'Emanze' als Schimpfwort ?

Von: , Frage gestellt am Mi, 3. Jan 2001

Hallo und ein Gutes Neues Jahr erstmal allzusammen :-)

Mich interessiert mal folgendes: In letzter Zeit gewinne ich mehr und mehr den Eindruck, dass das Wort "Emanze" irgendwie als Schimpfwort gebraucht und verstanden wird. Wieso ist das eigentlich so ?
Für mich steht "Emanze" als Abkürzung für eine emanzipierte Frau, aus meiner Sicht also etwas durchaus positives.

Wer bringt Licht in mein Dunkel ?
Gruss
Marion

27 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 15 Minuten hilfreich
    Re: 'Emanze' als Schimpfwort ?

    Hi, Marion,
    Das Wort ist im Prinzip schon total veraltet. die menschen, die es gebrauchen, meinen es auch wirklich meistens abwertend, ob es nun von einem männlichen oder weiblichen Wesen kommt...
    Solltest du das also mal in bezug auf dich oder andere hören, brauchst du es auch nichtmal als Schimpfwort aufzufassen,
    da diejenigen, die es benutzen einfach hinter`m mond leben..
    LG Christin. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 14 Stunden hilfreich
      Re^2: Zustimmung (o.T.)

      ;-)

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: 'Emanze' als Schimpfwort ?

      Hallo Christin, Das Wort ist im Prinzip schon total veraltet. die menschen,
      die es gebrauchen, meinen es auch wirklich meistens abwertend,
      ob es nun von einem männlichen oder weiblichen Wesen kommt...
      Solltest du das also mal in bezug auf dich oder andere hören,
      brauchst du es auch nichtmal als Schimpfwort aufzufassen,
      da diejenigen, die es benutzen einfach hinter`m mond leben..
      Nun ja *hmmmpfschmunzel* eigentlich bezeichne ich mich selbst auch als Emanze und verstehe mich damit als Nachfolgerin (aus zeitlicher Perspektive) der "alten" Frauenbewegung, die soviel für uns Frauen erreicht hat. Also quasi als jemanden, der die Fackel weiterträgt :-)

      Trotzdem schönen Gruss :-)
      Marion

  2. Antwort von nach 2 Stunden 5 hilfreich
    Re: 'Emanze' als Schimpfwort ?

    moin + prost neujahr!
    emanzipation bedeutet ja im urspruenglichem sinne: befreiung aus einem zustand der abhaengigkeit oder beschraenkung. so schoen aus dem alten latein zusammengesetzt: ex manus capere = aus der hand nehmen ( oder so aehnlich - ist verschuettet..-- hatte halt nur kleines latinum.. )
    traf historisch wunderbar zu auf sklaven,leibeigene, etc
    richtig gepraegt wurde dieser begriff nach meiner erinnerung ende der sechziger/anfang siebziger jahre durch frauen:
    emanze war durchaus kein schimpfwort, sondern eine konstruktion von damals wegbereitenden publizierenden frauen = alice schwarzer und die ganze gang dahinter. das hing zusammen mit dem wunsch nach vereinfacherungen fuer schmissige begriffe:
    der revolutionaer wurde zum revoluzzer, und die sich befreiende frau zur emanze. pikant waere jetzt eine sprachwissenschaftliche untersuchung, warum die "z"-endungen gewahlt wurden....
    von der maennerwelt wurde dieses wort gern uebernommen, weil es in der zusammenstellung schon boese wirkt ( seichtes e + a mit hartem z ) .
    dann kam der "system shock" , dass frauen das propagierte auch auslebten + die maenner z.t. nicht damit zurechtkamen - parallel dazu war der ausdruck aber schon geboren - und es kam, wie es kommen musste: der einstmals originelle - durch frauen in aufbruchstimmung gepraegte begriff - wurde von der verstoerten maennerwelt uebernommen, und zu derem eigentum fuer negativerlebnisse belegt.
    da maenner in den medien immer noch stark ueberrepaesentiert meinungsbildend sind, und - ich erlaube mir zu behaupten - gerade redakteure ueberproportional beziehungsgeschaedigt sind - kam es zu dieser verhaengnisvollen sprach - und bedeutungs-
    entwicklung.
    danke fuer deine aufmerksamkeit
    kuddel

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      gut formuliert!

