Duzen - wer bietet es wem an?

Von: , Frage gestellt am Fr, 25. Apr 2003

Hallo Experten!

Ich hoffe, dass ich das richtige Brett für meine Anfrage erwischt habe!

Bei mir im Büro ist eine recht lockere, nette Atmosphäre und ich verstehe mich mit meinen Kollegen auch sehr gut. Eigentlich würde ich ihnen gerne das "Du" anbieten - aber das ist etwas komplizierter:
Die betreffenden Kolleginnen sind so zwischen 40 und 50 Jahre alt, ich bin 23. Also müssten eigentlich sie mir das "Du" anbieten, wenn ich diese Regeln noch richtig weiß. Aber da war auch noch was mit dem Rang. Es ist nämlich so, dass ich hier "stellvertretende Leiterin" bin und die beiden "nur" normale Angestellte. War es nicht so, dass Vorgesetzte ihren Angestellten das Du anbieten dürfen und nicht umgekehrt?
Welche Regel gilt jetzt? Oder wie würdet ihr vorgehen? Die beiden sind nämlich sehr traditionell eingestellt.

Gruß,
Annegret

16 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 10 Minuten 0 hilfreich
    Re: Duzen - wer bietet es wem an?

    Hallo Annegret, Welche Regel gilt jetzt? Oder wie würdet ihr vorgehen?
    es gilt nach wie vor die Regel, dass nur der Ältere anbietet.
    Insbesondere wenn du schreibst: Die beiden sind nämlich sehr traditionell eingestellt.
    Ich an deiner Stelle würde es lassen, weil du im Zweifel mehr kaputt machst, als verbesserst. Ich denke, man kann auch mit dem "Sie" gut leben, oder?

    Wenn du es dir zutraust, könntest du versuchen, sie in einem Gespräch danach zu fragen, wie das denn früher gehandhabt wurde (oder so ähnlich und auf jeden Fall unverbindlich und sehr vorsichtig!). Dann wären sie am Zug - aber auch das ist nicht ohne Risiko. Auf keinen Fall würde ich darauf drängen.

    Herzliche Grüße

    Thomas Miller

    • Antwort von nach 15 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Duzen - wer bietet es wem an?

      Hallo Thomas, Welche Regel gilt jetzt? Oder wie würdet ihr vorgehen?
      es gilt nach wie vor die Regel, dass nur der Ältere anbietet.
      Insbesondere wenn du schreibst:
      das kenne ich anders. Aber wie dem auch sei: Es ist doch wohl nicht drin, daß der ältere "Untergebene" seinem älteren Chef das "Du" anbietet, oder?

      Gruß
      Christian

      • Antwort von nach 24 Minuten 0 hilfreich
        Re^3: Duzen - wer bietet es wem an?

        Hallo Thomas, hallo Christian, Hallo Thomas, Welche Regel gilt jetzt? Oder wie würdet ihr vorgehen?
        es gilt nach wie vor die Regel, dass nur der Ältere anbietet.
        Insbesondere wenn du schreibst:
        das kenne ich anders. Aber wie dem auch sei: Es ist doch wohl
        nicht drin, daß der ältere "Untergebene" seinem älteren Chef
        das "Du" anbietet, oder?
        genau das ist es, wobei ich mir total unsicher bin. Es ist nämlich so, dass die beiden sich untereinander duzen und auch mit unseren Hiwis per Du sind. Ich habe so ein bißchen das Gefühl (aber ich kann mich natürlich auch täuschen), dass sie mich eigentlich gern duzen würden, sich aber ebenso unsicher sind, ob sie es mir jetzt anbieten "dürfen" oder nicht.

        Gruß,
        Annegret
        Gruß
        Christian

  2. Antwort von nach 14 Minuten 2 hilfreich
    Re: Duzen - wer bietet es wem an?

    Hallo,

    Du hast die "Regeln" schon richtig wiedergegeben. Im Prinzip wäre es genauso, daß Du als Vorgesetzte, wenn Du das denn im wirklichen Sinne bist, daß "Du" anbieten kannst.

    Das muß natürlich jeder selbst entscheiden. Nicht jeder mag die Duzerei am Arbeitsplatz, manchen ist sie unangenehm. Wenn die beiden nahezu gleichaltrigen Angestelltinnen sich untereinander schon nicht duzen, solltest Du nach meiner Einschätzung von Deinem Vorhaben Abstand nehmen.

    Mir (und nicht nur mir) hat mein Chef vor zwei Jahren auch das "Du" aufgenötigt, was ich aus verschiedenen Gründen gar nicht lustig finde, während ich mit dem Kollegen, mit dem ich eigentlich am meisten zusammenarbeite, weiterhin beim "Sie" bin.

    Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, daß ein Duz-Angebot praktisch nicht abgelehnt wird (abgelehnt werden kann), erst recht nicht bei der Chefin, auch wenn der Betreffende es gerne ablehnen würde. Man kann ja mal versuchen, sich diese Situation vorzustellen...

