Arbeitszeitverkürzung

Von: , Frage gestellt am Di, 1. Jun 1999

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7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 11 Tagen hilfreich
    Re: Der zu verteilende Kuchen wird kleiner

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    • Antwort von nach 12 Tagen hilfreich
      Re^2: Der zu verteilende Kuchen wird kleiner

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      • Antwort von nach 23 Tagen hilfreich
        Re^3: war im Urlaub, aber jetzt.....

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        • Antwort von nach 26 Tagen hilfreich
          mannomann.....

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          • Antwort von nach 27 Tagen hilfreich
            Kleiner Kommentar aus der Praxis ...

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            • Antwort von nach 27 Tagen hilfreich
              Re: Kleiner Kommentar aus der Praxis ...

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            • Antwort von nach 76 Tagen hilfreich
              Re^2: Kleiner Kommentar aus der Praxis ...

              Hallo Sigi,

              hast Du Dir schon mal überlegt, was passiert, wenn man die Arbeitsbedingungen in Großunternehmen nochmals verbessert ?

              Die kleinen Unternehmen werden ganz schön das Nachsehen haben, da sie für Arbeitnehmer sehr uninteressant werden.

              Bei uns in Stuttgart ist das schon an der Tagesordnung. Da die "Großen" (DaimlerChrysler, Porsche, Bosch...) ca. 20% über dem Normalniveau bezahlen (das in BaWü sowieso schon hoch ist), suchen kleinere Firmen verzweifelt nach Mitarbeitern...
              ... und verlieren Aufträge, weil sie keine guten Mitarbeiter mehr beschäftigen können.

              Gruß

              Sven



              Hallo Jungs und Mädels :o)

              Mir stellt sich - als selbstständiger
              Unternehmer - grundsätzlich die Frage
              über
              die Sinnhaftigkeit der
              Verteilungsdiskussion.

              Ich habe hier 25 Angestellte und Arbeit
              für diese Angestellten. Aufgrund meiner
              Kalkulationen kann ich einerseits diese
              Angestellten bezahlen und andererseits
              selbst auch Gewinn machen ... logisch,
              sonst wär ich ja ziemlich schnell pleite.

              Mein Gewinn ist auch höher als ein
              Einkommen, das ich als Angestellter
              verdienen könnte. Dafür bin ich auch
              ziemlich massiv verschuldet °grins° und
              trage das gesamte Risiko mit persönlicher
              Haftung.

              So weit, so gut.

              Es geht um die Verteilung der Arbeit
              zwischen Arbeitsplatzbesitzern und
              -nichtbesitzern.

              Nach Sigis Ansicht sollte ich jetzt die
              Arbeitszeit (38,5 Stunden) auf sagen wir
              mal 30 Stunden reduzieren und zusätzlich
              7
              Arbeitnehmer einstellen - die Arbeit muß
              ja getan werden.

              Ich hätte dann - bei vollem Lohnausgleich
              - etwa 30 % mehr Lohnkosten zu tragen.

              Nicht umsonst wurde und wird
              Arbeitszeitverkürzung primär im
              industriellen Bereich gefordert und
              umgesetzt. Wie kommts eigentlich, daß sich
              jeder Kleinunternehmer gleich an die Brust
              kloppft und die Argumentation der
              Grossindustrie übernimmt, wenn man
              Kapitalismuskritik übt?


              Dazu sind gesellschaftliche Anstrengungen
              nötig, die die Arbeitgeber finanziell
              mittragen sollen. Deshalb müssen
              Unternehmensgewinne zugunsten der
              besseren
              Verteilung von vorhandener Arbeit
              umverteilt werden.

              Ok, ich verzichte also auf meinen Gewinn
              und stelle mehr Angestellte ein.

              Wozu mache ich mich dann selbstständig ?
              Wo ist der Anreiz, etwas eigenes zu
              schaffen ?

              Angenommen, die Frage würde sich bei dir
              tatsächlich stellen: Ist die Kohle
              wirklich dein einziger Anreiz?


              Na klar, du nimmst ja auch den Urlaub und
              die Gehaltserhöhung, die die
              Gewerkschaften für dich ausgehandelt
              haben
              mit.

