Esskultur in Frankreich

Von: , Frage gestellt am Di, 26. Sep 2006

Hallo, werte Experten,

ich war im Sommer in Südfrankreich im Urlaub und war völlig fasziniert, wie Kunden eines Einkaufszentrums, die sich von hiesigen Discounter-Shoppern äußerlich nicht unterschieden, unter 30 Buttersorten zielstrebig drei aussuchten (= ein Beispiel von vielen).

Ist das Geschmacks-/Qualitätsbewusstsein dort so viel höher als bei uns?

Grüße

19 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
    Re: Esskultur in Frankreich

    Hi,
    mir hat kürzlich ein Koch erklärt, dass in südlicheren Gefilden Europas
    schon immer die Art der Zubereitung die Hauptrolle spielte. In
    Deutschland und den nördlicheren Ländern hat man (angeblich) immer nur
    danach unterschieden, WAS auf den Tisch kommt, in Frankreich (Italien
    usw.) unterscheidet man hingegen, WIE was auf den Tisch kommt.
    Das liegt einfach daran, dass das Klima und der Boden in Deutschland
    traditionell wohl weniger günstig waren und sind. Man war froh,
    überhaupt etwas anbauen zu können, und Sachen, die der Verfeinerung von
    Speisen dienen (Gewürze, Öle usw.), waren hier einfach nicht gewinnbar.
    Hier gab´s grob ausgedrückt nur Kartoffeln und Getreide.
    Nix mit "sonnengereiften Tomaten" :-)

    Judy

  2. Antwort von nach 35 Minuten 0 hilfreich
    Re: Esskultur in Frankreich

    Hallo,

    meiner Erfahrung nach ist das Qualitaetsbewustsein, was Lebensmittel angeht, in Frankreich noch etwas mehr ausgepraegt als bei uns. Fast-Food greift zwar auch immer mehr um sich, aber die Einkaufkultur ist doch noch etwas anders gelagert als bei uns. Auch hat der Wochenmarkt noch einen anderen Stellenwert, frisches Obst, Gemuese, Fisch und Fleischwaren werden, vor allem ausserhalb der grossen Staedte, noch viel auf dem Markt eingekauft. Auch findet man in den franz. Supermaerkten ein viel tieferes Produktsortiment als bei uns.

    Die offizellen Statistiken bestaetigen das, in Frankreich geben die privaten Haushalte fuer Lebensmittel prozentual einiges mehr an Geld aus als bei uns, und die Mehrausgaben resultieren nicht aus groesseren Mengen.

    Tschau
    Peter [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 41 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Esskultur in Frankreich

      Hallo ihr zwei,

      ich würde das bestätigen. Es nimmt zwar immer weiter ab, dennoch ist ein gewisses Qualitätsbewusstsein und auch der Wunsch nach etwas spezielleren Dingen durchaus weiter verbreitet, als in D oder auch hier in CH.
      In den Städten gibt es einige Discounter, die werden in verschiedene Preisklassen eingeteilt. Doch jeder Discounter hat eine eigene "Gourmet" Linie mit Gänseleber, Rouille, Enouillettes, Pâté etc. Auch hat der Wochenmarkt noch einen anderen
      Stellenwert, frisches Obst, Gemuese, Fisch und Fleischwaren
      werden, vor allem ausserhalb der grossen Staedte, noch viel
      auf dem Markt eingekauft.
      Das stimmt so nicht. In den Städten - gerade in Paris beispielsweise - hat der Markt (zwei mal in der Woche) einen grossen Stellenwert. Der Grossteil der Frischprodukte wird dort 1 oder 2 mal in der Woche eingekauft, der Rest im Supermarkt. Gerade in den Städten ist auch die soziale Funktion dieses Marktes (der meist nach Quartieren organisiert ist) nicht zu vernachlässigen. Man trifft sich, kauft ein, trinkt einen Kaffee zusammen etc.

      Gruss
      Y.-

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: Esskultur in Frankreich

        Hallo ihr beiden,

        ja: wir haben an der Cote auch einige Lidls gesehen, allerdings nur von außen :-)

        Ich war so überrascht und fand das so klischeehaft, aber natürlich positiv, was ich in den Märkten erlebt habe.

        In D hat sich ja auch manches getan, wenn ich mich an die Zeiten erinnere, als die erste Kiwi - für DEM 3,00 pro Stück - haarig in den Auslagen lag. Als die ersten Italienurlauber den Espresso in D verlangten, als dann einigen Klugscheißern der Cappuccino nur noch mit Milchschaum schmeckte (- man will ja authentisch sein :-), obwohl es mit Sahne genau so gut schmeckt - nur halt anders und dann - mit Blick z.B. nach Österreich - anders heißen könnte.

        Aber diese Bewusstheit beim Lebensmitteleinkauf, wie ich sie in F erlebt habe, finde ich hier nur in kleinen Kreisen. Die Preise waren dort deutlich höher als hier; es gab aber auch Ausnahmen: bei Salz ist das unbehandelte Naturprodukt in F billiger als bei uns, was ja eigentlich auch logisch ist.

        Danke für eure Anmerkungen, Grüße von einem, der zu gerne isst.

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: Esskultur in Frankreich

        Hallo Yseult, wollte nicht unhöflich sein und nur über D reden, die Schweiz kenne ich leider nicht so gut, frische meine Kenntnisse aber am kommenden Wochenende in Luzern auf.

