Gleichmacherei durch Modediktat

Von: , Frage gestellt am Mo, 24. Nov 2003

Hallo,

wie erzieht man ein heranwachsendes Mädchen, damit es sich zu einer selbstbewußten Frau entwickelt?
Eigentlich gar nicht so schwer, nicht wahr? Haben wir Frauen doch so viele Freiheiten wie noch nie, und können unserem Nachwuchs durch Vorleben viele Wege zu ihrer Persönlichkeitsentfaltung aufzeigen.

Aber ich bin mir der Freiheiten nicht mehr sicher. Nicht, dass ich mich unfrei fühle. Eher lese ich immer wieder von Zwängen, die uns Mode, Kommerz und Medien auferlegen, und uns Frauen gleichmachen wollen. Es sind nicht mehr die Funktionfähigkeiten gemäß K-K-K angesagt, sondern jene, die hauptsächlich mit Äußerlichkeiten zu tun haben (Aussehen, Erfolg, Wohlstand). Bleibt da noch Raum für Intuition, Sinnlichkeit, Lebensfreude und vorallem Akzeptanz für die eigene Biografie, Persönlichkeit und Körperlichkeit?

Ich lese zur Zeit ein Buch darüber, wie Eltern am besten mit der Pupertät ihrer Kinder umgehen. Die Autorin hat auch Frauen dazu befragt und in dem Buch zitiert, wie zum B. eine Chefin einer Modefirma:
"Mir tun die jungen Mädchen heute Leid. Zu denken, eine dünne Figur und ein hochgestyltes Outfit seien ein Zeichen für Freiheit und Selbstständigkeit, ist kompletter Blödsinn. Doch das wird ihnen ständig suggeriert. Das Dilemma: Der Modemarkt will keine taffen individuellen Mädchen und Frauen, sondern Dummchen, die sie sich anpassen und kaufen. Der sich immer schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu machen. Aus meiner Sicht ändert sich nur etwas, wenn sich die Frauen ändern. Nur dann ändert sich auch der Markt."

Was meint Ihr? Ist es Zeit für einen Befreiungsschlag für uns Frauen? Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10 Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos, die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine Schönheitschirugie mehr?
Kann es sein, dass wir Frauen bestimmte Abhängigkeiten nicht mehr mitbekommen, und uns durch die Modediktatergebenheit das Leben schwer machen, aber auch unseren Geschlechtsgenossinnen? Ich habe vor kurzem von einer Statistik gelesen, dass schlecht gekleidete Menschen schier nirgendwo Erfolg haben können (die viel zitierten inneren Werte sind Makulatur).

Genug geschrieben. Ich bin ziemlich gespannt, ob sich jemand für mein Thema interessiert.
Und darauf freut sich

grilla

49 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 41 Minuten 2 hilfreich
    Re: Mir aus der Seele gesprochen !

    Hi Grilla,
    wie erzieht man ein heranwachsendes Mädchen, damit es sich zu
    einer selbstbewußten Frau entwickelt?
    Eigentlich gar nicht so schwer, nicht wahr? Haben wir Frauen
    doch so viele Freiheiten wie noch nie, und können unserem
    Nachwuchs durch Vorleben viele Wege zu ihrer
    Persönlichkeitsentfaltung aufzeigen.
    Mehr Möglichkeiten hat man auch nicht. Der Zeigefinger ist kontraproduktiv und verursacht nur Trotz. Aber ich bin mir der Freiheiten nicht mehr sicher. Nicht, dass
    ich mich unfrei fühle. Eher lese ich immer wieder von Zwängen,
    die uns Mode, Kommerz und Medien auferlegen, und uns Frauen
    gleichmachen wollen. Es sind nicht mehr die
    Funktionfähigkeiten gemäß K-K-K angesagt, sondern jene, die
    hauptsächlich mit Äußerlichkeiten zu tun haben (Aussehen,
    Erfolg, Wohlstand). Bleibt da noch Raum für Intuition,
    Sinnlichkeit, Lebensfreude und vorallem Akzeptanz für die
    eigene Biografie, Persönlichkeit und Körperlichkeit?
    Ja, der Raum ist da. Man muß ihn sich aber nehmen. Das geht nur, indem man den Schwachsinn die Mode zurückdrängt. Dieses Selbstbewußtsein und die damit verbundene Fähigkeit nicht mehr VAVA und MieserTäuschungsVersuch gucken zu wollen braucht aber Reife. Mit etwas Glück setzt das Denken früh ein (so etwa mit dem Ende der Bravo-gläubigkeit und des Ich-will-ein-Pferd-haben), wenn man Pech hat dann gar nicht. Letzteres ist die Wunschkandidatin aller Werbung: Alt genug um mehr als Taschengeld zu bekommen aber immer noch dumm genug 150 Euro für eine Jeans auszugeben.
    Ich lese zur Zeit ein Buch darüber, wie Eltern am besten mit
    der Pupertät ihrer Kinder umgehen. Die Autorin hat auch Frauen
    dazu befragt und in dem Buch zitiert, wie zum B. eine Chefin
    einer Modefirma:
    "Mir tun die jungen Mädchen heute Leid. Zu denken, eine dünne
    Figur und ein hochgestyltes Outfit seien ein Zeichen für
    Freiheit und Selbstständigkeit, ist kompletter Blödsinn. Doch
    das wird ihnen ständig suggeriert. Das Dilemma: Der Modemarkt
    will keine taffen individuellen Mädchen und Frauen, sondern
    Dummchen, die sie sich anpassen und kaufen. Der sich immer
    schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der
    danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu
    machen. Aus meiner Sicht ändert sich nur etwas, wenn sich die
    Frauen ändern. Nur dann ändert sich auch der Markt."´
    Perfekt beschrieben. Guck´ Dir die kaugummiwiederkäuenden, gepiercten, bei-0°C-Bauchfreien, autistischen und SMS-daddelsüchtigen Gören doch mal an, die an jeder Straßenecke herumstehen.
    Auf gut deutsch: Zu blöd ´nen Haufen Schei** plattzutreten aber mit dem Arsch wackeln.
    Was meint Ihr? Ist es Zeit für einen Befreiungsschlag für uns
    Frauen? Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine
    Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10
    Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos,
    die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine
    Schönheitschirugie mehr?
    Wäre das schön. Jedem das, womit er / sie sich wohlfühlt und nicht mehr das, was nach der Gehirnwäsche übrig ist. Kann es sein, dass wir Frauen bestimmte Abhängigkeiten nicht
    mehr mitbekommen, und uns durch die Modediktatergebenheit das
    Leben schwer machen, aber auch unseren Geschlechtsgenossinnen?
    Ich habe vor kurzem von einer Statistik gelesen, dass schlecht
    gekleidete Menschen schier nirgendwo Erfolg haben können (die
    viel zitierten inneren Werte sind Makulatur).
    Hat sich denn in den letzten 50 Jahren wirklich was verändert ? Waren es denn früher nicht die "dicken Titten" und ein offener Knopf mehr die geholfen haben ? Heute muß das "Gesamtpaket" stimmen, notfalls werden wahlweise Gummimöpse, gestraf(f)te Kunstknackärsche, gefälschte Farben, auf Pump gekaufte Modefummel, auf dem Asitoaster hautkrebsorange verbrutzelte Visagen und gefakte Rolex benutzt. Von beiden Geschlechtern. Man könnte kotzen.
    Gottseidank habe ich
    - eine Frau, der der Rummel sowas von egal ist
    - einen Freundeskreis, den körperliche Merkmale oder Kohle nicht beeindrucken
    - Kollegen und Kolleginnen jeden Alters und jeder Statur bei denen Sonnenbräune vom Segeln kommt, das Format 80 DD naturgegeben ist oder eben nicht (jedenfalls nicht entscheidend wichtig) und "Mann" auch mal einen Bauch haben darf.