              Falsch, lieber Sigi, ich habe nur dann
              Urlaub wenn ich hier wegkann. Der letzte
              war 1995 ... und Gehaltserhöhung ? Wenn
              ein Jahr schlechter ausfällt dann gibt´s
              eben weniger Gewinn und wenn´s besser ist
              dann darf ich jetzt schon an meine Rente
              denken ...

              Du kannst dir sicher vorstellen, daß ich
              nicht von Selbständigen spreche, sondern
              von Leuten, die abhängig beschäftigt sind,
              die Gewerkschaften kritisieren und dann
              aber trotzdem die Errungenschaften
              mitnehmen.



              Auch hier gilt: Entscheidend ist nur die
              Produktivität! Die Kosten dürfen ruhig
              hoch sein, wenn die erzeugten Werte
              ausreichend sind, um genügend grosse
              Gewinne sicherzusstellen.

              Es gibt eine Obergrenze für Preise,
              welche
              durch das Konkurrenzprinzip festgelegt
              werden. Die Untergrenze wird durch die
              Fix- und variablen Kosten definiert.
              Dazwischen liegen Investitionen und
              Gewinn.

              Wenn ich also die Kosten erhöhe, muß ich
              den Gewinn verringern, da ich ja
              investieren muß und auch nicht teurer
              werden darf, sonst gehen die Kunden zur
              Konkurrenz.

              Der Arbeitgeber ist somit der Blöde, der
              zahlen darf ...

              ????? Das ist es ja eben. Die Gewinne
              sollten nur dort angetastet werden, wo sie
              in ausreichendem Umfang vorhanden sind.
              Und das ist in der Grossindustrie der
              Fall.
              Da wir einen Problem mit dem
              Gleichheitsgrundsatz bekämen, wenn wir bei
              allen mit dem Rasenmäher drübergehen,
              würde ich vorschlagen:
              Arbeitszeitverkürzung für alle, denn die
              Arbeit muss gesellschaftlich besser
              verteilt werden.
              Um Nachteile der kleinen bis mittleren
              Unternehmen auszugleichen würde ich eine
              steuerliche Lösung vorschlagen, die
              hauptsächlich kleine Betriebe, die die
              Arbeitszeit verkürzen, entlastet und
              grosse belastet.



              Wer allerding, so wie du das Kapital zum
              religiösen Dogma erhebt, der hat nicht
              begriffen, daß ohne gesellschaftliche
              Gerechtigkeit und Stabilität auch das
              Kapital selbst kaputtgeht (zumindest
              seine
              Besitzer).
              Gesellschaftliche Stabilität kann es aber
              auf Dauer nur geben, wenn die Verteilung
              des gesellschaftlichen Einkommens
              ausgewogen ist.

              Wenn ich sowieso aufgrund meiner
              Ausbildung überall das gleiche verdiene,
              wozu dann das Risiko sich selbstständig
              zu
              machen und Arbeitsplätze zu schaffen ????

              Das meinte ich nicht! Es geht um die
              gesellschaftliche Verteilung von Vermögen.
              Es kann nicht sein, daß 10% der
              Bevölkerung 90% der Reichtumes besitzen
              (nur als Beispiel). Eine solche
              Konstellation würde nicht zuletzt auch die
              Existenz des Kapitals selbst bedrohen.


              Ich bin das Risiko eingegangen und habe
              dadurch 25 Arbeitsplätze geschaffen bzw.
              erhalten und jetzt ? Bekomm ich nochmals
              7
              an Bord ?

              Schön wärs, oder ? :-))


              Was im Sinne einer Umverteilung auch
              völlig richtig ist, denn es geht auch um
              die Relation von Einkommen aus
              selbständiger Arbeit zu den Einkommen aus
              unselbständiger Arbeit.

              Ja, die sollten gleich sein, nicht wahr ?
              Sehr gut, dann such ich mir einen Job in
              der Industrie und sperr hier zu und es
              gibt 25 Arbeitsplätze weniger. Ist das
              die
              Lösung ?

              Nochmal, ich meinte nicht, daß alle das
              gleiche verdienen müssen!
              Je besser der gesellschaftliche REichtum
              verteilt ist, desto grösser ist die
              stabilisierende Mittelschicht und darauf
              kommt es an.


              Ciao Sigi

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