Ausdruck 'Fräulein'

Von: , Frage gestellt am Di, 5. Jan 2010

Hallo,

meine Tochter ist in einem Sportverein und jedes Jahr auf der Weihnachtsfeier werden Urkunden verteilt. Dieses Jahr hat meine Tochter auch eine Urkunde bekommen und in der heißt es: Fräulen XY (Name meiner Tochter) .... Wir gratulieren!
Vor zwei Jahren hatte sie schon mal eine Urkunde bekommen, auch wieder mit ähnlichem Wortlaut und dem Begriff "Fräulein". Damals hatte ich ihren Trainer angesprochen, dass ich den Ausdruck "Fräulein" veraltet und diskriminierend finde. Die männlichen Jugendlichen würde er ja schließlich in den Urkunden auch nicht als "Herrlein" bezeichnen.

Meine Tochter mag die neue Urkunde gar nicht aufhängen (die von vor 2 Jahren hat sie eh weggeschmissen) und ich frage mich, ob wir sie dem Trainer vielleicht zurückgeben sollten, mit dem Hinweis, dass wir die Annahme verweigern eben wegen dem "Fräulein".

Ist denn der Ausdruck "Fräulein" immer noch gebräuchlich? Ich dachte den gäbe es schon lange nicht mehr. Oder ist nur der Trainer von Vorvorgestern?

Gruß Tanja

49 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 4 hilfreich
    Wo ist das Problem?

    Hallo Tanja,
    ich tue mir ehrlich gesagt sehr schwer damit, deine Aufregung nachzuvollziehen bzw. habe noch gar nicht begriffen, wo eigentlich das Problem liegt. Warum soll die Verwendung von "Fräulein" diskriminierend sein?

    Ich sehe in der Verwendung von "Fräulein" bei (natürlich weiblichen) Kindern/Jugendlichen überhaupt kein Problem, außer der Tatsache, dass es nicht mehr ganz so modern klingt. Ich täte mir allerdings schwer damit, in der heutigen Zeit eine Siebzigjährige mit "Fräulein" anzusprechen.

    Viele Grüße
    Kati

    • Antwort von nach einer Stunde 5 hilfreich
      Re: Wo ist das Problem?

      Hallo Tanja,
      ich tue mir ehrlich gesagt sehr schwer damit, deine Aufregung
      nachzuvollziehen bzw. habe noch gar nicht begriffen, wo
      eigentlich das Problem liegt. Warum soll die Verwendung von
      "Fräulein" diskriminierend sein?
      Weil es Menschen weiblichen Geschlechts in Frau (verheiratetes weibliches Wesen, vollständiges weibliches Wesen da verheiratet) und Fräulein (verniedlichte Frau, unverheiratetes weibliches Wesen, also noch unvollständige Frau) einteilt, während es diese Einteilung in Mann und Männlein oder Herr und Herrlein nicht gibt.



      Ich sehe in der Verwendung von "Fräulein" bei (natürlich
      weiblichen) Kindern/Jugendlichen überhaupt kein Problem,
      Und welchen entsprechenden Ausdruck schlägst Du für männliche Kinder/Jugendliche vor?

      Gruß Tanja

      • Antwort von nach 2 Stunden 2 hilfreich
        Re^2: Wo ist das Problem?

        Hallo, Weil es Menschen weiblichen Geschlechts in Frau (verheiratetes
        weibliches Wesen, vollständiges weibliches Wesen da
        verheiratet) und Fräulein (verniedlichte Frau, unverheiratetes
        weibliches Wesen, also noch unvollständige Frau) einteilt,
        Gut, auf sowas wäre ich nie gekommen.
        Mir persönlich erscheint das allerdings etwas herbeigeredet, nachdem ich "Fräulein" heutzutage (!) als (veraltet anmutende, aber höfliche) Anrede für junge Frauen/Mädchen kenne, die nicht mehr unbedingt etwas mit dem Familienstand sondern eher mit dem Alter zu tun hat. Ich würde mir wahrscheinlich etwas komisch vorkommen, wenn man mich jetzt so anredet, aber eher weil ich mir nicht mehr jung genug dafür vorkomme.

        Aber deswegen die Urkunde zurückgeben? Der Trainer wollte vielleicht nur besonders höflich sein und hat sich nicht gedacht "die ist noch eine unfertige Frau"? Wenn ich einen Brief an eine Sechsjährige schreibe, dann würde ich mir auch überlegen, ob ich als Anrede in der Anschrift "Frau" wähle.
        Vielleicht bin ich da noch familiär geprägt: Von meinen Großeltern habe ich die Anrede "Fräulein" eher als höflich und respektvoll empfunden.

        Nachdem mir etwas googeln gezeigt hast, dass du mit deiner Einschätzung nicht allein bist, würde ich (um Missverständnisse zu vermeiden) das Wort wahrscheinlich auch nicht mehr verwenden. Und welchen entsprechenden Ausdruck schlägst Du für männliche
        Kinder/Jugendliche vor?
        Es gibt eben keinen. Wir können ja den Junker wieder einführen :-)

        Viele Grüße
        Kati

        • Antwort von nach 21 Stunden 2 hilfreich
          Re^3: Wo ist das Problem?

          Interessante Diskussion.