    Gruß
    Bernd
    *dersichmanchmaleinfröhliches"Helau"beimspazierengehennichtverkneifenkann*

  2. Antwort von nach 48 Minuten 1 hilfreich
    Re: Gleichmacherei durch Modediktat

    Hallo Grilla,

    ich antworte dir mal, weil das nicht nur die Frauen betrifft. wie erzieht man ein heranwachsendes Mädchen, damit es sich zu
    einer selbstbewußten Frau entwickelt?
    Das ist extrem schwer. Ich habe zwei Töchter. Eine ist dem Modewahn erlegen, die andere kümmert sich nicht im Geringsten um Mode und Schminke. Beide werden gleich erzogen, beide sind von Natur aus sehr hübsch. Die modeverrückte Tochter ist die deutlich weniger intelligente, wenn man das bei einem ersten Platz in der Mathematikolympiade überhaupt so sagen kann, aber die andere ist hochbegabt.
    Ich schreibe dass, weil ich denke, dass je klüger jemand ist, umso weniger lässt er sich durch Medien und Mode beeinflussen. Aber ich bin mir der Freiheiten nicht mehr sicher. Nicht, dass
    ich mich unfrei fühle. Eher lese ich immer wieder von Zwängen,
    die uns Mode, Kommerz und Medien auferlegen, und uns Frauen
    gleichmachen wollen. Es sind nicht mehr die
    Funktionfähigkeiten gemäß K-K-K angesagt, sondern jene, die
    hauptsächlich mit Äußerlichkeiten zu tun haben (Aussehen,
    Erfolg, Wohlstand). Bleibt da noch Raum für Intuition,
    Sinnlichkeit, Lebensfreude und vorallem Akzeptanz für die
    eigene Biografie, Persönlichkeit und Körperlichkeit?
    Man sollte sich die Freiheit unbedingt nehmen. Ich gehe oft voreingenommen an mir unbekannte Menschen heran. Sehr modisch gekleidete Frauen halte ich erst mal für dümmlich und bei mir kreisen die Gedanken um Sex (nur! die Gedanken). Bei ungeschminkten, eher praktisch gekleideten Frauen habe ich eher die Versuchung, ein richtiges Gespräch anzufangen, ohne zwanghaft negative Gedanken. Ich lese zur Zeit ein Buch darüber, wie Eltern am besten mit
    der Pupertät ihrer Kinder umgehen. Die Autorin hat auch Frauen
    dazu befragt und in dem Buch zitiert, wie zum B. eine Chefin
    einer Modefirma:
    Das man hier Bücher lesen muss, zeigt, wie gezielt die Einflussnahme vonstatten geht. Heute muss man fast Psychologie studiert haben, um seine Kinder unter dieser ständigen Beeinflussung noch normal erziehen zu können. "Mir tun die jungen Mädchen heute Leid. Zu denken, eine dünne
    Figur und ein hochgestyltes Outfit seien ein Zeichen für
    Freiheit und Selbstständigkeit, ist kompletter Blödsinn. Doch
    das wird ihnen ständig suggeriert. Das Dilemma: Der Modemarkt
    will keine taffen individuellen Mädchen und Frauen, sondern
    Dummchen, die sie sich anpassen und kaufen. Der sich immer
    schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der
    danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu
    machen. Aus meiner Sicht ändert sich nur etwas, wenn sich die
    Frauen ändern. Nur dann ändert sich auch der Markt."
    Die Menschen werden sich nicht ändern, zumindest nicht im positiven. Man kann das nur für sich selbst ändern und seiner Umgebung vorleben. Was meint Ihr? Ist es Zeit für einen Befreiungsschlag für uns
    Frauen? Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine
    Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10
    Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos,
    die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine
    Schönheitschirugie mehr?
    Das wäre toll, die meisten werden aber nicht mitziehen. Nur zwei Prozent der Menschen haben eine IQ von über 130. Die anderen sind wohl nur schwer in der Lage sich geistig davor zu schützen. Kann es sein, dass wir Frauen bestimmte Abhängigkeiten nicht
    mehr mitbekommen, und uns durch die Modediktatergebenheit das
    Leben schwer machen, aber auch unseren Geschlechtsgenossinnen?
    Ich habe vor kurzem von einer Statistik gelesen, dass schlecht
    gekleidete Menschen schier nirgendwo Erfolg haben können (die
    viel zitierten inneren Werte sind Makulatur).
    Ich habe folgendes persönlich beobachtet:
    Im Osten Deutschlands ist das Problem mit Erfolg und Kleidung im Arbeitsumfeld kaum vorhanden. Im Westen erst mal nur im Einstellungsgespräch. Später kleiden sich diejenigen besonders top, die damit ihre fehlende Kompetenz verbergen wollen. Wirklich kompetenten Kollegen ist ihr Outfit oft ziemlich egal, die können es sich aber auch leisten.
    Hier wäre ein Ansatz für die Kindererziehung. Kinder, die sehr selbstbewusst sind, legen nicht so einen hohen Wert auf Äußerlichkeiten. Nicht so lelbstbewusste Kinder versuchen das damit auszugleichen.