    Nach meiner Erfahrung ist es dann am besten zum "Du" überzugehen, wenn beiden in einer angeregten Unterhaltung schon mal ein "Du" rausrutscht. Dann ist eine gewisse Vertrautheit schon da und dann paßt das "Du" auch.

    Soviel zu meinem Senf.

    Gruß
    Christian

    • Antwort von nach 40 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Duzen - wer bietet es wem an?

      Hallo Christian,

      auch dir danke ich schon mal für die ausführliche Antwort. Du hast die "Regeln" schon richtig wiedergegeben. Im Prinzip
      wäre es genauso, daß Du als Vorgesetzte, wenn Du das denn im
      wirklichen Sinne bist, daß "Du" anbieten kannst.
      Doch, ich bin schon "im wirklichen Sinne" Vorgesetzte, schon auch deshalb, weil meine Stelle eine Diplom-Stelle ist und die beiden "nur" eine Ausbildung gemacht haben. Nicht dass ich jetzt deshalb irgendwie auf sie herabsehen würde (jede von den beiden hat auch Qualitäten, die ich nicht habe), aber so ist es nun mal. Ich muss verschiedene Entscheidungen treffen, während sie hauptsächlich ihre Routineaufgaben (gut) erfüllen. Das muß natürlich jeder selbst entscheiden. Nicht jeder mag
      die Duzerei am Arbeitsplatz, manchen ist sie unangenehm. Wenn
      die beiden nahezu gleichaltrigen Angestelltinnen sich
      untereinander schon nicht duzen, solltest Du nach meiner
      Einschätzung von Deinem Vorhaben Abstand nehmen.
      Wie ich unten schon mal geschrieben habe, die beiden duzen sich und haben auch unseren Hiwis das Du angeboten. Ich vermute stark, dass wir auch schon längst per du wären, wenn ich entweder gleichalt oder nicht Vorgesetzte wäre. Mir (und nicht nur mir) hat mein Chef vor zwei Jahren auch das
      "Du" aufgenötigt, was ich aus verschiedenen Gründen gar nicht
      lustig finde, während ich mit dem Kollegen, mit dem ich
      eigentlich am meisten zusammenarbeite, weiterhin beim "Sie"
      bin.
      Klar gibt es Personen, mit denen man einfach nicht so kann und mit denen man dann lieber per Sie bleiben möchte. Die beiden gehören aber eigentlich nicht dazu. Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, daß ein
      Duz-Angebot praktisch nicht abgelehnt wird (abgelehnt werden
      kann), erst recht nicht bei der Chefin, auch wenn der
      Betreffende es gerne ablehnen würde. Man kann ja mal
      versuchen, sich diese Situation vorzustellen...

      Nach meiner Erfahrung ist es dann am besten zum "Du"
      überzugehen, wenn beiden in einer angeregten Unterhaltung
      schon mal ein "Du" rausrutscht. Dann ist eine gewisse
      Vertrautheit schon da und dann paßt das "Du" auch.

      Gute Idee! In so einer Situation ist es wahrscheinlich dann auch relativ egal, wer das Du wem anbietet.

      Gruß, Annegret

  3. Antwort von nach 17 Minuten 1 hilfreich
    Re: Duzen - wer bietet es wem an?

    Hallo !

    Laß um Himmels Willen die Finger davon!!

    Wenn Du mit 23 als "Vorgesetzte" das Gefühl hast, es läuft harmonisch und recht ordentlich, könnte das nur der schöne Schein sein.
    Sie müßen mit Dir harmonieren, ob sie wollen oder nicht. Das hat mit echter Harmonie meistens nichts zu tun.
    Neid und Mißgunst stecken immer in ihnen. Wärst Du ihr Azubi, sähe die Sache anders aus, dann könntest Du. Sie hätten nichts zu verlieren.

    Bietest Du ihnen das "Du" jetzt an, machen sie natürlich mit Freuden mit. Das könnte dann aber Dein Absturz werden.

    Gruß max

    • Antwort von nach 32 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Duzen - wer bietet es wem an?

      Hallo Max!

      Auf jeden Fall danke ich dir für deine Antwort, so denkt man auch mal über die negativen Folgen nach, die das Duzen so haben könnte. Vielleicht kannst du mir das eine oder andere in deiner Antwort nochmal genauer erklären? Laß um Himmels Willen die Finger davon!!
      Irgendwie verstehe ich nicht so ganz, warum du mich so nachdrücklich davor warnst. Wenn Du mit 23 als "Vorgesetzte" das Gefühl hast, es läuft
      harmonisch und recht ordentlich, könnte das nur der schöne
      Schein sein.
      Sie müßen mit Dir harmonieren, ob sie wollen oder nicht. Das
      hat mit echter Harmonie meistens nichts zu tun.
      Neid und Mißgunst stecken immer in ihnen. Wärst Du ihr Azubi,
      sähe die Sache anders aus, dann könntest Du. Sie hätten nichts
      zu verlieren.
      Ich glaube, dass man es doch merkt, ob wirklich alles harmonisch läuft, oder ob jemand eigentlich neidisch ist und lieber etwas formeller mit einem umgehen möchte. Es ist ja auch nicht ausschließlich das "dienstliche Gespräch", wir unterhalten uns auch zwischendurch und in der Mittagspause über private Dinge gern. Bietest Du ihnen das "Du" jetzt an, machen sie natürlich mit
      Freuden mit. Das könnte dann aber Dein Absturz werden.
      Inwiefern Absturz? Meinst du irgendwas in Richtung "Verschwörung gegen die Vorgesetzte" oder was genau meinst du?