      Hei Kuddel,

      so klar und prägnant hab ich das schon lange nicht mehr gelesen. Besser hätte ich es bestimmt nicht gekonnt. Und das als ehemalige Gründerin des "Autonomen Frauenreferates im ASta der FH Trier" in den späten Achtzigern...

      ein bischen neidisch aber auch erfreut
      Trilli

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        freut mich.....

        ... werde es der frau mitteilen, die mich "gepraegt" hat ;-) . hatte uebrigens inzwischen eine email eines journalisten erhalten, der sich verbeten hat, seinen berufsstand als "beziehungsgeschaedigt" zu bezeichnen.
        gruss
        kuddel

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Die Emanze und der Gewerkschafter

      Moin Kuddel
      und danke für deinen Beitrag :-)

      Was du schreibst klingt ziemlich gut und einleuchtend. Aber ein paar Fragen bleiben dennoch offen.

      und es kam, wie es kommen musste: der einstmals originelle - durch
      frauen in aufbruchstimmung gepraegte begriff - wurde von der
      verstoerten maennerwelt uebernommen, und zu derem eigentum
      fuer negativerlebnisse belegt.
      da maenner in den medien immer noch stark ueberrepaesentiert
      meinungsbildend sind, und - ich erlaube mir zu behaupten -
      gerade redakteure ueberproportional beziehungsgeschaedigt sind
      - kam es zu dieser verhaengnisvollen sprach - und bedeutungs-
      entwicklung.
      Reicht das wirklich als Erklärung aus ? Sollte die Medienwelt so machtvoll sein, und die Frauen diese Begriffsbelegung so "einfach" übernommen haben ? Warum versteht sich eine Frau, die sich für die emanzipation der Frau einsetzt, nicht auch heute "stolz" als Emanze, quasi als Nachfolgerin der "alten" Frauenbewegung ? Schließlich nennt sich ein engagierter Gewerkschaftler auch heute noch stolz "Gewerkschaftler", obwohl es auch innerhalb der Gewerkschaften sicher radikale Einzelansichten gegeben haben mag (und auch immer noch gibt), mit denen der Grossteil sich kaum anfreunden konnte.

      Heute lese ich aber immer mal wieder bei Frauen, die sich für die Belange der Frauen einsetzen (also quasi für Emanzipation), dass sie trotz ihrer Einstellung doch bitte niemand für eine "Emanze" halten soll. Wenn ich sowas lese, stellen sich mir die Nackenhaare hoch *g*.

      Gruss
      Marion

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re: Die Emanze und der Gewerkschafter



        Aber ein paar Fragen bleiben dennoch offen. moin marion, hier meine antworten:

        Reicht das wirklich als Erklärung aus ?
        pauschal nein!


        Sollte die Medienwelt so machtvoll sein,
        ja - weil ich immer noch der ueberzeugung bin, dass medien von maennern beherrscht werden, und somit konsequent das prinzip herrscht, dass meinungen auch von maennern gemacht werden.

        und die Frauen diese Begriffsbelegung so "einfach" übernommen haben ?
        was bleibt dir denn uebrig, wenn du das eingehaemmert bekommst.....


        Warum versteht sich eine Frau, die sich für die emanzipation der Frau einsetzt, nicht auch
        heute "stolz" als Emanze, quasi als Nachfolgerin der "alten"
        Frauenbewegung ?
        weil - wie ich schon vorab sagte - dieses mittlerweile ein BOESES wort ist....


        Schließlich nennt sich ein engagierter Gewerkschaftler auch heute noch stolz "Gewerkschaftler",
        hast nen komischen bekanntenkreis .... momentan kenn ich nur leidende.... gewerkschaft ist out.... aber das ist nen anderes thema in nem anderne brett....




