Gasthausdichte früher deutlich höher?

Von: , Frage gestellt am Mi, 17. Apr 2002

Hallo allerseits,

in einem Stadtteilblättle habe ich kürzlich einen Beitrag gelesen, der anhand einer Wanderung am Südrand Dresdens mir wieder deutlich vor Augen geführt hat, wieviele Gasthäuser es früher (1910 oder so) einmal gab und wie wenig, im Gegensatz dazu, heute. Das konkrete Verhältnis im angesprochenen Gebiet schätze ich auf 5:1 ... Und das waren nicht nur kleine Kneipen, sondern zum Teil riesige Ausflugsgaststätten mit großen Tanzböden, die wie eine Perlenkette um Dresden lagen. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch, wenn man in alten Führern über die Sächs./Böhmische Schweiz blättert, in jedem Tal eine Mühle ...

Ich frage mich, wer denn früher die Gasthäuser gefüllt hat? Hatten die Leute mehr Geld, wurden anteilig größere Beträge dafür ausgegeben? Mein Vater meinte, dass früher eher unüblich gewesen sei, das Bier zu Hause zu trinken. Außerdem wären viele Gasthäuser Nebenerwerbsbetriebe (Landwirtschaft + Ausschank, nur am Wochenende geöffnet) gewesen. Ich finde das Ganze nur dahingehend interessant, dass es ja immer tönt, dass die Leute noch nie soviel Freizeit und frei verfügbares Geld wie heute hatten ... Schade, dass diese Gastwirtschaftskultur verloren gegangen ist!

Was meint Ihr? Wie sieht es in Eurer Umgebung aus?

Konrad.

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 49 Minuten 0 hilfreich
    Re: Gasthausdichte früher deutlich höher?

    Hallo Konrad,

    es gibt einfach mehr Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen. Und vor allem die jüngere Generation hat exorbitant mehr Möglichkeiten, als die gleichen Leute anno ....
    --> Die Wirtshäuser sterben einfach aus.

    gerhard

  2. Antwort von nach 56 Minuten 1 hilfreich
    Re: Gasthausdichte früher deutlich höher?

    ... Und das waren nicht nur kleine
    Kneipen, sondern zum Teil riesige Ausflugsgaststätten mit
    großen Tanzböden, die wie eine Perlenkette um Dresden lagen.
    Hallo, Konrad
    diese Lokale gab es wohl so um die Jahrhundertwende.
    Ja, Dein Vater hat recht, Bier trank man zwar auch mal zuhause, (es wurde dann im Krug von der Gastwirtschaft geholt) aber eben überwiegend in der Wirtschaft.
    Es gab nicht in dem Maße Flaschen- oder gar Dosenbier. Bier kam aus dem Faß. Und wer hatte schon einen Eisschrank (die waren wirklich mit Eis gekühlt, den Absorberkühlschrank gab es flächendeckend ja auch erst später.)

    Und dann - was machte man an langen Sommerabenden - ohne Fernsehen, Radio, Kino? und am Samstag/Sonntag? Den berühmten Ausflug ins Grüne/Blaue, die Landpartie, die dann im Brauhausgarten endete, mit "handgemachter Musik".

    Grüße Eckard.

  3. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Gasthausdichte früher deutlich höher?

    Hallo Konrad - auch bei uns (in Süddeutschland) ist es nicht anders. Die Gemeinden, die ich aus der Jugendzeit kenne, hatten alle mal 5 - 6 Gasthäuser. Heute gerade mal 1 oder 2. Dabei hatten die Ortschaften damals kaum halb so viele Einwohner. Ich denke auch, dass es an den heutigen, vielfachen, Möglichkeiten der Zerstreuung und Unterhaltung liegt. Sicher hatte man weniger Freizeit, doch zu einem Gaststättenbesuch Abends oder am Wochenende reichte es allemal. Auch wurde sicher damals ein größerer Teil des Einkommens als heute im Lokal gelassen. Betrieben wurde dies tatsächlich meist zusammen mit einer Landwirtschaft, Metzgerei, oder Bäckerei, da das Einkommen aus der Gaststätte wahrscheilich nicht gereicht hätte.
    Gruß Fritz
    Hallo allerseits,
    in einem Stadtteilblättle habe ich kürzlich einen Beitrag
    gelesen, der anhand einer Wanderung am Südrand Dresdens mir
    wieder deutlich vor Augen geführt hat, wieviele Gasthäuser es
    früher (1910 oder so) einmal gab und wie wenig, im Gegensatz
    dazu, heute. Das konkrete Verhältnis im angesprochenen Gebiet
    schätze ich auf 5:1 ... Und das waren nicht nur kleine
    Kneipen, sondern zum Teil riesige Ausflugsgaststätten mit
    großen Tanzböden, die wie eine Perlenkette um Dresden lagen.
    Ein ähnliches Bild ergibt sich auch, wenn man in alten Führern
    über die Sächs./Böhmische Schweiz blättert, in jedem Tal eine
    Mühle ...

    Ich frage mich, wer denn früher die Gasthäuser gefüllt hat?
    Hatten die Leute mehr Geld, wurden anteilig größere Beträge
    dafür ausgegeben? Mein Vater meinte, dass früher eher unüblich
    gewesen sei, das Bier zu Hause zu trinken. Außerdem wären
    viele Gasthäuser Nebenerwerbsbetriebe (Landwirtschaft +
    Ausschank, nur am Wochenende geöffnet) gewesen. Ich finde das
    Ganze nur dahingehend interessant, dass es ja immer tönt, dass
    die Leute noch nie soviel Freizeit und frei verfügbares Geld
    wie heute hatten ... Schade, dass diese Gastwirtschaftskultur
    verloren gegangen ist!

    Was meint Ihr? Wie sieht es in Eurer Umgebung aus?

    Konrad.

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