    Gruß
    Tilo

  3. Antwort von nach 55 Minuten 3 hilfreich
    Re: Gleichmacherei durch Konsumsucht

    Hallo,

    Das sind ja gleich... viele Fragen auf einmal! Das geht nun wirklich nicht! ;-) wie erzieht man ein heranwachsendes Mädchen, damit es sich zu
    einer selbstbewußten Frau entwickelt?
    Dazu kann ich wohl nix sagen... Es sind nicht mehr die
    Funktionfähigkeiten gemäß K-K-K angesagt, sondern jene, die
    hauptsächlich mit Äußerlichkeiten zu tun haben (Aussehen,
    Erfolg, Wohlstand). Bleibt da noch Raum für Intuition,
    Sinnlichkeit, Lebensfreude und vorallem Akzeptanz für die
    eigene Biografie, Persönlichkeit und Körperlichkeit?
    Der Modemarkt
    will keine taffen individuellen Mädchen und Frauen, sondern
    Dummchen, die sie sich anpassen und kaufen. Der sich immer
    schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der
    danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu
    machen.
    Das sind alles Dinge, die nicht auf Frauen beschränkt sind - auch hier haben wir mal wieder ein geschlechtsunabhängiges Phänomen - nur die Art und Weise, die Details unterscheiden sich.

    Bei Frauen sind es eben 90-60-90, Klamotten und Schminke, bei Männern Porsche, Armani-Anzug und WE-Trips nach London, Paris, whatever.

    Ich hab zufällig gestern abend genau darüber ein Kapitel in Marvin Harris' (Anthropologe) Buch "Menschen - wie wir wurden, was wir sind" gelesen. Das Buch ist zwar eher "populär-wissenschaftlich" als soziologische Fachliteratur, aber dennoch interessant. Zur Sache:

    Harris erläutert als _eine_ Seite dieser Medaille, daß der Konsumwahn unserer Zeit aus den feudalen Machstrukturen voriger Zeiten entstanden ist - früher hat sich die Oberschicht durch Geburt definiert und durch bestimmte Äußerlichkeiten abgehoben - seien es bestimmte Kleidung, die "Niederen" verboten oder unerschwinglich war o.a.

    Die Abgrenzung durch Abstammung gibt es heute weitestgehend nicht mehr, alles, was heute die gesellschaftliche Oberschicht ausmacht, ist käuflich. Das Streben nach Zugehörigkeit zu dieser Oberschicht ergibt sich durch die Vorteile, die eine solche Zugehörigkeit hat: Bessere Jobs, aufregendere Erlebnisse, höheres Ansehen etc. (vermeintlich!)

    Die benötigten Konsumgüter wie Luxuskleidung, Autos etc. sind schon fast mehr Preis als Lohn, die Meßlatte wird immer höher gelegt, weil bei zunehmendem Erfolg der Strebenden das jeweilige Gut häufiger und damit weniger wert wird, also muß was neues, noch exklusiveres her - eine endlose Spirale, die nicht wenige in den Ruin führt. Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine
    Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10
    Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos,
    die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine
    Schönheitschirugie mehr?
    Letztlich ist das, glaube ich, keine Frage dessen, was man tut, sondern eine Frage dessen, was man warum tut. Also die Frage nach den Werten hinter den Werten. Geht es bei der Auswahl von Maßnahmen wie Diäten, Haarfarbe, Kleidung um das eigene Wohlbefinden aufgrund des persönlichen Geschmacks, der individuellen Ästhetik, oder geht es um die Blicke der anderen? Dick, ungeschminkt, fette Schuhe tragend und Kartoffelsack tragend, nur um gegen den Strom zu schwimmen ist imho genauso wertlos und "falsch" wie das Gegenteil.

    Eigene Prioritäten finden, sich weitesgehend freimachen von Gesellschaftszwängen "muß" das Ziel sein - in dem Bewusstsein, daß uns das immer bestenfalls zum Teil gelingen wird. Aber man kann es probieren. Es lebe das Einzelgängertum...

    Falsche Natürlichkeit im Sinne von "sich gehenlassen" zu propagieren führt da aber auch nicht hin. Wer sagt "Nur die inneren Werte zählen!" belügt sich selbst und in Deinem Szenario die Tochter. Nur die _eigenen_ Werte zählen!

    Gibt es also Rezepte, um einen jungen Menschen auf diesen Weg zu bringen? Ich weiß es nicht. Vielleicht durch Vorleben, durch offensives und offenes sich-selbst-in-Frage-stellen, immer wieder, jeden Tag auf's Neue, durch teilhaben lassen an eigenen Entscheidungsprozessen. Durch ganz banale Dinge - ich hab da das Bild im Kopf "Ich nehme mein Kind mit zu meinem Lieblingsplatz, dieser wunderschönen Klippe eines Steilufers, stelle mich hinter mein Kind und erzähle ihm von meinen Gedanken und Gefühlen, wenn gerade die Sonne aufgeht, von der Erfüllung des Momentes, der Verbundenheit mit allen Dingen um mich herum, der global-galaktischen Ruhr und Friedlichkeit, von der genauen Beobachtung von kleinen Einzelheiten, um das Bild in meinem Kopf zu halten, davon, wieviel mehr solch ein Moment wert ist als ein Porsche oder ein Dior-Kleid...". Eine romantische und vielleicht auch naive Vorstellung - aber hey, es ist nur ein Bild.

    Hm. Hab ich Dein Thema getroffen? Falls ja, gut, falls nein, hör ich jetzt auf zu schwafeln :-)

    Gruß,

    Malte.

