Wo kommt das Geld her?

Von: , Frage gestellt am Do, 1. Feb 2001

Ich frage mich ernsthaft, wo die Leute um mich herum das ganze Geld herkriegen, bzw was ich falsch mache.

Auto, Haus, Reisen, wie können sich das Normalverdienende leisten? Wenn ich die Statistik lese, gibt es viele Berufe, wo man so um 3000 Mark verdient. Ein Freund arbeitet bei einer Bank, und sagt, er könne das allgemein bestätigen.

Ohne Namen zu nennen, durfte er mir auch sagen, das ein großer Teil der Konten im Minus steht.

Somit habe ich den Eindruck, dass ich mit ca. 5500 Mark netto mehr verdiene als andere oder genauso viel wie Doppelverdiener.

Leider reicht dieses Geld für 4 Personen nur ganz knapp, ich habe kein eigenes Haus, und fahre ein 22 Jahre altes Auto für ca. 2000 Mark.

Meine Mitmenschen schütteln den Kopf, dass ich mit meinem Beruf so eine Kiste fahre, aber mehr kann ich mir nicht leisten. Auf Kredit bringt nichts, denn auch der muss bezahlt werden.

Ein Nachbar, mit eigenen Haus und dickem Auto, hat sich vor einiger Zeit aufgehängt, weil er die Schulden bis zum Lebensende nicht mehr abzahlen kann.

Stimmt die Statistik nicht? Kriegen erwachsene Leute ihre 20.000-Mark-Autos von ihren Eltern geschenkt? Gibt es Geheimwissen, zu dem ich keinen Zugang habe?

Fragen die ich mir stelle! Ich kann rechnen und auch mit Excel umgehen. Danach ist der Lebensstil der Leute im meinem Umfeld nicht finanzierbar. Wo ist das fehlende Glied?

Vielen Dank für Eure Hinweise
Knapp

19 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
    ...ein paar kleine Gedanken

    ...hm, wahrscheinlich sind ich und mein Umfeld (entweder solo oder DINKS) nicht sehr repräsentativ...

    Kinder verschlingen natürlich eine Menge...

    Aber hier zwei Überlegungen:

    1.) Eine gute Freundin sagte mal in puncto Schuldenmachen: "Stell Dir vor, Du stirbst, und hast 50.000 DM + auf'm Konto...verflucht ärgerlich!!! Stell Dir vor, Du stirbst und hast den gleichen Betrag im Minus...wen kratzt das?!"

    Tatsächlich lebe ich selber auch eher nach der Mentaltiät "Das letzte Hemd hat keine Taschen"...ganz anders als zB. die Elterngeneration. Und keine Schulden zu machen bedeutet ja nicht zwangsläufig, daß man auch spart (tue ich zB. nicht).

    Die wachsende Mobilität (die nur zT. Fiktion ist) hat ja auch zur Folge, daß der Hang zu Familie, Eigenheim etc. in einigen Kreisen nicht mehr als Stairway to Heaven gilt.

    2.) Lifestyle allgemein - vielleicht sind wir insgesamt zu sehr Endzeit gepräg, um uns über unsere Hinterlassenschaft allzu viele Gedanken zu machen. Wie singt Joe Jackson? "Everything gives you cancer" - wozu sein Geld nicht mit vollen Händen ausgeben, solange man's noch kann, unbelastet von BSE, Krebs oder Alzheimer?

    3.) Viele Leute, die ich im Studium kannte, Leute um die 20., 25., die ich jetzt noch kenne, finanzieren sich zum gut teil über ihre Eltern - die haben ja noch gespart, damit's die Kinder mal besser haben.


    Bittesehr...spinnt den Faden meiner unausgereiften Gedanken weiter...

    • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
      Re: ...ein paar kleine Gedanken

      Hallo Diana,

      Deine Gedanken sind so gut, dass ich sie einfach weiterspinnen muss...

      Ich gehöre auch zu den Leuten, die das selber verdiente Geld lieber selbst ausgeben, anstelle es der Nachwelt zu hinterlassen. Dabei gibt es aber ein Problem:

      Die Werbung bzw. die Gesellschaft schreiben heute ziemlich genau vor, was "man" für ein erfülltes Leben alles braucht. Mit meinem kleinen Verdienst (knapp über 2000.- DM) ist das aber kaum machbar, vor allem nicht nach der Devise "jetzt sofort - ich will nicht warten!". Welche Chance habe ich?

