Re: Kennt jemand den Maler ? -überarbeitet-
Servus Bruno,
da lehn ich mich mal ein bissel aus dem Fenster, nicht ohne das ganze vorher mit dem Disclaimer "Vorsicht Dilettant!" zu kennzeichnen.
Der Entstehungszeitpunkt dürfte nach 1820, aber klar vor 1860 liegen. 1850 passt scho, denke ich. Ab etwa 1860 ist die noch von den "Italienreisenden" übernommene klassizistische Finesse nicht mehr da, sie wird abgelöst von den Riesen-Rindviechern z.B. von Anton Braith, dem böse Zungen nachsagen, er habe sich von den damals wohlhabenden Gerbern Biberachs nach Quadratmeter Kuh / Bild bezahlen lassen. Vor 1820 findet man die romantisierenden Unschärfen kaum - außer bei ein paar außerhalb ihrer Zeit stehenden Riesen wie Turner oder Goya (ja, ich weiß, beides keine Genremaler - trotzdem in diesem Zusammenhang heranziehbar).
Gefühlsmäßig täte ich sagen, es handelt sich um einen Niederländer oder um eine deutsche Kopie eines Niederländers. Die Deutschen haben im 19. Jahrhundert schon früh biedermeierlicher gemalen, da wäre der Hirte (seine Kleidung spricht auch für Niederländer, finde ich) ein ganzes Stück zerlumpter und schon früh im 19. Jahrhundert mit einer grausigen Vorahnung der über hundert Jahre später enstandenen "Hummel Figures" versehen. Und die Rindviecher würden dem Griff des Metzgers mehr Substanz bieten können.
Komposition und Thematik liegen noch näher bei der italiänischen Landschaft als beim biedermeierlichen Genre, obwohl man die Landschaft hier nicht mehr gradaus "heroisch" nennen kann.
Sicher darf man wohl sagen, daß das Bild nicht aus der Zeit der Massenproduktion im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden ist - es wären sonst technisch mehr Stereotypen drin, z.B. eine mit zwei Linien einzeichenbare sture Aufteilung Vordergrund-Mittelgrund-Hintergrund, und ein mehr dekorativer Umgang mit den Farben "Schatz, das passt doch genau zu unserer Sitzecke! Dann hängen wir deinen Großvater ins Büro, und haben es dann auch ein wenig modischer!".
Zur Bewertung kann ich nichts ordentliches sagen, ohne in gewaltigen Fettnäpfchen rumzutappen; allenfalls, daß das Bild wohl nicht so wertlos ist, daß man vom Galeristen gleich ausgelacht würde, wenn man um eine Schätzung fragt.
Schöne Grüße
MM