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Gleichmacherei durch Konsumsucht

      Hallo Malte,

      erstmal vielen Dank für geduldige Durchlesen meines Postings :-) Der Modemarkt
      will keine taffen individuellen Mädchen und Frauen, sondern
      Dummchen, die sie sich anpassen und kaufen. Der sich immer
      schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der
      danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu
      machen.
      Das sind alles Dinge, die nicht auf Frauen beschränkt sind -
      auch hier haben wir mal wieder ein geschlechtsunabhängiges
      Phänomen - nur die Art und Weise, die Details unterscheiden
      sich.
      Bei Frauen sind es eben 90-60-90, Klamotten und Schminke, bei
      Männern Porsche, Armani-Anzug und WE-Trips nach London, Paris,
      whatever.
      Jaaa, das schon. Aber von einer 90-60-90 wird nicht mehr erwartet. Ein Armani-Anzug mit Porsche umgibt sich mit diesen Dinge und darf in vielen Richtungen agieren. Frau oberflächlich - Mann mit Stil, weißt du was ich meine? Ich hab zufällig gestern abend genau darüber ein Kapitel in
      Marvin Harris' (Anthropologe) Buch "Menschen - wie wir wurden,
      was wir sind" gelesen. Das Buch ist zwar eher
      "populär-wissenschaftlich" als soziologische Fachliteratur,
      aber dennoch interessant. :
      Das liest sich als ein sehr interessantes Buch (schon notiert). Ich kenne noch Erich Fromm sein "Haben und Sein". Und dann gibt es ja noch "wir amüsieren uns zu Tode" von Neil Postman. Über das Phänomen mit dem Konsumieren wurde schon viel geschrieben.
      Mich stört der Gedanke, dass wir Frauen nicht aus Selbstzweck konsumieren, sondern in einer gesellschaftlichen Erwartungshaltung eingebunden sind. Letztlich ist das, glaube ich, keine Frage dessen, was man
      tut, sondern eine Frage dessen, was man warum tut. Also
      die Frage nach den Werten hinter den Werten. Geht es bei der
      Auswahl von Maßnahmen wie Diäten, Haarfarbe, Kleidung um das
      eigene Wohlbefinden aufgrund des persönlichen Geschmacks, der
      individuellen Ästhetik, oder geht es um die Blicke der
      anderen? Dick, ungeschminkt, fette Schuhe tragend und
      Kartoffelsack tragend, nur um gegen den Strom zu schwimmen ist
      imho genauso wertlos und "falsch" wie das Gegenteil.
      Ein Freund uns geht häufiger auf Fachmärkten (Juweliere sind eine Klasse für sich). Ich habe Respekt davor, dass er immer in Jeans und Hemd ohne Kravatte mitkommt. Das ist seine Art. Und sobald er erzählt, dass er Arzt ist, wird ihm verziehen. Jaja, so sind wir Menschen ;-).
      Es geht nicht um das gegen Strom schwimmen, sondern um Autenzität, und wenn es der Kartoffelsack ist, in der Frau sich wohlfühlt. Eigene Prioritäten finden, sich weitesgehend freimachen von
      Gesellschaftszwängen "muß" das Ziel sein - in dem Bewusstsein,
      daß uns das immer bestenfalls zum Teil gelingen wird. Aber man
      kann es probieren. Es lebe das Einzelgängertum...
      Es lebe die Fähigkeit soviel Phantasie zu entwickeln, dass in jedem Menschen ein Einzelgänger gesehen wird. Egal ob er chice Kleidung von der Stange trägt oder für mein Auge etwas häßliches. Gibt es also Rezepte, um einen jungen Menschen auf diesen Weg
      zu bringen? Ich weiß es nicht. Vielleicht durch Vorleben,
      durch offensives und offenes sich-selbst-in-Frage-stellen,
      immer wieder, jeden Tag auf's Neue, durch teilhaben lassen an
      eigenen Entscheidungsprozessen.
      Ab einem bestimmten Alter muss ich mein Kind loslassen, das sind nur noch ein paar Jahre. Ab dann ist es egal was die Olle erzählt. Ich hoffe, bis dahin bei den Mädchen soviel Rückgrat zustande gebracht habe, dass sie wissen wann sie mit irgendeinen Unsinn aufhören müssen. Ich stelle mich auf alles ein ;-) Hm. Hab ich Dein Thema getroffen? Falls ja, gut, falls nein,
      hör ich jetzt auf zu schwafeln :-)
      ja, danke für´s Schwafeln. Du bist schuld. Ich müßte längst wieder an die Arbeit *seufz* aber jetzt und tschüß

      herzlichst
      Claudia

      • Antwort von nach 7 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Gleichmacherei durch Konsumsucht

        Hallo, Das sind alles Dinge, die nicht auf Frauen beschränkt sind -
        auch hier haben wir mal wieder ein geschlechtsunabhängiges
        Phänomen - nur die Art und Weise, die Details unterscheiden
        sich.
        Bei Frauen sind es eben 90-60-90, Klamotten und Schminke, bei
        Männern Porsche, Armani-Anzug und WE-Trips nach London, Paris,
        whatever.
        Jaaa, das schon. Aber von einer 90-60-90 wird nicht mehr
        erwartet. Ein Armani-Anzug mit Porsche umgibt sich mit diesen
        Dinge und darf in vielen Richtungen agieren. Frau
        oberflächlich - Mann mit Stil, weißt du was ich meine?
        Was wird denn von einem mit nem Porsche erwartet? Sicher, man vermutet da eher ne Leistung hinter als hinter 90-60-90, aber abgefragt wird die auch nie. Porsche an sich und ne große Klappe reichen. Eine Frau mit 90-60-90 hält btw. auch keiner davon ab, in beliebige Richtungen zu agieren :-) Mich stört der Gedanke, dass wir Frauen nicht aus Selbstzweck
        konsumieren, sondern in einer gesellschaftlichen
        Erwartungshaltung eingebunden sind.
        Genau das gilt aber eben für alle - wie ich schrieb: Konsum ist nicht der Lohn, sondern der Preis. An Männer wird ebendiese Erwartungshaltung genauso gestellt. Stell dir den Kontrast zwischen dem kleinen, hageren, verzottelten Typen mit Hakennase und abgewetzten Cord-Sacko sowie Hemd aus der Hose und dem Model-Typ in Armani-Anzug, mit Schwimmer-Kreuz und Nivea-Hintern sowie ebenjenem Porsche vor. Die wirkliche Leistung hinterfragt da niemand. Letztlich ist das, glaube ich, keine Frage dessen, was man
        tut, sondern eine Frage dessen, was man warum tut.
        Es geht nicht um das gegen Strom schwimmen, sondern um
        Autenzität, und wenn es der Kartoffelsack ist, in der Frau
        sich wohlfühlt.
        Genau das meine ich doch - allerdings halte ich es für falsch, dem Kartoffelsack und die Wampe in jedem Fall mit "Natürlichkeit" und "Individualität" gleichzusetzen.


