Nochmals Tradition

Von: , Frage gestellt am Sa, 18. Dez 2004

Hallo Experten!

Neulich wurde mir gesagt, daß die Geschichte von Weihnachtsmann gar nicht deutsche ist bzw nicht aus Deutschland stammt. Das hat mich sehr gewundert.

Es wurde mir gesagt, daß hierzulande das "Christkind" kommt, aber der Weihnachtsmann keine deutsche Tradition ist. Es soll angeblich, eine Erfindung der USA sein, die, ähnlich wie Halloween, bis vor einigen Jahren, hier weitesgehend unbekannt war. Als Kind, in Spanien, habe ich immer genau das Gegenteil gedacht...

Mit dieser Tradition meine ich genauer, daß die Kinder am 24. (oder 25.?) sehr gespannt darauf warten, daß an der Tür klingelt. Wenn es dann soweit ist, öffnen sie und dort steht der Besagter mit einem Sack, indem die Geschenke für den Kinder des Hauses sind.

Könnt Ihr mir das bestätigen oder widerlegen? Bitte möglichst mit Begründung bzw Links!

Vielen Dank im Vorfeld!

Schöne Grüße aus Nürnberg!
Helena

16 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Weihnachtsmann

    Hallo Helena,

    der Amerikaner ist der Weihnachtsmann in den Farben von Coca-Cola. Ohne diese Corporate Identity gibts ihn schon seit dem 16. Jahrhundert. Parallel übrigens: Auch Haloween gibts als irisches Allerheiligen-Vorabend-Fest schon einige hundert Jahre länger (eigentlich vorchristlich, wie Weihnachten zur Wintersonnwende auch) - erst die Umformung im Sinn möglichst hohen Konsums von Süßigkeiten ist made in USA.

    Der ältere deutsche Weihnachtsmann ist eine Vermischung des - schon vorchristlichen - Beschenkens zu den Saturnalien mit dem Hl. Nikolaus. Knapp aber prägnant dazu der Westdeutsche Rundfunk:

    http://www.wdr.de/themen/freizeit/brauchtum/weihnach...

    Diese Vermischung ist durch die "Entwertung" des Nikolaus zusammen mit den anderen Heiligen eine deutsch-protestantische Angelegenheit. Das Beschenken von Kindern ist in der Legende vom St. Nikolaus die Geschichte, wo dieser ein paar arme, aber fromme Mädchen heiratsfähig gemacht hat, indem er ihnen heimlich einiges Gold für die Mitgift zum Fenster hineingeworfen hat. Auf Protestantisch kann man dem Heiligen einen so bedeutenden Job nicht lassen. Nun ist ein neugeborener Säugling trotz aller Wundertätigkeit kaum mit einem großen Sack voller DVD-Player, Digitalkameras, Krawatten, Märklineisenbahnen und Espressomaschinen vorstellbar, da muss schon ein robusteres Mannsbild her. Und so durfte der kurios unreligiös umgebaute Quasi-Nikolaus zu Weihnachten halt überleben.

    Aus benachbartem orthodoxen Kulturkreis ist mir bekannt, dass die Bescherung als Erinnerung an die Geschenke der Drei Könige anlässlich ihres Besuches an der Krippe pünktlich zu dem Zeitpunkt, zu dem die Mutter nicht mehr unrein war, noch lange Zeit zu Epiphanias stattgefunden hat und erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts mit dem mitteleuropäischen Weihnachtstermin zusammengelegt wurde. Dort (in der Gegend des Eisernen Tors) übrigens noch mehr Brauchtum, welches volkstümliche Parallelen zum Weihnachtsevangelium herstellt: Etwa die, dass in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember niemand im Stall sein darf, weil die Tiere zur Erinnerung an ihre Anwesenheit im Stall zu Bethlehem in dieser Nacht sprechen können und einander von der Geburt Christi erzählen, und dabei nicht belauscht werden dürfen... - Aber das wird endgültig zu weitschweifig.