        Grüße, Jan [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
    Re: Esskultur in Frankreich

    Hallo Jan,
    Ist das Geschmacks-/Qualitätsbewusstsein dort so viel höher
    als bei uns?
    nicht nur in Frankreich, auch in Italien und Spanien (und sicher auch noch anderswo) ist sowohl das Qualitäts- als auch das Preisbewustsein ein anderes als in D.
    Hier gibt es ein Hauptkriterium, nämlich der Preis!
    Der muß brutal niedrig sein und wenns dann mal brutal miese Ware gibt (die dem Preis aber entspricht) ist das Gejammer groß, siehe Gammelfleisch.

    In den genannten Ländern ist der Durchschnittpreis für Lebensmittel deutlich höher als in D, die Qualität aber meist auch.
    Das Bewusstsein, sich etwas gutes zu tun, wenn man gute Viktualien ersteht, ist dort besser ausgeprägt.
    Von nichts kommt nichts.

    Gandalf

    • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
      Re^2: Esskultur in Frankreich

      hallo gandalf,

      noch eine kleine, ketzerische anmerkung:
      nicht nur der preis, es muss auch "gesund" sein. hauptsache ganz viele vitamine, auch wenn sie reingespritzt werden, ganz viele fettsäuren der besten sorte usw. nur nach geschmack und qualität wird nicht gefragt.
      der gegenpol sind die leute, welche immer den rest beschimpfen, der sich oft nichst anderes als das billigste leisten kann.

      strubbel
      V:O)

      • Antwort von nach einem Tag 2 hilfreich
        Re^3: Esskultur in Frankreich


        Hallo Strubbel, der gegenpol sind die leute, welche immer den rest
        beschimpfen, der sich oft nichst anderes als das billigste
        leisten kann.
        Hier kann ich der Versuchung niht widerstehen: zawr beschimpfe ich niemanden, bin allerdings sicher, dass 90-95% der Alsikäufer und sogar der durchschnittliche ALG II-Empfänger sich ordentliches Essen leisten könnten. Mit etwas Planung, Saisonorientierung, Verzicht auf Fertigfraß und drastischer Reduzierung der Fleischanteils klappt das schon. Davon abgesehen muss mna eben Prioritäten setzen - vielleicht ist der DVD-Player doch nicht ganz so nötig...?

        Es gibt bestimmt Ausnahmefälle, ich kenne nicht jeden Haushalt in D persönlich, aber die allermeisten könnten sich die "gute" Kartoffel schon leisten - vielleicht nicht das Bio-Rinderfilet, aber in diesem Falle würde ich ein gutes Kartoffelgericht dem MAP-Filet "ausm Aldi" definitiv vorziehen.

        Das ist IMHO eine Einstellungs- nicht primär eine Geldfrage.

        Gruß

        Ramona

        • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
          Re^4: Esskultur in Frankreich

          Hallo zusammen, Hier kann ich der Versuchung niht widerstehen: zawr beschimpfe
          ich niemanden, bin allerdings sicher, dass 90-95% der
          Alsikäufer und sogar der durchschnittliche ALG II-Empfänger
          sich ordentliches Essen leisten könnten. Mit etwas Planung,
          Saisonorientierung, Verzicht auf Fertigfraß und drastischer
          Reduzierung der Fleischanteils klappt das schon. Davon
          abgesehen muss mna eben Prioritäten setzen - vielleicht ist
          der DVD-Player doch nicht ganz so nötig...?
          Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass der angeblich ach so billige Fertigfraß, der gerne in bestimmten Familien aus vorgeschobenen Kostengründen auf den Tisch kommt, in Wirklichkeit teurer als eine anständige Mahlzeit ist. Wenn Mama, Papa, Kind zu Mac Würg gehen und Burger und Pommes nebst Cola in sich reinstopfen, dann könnte man für dieses Geld auch ganz problemlos ein wollwertiges Mittagessen auf den Tisch stellen. Und die ganze Dosen- und TK-Ware, Fixbeutelchen, ... sind vermutlich auch teurer, als eine Portion Kartoffeln, Nudeln oder Reis, etwas frisches Gemüse und dazu noch eine preiswerte, aber nicht gleich minderwertige Portion Fleisch.

          Tatsächlich falle ich aber immer wieder vom Glauben ab, wenn ich sehe, was ich aus sozialschwachen Familien mitbekomme, wofür das Geld tatsächlich ausgegeben wird. Da die Kinder ja "mithalten können müssen", gibt es neben dem PC noch eine Spielkonsole, in jedem Zimmer einen eigenen Fernseher und eine Stereoanlage, "muss man sich ja hin und wieder mal Markenklamotten gönnen", und investiert man in Alkohol und Tabakwaren. Jeder hat ein Handy, Kino, Ausgehen muss ja auch hin und wieder mal sein, und es reicht erstaunlicherweise immer noch für den gar nicht so billigen Fertigkram.

          Ich kenne durchaus auch sozialschwache Familien in denen dies anders läuft, und die kommen mit den Sozialleistungen sicher auf kein Luxusleben (dafür sind die auch nicht gedacht) aber durchaus ohne größere Probleme über die Runden, und es kommt anständiges Essen auf den Tisch, man läuft auch nicht in Lumpen rum und weiß sich zu arrangieren.

          Gruß vom Wiz



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