        Heute lese ich aber immer mal wieder bei Frauen, die sich für
        die Belange der Frauen einsetzen (also quasi für
        Emanzipation), dass sie trotz ihrer Einstellung doch bitte
        niemand für eine "Emanze" halten soll. Wenn ich sowas lese,
        stellen sich mir die Nackenhaare hoch *g*.
        genau das ist es doch, was deine ausgangsfrage war: das wort EMANZE ist mittlerweile so negativ belegt, dass leute pickel kriegen, wenn sie das wort ueberhaupt hoeren.

        die entwicklung hat doch so stattgefunden, dass themen, wie waeschewaschen + geschirrabspuelen und sogar kindererziehung etc von der maennerwelt ziemlich akzeptiert sind, aber es steht doch immer noch die grosse "schwanz-ab"-bedrohung im raum, die von einigen outsidern der szene aus der frauenbewegung propagiert wurde!
        ich nenne es mal penetrationshysterie, die es war, einige frauen zu dem entschluss haben kommen lassen, dass der mann im prinzip ein feind ist.
        maenner haben sich auf die lapidare art gewehrt: mit verachtung, mit ignoranz und mit teils gespielter oder oefters echter hilflosigkeit.

        insofern war es die konsequente fortfuehrung des maennlichen gedankens, sich ein feindbild zu suchen: irgendein weibliches wesen, und was liegt da naeher, als fuer sich einen mediengeilen
        begriff zu uebernehmen?
        gruss + peace zwischen den geschlechtern
        khs

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          ... dabei fällt mir ein.... (nicht ganz on-topic)

          ja - weil ich immer noch der ueberzeugung bin, dass medien von
          maennern beherrscht werden, und somit konsequent das prinzip
          herrscht, dass meinungen auch von maennern gemacht werden.
          Es gibt da gerade eine TV-Werbung... da lässt doch tatsächlich eine Automobilherstellerin eine Frau hinter das Steuer ihres Automobiles (normalerweise sitzen die Frauen nur halb nackt auf der Motorhaube.....)
          und diese Frau fährt das Auto dann auch noch durch Matsch und Dreck..... ausserdem kann diese Frau fahren!!!!!!
          Für mich grenzt dieser Werbespot an ein Wunder!!!
          Offensichtlich dürfen und können Frauen tatsächlich mit einem Auto auch fahren!!!!
          ... fast ein Grund, so ein Auto zu kaufen... aber für welche Firma wirbt sie eigentlich???????
          Heute lese ich aber immer mal wieder bei Frauen, die sich für
          die Belange der Frauen einsetzen (also quasi für
          Emanzipation), dass sie trotz ihrer Einstellung doch bitte
          niemand für eine "Emanze" halten soll. Wenn ich sowas lese,
          stellen sich mir die Nackenhaare hoch *g*.
          *g* warum fühle ich mir nur angesprochen?????
          Ayla, eine emanzipierte Frau, die sich sehr für die INteressen von Frauen einsetzt!!!!

          übrigens: im Zusammenhang mit der Berufsberatung für meine Töchter habe ich festgestellt, dass es den Begriff: "Männerberuf" kaum noch gibt!!!!
          Noch vor 20 Jahren gab es bei den für mich interessanten Berufen immer die Einschränkung: "Das ist ein Männerberuf"
          Meinen Töchtern stehen derzeit (fast) alle Berufe offen!!! und das ist nur 20 Jahre später!!!
          Obwohl ich mich NIEMALS als Emanze bezeichnen würde.... ich finde das absolut grandios!!!!

          Ayla, die gestern gefragt wurde, warum es keine Schispringerinnen gibt.... und einfach keine Antwort wusste...
          genau das ist es doch, was deine ausgangsfrage war: das wort
          EMANZE ist mittlerweile so negativ belegt, dass leute pickel
          kriegen, wenn sie das wort ueberhaupt hoeren.

          die entwicklung hat doch so stattgefunden, dass themen, wie
          waeschewaschen + geschirrabspuelen und sogar kindererziehung
          etc von der maennerwelt ziemlich akzeptiert sind, aber es
          steht doch immer noch die grosse "schwanz-ab"-bedrohung im
          raum, die von einigen outsidern der szene aus der
          frauenbewegung propagiert wurde!
          ich nenne es mal penetrationshysterie, die es war, einige
          frauen zu dem entschluss haben kommen lassen, dass der mann im
          prinzip ein feind ist.
          maenner haben sich auf die lapidare art gewehrt: mit
          verachtung, mit ignoranz und mit teils gespielter oder oefters
          echter hilflosigkeit.

          insofern war es die konsequente fortfuehrung des maennlichen
          gedankens, sich ein feindbild zu suchen: irgendein weibliches
          wesen, und was liegt da naeher, als fuer sich einen
          mediengeilen
          begriff zu uebernehmen?
          gruss + peace zwischen den geschlechtern
          khs



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