Antwort von
nach 18 Stunden
hilfreich
Ein Pfeifenraucher
meldet sich zu Wort:
Vorneweg, Pfeiferauchen ist nicht "gesünder" als Zigarettenrauchen, es ist nur anders schädlich !
Auch hier gibt es Lungenkrebs (allerdings ein klein wenig weniger häufig, dafür haben wir Kehlkopfkrebs und gelegentlich auch Zungenkrebs:-)
Pfeife wird nicht auf Lunge geraucht (denoch inhalieren wir auch ca. 10%), sondern nur "gepafft", d.h. Mund- und Nasenraum. Es werden die dortigen Geschmacksnerven angesprochen, es ist also eine Geschmackssache und es kommt nicht auf den Nikotinspiegel an. Deshalb werden Pfeifentabake auch wesentlich stärker "souciert", d.h. mit Aromastoffen fermentiert.
Mann/Frau raucht Pfeife aus Genußsucht und ist körperlich nicht abhängig (Stichwort: Nervengift Nikotin). Es ist so ähnlich wie mit dem Weintrinken, das macht auch niemand gegen den Durst, Biert dagegen kann ein vorzüglicher Durstlöscher sein (beide machen trunken:-).
Ein wenig spielt vielleicht auch das Ritual eine Rolle. Ein seriöser Pfeifenraucher wird seine Rauchinstrumente pfleglich behandeln (dazu gehört auch das "auskühlen" lassen, welches durchaus mehrere Tage benötigen kann), eine nicht ausgetrocknete Pfeife ist schlichtweg eine Sauerei und stinkt und schmeckt auch nicht.
Ob die Pfeife auf der Zunge brennt oder nicht ist oft eine Frage der Rauchtechnik , kann aber auch an einer billigen Pfeife oder an dem falschen "cut", dem Tabakschnitt liegen. Gute Pfeifen kosten so ab 80 DM, drunter habe ich noch nichts brauchbares gefunden. Topgeräte liegen so ab 200 DM, nach oben gibt es keine Grenzen (hab schon Pfeifen für mehrere hundert/tausend Mark gesehen - dann kommt es auf die "Maserung" des "Bruyers" an - das ist das Wurzelholz aus welchem diese Pfeifen geschnitten sind). Pfeifenmacher ist ein höchstqualifizierter Beruf und diese Leute verdienen sich dumm und dämlich (es gibt nur eine handvoll, die besten sind in Deutschland und in Dänemark), ihre Namen sind Legion und eine Pfeife eines Sören Holm zu schmauchen sichert einem Pfeifenraucher höchste Bewunderung und Anerkennung in Pfeifenraucherkreisen (so ähnlich wie Ferrari oder Jaguar fahren:-).
Um eine Pfeife gepflegt zu "celebrieren" bedarf es einer gewissen inneren Ruhe und Ausgeglichenheit (was keineswegs bedeutet es mit Lethargigern zu tun zu haben:-), in der Tat ist es schlichtweg unmöglich in hektischer Atmosphäre eine Pfeife zu celebrieren - vielleicht mit ein Grund weshalb nicht wenig Pfeifenraucher während ihrer hektischen Arbeit gar nicht oder höchstens mal eine Zigarre rauchen. Das Pfeifenrauchen gehört eindeutig in den besinnlichen Abendstunden, genau wie das wohltemperierte Glas Bordeaux und das offene Kaminfeuer (folgerichtig wird in den kühlen Jahreszeiten auch wesentlich mehr Pfeife geraucht als im Sommer).
So, nun aber genug der Ausführungen.
Wie hier bereits erwähnt gibt es auch wirklich amüsante Lektüre zu diesem Thema.
Ach ja: Niemand sollte ohne einen bereits pfeiferauchenden Freund/in selbst mit dem Pfeiferauchen beginnen wollen, es würde höchstwahrscheinich mißlingen. Man suche sich einen Bekannte/n welcher bereits seit Jahren genüßlich Pfeife raucht und läßt sich mit viel Geduld in diese etwas spleenige Materie einweihen. In diesem Sinne "fidelius fratribus" :-))