        Eigene Prioritäten finden, sich weitesgehend freimachen von
        Gesellschaftszwängen "muß" das Ziel sein - in dem Bewusstsein,
        daß uns das immer bestenfalls zum Teil gelingen wird. Aber man
        kann es probieren. Es lebe das Einzelgängertum...
        Es lebe die Fähigkeit soviel Phantasie zu entwickeln, dass in
        jedem Menschen ein Einzelgänger gesehen wird. Egal ob er chice
        Kleidung von der Stange trägt oder für mein Auge etwas
        häßliches.
        Das eben geht nicht, kann ich nicht und will ich auch nicht, solange 90% der Menschen "von der Stange" sind. Vom Geiste her. Gibt es also Rezepte, um einen jungen Menschen auf diesen Weg
        zu bringen? Ich weiß es nicht. Vielleicht durch Vorleben,
        durch offensives und offenes sich-selbst-in-Frage-stellen,
        immer wieder, jeden Tag auf's Neue, durch teilhaben lassen an
        eigenen Entscheidungsprozessen.
        Ab einem bestimmten Alter muss ich mein Kind loslassen, das
        sind nur noch ein paar Jahre. Ab dann ist es egal was die Olle
        erzählt. Ich hoffe, bis dahin bei den Mädchen soviel Rückgrat
        zustande gebracht habe, dass sie wissen wann sie mit
        irgendeinen Unsinn aufhören müssen. Ich stelle mich auf alles
        ein ;-)
        Klar, die Zeit ist begrenzt. Ich weiß nicht, wie alt Deine Tochter ist, aber im Zweifelsfall ist die Zeit, in der Du da wirklich etwas lenken kannst, lange vorbei und die Weichen längst gestellt. Allerdings zeigt sich sowas mitunter erst nach einiger Zeit, die es im Verborgenen schlummert, also immer optimistisch bleiben ;-)

        Gruß,

        Malte.

  4. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Gleichmacherei durch Modediktat

    Liebe Claudia,

    ist das nicht auch eine Frage, was du vorlebst? Ich bin ja nun völlig fern der Erziehungspraxis.:-) Aber "Intuition, Sinnlichkeit, Lebensfreude und vorallem Akzeptanz für die eigene Biografie, Persönlichkeit und Körperlichkeit?" sind doch teilweise Dinge, die schon über das (glückliche, tolerante, streitbare, offene, herzliche...) Elternhaus mitkommen. Wobei ich mir voll bewusst bin, was Druck in der Peergroup für eine Rolle spielt. Dennoch.

    Allerdings glaube ich nicht, dass das alles völlig neu ist. (von wegen Druck durch Schönheitsideal) Ich weiß, dass meine Großtante völlig verkorkste Füße hatte, weil sie als junges Mädchen Schuhe immer eine Nummer zu klein kaufte. Frauen hatten kleine Füße zu haben. Ihr erster Spaziergang mit ihrem Liebsten kostete in wahrsten Sinne des Wortes viel Blut. Blutige Blasen an den Füßen. Und dann die Korsetts, die die Frauen ständig in Ohnmacht fallen ließen...:-) - da ist bauchfrei erstmal wirklich frei;-).

    Sicher, das Thema Aussehen ist heute mehr durch Konsum bestimmt, ok. Und wie Malte sagt: Jungs betrifft es heute genauso. Was meint Ihr? Ist es Zeit für einen Befreiungsschlag für uns
    Frauen? Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine
    Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10
    Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos,
    die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine
    Schönheitschirugie mehr?
    Vielleicht einen Mittelweg finden. Besser noch: Sich selbst finden. Und kapieren, dass es dennoch immer Einflüsse von außen geben wird. Ich selbst halte mich für relativ weit weg von dem gängigen propagierten Schönheitsideal: ich habe deutlich Übergewicht (was mich zur Zeit schon etwas stört, aber ich werde auch nach einer Gewichtsabnahme nie auch nur ansatzweise Richtung 90-60-90 tendieren, da fehlt mir auch jeder Ehrgeiz zu!), trage eine Brille, rasiere mir nicht die Achselhaare (hab das nie kapiert, wozu das gut sein soll und ehrlich gesagt auch erst vor 2 Jahren in wer-weiss-was erfahren, dass das mittlerweile üblich zu sein scheint:-)), achte allerdings schon auf meine Kleidung und meine Frisur, Farbe im Gesicht *sehr* dezent, aber auch. Und ich ziehe mich gerne schick an. Letzteres tue ich, weil es mir gefällt, schöne Stoffe an der Haut zu tragen und weil ich mich an schönen Kleidern erfreue. Weshalb ich: Ich habe vor kurzem von einer Statistik gelesen, dass schlecht
    gekleidete Menschen schier nirgendwo Erfolg haben können (die
    viel zitierten inneren Werte sind Makulatur).
    das durchaus nachvollziehen kann. Es muss nicht schick sein, aber angemessen. Das ist für mich eine Frage des Respekts - und dhaer durchaus eine ache der inneren Werte und der "social skills". Als Trainerin in einem Managementseminar werde ich keine Jeans tragen, sondern eine Anzug oder ein Kostüm. Bei einem Bewerbungsgespräch sollte ich nicht gerade die letzten dreckigen Turnschuhe anziehen usw. Da bin ich vielleicht (zu?) konservativ. Aber mich würde das auch stören.

    liebe Grüße,

    barbara

  5. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: Gleichmacherei durch Modediktat