      1.) Dem allgemeinen Trend hinterherlaufen, alles auf Pump kaufen, mir keine Gedanken über die Schuldentilgung zu machen (viel zu hohe Zinsen!; nie bekam ich von Banken so viele Angebote für "schnelles" Geld wie jetzt!) und mich irgendwann aufzuhängen, weil es nicht reicht? - oder

      2.) Warten lernen, Verzicht lernen, nicht auf die Einflüsterungen der Werbung und Gesellschaft hören, milde darüber lächeln und Ignorieren, wie andere ihren Wohlstand zeigen müssen; ein Gespür dafür entwickeln, was im Leben wirklich wichtig ist.

      Ich habe mich für die (primär unbequemere) zweite Variante entschlossen und bin glücklich damit. Tatsächlich finden das viele Leute tief in ihrem Innersten nämlich viel erstrebenswerter als Version 1, auch wenn sie es selbst nicht können (oder wollen). Für größere Ausgaben wende ich mich auch mal an meinen Freundeskreis, der mir ab und zu zinslose Darlehen gibt - das soll aber die Ausnahme bleiben!

      Bei Interesse kann ich auch gerne praktische, alltägliche Beispiele erzählen.

      Wer spinnt die Gedanken weiter?

      Alex

    • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
      Re: Verständnisfrage...

      ...hm, wahrscheinlich sind ich und mein Umfeld (entweder solo
      oder DINKS) nicht sehr repräsentativ...
      Hallo Diana!

      Ich habe da eine kleine Verständnisfrage: was sind DINKS?

      Gruß
      Frauke
      *die gerade so weiss was Yuppies sind/sein sollen*

      • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
        Re^2: Verständnisfrage...

        Hallo! Ich habe da eine kleine Verständnisfrage: was sind DINKS?
        DINK = double income, no kids, also: Doppelverdiener ohne Kinder.

        Grüße,
        Vlado

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Aha!!

          Hallo Vlado!
          Danke für die Antwort-man weiß ja heutzutage gar nicht mehr, als was man alles bezeichnet wird ;-))

          Ich bin also auch ein DINK, jetzt weiss ich Bescheid...
          Gruß
          Frauke [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
    Re: Wo kommt das Geld her?

    Hallo,

    Dein (ökonomischer) Fehler ist das mit dem Kinderkriegen! Kinder kosten ziemlich viel und halten dann noch einen Partner vom Geldverdienen ab! Stell Dir mal vor, Du verdienst 3TDM netto und Deine Frau/ Lebenspartnerin auch noch mal - das sind dann 6 TDM netto für zwei Personen, statt bei Dir 5500 für vier.

    Aber was mir auch immer auffällt, man schaut natürlich da, wo dioe Leute das Geld ausgeben: mein Nachbar fährt vielleicht ein dickes Auto, hat eine gute Wohnungseinrichtung ..., dafür aber geht er nie auswärts essen, trinkt keinen teuren Wein oder ...

    Um wirklich dahinter zu schauen, muß man schon einen differenzierten Blick auf die Ausgabegewohnheiten werfen.

    Und nicht zu vergessen: Geld kommt nicht nur von Arbeitseinkommen, es gibt auch sehr viele Menschen, die aus Vermögen (meist geerbt) vieles finanzieren!

    Gruß, Bernd [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
    Danke, laßt noch mehr hören

    Vielen Dank Leute, für Eure Antworten. Ich hab sowas auch schon im Freundeskreis diskutiert, wollte es aber mal auf eine breitere Basis stellen.

    Bernd, dass Kinder ökonomisch ungünstig sind, klar. Ist aber kein *Fehler*, dafür fahre ich gerne eine Schrottkarre, oder gar kein Auto (die Kinder sind da anderer Meinung :-) aber sie durchblicken diesen subtilen Zusamenhang nicht.

    Diana, ich will auch nichts anhäufen. Wenn ich mit Kontostand Null ins Jenseits gehe, kein Problem. Eher ein Problem mit minus 50.000. Ich stehe auch voll im Leben, (nothing gives you cancer) aber es reicht halt immr nur grad so. Von andern werde ich als gutverdienend eingestuft. Aber ich bin Freiberufler, und höre immer sofort auf zu arbeiten, wenn es zum Überleben reicht. Die Arbeit hält mich von zu vielen Dingen ab.

    Alex, Deine Variante 2 sagt mir auch zu. Brauchst nur ein verdammt dickes Fell dafür. Andererseits bringt mich mein 2-Mille-Auto auch von A nach B. Würde es suppergut aussehen, hätte ich nichts davon, da nur die anderen es von aussen sehen. Also warum soll ich für die anderen das Geld ausgeben. Wie du sagtest, was im Leben wichtig ist.
    Natürlich werde ich an der Tankstelle hochnäsig behandelt, vom Kassierer, der mit Mühe noch einen Mars-Riegel dazurechnen kann, der aber einen aufgemotzten Kleinwagen für 25.000 Mark fährt. (Ich hab aber kein Problem mit Autos, es läßt nur halt immer gut verwenden.)

