Hi Zwergenbrot,
ich hab Dir einen Artikel aus der Encarta kopiert, der ist m.E. recht ordentlich geschrieben.
Gandalf
Futurismus, zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Italien entstandene radikale Avantgardebewegung. Der Futurismus brach mit den als veraltet empfundenen Traditionen und suchte eine Kunst zu schaffen, die den Anforderungen des modernen (technisierten und dynamisierten) Lebens gerecht werden sollte. Zentrales Anliegen war dementsprechend die Abbildung von Bewegung und Simultaneität (Gleichzeitigkeit). Initiiert wurde der Futurismus durch ein 1909 von Filippo Tommaso Marinetti im Pariser Figaro veröffentlichtes Gründungsmanifest (Manifeste du futurisme), dem eine Flut weiterer Programmschriften folgte. Der Futurismus revolutionierte die Darstellungsmodelle von Literatur, Musik und bildender Kunst (Manifesto dei pittori futuristi, 1910). Zwischen 1910 und 1920 griff er - wenn auch unter anderer Akzentuierung - auf Russland über. Deutlich spürbar war auch sein politischer Impuls, teils mit faschistischen Implikationen (Beispiel hierfür ist Marinettis Schrift Futurismus und Faschismus von 1924). Marinetti selbst war es, der mit seinem „afrikanischen Roman" Mafarka le futuriste (1910) die eigenen Theoreme literarisch umzusetzen suchte. Die eigene Forderung nach einer Zerstörung von Syntax und Grammatik sowie nach einer neuen, dynamischen Dichtersprache sind hier radikal umgesetzt. War der italienische Futurismus eher eine Strömung der bildenden Kunst, so orientierte sich der russische verstärkt an der Literatur, wobei er sich von Marinetti (der Russland besuchte) distanzierte und auf Eigenständigkeit bestand. Der literarische Futurismus in Russland hat denn auch autonome Werke hervorgebracht, die stark mit dem Material der Sprache experimentieren (so etwa die als Gesamtkunstwerk angelegte Oper Sieg über die Sonne von Alexander Krutschonych und Kasimir Malewitsch). Diese Betonung der sprachlichen Form durch den russischen Futurismus stellte vor allem Roman Jakobson heraus.
In der Malerei versuchte der Futurismus, die Statik traditioneller Bildinhalte aufzubrechen. So scheinen denn auch auf den Gemälden der Futuristen die Formen und Farben zusammenzustürzen. Figurationen zerfließen ineinander: So soll nacheinander ablaufendes Geschehen (Bewegung) auf der Leinwand festgehalten werden. Eine oftmals in Kriegs- und Maschinenkult ausartende Ästhetik der Beschleunigung propagierten die Futuristen auch für Plastik und Architektur.
Bedeutende italienische Futuristen waren neben Marinetti (in der Literatur) Giacomo Balla, Umberto Boccioni, Carlo Carrà, Luigi Russolo, Gino Severini und Antonio Sant'Elia (in der bildenden Kunst). Bedeutende russische Futuristen waren Wladimir Chlebnikow, Alexander Krutschonych und Wladimir Majakowskij (in der Literatur) sowie Naum Gabo und Antoine Pevsner (in der bildenden Kunst).
Die Bewegung des Futurismus war überaus einflussreich auf die Entwicklung von Strömungen der Moderne wie Expressionismus, Surrealismus, Dadaismus und Konstruktivismus. Namentlich Alfred Döblin, Marcel Duchamp, Fernand Léger und El Lissitzky verdanken dem futuristischen Kunstmodell entscheidende Anregungen.
Nach dem 1. Weltkrieg entstand in Italien der so genannte Neo-Futurismus, der die Gedanken des Futurismus zu erneuern suchte. Ihm gehörten u. a. Fortunato Depero (1892-1960), Enrico Prampolino (1894-1956) und Gerardo Dottori (1888-1977) an.
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