    Persönliche Erinnerung von mir übrigens, dass von meinen ziemlich stur evangelisch erzogenen Eltern der Weihnachtsmann als heidnisches Gräuel abgelehnt wurde, und dass die wundersame Bescherung durch das neugeborene Kind immer hinter geschlossenen Türen stattgefunden hat: Das mit seinem Werk fertig gewordene "Christkind" hat dann jeweils durch Läuten einer kleinen Glocke angekündigt, dass es jetzt gleich weg ist und man die Tür aufmachen darf.

    Schöne Grüße




    MM

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Kleine Korrektur: No Coke

      Hallo Martin,

      zu deinem ausführlichen Text ist nicht viel hinzuzufügen, doch glaube ich gehört zu haben, dass der Mythos, wonach die Weihnachtsmannfarben diejenigen von Coke sind, nicht so ganz stimmt. Eine kurze Recherche im Netz dazu ergibt als ersten Hinweis: Erst in den zwanziger Jahren schließlich begann der heute übliche
      rot-weiße Weihnachtsmanndress über die anderen Farben zu dominieren.
      Am 27. November 1927 schrieb die New York Times: "Ein
      standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern.
      Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote
      Gewand, die Mütze und der weiße Bart."
      http://www.weihnachtsstadt.de/brauchtum/allgemein/We..., siehe auch
      http://www.4managers.de/01-Themen/..%5C10-Inhalte%5C...
      Coke kam erst 1931 zum Zug.

      Bestimmt hatten wir das bei WWW auch schon mal, und ich glaube, dass auch die ZEIT mal darüber geschrieben hat.

      Viele Grüße, Bernhard

      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Re: Uniform 'Weihnachtsmann'

        Hallo Bernhard,

        ja, da hast Du allerdings recht, offenbar wird die Sache durch häufiges Wiederholen nicht richtiger. Peter Bergmann hat grade den Artikel aus der Zeit im "Sonstigen" zitiert.

        Damit wird die seltsame Uniform des "Weihnachtsmannes" umso interessanter.

        Sein Stiefvetter Nikolaus trägt üblicherweise auch den roten Überwurf. Ist da am Ende noch ein anderer, nämlich der rheinische Kinderfreund St. Martin im römischen Offiziersmantel im Spiel? Oder schlicht der Purpurmantel, der ob seines wertvollen Farbstoffes hohen und höchsten Herrschaften vorbehalten ist?

        Schöne Grüße



        MM

        • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
          Re^2: Uniform 'Weihnachtsmann'

          Hallo Martin,

          ich glaube ja auch erst, was ich gesehen habe; daher also erst dann wenn ich jenen vielzitierten NY-Times-Artikel von 1927 vor Augen habe.
          Interessant übrigens auch die pfälzerischen Wurzeln des Santa Claus (http://www.zeit.de/2002/50/A-Nast)

          Und damit kommen wir zu deiner Frage Ist da am Ende noch ein anderer, nämlich der
          rheinische Kinderfreund St. Martin im römischen
          Offiziersmantel im Spiel?
          die hier jedoch unbeantwortet bleibt. Oder schlicht der Purpurmantel, der
          ob seines wertvollen Farbstoffes hohen und höchsten
          Herrschaften vorbehalten ist?
          Das mit dem Bischofsmantel und dem Purpur ist schon ein interessanter Gedanke, aber die Standardisierung der Farben ist ja ein Phänmen unseres Jahrhunderts, greift also wohl kaum auf antike Traditionen zurück. Erfrischend übrigens dieses Jahr dass es ausser den rot-weissen Hängepuppen auch verstärkt mal Weihnachtsmänner in anderen Farben gibt.

          Bernhard

          • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
            Re^3: Uniform 'Weihnachtsmann'

            Servus,

            und schönen Dank für den Artikel, der klar und erfreulich vom Tertiären ins Sekundäre leitet. Diese Richtung ist sehr fein, und bis zum Primären vorzudringen eine Mühsal, die man wohl den eigentlichen Weihnachtsmann-Fetischisten überlassen soll.