          Findest Du auch den Ausspruch "Mein liebes Fräulein" höflich. Ich mein jetzt mit entsprechenden Ton.

          Ich schließe mich der Meinung an, dass Fräulein in lezter Konsequenz sexistisch ist. fräulein implizierte früher Jungfräulichkeit. Das war (ist???) nur bei den Mädchen ein wichtiges Merkmal.
          Und so wurde Fräulein für ältere Frauen dann eben irgendwann zum Makel.

          Ich finde es gut, so etwas anzusprechen. Sprache und ihre Verwendung sind ein starkes Mittel um Dinge zu verändern oder eben zu zementieren.

          FS

          • Antwort von nach einem Tag 5 hilfreich
            Re^4: Wo ist das Problem?

            Ich finde es gut, so etwas anzusprechen. Sprache und ihre
            Verwendung sind ein starkes Mittel um Dinge zu verändern oder
            eben zu zementieren.
            Selten.
            Meist prägt der Gegenstand den Begriff.
            Wenn sich das gesellschaftliche Denken nicht stark ändert, wird es nicht lange dauern, dann wird der Ausdruck "Frau" genauso verächtlich klingen, wie heutzutage "Weib".

            Und die "Frauenrechtlerinnen" werden ein gut Teil dazu beigetragen haben.

            Nemo.

            • Antwort von nach einem Tag 5 hilfreich
              Re^5: Wörter

              Hallo Nemo, Wenn sich das gesellschaftliche Denken nicht stark ändert,
              wird es nicht lange dauern, dann wird der Ausdruck "Frau"
              genauso verächtlich klingen, wie heutzutage "Weib".

              Und die "Frauenrechtlerinnen" werden ein gut Teil dazu
              beigetragen haben.
              nö, für die habt ihr doch schon lange den Begriff "Kampfemanze" eingeführt.

              Gruß, Karin
              Kampfemanze

            • Antwort von nach 3 Tagen 2 hilfreich
              Re^5: Wo ist das Problem?

              Hallo,

              so, wie, wer auch immer dafür gesorgt hat, dass man zu einem jungen Mädchen nicht mehr Dirne sagen darf.

              Gruß
              Lawrence

            • Antwort von nach 3 Tagen 1 hilfreich
              Re^6: Wo ist das Problem?

              Hallo, so, wie, wer auch immer dafür gesorgt hat, dass man zu einem
              jungen Mädchen nicht mehr Dirne sagen darf.
              Das nennt man dynamische oder auch lebendige Sprache.
              Zum Glück ist das mit Sprachen so.

              Gruß
              Elke

          • Antwort von nach einem Tag 5 hilfreich
            Form oder Inhalt?

            Hallo Fräulein Smilla,
            (darf ich das noch schreiben? :-)) Findest Du auch den Ausspruch "Mein liebes Fräulein" höflich.
            Ich mein jetzt mit entsprechenden Ton.
            Da ich das nur im Zusammenhang "Mein liebes Fräulein, räum endlich dein Zimmer auf!" kenne, eher nein. Ich schließe mich der Meinung an, dass Fräulein in lezter
            Konsequenz sexistisch ist. fräulein implizierte früher
            Jungfräulichkeit.
            Früher! Wie schon gesagt: Für mich zeigt heutzutage der Begriff "Fräulein" eher das junge Alter als die Jungfräulichkeit an. Sprache und ihre
            Verwendung sind ein starkes Mittel um Dinge zu verändern oder
            eben zu zementieren.
            Da stimme ich zu.
            Allerdings gilt das auch anders herum: Wenn nur über Begrifflichkeiten (z.B.: Heißt es jetzt "Leser und Leserinnen" oder "LeserInnen"? Warum ist "Mädchen" sächlich? Muss wirklich überall erwähnt werden, dass natürlich Angehörige beider Geschlechter gemeint sind?) und weniger über Inhalte gestritten wird, dann kann es m. M. nach sein, dass die reale Emanzipation der Frauen (und der Männer!) dabei auf der Strecke bleibt.

            Um auf das Fräulein-Beispiel in der Urkunde zurückzukommen: Eine Kurzumfrage unter den Bekannten, die ich in den letzten Tagen getroffen habe, ergab, dass die meisten im Großen und Ganzen das Wort so verstehen, wie ich in meinem vorherigen Beitrag schrieb: Eine Anredeform, die antiquiert erscheint, sich bei Benutzung aber eher auf das Alter als auf die Jungfräulichkeit bezieht. Den Leuten, die das Wort deswegen ohne bösen Hintergedanken wählen (evtl. auch besagtem Trainer), die Benutzung des Wortes als "sexistisch" um die Ohren zu hauen, ruft wahrscheinlich eher Reaktionen wie "Jetzt spinnen die Emanzen völlig" hervor und weniger "Ja, über die gesellschaftliche Bedeutung der Ehe für die Frau sollten wir uns unterhalten".

            Mir ist natürlich klar, dass ich mich aufgrund meines Alters ins gemachte Nest setze, was Frauenrechte angeht, denke aber, dass ich gerade deswegen einen Standpunkt haben kann, der sich an heutigen Gegebenheiten orientiert und weniger daran, was alles schon erreicht wurde und wie das geschafft wurde.

            Viele Grüße
            Kati



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