    Hallo Claudia,

    nach drei Männern jetzt mal von einer Frau:
    wie erzieht man ein heranwachsendes Mädchen, damit es sich zu
    einer selbstbewußten Frau entwickelt?
    Durch Stärkung des Selbstbewusstsein. Doof, diese Aussage? Nee, eigentlich nicht. Anerkennung des Kindes (vermutlich für Buben nicht anders, aber ich hatte halt nur eine Tochter), auch wenn man sich mit der gerade geäußerten Meinung, den gerade geäußerten Wünschen sehr hart tut. Eigentlich gar nicht so schwer, nicht wahr? Haben wir Frauen
    doch so viele Freiheiten wie noch nie, und können unserem
    Nachwuchs durch Vorleben viele Wege zu ihrer
    Persönlichkeitsentfaltung aufzeigen.
    Wie gesagt, auch die Anerkennung der Wünsche des Nachwuchses ist wichtig. Nicht einfaches und stures Nachgeben, eigene kritische Meinung dazu äußern darf auch sein, aber z.B. das von bestimmten Eltern auch hier im Brett so vielgeliebte einfach verbieten, was den Eltern nicht gefällt, sollte strikt auf gefährdende Situationen beschränkt bleiben. Aber ich bin mir der Freiheiten nicht mehr sicher. Nicht, dass
    ich mich unfrei fühle. Eher lese ich immer wieder von Zwängen,
    die uns Mode, Kommerz und Medien auferlegen, und uns Frauen
    gleichmachen wollen. Es sind nicht mehr die
    Funktionfähigkeiten gemäß K-K-K angesagt, sondern jene, die
    hauptsächlich mit Äußerlichkeiten zu tun haben (Aussehen,
    Erfolg, Wohlstand). Bleibt da noch Raum für Intuition,
    Sinnlichkeit, Lebensfreude und vorallem Akzeptanz für die
    eigene Biografie, Persönlichkeit und Körperlichkeit?
    Aber sicher, wenn die Erziehung zum Sebstbewusstsein einem beigebracht hat, dass man als Mensch geliebt wird und nicht als funktionierende "Maschine", auf welchem Gebiet auch immer. Mein Vater gebrauchte gerne die Worte: "Deine Launen brauchst Du nicht an mir auszulassen." Meine Mutter konnte mit der vermeintlichen Anerkenunng, die ich durch meinen Vater erfahren habe, überhaupt nichts anfangen und kritisierte ausschließlich. Zärtlichkeit schlussendlich war bei meinen Eltern schon generationsbedingt kein Thema. Mich wundert heute nicht mehr, dass ich um Sebstbewusstsein noch heute manchmal schwer kämpfen muss.

    Bei meiner Tochter war mir am Wichtigsten, dass ich sie anerkenne als den Menschen, der sie ist. Auch in schweren pubertären Zeiten ("Schule ist Scheiße") habe ich mich bemüht, ihr ihre eigenen Wünsche entgegen zu halten (was für ein Glück, wenn ein Mädchen schon mit 7 Lehrerin und mit ca. 11 Jahren Mathelehrerin werden möchte, da führt kein Weg ohne Abitur hin. Auch wenn sie sowas nicht gerade gerne hörte, gewirkt hat es. Das Dilemma: Der Modemarkt
    will keine taffen individuellen Mädchen und Frauen, sondern
    Dummchen, die sie sich anpassen und kaufen. Der sich immer
    schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der
    danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu
    machen. Aus meiner Sicht ändert sich nur etwas, wenn sich die
    Frauen ändern. Nur dann ändert sich auch der Markt."
    Auch wenn ich das Zitat gekürzt habe: Es klingt sehr erstrebenswert, dass die eigene Tochter nicht der Mode hinterher läuft. Aber weißt Du auch, was Du Dir damit antust? Du kannst ganze Nachmittage beim Streifzug durch Kaufhäuser und Geschäfte zubringen, weil der einfarbige Pulli ohne Emblem in der gewünschten und benötigten Größe nicht verfügbar ist, wenn gerade "Schaulaufen für In-Marken" angesagt ist. Ähnliches gilt für Schuhe... Aber Schwarzseherei beiseite: Ich glaube nicht mal, dass es "den Modemarkt" gibt. Die Frau aus der Modebranche schrieb das zwar gerade so, aber glücklicherweise gibt es - vor allem dann im Versandhandel - auch Angebote für Frauen, die nicht das totals Durchstylen als Hauptlebenszweck sehen. Was meint Ihr? Ist es Zeit für einen Befreiungsschlag für uns
    Frauen? Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine
    Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10
    Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos,
    die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine
    Schönheitschirugie mehr?
    Außer Diäten und als Teenie ein wenig Schminke war das alles für mich noch nie ein Thema. Ich "wohne" in meinen Klamotten, und wie es scheint, hat sich das meine Tochter bei mir abgeguckt. Was aber im Wesentlichen bei uns dazu geführt haben mag, ist die Tatsache, das bei uns beiden in der Kindheit gar nicht das Geld dazu da war, sich regelmäßig nach der Mode zu kleiden (ich war die Jüngste von fünf bzw. neun, da war einfach kein Geld da, als ich mich vom meiner Tochter getrennt habe, habe ich erst von Sozialhilfe gelebt, dann auf ähnlichem finanziellem Niveau studiert). Es scheinst so, als ob das deutlich prägt.

    Und: Zeit ist es, wie Malte schon schrieb, das zu tun, was der oder die einzelne wirklich wünscht. Kann es sein, dass wir Frauen bestimmte Abhängigkeiten nicht
    mehr mitbekommen, und uns durch die Modediktatergebenheit das
    Leben schwer machen, aber auch unseren Geschlechtsgenossinnen?
    Ich habe vor kurzem von einer Statistik gelesen, dass schlecht
    gekleidete Menschen schier nirgendwo Erfolg haben können (die
    viel zitierten inneren Werte sind Makulatur).
    Also, ich habe meinen derzeitigen Job - zugegebenermaßen Ende 2000, als die IT-Hype noch lief - nach einem Einstellungsgespräch in Jeans erhalten. Andererseits sehe ich es durchaus ein, dass ich mich für Kundenkontakte (glücklicherweise selten bis garnicht) so kleiden muss, dass ich die Dokumentationsfähigkeit der Firma richtig repräsentiere. Auch eine angemessene Kleidung für Konzert und Oper ist für mich kein Fremdwort. Aber auch dafür habe ich eine Auswahl von 4 kombinierbaren Stücken, die ich z.T. seit 4 bis 5 Jahren besitze, ohne dass ein Erneuerungsbedarf in Sicht ist.

    Uff, das war jetzt lang und sehr subjektiv, aber ich glaube, zu dem Thema kann man auch schlecht objektiv schreiben.

    Liebe Grüße, Karin

  6. Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
    Re: Gleichmacherei durch Modediktat

    Hallo Grilla, wie erzieht man ein heranwachsendes Mädchen, damit es sich zu
    einer selbstbewußten Frau entwickelt?
    Tja, auf diese Frage hätte ich auch gerne eine Antwort ;-)
    Ich habe mich inzwischen damit abgefunden, daß die ganze "Erziehungstherorie" fast völlig am realen Leben vorbeigeht. Meine Kinder zu irgendetwas zu erziehen ist mir noch nicht so richtig gelungen. M.E. lebt die Erziehung nicht so sehr von der Aktion, sondern mehr von der Reaktion der Erzieher. Jedes Kind agiert auf seine eigene Art und Weise, empfindet Dinge anders als seine Vorbeter oder Geschwister, entwickelt sich schließlich zu einer eigenen Persönlichkeit. Kinder sind nicht die Abziehbilder ihrer Eltern und funktionieren auch nicht wie ein Computer, den es gilt nach bestem Wissen und Gewissen zu programmieren und dann läuft das ganze System nach diesen Vorgaben ab.