            Hierzu Erfrischend übrigens dieses
            Jahr dass es ausser den rot-weissen Hängepuppen auch verstärkt
            mal Weihnachtsmänner in anderen Farben gibt.
            noch ein Vorschlag:

            Wenn ich mir die grauslichen Puppen anschaue, kommen eigentlich bloß zwei mögliche Uniformen in Frage:

            Beleibter Herr in den besten Jahren, der viel sportlicher ist, als man glauben würde, wenn man seine Statur sieht. Festes Schuhwerk und Dienstmütze. Also

            1) THW-grauer Overall

            oder

            2) Marineblaue Jacke, dunkelgraue Hose, weiße Dienstmütze der weiland Bahnpolizei. Die Leute sahen aus wie Butterfahrten-Kapitäns auf Landurlaub, aber die meisten konnten wetzen wie sonstewer...

            In diesem Sinne




            MM

      • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
        Re: Kleine Korrektur: No Coke

        Erst in den zwanziger Jahren schließlich begann der heute übliche
        rot-weiße Weihnachtsmanndress über die anderen Farben zu dominieren.
        Am 27. November 1927 schrieb die New York Times: "Ein
        standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern.
        Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote
        Gewand, die Mütze und der weiße Bart."
        Hallo,
        ich hatte als Kind eine uralte Ausgabe des "Struwwelpeter" (aus den 20er Jahren), in dem ja auch ein "großer Nikolas" vorkommt (Die Story mit den bösen Buben). Wenn ich mich recht erinnere, hatte er eine braune Kutte an. In heutigen Ausgaben ist die Kutte allerdings rot.

        Grüße
        Eckard

        • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
          Hofmanns Nikolas

          Hallo, Eckart,

          das wäre wirklich interessant! ich hatte als Kind eine uralte Ausgabe des "Struwwelpeter"
          (aus den 20er Jahren), in dem ja auch ein "großer Nikolas"
          vorkommt (Die Story mit den bösen Buben). Wenn ich mich recht
          erinnere, hatte er eine braune Kutte an. In heutigen Ausgaben
          ist die Kutte allerdings rot.
          Ich kenne den großen Nikolas mit seinem großen Tintenfass nur rot; es ist allerdings ein ins Bräunliche spielendes Rot.

          Könntest du den braunen Mantel irgendwie belegen?

          Grüße
          Fritz

          • Antwort von nach 17 Stunden 0 hilfreich
            Re: Hofmanns Nikolas

            Hallo Fritz,

            mich wuerde das von Eckard erinnerte Braun auch
            interessieren.

            Und schnell noch fragen, ob es bei euch auch so war:
            bei uns kam bei Adventsfeiern ja immer der Nikolaus
            UND der Knecht Ruprecht. Und der Nikolaus war rot
            gekleidet (aber nicht Coca-Cola Rot) und Knecht Ruprecht
            (mit der Rute) braun.

            Nebenbei: ich hab am Nikolaustag immer eine Rute mit
            Suessigkeiten drin gekriegt. Fuer nur Suessigkeiten war
            ich wohl nicht brav genug.

            Gruesse
            Elke

            • Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
              Frühkindliche Schocks

              Hallo, Elke, bei uns kam bei Adventsfeiern ja immer der Nikolaus UND der Knecht Ruprecht. Und der Nikolaus war rot gekleidet (aber nicht Coca-Cola Rot) und Knecht Ruprecht (mit der Rute) braun.
              Bei uns trug der Nikolaus die klassischen Messgewänder, also Albe und Kasel, die nicht immer rot war, mit Mitra und Bischofsstab.
              Der Knecht Ruprcht war meist irgendwie dunkel, schwarz oder braun oder gemischt, gekleidet und mit Sack und Rute und Ketten sah der immer recht grausig aus.
              Ich erinnere mich an einen, der einen Sack trug, aus dem zwei bestrumpfte Beine guckten. Frühkindlicher Schock garantiert!

              Gruß Fritz



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