    Deine weiteren Beispiele würde ich hier gern lesen, die von anderen natürlich auch.
    Knapp

    • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
      Mehr persönliche Beispiele zum Sparen...

      Hallo Knapp, Deine weiteren Beispiele würde ich hier gern lesen, die von
      anderen natürlich auch.
      Selbstverständlich erzähle ich gerne noch weitere Beispiele, wie ich ganz persönlich spare:

      WÜNSCHE GENERELL:
      Im Konsumgüterbereich schreibe ich alle Wünsche auf und lasse die Liste erst einmal ein paar Monate liegen. Falls ich Geld übrig habe, dann setze ich Prioritäten. Dies mache ich schon seit meiner Kindheit so. Irgendwann vergaß ich einmal so eine Liste und fand sie viele Jahre später wieder. Über meine damaligen Wünsche habe ich mich totgelacht. Fazit: Viele Wünsche erledigen sich mit der Zeit von selbst und es wäre also Verschwendung, alle sofort zu erfüllen.

      STEREOANLAGE:
      Meine Stereoanlage besteht seit 8 Jahren nur aus CD-Player, Kassettendeck und einem (sehr guten) Kopfhörer. Für mich alleine reicht das. Ich höre sowieso nur bewusst Musik, Dauerberieselung hasse ich. Wenn Besuch kommt – dann müssen sie eben mit Kopfhörer oder über die PC-Lautsprecher hören. Aber die meisten setzen es als selbstverständlich voraus, dass überall, wo sie hinkommen eine Anlage mit Verstärker und Boxen verfügbar ist – warum?

      INFORMATIONSMEDIEN:
      Da ich mich für das Weltgeschehen interessiere, aber keine billige Unterhaltung benötige, habe ich mir überlegt, mit welchem Medium ich am schnellsten und billigsten zu den gewünschten Informationen komme. Ergebnis: Im Internet. Dafür spare ich mir Radio, Fernsehen, Video, GEZ-Gebühr, Zeitung – das brauche ich alles nicht. Vom Besuch kommt aber immer dieselbe Frage: „Warum hast Du das alles nicht???“ Bücher sind oft besser investiertes Geld.

      URLAUB/REISEN:
      Ich interessiere mich total für fremde Länder, Menschen, Landschaften, Kulturen usw. Aber mein Geldbeutel lässt solch teure Reisen (wie bei den Deutschen üblich) leider nicht zu. Also habe ich Deutschland als Reiseland entdeckt und dabei schon ganz faszinierende Gegenden kennen gelernt, die außer den „Ureinwohnern“ kaum jemand kennt. Jetzt bin ich tatsächlich schon Ende 20 und noch nie in einem Flugzeug gesessen...! In Europa bin ich schon viel gereist – meist relativ preiswert.
      Auto und Führerschein: habe ich nicht (aus gesundheitlichen Gründen). Bahnfahren: nervt zwar manchmal, ist mit BahnCard aber finanzierbar.

      KLEIDUNG:
      Kleider sollen praktisch, ordentlich und günstig sein und zu meinem persönlichen Stil passen. Im Übrigen trage ich sie meist über mehrere Jahre. Für Marken gebe ich keine müde Mark aus.

      ERNÄHRUNG:
      Durch Preisvergleich bei verschiedenen Supermärkten bzw. Herstellerfirmen kann man hier schon etwas sparen. Für Süßigkeiten und Knabberzeug ist mir mein Geld zu schade.

      MÖBEL:
      Hier gibt es vieles, was ich mir wünsche, aber im Moment nicht brauche. Ich plane es für später. Was wirklich wichtig ist, hat man sowieso schon.

      Wie gesagt – dies sind meine Einsparmöglichkeiten und mein Lebensstil, der natürlich so nicht allgemein übertragbar ist, höchstens einzelne Elemente.

      Herzliche Grüße

      Alex

      • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
        Das finde ich bemerkenswert:

        Grüße, Alexander WÜNSCHE GENERELL:
        Fazit: Viele Wünsche erledigen sich mit der Zeit von selbst und es wäre also Verschwendung, alle sofort zu erfüllen.
        Da fiel mir doch der alte Spruch wieder ein:
        "Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge."
        Das bedeutet, was Du ja auch festgestellt hast: es ist nicht sinnvoll, sich jeden Wunsch zu erfüllen, man produziert nur weitere Begehrlichkeit damit.

        Eckard.



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