Kaiser - König

Von: , Frage gestellt am Fr, 3. Mär 2000

Hi!

Was ist da eigentlich der Unteschied?
Und, hätte Deutschland sowas, wäre es doch ein Kaiser, oder? Und wer wäre das?

bye, Vanessa *odersollteichlieberbeiGeschichtefragen?*

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 17 Stunden hilfreich
    Re: Kaiser - König

    Hallo Vanessa!

    Das ist aber eine Frage, die man so einfach nicht beantworten kann!

    Der König war von der Grundbedeutung des althochdeutschen Wortes "Kuning" her - es kommt von "Kuni" = Geschlecht - ein Mann von Geschlecht, also vornehmer Herkunft.
    Er wurde vor jeder krieger. Auseinandersetzung neu gewählt.

    Der mittelalterl. König wurde von Vertretern der herrsch. Klasse, des Feudaladels gewählt.
    Ihm oblag das, was heute eine Regierung macht.

    Um die Wende vom 8. bis 9. Jahrh. beanspruchte der fränk-karoling. König Karl der Große in Fortsetzung des untergegangenen weström. Reiches eine Gleichstellung mit dem byzant. Kaiser.
    Am Weihnachtstag 800 krönte Papst Leo III den fränk König in Rom zum Kaiser.

    Die Kaiserwürde fügte den königl. Rechten keine neue Macht hinzu.
    Die Kaiserkrone verlieh ihrem Träger aber eine höhere, eben die kaiserl. Würde.
    Prestige und Autorität gegenüber anderen europ. kathol. Königen und Fürsten.
    Der Kaiser galt als oberster weltlicher Herrscher der röm. kath. Christenheit.
    Der Kaiser konnte Fürsten die Königswürde verleihen, ohne ihnen mehr Macht geben zu müssen.
    Der Kaiser oblag der Schutz der Kirche, des Papsttums und der Christenheit.

    Die verschiedenen Kaiser waren aber sehr unterschiedlich in ihrer Macht und Ohnmacht.


    Wenn wir heute in den einzelnen Bundesländern wieder Könige hätten, würden diese sich wohl kaum wieder einen Kaiser vor die Nase setzen lassen. Der Papst hätte auch wohl nicht die Macht dazu..
    Kaiser Wilhelm I, der in Versailles proklamiert wurde, war ein Sonderfall. Man nannte damals das Deutsche Reich auch das 2. Reich, im Gegensatz zum 1. Reich unter den
    kath. mittelalterl. Kaisern.

    Stell Dir mal vor, man würde den Regenschirmschwinger aus Hannover zum Kaiser wählen!!
    Gruß Werner [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 17 Stunden hilfreich
      Re^2: Kaiser - König

      Hallo! Das ist aber eine Frage, die man so
      einfach nicht beantworten kann!
      Das habe ich mir schon fast gedacht ;-) Der König (...)
      Er wurde vor jeder krieger.
      Auseinandersetzung neu gewählt.
      Wann war das denn? Ich kenne es nur so,
      dass der Titel vererbt wird (siehe die Engländer). Um die Wende vom 8. bis 9. Jahrh.
      beanspruchte der fränk-karoling. König
      Karl der Große in Fortsetzung des
      untergegangenen weström. Reiches eine
      Gleichstellung mit dem byzant. Kaiser.
      Die Kaiserwürde fügte den königl. Rechten
      keine neue Macht hinzu.
      Ah, also reine Eitelkeit? Sozusagen?
      Wurde denn dann die Kaiserwürde vererbt? Kaiser Wilhelm I, der in Versailles
      proklamiert wurde, war ein Sonderfall.
      Inwiefern war er ein Sonderfall? Stell Dir mal vor, man würde den
      Regenschirmschwinger aus Hannover zum
      Kaiser wählen!!
      Daran habe ich auch schon mit Grausen gedacht! ;-/
      Dann doch lieber einmal Schröder und einmal Rau ;-)

      Danke für deine Antwort!

      bye, Vanessa

      • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
        Re^3: Kaiser - König

