kann es sein, dass Du und der Raimund sich nicht vorstellen
können, dass der Beruf einer Prostituierten seelisch belastend
sein kann? Ich habe da so meinen Verdacht.
Hallo, Claudia,
Ich denke, da muß man wohl differenzieren.
Zunächst einmal, ich habe Achtung vor jeder ehrlichen Nutte. Ich habe Mitleid mit jedem Menschen, der zu Handlungen gezwungen wird. Ich hab nichts als Verachtung und Zorn für jene, die aus der Notlage oder Unwissenheit anderer Menschen ihren Profit ziehen. Dies voraus.
Als ehemaligem Seemann ist mir das Milieu nicht ganz unvertraut. Ich habe meine einschlägigen Beobachtungen diesbezüglich in unterschiedlichen Ländern machen können.
Ich spreche hier nur von der Prostituierten, die diesen Beruf freiwillig und in Kenntnis der möglichen Risiken und Folgen ausübt.
Für diese Professionellen ist es tatsächlich egal, ob sie einem Mann die Hand oder das Gemächt schütteln. Für sie zählt der Schein, der den Besitzer wechselt. Und die leiden auch nicht unter Seelenqualen deshalb.
Anders als Raimund jedoch ist mir sehr wohl bewußt, dass ein hoher Prozentsatz der Frauen, die man heute auf dem Strich findet, nicht aus eigenem Antrieb oder freiem Willen dort sind und dieses Gewerbe ausüben. Bei denen kann ich mir sehr wohl denken, dass sie leiden.
Andererseits - Auch ich habe gelegentlich meine Probleme und meine seelischen Belastungen mit meinem Beruf. Gottlob hat er nichts mit Sexualität zu tun.
In meinem Beitrag wollte ich jedoch auf die physischen - nicht auf die psychischen Möglichkeiten hinweisen. Ich dachte, dass ich dies klar genug getan hätte.
Dass es bei einer Tätigkeit in einem so von Moral, Tabus, Religion befrachteten Bereich menschlicher Interaktion zu besonders heftigen psychischen Belasungen kommen kann, will ich nicht bestreiten.
Gruß
Eckard