Ypsilon

Von: , Frage gestellt am Do, 10. Jan 2002

Hallo, Sprachwissenschaftler,

nicht oft, aber doch schon mehrfach, habe ich auf deutschen, alten Grabsteinen diesen Buchsstaben ÿ, also ein Ypsilon mit einem Doppelpunkt drauf gefunden.

Wir heißt der, wann wurde der verwended, warum, wie hat man den ausgesprochen, warum gibt es den heute nicht mehr?

Danke für Hinweise

Antal

12 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Ypsilon

    Hallo,

    ich meine, dass es den Buchstaben sehr wohl noch gibt, nur eben sehr selten. Ich denke, die Punkte bedeuten das, was sie immer noch bedeuten, nämlich dass der Vokal y als neue Silbe innerhalb einer Diphthongs angesetzt wird. Oder kennst du Beispiele, in denen dieser genannte Buchstabe nach einem Konsonanten steht
    (wenn, dann müsste ich passen).

    Wenn du also etwa den Namen "Sayn" (die Punkte auf dem y kann ich nicht schreiben, daher musst du sie dazudenken) findest, dann würde das Wort nicht "Sain", sondern "Sa-In" gesprochen werden müssen.

    Herzliche Grüße

    Thomas Miller

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Ypsilon

      Hallo, Thomas und Antal,

      also dieses y mit den zwei Tüttelchen darauf begegnet und auch noch in anderem Zusammenhang, die Tüttelchen sind also nicht nur ein sog. "Trema".
      Im 19 Jahrhundert wurde das y oft handschriftlich mit zwei Pünktchen geschrieben, vielleicht in Anlehnung an die Aussprache, die ja oft wie "ü" klingt.
      Auch in der niederländischen Sprache ist der Buchstabe oft zu finden. hier allerdings ist es nicht das y, das man hier meint sondern hier gilt es eher als Zusammenziehung (Ligatur) der oft gebrauchten Buchstabenkombination "ij", was etwa wie "e-i" ausgesprochen wird.

      Das y in der deuschen Schrift ist noch gar nicht so alt, es wurde von einem mit den Griechen verbandelten Bayernkönig eingeschmuggelt.

      Gruß Eckard.

        • Antwort von nach 10 Tagen 0 hilfreich
          Re: Interessant! Danke, Eckard! owT.

          Oh Gott, da hab ich ja vielleicht was losgetreten...

          Übrigens, so häufig, wie man beim lesen hier dieses Y mit Doppelpunkt zu finden scheint, ist es mir nicht begegnet. Im gegenteil: Einmal auf einem Grabstein auf dem alten jüdischen Friedhof in Worms und auf einem Grabstein auf dem Friedhof in Windhoek.

          Gruß Antal

          Danke übrigens für die lehrreiche Stunde

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Ypsilon

        Das y in der deuschen Schrift ist noch gar nicht so alt, es
        wurde von einem mit den Griechen verbandelten Bayernkönig
        eingeschmuggelt.
        Ja. Und vorher schrieb man tatsächlich Baiern mit i.
        In dem Zusammenhang habe ich mal gehört, dass die Gebrüder Grimm ein Posten bei der Bai/yrischen Regierung angeboten worden sein soll. Sie hätten den Ratschlag bekommen, dass ihre Chancen auf den Posten größer wären, wenn sie sich mit dem Namen Grymm bewerben.
        Leider hab ich keine verlässliche Quellenangabe dazu. Kann mir vielleicht irgendjemand diese Geschichte bestätigen?

        Gruß
        Stefan

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Ypsilon

          Bitte, sagt nicht Gebrüder Grimm
          das ist eine Bezeichnungen für Firmen.

          Jakob und Wilhelm sind die "Brüder Grimm".

          In der Zeit als Bayern das Y bekam, wurde auch aus

          Wirtemberg => Württemberg.

          Da hätte ein Y auch noch reingepasst. Wyrttemberg! Man stelle sich vor.

          Fritz

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Grymm

            Bitte, sagt nicht Gebrüder Grimm
            Danke für den Hinweis, ich werde mich dran halten.
            Wegen der Gleichberechtigung sage ich dann aber:
            Die Schwister Grimm :-)

            Gruß
            Stefan

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        w x y...

        Das y in der deuschen Schrift ist noch gar nicht so alt, es
        wurde von einem mit den Griechen verbandelten Bayernkönig
        eingeschmuggelt.
        Hallo Eckard,

        der Bayernludwig hat seinem Landesnamen das "y" eingeschmuggelt, das stimmt. Aber der Buchstabe selbst wurde schon im ganzen Barockzeitalter mit Vorliebe in teutschen Wörtern gebraucht, regelmäßig im Diphthong "ey".

        Das Y ist ja eigentlich das griechische U, das die Griechen jedoch schon früh wie Ü aussprachen. Da die Römer diesen Laut nicht kannten, übernahmen sie für griechische Fremdwörter die griechische Buchstabenform - und so haben auch wir sie geerbt.

        Ähnlich ging es mit dem griechischen Phi, das bilabial (mit beiden Lippen, nicht mit Schneidezähnen+Unterlippe) und mit dem griechischen Theta, das aspiriert (ähnlich engl.) gesprochen wurde und daher von den Römern nicht mit f bzw. t, sondern mit ph bzw. th wiedergegeben wurde.

        Bilabial wurde übrigens auch das germanische w gesprochen (heute noch im Engl.) und daher nicht mit v wiedergegeben, sondern als dessen Verdoppelung eingeführt.

        Nun haben wir diese inzwischen völlig überflüssigen Zeichen(kombinationen) immer noch in unserer Ortografie... und "Sümfonie" zu schreiben, wagte nicht einmal die Rechtschreibreformkommission zu erlauben.

        Gruß,
        Pietro

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re: w x y...

          Sag, Pietro,

          kannst du mir Literatur nennen, in der dies: Das Y ist ja eigentlich das griechische U, das die Griechen
          jedoch schon früh wie Ü aussprachen. Da die Römer diesen Laut
          nicht kannten, übernahmen sie für griechische Fremdwörter die
          griechische Buchstabenform - und so haben auch wir sie geerbt.

          Ähnlich ging es mit dem griechischen Phi, das bilabial (mit
          beiden Lippen, nicht mit Schneidezähnen+Unterlippe) und mit
          dem griechischen Theta, das aspiriert (ähnlich engl.)
          gesprochen wurde und daher von den Römern nicht mit f bzw. t,
          sondern mit ph bzw. th wiedergegeben wurde.
          "belegt" oder "bewiesen" wird.

          Das Φ ist mir schon lang suspekt; warum übernahmen es die Römer, die doch das F und das V - selbst wenn das "W" gesprochen wurde -, hatten? Die Aussprache Pf, also Pfilosopfie, scheint unabweisbar.

          Gruß Fritz



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