        Hallo! Das ist aber eine Frage, die man so
        einfach nicht beantworten kann!
        Das habe ich mir schon fast gedacht ;-) Der König (...)
        Er wurde vor jeder krieger.
        Auseinandersetzung neu gewählt.
        Wann war das denn? Ich kenne es nur so,
        dass der Titel vererbt wird (siehe die
        Engländer).
        Das war zu der Zeit, als die lebten, die wir alte Germanen nennen.
        Das war ein alter german. Brauch. Daher kommt der Ausdruck : "Auf den Schild heben".
        Nach der Wahl zum zeitl. begrenzten König oder Anführer wurde er auf den Schild gesetzt und durch das anwesende Volk getragen. Um die Wende vom 8. bis 9. Jahrh.
        beanspruchte der fränk-karoling. König
        Karl der Große in Fortsetzung des
        untergegangenen weström. Reiches eine
        Gleichstellung mit dem byzant. Kaiser.
        Die Kaiserwürde fügte den königl. Rechten
        keine neue Macht hinzu.
        Ah, also reine Eitelkeit? Sozusagen?
        Wurde denn dann die Kaiserwürde vererbt?
        Nein, immer gewählt. Dabei gab es aber oft Streitigkeiten. Bestechungen und Korruption waren schon normaler Brauch. Wie heute. Kaiser Wilhelm I, der in Versailles
        proklamiert wurde, war ein Sonderfall.
        Inwiefern war er ein Sonderfall?
        Er war Protestant, also kein Papstanhänger und somit hatte er auch nicht vor, diesen besonders zu schützen und sich von ihm krönen zu lassen. Und man nannte sich nicht mehr :"Röm. Reich, deutscher Nation", sondern "Deutsches Reich". Stell Dir mal vor, man würde den
        Regenschirmschwinger aus Hannover zum
        Kaiser wählen!!
        Daran habe ich auch schon mit Grausen
        gedacht! ;-/
        Dann doch lieber einmal Schröder und
        einmal Rau ;-)

        Danke für deine Antwort!

        bye, Vanessa
        Möchtest Du Dir Bücher kaufen?

        "Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters".
        Urania-Verlag, Leipzig, Jena, Berlin.
        ISBN 3-332-00195-7 [Buch anschauen].
        In dem Buch wird genau beschrieben, was ein König/Kaiser so zu tun hat und wo er herkommt. Dazu das Leben sämtlicher deutscher Kaiser und Könige des Mittelalters.

        Dann gibt es jetzt in den großen Buchhandlungen ein ganz tolles, im 19.Jahrhundert (während der Kaiserzeit) geschriebenes Buch. Etwas kitschig, aber um die deutsche Geschichte zu erfahren, sehr gut. Viele Bilder im damaligen Stil.
        Es liegt in den großen Buchhandlungen unübersehbar aus, weil es riesig ist.
        "Bildersaal Deutscher Geschichte"
        Verlag Styria Graz Wien Köln
        ISBN 3-222-12458-2 [Buch anschauen]
        Ein Reprint
        Gruß Werner

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          Re^4: Kaiser - König

          Hallo! Wurde denn dann die Kaiserwürde vererbt?
          Nein, immer gewählt.
          Und der Kaiser Wilhelm I war auch gewählt?
          Diese Wählerei schmeisst mein gesamtes Monarchie-Weltbild über den Haufen ;-))

          Wurden die Könige in anderen Ländern auch gewählt? Er war Protestant, also kein
          Papstanhänger und somit hatte er auch
          nicht vor, diesen besonders zu schützen
          und sich von ihm krönen zu lassen.
          Und wie hat er dann den Titel 'Kaiser' bekommen? Der Papst wollte doch sicherlich einen Protestanten auch nicht zum Kaiser machen. Hat der sich selbst ernannt? Möchtest Du Dir Bücher kaufen?
          "Deutsche Könige und Kaiser des
          Mittelalters".Das klingt ganz interessant!
          Geschichtsliches Vorwissen ist nicht nötig? Das habe ich nämlich nicht :-(

          bye, Vanessa

          PS: Vielen Dank für die Bilder!

