Ernsthafte Frage? Nun denn...(lang)
Wer weiss denn, wie diese drei Gesellen untereinander in
Verbindung stehen? - Zumindest die beiden letztgenannten
treiben dann ja auch noch mal am 24.12. ihren Schabernack und
pfuschen dabei dem Christkind ins Handwerk.
Ich kenn mich kaum noch aus. Wer bringt bitte einmal Licht ins
Dunkel? Who's who im Schokoladen-Zustellservice?
Hallo Andreas,
folgende Informationen über das vorweihnachtliche Personalchaos habe ich aus verschiedenen Quellen für meine Schüler einmal zusammengestellt. Vielleicht bringt sie ja auch ein bisschen Licht in deine Dunkelheit:
Von drauß vom Walde komm ich her?
Es gab da mal einen Mann - und schon das ist falsch - denn es gab da zwei Männer, zum einen den Bischof Nikolaus von Myra (verstorben am 6. Dezember, irgendwann Mitte des 4. Jahrhunderts) und zum anderen den gleichnamigen Abt von Sion, der Bischof von Pinora war, und am 10. Dezember 564 in Lykien starb. Aus diesen beiden historischen Personen entwickelten sich ab dem 6. Jahrhundert die Legenden um die fiktive Figur des wundertätigen übermächtigen Bischofs von Myra. Der Person, die wir heute als Nikolaus kennen.
Aus diesem Grund wurde im Mittelalter auch der 6. Dezember als der Tag gefeiert, an dem der Nikolaus heimlich Geschenke brachte, davon ist heute der Brauch mit dem Schuhe vor die Tür stellen übrig geblieben. In den Niederlanden übrigens feiert man weiterhin am 6. Dezember DAS große Fest.
Was hat der Nikolaus nun mit dem Weihnachtsmann zu tun? In der Zeit seit dem Mittelalter gab es viele Wirrungen und Irrungen. Dazu gehört die, dass die Protestanten eine solche Heiligenverehrung wie die Katholiken nicht mitmachen wollten. Sie wollten sich lieber auf das Wesentliche beschränken und beschenken. Nämlich am Geburtstag der wichtigsten Person ihres Glaubens, am Geburtstag das Christkindes am 24. Dezember. Sie haben schließlich die Oberhand gewonnen, seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist dies in ganz Deutschland so.
Da das Christkind, also Jesus, sehr stark religiös geprägt war, konnte es nicht so richtig die Geschenke bringen. So verfiel man auf den Trick, den Nikolaus, personifiziert als der gute Bischof und auch so dargestellt, in den neutralen Weihnachtsmann zu verwandeln und dem Christkind zur Seite zu stellen. Es gab wohl schon im 19. Jahrhundert erste Darstellungen, die ihn als älteren, gemütlichen Mann zeigten, doch den Durchbruch in der Gestalt, wie wir ihm heute kennen, verdankt der Weihnachtsmann – in den USA Santa Claus genannt – einem weltlichen Getränkekonzern.
Natürlich! Coca-Cola! Vor nicht einmal 70 Jahren erblickte der uns heute so geläufige Weihnachtsmann mit dem roten Bademantel und dem weißem Rauschebart das Licht der Werbewelt. Der schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom wurde 1931 von der Brausefirma beauftragt, einen „Santa Claus“ für eine Werbekampagne zu entwickeln. Als Vorlage diente Sundblom das großväterliche Gesicht eines alten Coca-Cola-Verkäufers mit Pausbacken und weißem Bart. Dazu kam dann noch ein feuerroter (Bade-)Mantel mit weißem Pelzbesatz - fertig war der Weihnachtsmann. Seine Gestalt wurde in Windeseile der Inbegriff für die Gestalt vom Weihnachtsmann.
Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass wir nicht für jede Darstellung seiner Person eine Lizenzgebühr zahlen müssen...
Manchmal hat Sankt Nikolaus auch einen Begleiter, einen grimmigen Kerl im Lodenmantel, der kettenrasselnd Sack und Rute trägt. Das ist Knecht Ruprecht. Während der Bischof Nikolaus die braven Kinder belohnt, bestraft sein finsterer Begleiter die ungezogenen. Doch führt er dabei die Befehle des Nikolaus aus.
Ursprünglich waren Nikolaus und Knecht Ruprecht zwei völlig unterschiedliche Personen. Knecht Ruprecht gab es schon bei den Germanen im Norden, wo er zur Wintersonnenwende durch die Wälder zog. Die Kirche übernahm einige der alten germanischen Bräuche, änderte sie ab, und seitdem treten Nikolaus und Knecht Ruprecht einzeln oder gemeinsam auf. Nicht in allen Regionen Deutschlands trägt dieser finstere Begleiter den Namen Knecht Ruprecht. Im Elsass und n der Pfalz kennt man ihn als Hans Trapp oder Hans Trab, in Franken und an der Mosel als Pelzmärtl. Hans Muff heißt er im Rheinland und Krampus oder Klaubauf in Süddeutschland. Außerdem hört man noch solche Bezeichnungen wie Knecht Nikolaus, Ruprecht, Nickel, Pelznickel und Pelzmäntel.
So unterschiedlich seine Namen sind, so unterschiedlich ist auch sein Auftreten. Nicht immer ist er der brummige und finstere Knecht, der die bösen Kinder in den Sack steckt und mitnimmt. In Sachsen zum Beispiel brachte Knecht Ruprecht die Weihnachtsgeschenke. Diesen Brauch findet man in dem wohl bekanntesten Nikolaus-Gedicht wieder, in "Von drauß vom Walde komm ich her" von Theodor Storm. Hier tritt Knecht Ruprecht als Weihnachtsmann auf.
In Österreich heißt Knecht Ruprecht Krampus. Dort zieht er in pelzbesetzter Kleidung, meist mit einer Rute in der Hand und einem Sack voller Geschenke über der Schulter, von Tür zu Tür.
Die Figur des Hans Trapp, den man im Elsass oder in Pfalz trifft, geht auf einen Hofmarschall des Kurfürsten von der Pfalz zurück. Dieser hieß Hans von Dratt und schikanierte seine Bauern im 16. Jahrhundert so sehr, dass er in Südwestdeutschland zum Kinderschreck geworden ist.
Doch ganz egal wie er genannt wird, die Kinder warten auf ihn, halb sehnsüchtig, halb ängstlich. Sie singen am Nikolaustag ihr Nikolauslied, sind an diesem Tag besonders artig und hoffen, dass der Nikolaus weiß, dass sie fast immer brav gewesen sind. Selbst der strengste Nikolaus lässt sich durch ein Nikolausgedicht versöhnen. Dann steckt sie der Knecht Ruprecht nicht in den Sack, sondern lässt sie im schlimmsten Fall über die Rute springen.
Grüße
Uschi