    Nein, Kinder haben Wahlmöglichkeiten! Und diese nutzen sie permanent. Zum Wählen brauchen sie Angebote. Einige wenige können die Eltern liefern. Ob die Kinder sie annehmen? Manchmal ja, meistens nein. Als Eltern kann man eigentlich nur versuchen vorzuleben, was man den Kindern vermitteln will. Ob sie es annehmen steht in den Sternen. Eigentlich gar nicht so schwer, nicht wahr? Haben wir Frauen
    doch so viele Freiheiten wie noch nie, und können unserem
    Nachwuchs durch Vorleben viele Wege zu ihrer
    Persönlichkeitsentfaltung aufzeigen.
    Richtig, aufzeigen. Mehr nicht. Ich lese zur Zeit ein Buch darüber, wie Eltern am besten mit
    der Pupertät ihrer Kinder umgehen.
    Claudia, schmeiß das Buch in die Tonne ;-)

    Bei solchen Büchern fällt mir immer ein, wie ein Kumpel mir dauernd erzählte, daß er gelesen hat, daß Katzen sich so und so verhalten und daß man dies und jenes tun müßte, damit die Katze jenes macht. Und was hab ich ihm immer geantwortet? Schön, daß da einer ein Buch geschrieben hat. Und schön, daß du das Buch gelesen hast. Leider haben es meine Katzen nicht gelesen. Die machen immer noch was sie wollen.

    Und jetzt Rückblende: Ende 60er Anfang 70er Jahre. Wie mußte der Jüngling aussehen um als Rockmusikfan erkannt zu werden? Genau: Jeans und lange Haare. Die Eltern und Erwachsenen haben den Kopf geschüttelt, uns beschinpft. Und die Mädels? Miniröcke waren angesagt. Proteste aller Orten. Wie wurde gepredigt über die verlorengegangene Moral. Und wie haben wir uns dabei gefühlt? Einfach Klasse! Protest gegen alles und jeden, aber uniformiert bis zum gehtnichtmehr.
    Was war passiert? Wir haben alles genauso gemacht, wie es unsere Eltern eben nicht wollten. Orientiert haben wir uns an der Gruppe, und (ganz furchtbar) am Kommerz: Hosen mit Schlag, Platten von Deep Purple, lila Latzhosen für unsere Kampfemanzen usw. Und dann kamen die Punker. Und wieder stand das Gruppenverhalten im Vordergrund mit allen kommerziellen Spielarten, die in den Markt strömten. Was dann kam weiß ich nicht mehr. Da sollte ich dann erwachsen sein :-) "Der sich immer
    schneller drehende Trendwahn ist ein neuer Konservatismus, der
    danach trachtet, Mädchen zu konsumierenden Marionetten zu
    machen.
    Nur ein Gedanke zu diesem Zitat: Neu ist daran wirklich nichts (s.oben). Richtig ist möglicherweise, daß die Trends sich schneller ändern als früher. Das sieht man an den neusten Automodellen, der Schnellebigkeit von PCs, an den Klamotten usw. Hier gibt es Marktgesetze, deren Credo vom Umsatz bestimmt wird. Was nützt es ein Modell auf den Markt zu bringen, welches dann 20 Jahre lang "in" ist. Was mach ich mit meiner Firma so lange? Und wenn der Markt den immer schneller werdenden Wechsel hergibt, so ist das völlig ok. Gezwungen wird aber niemand. Und es gibt genug Menschen, die versuchen sich dem zu entziehen oder nie ein Gefühl dafür entwickelt haben, was gerade angesagt ist.

    Aus meiner Sicht ändert sich nur etwas, wenn sich die Frauen ändern. Nur dann ändert sich auch der Markt."
    Wer's glaubt ... ;-)
    Die Frauen werden sich aber nicht ändern. Wetten? Es müssen auch weiterhin die neuesten Klamotten sein und alles was sonst noch dazugehört um .. na was ... chic zu sein? Nein, um dem Gruppenverhalten zu entsprechen. Und besonders für Jugendliche ist dieses Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe ein Schritt zum erwachsen werden. Wobei bei der Wahl der Gruppe die eigene Familie eben oft ganz bewußt ausgeklammert wird. Das gehört wohl zur Entwicklung der Persönlichkeit und der Eigenständigkeit dazu. Was meint Ihr? Ist es Zeit für einen Befreiungsschlag für uns
    Frauen? Extrem geträumt Natur pur: keine Diäten, keine
    Schminke, keine Rottöne für die Haare, nur noch Schuhe mit 10
    Jahre Haltbarkeitsgarantie, klassische zeitlose Mode zeitlos,
    die die nächsten 5 Jahre auch noch "gut" aussieht, keine
    Schönheitschirugie mehr?
    Nein, liebe Claudia. Das ist Utopie. Und ich weiß auch nicht, ob es die Frauen glücklich machen würde, wenn deine Vision eintreffen würde. Genug geschrieben. Ich bin ziemlich gespannt, ob sich jemand
    für mein Thema interessiert.
    Aber klar doch. Habe selbst eine pubertierende Tochter.