          • Antwort von nach 14 Tagen hilfreich
            Re^5: Kaiser - König

            Wenn ich mich einmal einschalten darf. Und der Kaiser Wilhelm I war auch
            gewählt?
            Diese Wählerei schmeisst mein gesamtes
            Monarchie-Weltbild über den Haufen ;-))
            Nun ja, es war ja keine Volkswahl. Im Mittelalter haben die Fürsten den König gewählt, der wiederum durch den Papst zum Kaiser gekrönt werden konnte.
            Später gab es die Kurfürsten, die den König "erkürten". Nach Kaiser Karl V. gab es keine Notwendigkeit mehr, sich vom Papst krönen zu lassen. Die Wahl zum König führte automatisch zur Kaiserwürde (Krönung in Frankkfurt/M.).
            1806 legte der letzte römisch-deutsche Kaiser die Krone nieder, nachdem er sich schon zwei Jahre zuvor zum österreichischen Kaiser gemacht hatte.

            Gleichzeitig hatte sich Napoleon I. zum Kaiser der Franzosen gemacht, der dazu den Papst anreisen ließ, aber sich selbst die Krone aufsetzte.

            Mit diesen nationalen Kaisern war die mittelalterliche Kaiseridee endgültig ad absurdum geführt; denn der Kaiser soll ja gerade über den Königen der einzelnen Staaten stehen.
            Der Kaisertitel ist im 19. Jh. nur noch eine Rangstufe, um sich mehr Prestige zu geben:
            Es folgen in Europa: Napoleon III., Wilhelm I. und Victoria von England, die den Titel "Kaiserin von Indien" annahm.
            Außereuropäische Kaiser gab es in Abessinien, Persien, China und Japan. Wurden die Könige in anderen Ländern auch
            gewählt?
            Ursprünglich überall. Wenn es einer Familie gelang, das Erbrecht durchzusetzen, fiel die Wahl natürlich fort. Und wie hat er dann den Titel 'Kaiser'
            bekommen? Der Papst wollte doch
            sicherlich einen Protestanten auch nicht
            zum Kaiser machen. Hat der sich selbst
            ernannt?
            Wie gesagt, der Papst hatte damit schon lange nichts mehr zu tun. Es war nur noch ein Titel, der Wilhelm in diesem Fall vom bayerischen König als ranghöchstem deutschen Fürsten angetragen wurde (eine nette Geschichte übrigens, wer's kennt!)

            Um nochmal aufs Mittelalter zu kommen. Hier ein ganz einfaches Schema der weltlichen Herrscher:

            König/Kaiser
            Herzog
            Graf

            Innerhalb von tausend Jahren differenzieren sich solche Titel natürlich aus, zumal die kirchlichen Fürsten dazu kommen ("Fürstabt", "Fürstbischof"). Und wer um 1800 noch immer denselben Titel wie im Jahre 1000 führt, hat etwas falsch gemacht. Inflation gibt es eben auch bei Titeln.

            Gruß nach Westfalen von
            Andreas

            • Antwort von nach 14 Tagen hilfreich
              Re^6: Kaiser - König

              Hallo Andreas!

              Da kriegst Du aber gewaltig was durcheinander.
              Am 18.1.1871 ruft Großherzog Friedrich I, von Baden vor den versammelten Fürsten im Spiegelsaal von Versailles König Wilhelm I zum Deutschen Kaiser aus.

              Der Bayer Ludwig war anfangs gegen die Kaiserwahl, konnte im letzten Augenblick mit einer riesigen Geldsumme aber bestochen werden. Bayern war durch den Schlösserbau total verschuldet.
              Das Geld kam aus dem sogenannten Reptilienfond.

              Gruß Werner

            • Antwort von nach 15 Tagen hilfreich
              Re^7: Kaiser - König

              Da kriegst Du aber gewaltig was
              durcheinander.
              Keineswegs. Am 18.1.1871 ruft Großherzog Friedrich I,
              von Baden vor den versammelten Fürsten im
              Spiegelsaal von Versailles König Wilhelm
              I zum Deutschen Kaiser aus.
              Aber nur wegen der in der Tat beabsichtigten Abwesenheit des Bayern.
              Formal war die Reichsgründung ganz langweilig-juristisch am 1. Januar. Der Bayer Ludwig war anfangs gegen die
              Kaiserwahl, konnte im letzten Augenblick
              mit einer riesigen Geldsumme aber
              bestochen werden.
              Das meinte ich mit meiner Andeutung. Aber der entscheidende "Kaiserbrief" kam von Ludwig. Ohne den wär's schwierig geworden.

              Gruß,
              Andreas

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