arbeitszeit. Selbst eine 40-:Stundenwoche ist für eine Mutter nur in
        Ausnahmefällen machbar (wenn sie wie das Beispiel zeigt, eine
        engagierte Grossmutter hat). Und bei den zitierten
        75-Euro Jobs für Führungskräfte wird wesentlich mehr erwartet.
        Wie gesagt, es kommt wirklich auf den Job an. Ich hatte schon
        Chefs, die ihre Vormittage am Golfplatz verbrachten. Manche
        Aufgaben lassen sich durch Weitergabe der Arbeit, tüchtiges
        Personal und durch ein gutes Time-Management bewältigen. An
        den Einzelhandel denkend, ein ehemaliger Chef von mir saß viel
        im Büro, und hatte eine recht gute Erstverkäuferin.
        Theoretisch hätte er den Bürokram auch Daheim erledigen
        können, und nur zu Kernzeiten auftauchen.
        Vielleicht hast du da ein bischen ein falsches Bild. Der Vormittag auf dem Golfplatz ist Business. Ich glaube da sitzt nun du einem Klischee auf, von dem Chef's die nicht wirklich arbeiten. Du fragst mich nach meiner idealen Arbeitszeit? Keine Ahnung,
        ob es die gibt. Nach meiner letzten Fortbildung tat ich mich
        mit einer Schulkollegin zusammen, so dass wir uns beide auf
        einen Vollzeitjob bewarben. Wir wollten unsere Arbeitszeit
        verzahnt anbieten – wenn die eine nicht kann, kommt die
        andere. Rat mal, ob wir den Job bekommen haben :-)

        Alles in allem will ich damit sagen, dass es in Sachen Mütter
        und Berufstätigkeit sich nichts generalisieren läßt. Ich weiss
        aus meinen Erfahrungen heraus, dass es Mütter gibt, die
        Führungsqualitäten haben, die entsprechende Arbeit auch
        bewältigen könnten, es ihnen aber an Chancen fehlt.
        völlige Zustimmung. Es läßt sich wirklich nicht generalisieren. Personalchefs wollen von ihren Arbeitgebern eine Garantie für
        ihre Verfügbarkeit, und nehmen manchmal lieber eine schlechter
        qualifizierte Kinderlose als eine gut ausgebildete
        Teilzeitmutter. Diese Erfahrung habe ich gemacht.
        Kannst du wirklich die Qualifikation deiner Mitbewerber objektiv beurteilen?

        Gruß Ivo



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