Re^3: Duzen - wer bietet es wem an?
Hallo Annegret !
Ich wollte Deine Fragen eigentlich einzeln beantworten, aber jedesmal fliegt www dann raus. Also versuch ich es mal so:
Weil das Angebot eines Duzens in einem Betrieb nichts bringt. Das Verhältnis zur Gruppe wird für Dich nicht einfacher, sondern schwieriger. Du ziehst keine Vorteile daraus, aber sie. Alte, ausgebuffte Angestellte bekommen immer wieder junge Vorgesetzte vor die Nase und das frustriert. Sie selbst wissen, sie sitzen auf einem Stuhl, ohne mal in den Sessel zu kommen. Diese junge Aufsteigerin aber kommt hier reingeschneit und übernimmt uns. Wenig Ahnung und dieses "Du" will sie doch nur als Versicherung.
Vorteile haben nur sie, da Du mit dem "Du" auch anders mit ihnen umgehst. Die Distanz ist doch weg, auch wenn Du Dir sagst, das ist nicht so. Dann werden in dieser Gruppe immer welche sein, die Dir auf der Nase rumtanzen. Mit dem "Sie" wäre es anders.
Sollte sich irgendwann mal ein riesen Problem vor Euch aufbauen, dienstlicher Art, und Ihr schafft es gemeinsam, das zu bewältigen, dann kann man zu einem echten "Du" kommen. Dann hat jeder gezeigt im Team, dass er es verdient hat. Und das Du ist plötzlich da, ohne viel Getue und Armeverschlingen. Einfach aus dem gegenseitigem Vertrauen heraus.
Ich erlebe täglich mit (durch meine Frau) , wie auf ihrem Amt, das Team, in dem sie als Teamleiterin arbeitet, fast jährlich neue Dienststellenleiter/innen bekommt. Oft sehr junge Frauen. Diese haben natürlich auch die verschiedensten Ansichten, wie man so einen Haufen von 35 im Dienst grau gewordenen Beamten führt. Es läuft nie gut ab, aber immer am besten, wenn sie sich den Leuten nicht anbiedert und beim Sie bleibt. Man hört nie : Ach, mach doch Deinen Sche... allein!" oder irgendwelche anderen frommen Wünsche.
Ich selbst war 35 Jahre Leiter eines techn. Betriebes und habe mich nie mit "Untergeben" geduzt. Erst nach langer Zusammenarbeit und vielen gemeinsam erledigten Problemen kam es dann doch schon mal dazu.
Ich habe Kollegen erlebt, die ein kumpelhaftes Verhältnis mit ihren Untergebenen hatten und keine Möglichkeit mehr, diese zu feuern, wenn sie es zu schlimm trieben.
Bleibst Du beim "Sie" wirst Du selbst nie zu vertraulich und niemand hat irgendwas gegen Dich in der Hand.
Ich kann dem, was Stefan sagt, nur zustimmen.
Gruß max