      Viele Grüße,
      Annegret

      • Antwort von nach 45 Minuten 0 hilfreich
        Re^3: Duzen - wer bietet es wem an?

        Hallo Anngret,

        ich kann mich den Warnungen von Max nur anschließen:

        Besonders als relativ junger Personalvorgesetzter sollte man in dieser Hinsicht sehr zurückhaltend sein.

        Mit Anfang Zwanzig kannst Du in dieser Hinsicht noch nicht viel Erfahrung haben - besonders was die negativen Seiten der Personalverantwortung angeht. Glaube mir: es erfordert mehr Überwindung, sich einen Mitarbeiter zur Brust zu nehmen, mit dem man per Du ist, als wenn man sich siezt. Das "Sie" ist eine Art Schutzschild, den Du als "Jungchef" grade bei erheblich älteren Mitarbeitern gut brauchen kannst. Wirf ihn nicht leichtfertig weg.

        Damit will ich nicht Deine Führungsqualitäten anzweifeln - ich teile nur eigene (negativen) Erfahrungen.

        Wenn Du mal >1 Jahr dort arbeitest und man sich (trotz "Sie") menschlich nähergekommen ist, kann man immer noch ein lockeres "Ach, wollen wir uns nicht auch duzen?" einwerfen.

        Gruß
        Stefan

      • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Duzen - wer bietet es wem an?

        Hallo Annegret !

        Ich wollte Deine Fragen eigentlich einzeln beantworten, aber jedesmal fliegt www dann raus. Also versuch ich es mal so:

        Weil das Angebot eines Duzens in einem Betrieb nichts bringt. Das Verhältnis zur Gruppe wird für Dich nicht einfacher, sondern schwieriger. Du ziehst keine Vorteile daraus, aber sie. Alte, ausgebuffte Angestellte bekommen immer wieder junge Vorgesetzte vor die Nase und das frustriert. Sie selbst wissen, sie sitzen auf einem Stuhl, ohne mal in den Sessel zu kommen. Diese junge Aufsteigerin aber kommt hier reingeschneit und übernimmt uns. Wenig Ahnung und dieses "Du" will sie doch nur als Versicherung.
        Vorteile haben nur sie, da Du mit dem "Du" auch anders mit ihnen umgehst. Die Distanz ist doch weg, auch wenn Du Dir sagst, das ist nicht so. Dann werden in dieser Gruppe immer welche sein, die Dir auf der Nase rumtanzen. Mit dem "Sie" wäre es anders.
        Sollte sich irgendwann mal ein riesen Problem vor Euch aufbauen, dienstlicher Art, und Ihr schafft es gemeinsam, das zu bewältigen, dann kann man zu einem echten "Du" kommen. Dann hat jeder gezeigt im Team, dass er es verdient hat. Und das Du ist plötzlich da, ohne viel Getue und Armeverschlingen. Einfach aus dem gegenseitigem Vertrauen heraus.

        Ich erlebe täglich mit (durch meine Frau) , wie auf ihrem Amt, das Team, in dem sie als Teamleiterin arbeitet, fast jährlich neue Dienststellenleiter/innen bekommt. Oft sehr junge Frauen. Diese haben natürlich auch die verschiedensten Ansichten, wie man so einen Haufen von 35 im Dienst grau gewordenen Beamten führt. Es läuft nie gut ab, aber immer am besten, wenn sie sich den Leuten nicht anbiedert und beim Sie bleibt. Man hört nie : Ach, mach doch Deinen Sche... allein!" oder irgendwelche anderen frommen Wünsche.
        Ich selbst war 35 Jahre Leiter eines techn. Betriebes und habe mich nie mit "Untergeben" geduzt. Erst nach langer Zusammenarbeit und vielen gemeinsam erledigten Problemen kam es dann doch schon mal dazu.
        Ich habe Kollegen erlebt, die ein kumpelhaftes Verhältnis mit ihren Untergebenen hatten und keine Möglichkeit mehr, diese zu feuern, wenn sie es zu schlimm trieben.
        Bleibst Du beim "Sie" wirst Du selbst nie zu vertraulich und niemand hat irgendwas gegen Dich in der Hand.

        Ich kann dem, was Stefan sagt, nur zustimmen.

        Gruß max



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