    Gruß
    Roland

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Gleichmacherei durch Modediktat

      Hallo Roland, Kinder sind nicht
      die Abziehbilder ihrer Eltern und funktionieren auch nicht wie
      ein Computer, den es gilt nach bestem Wissen und Gewissen zu
      programmieren und dann läuft das ganze System nach diesen
      Vorgaben ab.
      Da bin ich mir eben nicht so sicher, das mit dem Abziehbild. Ich will meinen Einfluß nicht unterschätzen, vorallem all jene Unausgesprochenen. Meine Töchter erleben eine Frau, eine Ehefrau, eine geldverdienende Angestellte, eine in Jeans, in Schlafanzug, in chicer und in ausgelatschter Kleidung..... Alles was ich tue und vorallem auch nicht tue beeinflußt sie.
      Ganz sicher werden auch sie (genau wie ich als Teeny) auf die Suche nach ihrem Stil gehen, vielleicht so manchen Gegenstromschwimmversuch unternehmen.
      Aber ich komme mit den heutigen Vorbilder nicht zurecht. Das geht entgegen meiner grundsätzlichen Überzeugung. Da ich mal in der Werbebranche reinschmeckte, bekam ich auch mit, wie gezielt diese jungen Mädchen mit ihrem Taschengeld angegangen werden. Da schwabbt durch unsere Gesellschaft eine heftige Kommerzwelle durch, die mein jahrelanges Bemühen um individuelle Förderung meiner Weibchen zu untergraben droht. Da schwimmt meine Große bereits gegen den Strom, ohne zu wissen wie ihr geschieht. Klassenkameraden verabreden sich fast täglich zum Einkaufcenterbummel Klamotten anschauen, und danach Kaffee trinken gehen. Ich frage mich, wieviel Geld den Mädchen zur Verfügung steht.

      Wir kommen zurecht, und die Tochter hat einige Möglichkeiten gefunden um ihre Freizeit genießen zu können. Nein, Kinder haben Wahlmöglichkeiten! Und diese nutzen sie
      permanent. Zum Wählen brauchen sie Angebote. Einige wenige
      können die Eltern liefern. Ob die Kinder sie annehmen?
      Manchmal ja, meistens nein. Als Eltern kann man eigentlich nur
      versuchen vorzuleben, was man den Kindern vermitteln will. Ob
      sie es annehmen steht in den Sternen.
      Wahlmöglichkeiten haben sie schon. Aber wie sieht es mir ihrem Urteilsvermögen aus? Wie oft, dass etwas verlockend wirkt (Clique, Freizeitunternehmung), es ist "hip" oder "angesagt" und tut nicht gut. Ich lese zur Zeit ein Buch darüber, wie Eltern am besten mit
      der Pupertät ihrer Kinder umgehen.
      Claudia, schmeiß das Buch in die Tonne ;-)
      Das Buch ist super. Aber ich gehöre nicht zu denen, die sich akribisch an Vorschläge halte. Ich lasse mich gerne mal auf eine andere Denkschiene schupsen, und suche dann die Balance zwischen meinen Erfahrungen und der neu erworbenen Bucherkenntnis. Und jetzt Rückblende: Ende 60er Anfang 70er Jahre. Wie mußte
      der Jüngling aussehen um als Rockmusikfan erkannt zu werden?
      Genau: Jeans und lange Haare. Die Eltern und Erwachsenen haben
      den Kopf geschüttelt, uns beschinpft. Und die Mädels?
      Miniröcke waren angesagt. Proteste aller Orten. Wie wurde
      gepredigt über die verlorengegangene Moral. Und wie haben wir
      uns dabei gefühlt? Einfach Klasse! Protest gegen alles und
      jeden, aber uniformiert bis zum gehtnichtmehr.
      Was war passiert? Wir haben alles genauso gemacht, wie es
      unsere Eltern eben nicht wollten. Orientiert haben wir uns an
      der Gruppe, und (ganz furchtbar) am Kommerz: Hosen mit Schlag,
      Platten von Deep Purple, lila Latzhosen für unsere
      Kampfemanzen usw. Und dann kamen die Punker. Und wieder stand
      das Gruppenverhalten im Vordergrund mit allen kommerziellen
      Spielarten, die in den Markt strömten. Was dann kam weiß ich
      nicht mehr. Da sollte ich dann erwachsen sein :-)
      Das gehört dazu, ich habe mir Maxiröcke genäht und mich regelmäßig mit meinem 2m-Schal irgendwo gewürgt weil ich irgendwo hängen blieb.;-)
      Aber haben unsere Kids heute die Freiheit ihre Mode zu kreieren wie wir sie früher hatten? Ich befürchte, dass unser Erwachsenen-Einfluß übermächtig ist, weil der Modemarkt geldgierig ist. Nur ein Gedanke zu diesem Zitat: Neu ist daran wirklich nichts
      (s.oben). Richtig ist möglicherweise, daß die Trends sich
      schneller ändern als früher. Das sieht man an den neusten
      Automodellen, der Schnellebigkeit von PCs, an den Klamotten
      usw. Hier gibt es Marktgesetze, deren Credo vom Umsatz
      bestimmt wird. Was nützt es ein Modell auf den Markt zu
      bringen, welches dann 20 Jahre lang "in" ist. Was mach ich mit
      meiner Firma so lange? Und wenn der Markt den immer schneller
      werdenden Wechsel hergibt, so ist das völlig ok. Gezwungen
      wird aber niemand. Und es gibt genug Menschen, die versuchen
      sich dem zu entziehen oder nie ein Gefühl dafür entwickelt
      haben, was gerade angesagt ist.
      Manipulation ist ein schleichender Zwang! Wie schottet man sich dagegen ab, wenn man als Heranwachsender anfängt sich außerhalb der elterlichen 4Wände zu orientieren? Ich finde, dass die Frauenklischees der Werbungen regelrecht um Hilfe aufschreien läßt, weil sie eben nicht der Wertschätzung für Frauen dienlich sind. Die Frauen werden sich aber nicht ändern. Wetten? Es müssen
      auch weiterhin die neuesten Klamotten sein und alles was sonst
      noch dazugehört um .. na was ... chic zu sein? Nein, um dem
      Gruppenverhalten zu entsprechen. Und besonders für Jugendliche
      ist dieses Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe ein Schritt
      zum erwachsen werden.
      die rigorosesten Kritiker der Frauen sind Frauen. Nein, liebe Claudia. Das ist Utopie. Und ich weiß auch nicht,
      ob es die Frauen glücklich machen würde, wenn deine Vision
      eintreffen würde.
      mein Erziehungsziel ist, den Freiheitssinn meiner Mädchen zu schärfen. Wenn sie sich entscheiden müssen zwischen dem Erscheinungsbild nach Wunsch der anderen und dem ihren, dann hoffe ich auf ihren gesunden Menschenverstand. Wir Frauen sind nicht nur liebenwert weil wir lange Beine zu zeigen haben, sondern trotz manch modischer Geschmacklosigkeiten. Und genau das scheinen wir Frauen selbst immer wieder in Zweifel zu stellen, mit den dazugehörigen Folgen.

      viele Grüße
      Claudia



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