wir zahlen noch für den ersten Weltkrieg?

Von: , Frage gestellt am Di, 28. Jun 2005

"Die Schuldverschreibungen zur Bezahlung der letzten Zinsen
für die Reparationen aus dem Ersten Weltkrieg muß die Bundesrepublik
Deutschland bis zum Jahr 2010 einlösen"

sagt Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof

wer weiß dazu mehr?

Gruß
elite

20 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
    Re: wir zahlen noch für den ersten Weltkrieg?

    "Die Schuldverschreibungen zur Bezahlung der letzten Zinsen
    für die Reparationen aus dem Ersten Weltkrieg muß die
    Bundesrepublik
    Deutschland bis zum Jahr 2010 einlösen"

    sagt Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof

    wer weiß dazu mehr?
    Hi!

    Die Reparationszahlungenn aus dem Ersten Weltkrieg wurden mehrfach definiert. Artikel 231 des Versailler Vertrages legte zwar Reparationszahlungen fest, aber nicht deren Höhe und Dauer.

    Bis April 1921 soll Deutschland 20 Milliarden Goldmark zahlen, was es aufgrund der desolaten Wirtschaftslage nicht kann. Vorher war auf der Konferenz von Boulogne (Juni 1920) die Reparationssumme auf 296 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten, festgelegt worden. Falls Deutschland diesen Forderungen nicht nachkommt, werden die Alliierten das Ruhrgebiet besetzen (Konferenz von Spa).

    Am 29.Januar 1921 wird die Summe auf 226 Milliarden Goldmark gesenkt, zahlbar über 42 Jahre. Die deutsche Regierung bezeichnet die Zahlungen als unerfüllbar. Am 7.3.1921 besetzen die Franzosen daraufhin Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort.

    Am 5.Mai 1921 machen die Briten einen neuen Vorschlag: 132 Milliarden in 66 Jahren. Die Deutschen nehmen an, da gedroht wird, bei Ablehnung das ganze Ruhrgebiet zu verlieren.

    1923: Nach der großen Inflation, der Besetzung des Ruhrgebietes und des Widerstandes der Zivilbevölkerung kommt es 1924 zum Dawes-Plan. Deutschland soll 1 Milliarde pro Jahr, ab 1928 2,5 Mrd pro Jahr zahlen. Ab 1927 ist Deutschland erneut nicht mehr in der Lage, die Zahlungen zu leisten.

    Zwischen Deutschland (Stresemann) und Frankreich (Briand) zeichnet sich ein Ausgleich ab (Räumung des Rheinlandes), aber Briand kann sich in Frankreich nicht durchsetzen.

    1929 kommt es zum Young-Plan (gültig ab März 1930), der Reparationen in Höhe von 112 Milliarden Goldmark über 59 Jahre (also bis 1988) vorsieht. Einen Teil der Zahlungen kann Deutschland über die "Young-Anleihe" in Höhe von 300 Mio Dollar mit einer Laufzeit bis 1952 finanzieren. Außerdem sieht der Young-Plan die Räumung des Rheinlandes vor.

    1931 kommt es zum Hoover-Moratorium. Alle zwischenstaatlichen Schulden sollen wegen der Weltwirtschaftskrise für ein Jahr ruhen.

    Auf der Konferenz von Lausanne 1932 wird ein Ende der Reparationszahlungen gegen eine Einmalzahlung von 3 Milliarden Goldmark beschlossen. Reichskanzler Brüning kann den Vorschlag im Parlament nicht durchsetzen, seine Nachfolger von Papen, Schleicher und vor allem Hitler lehnen den Beschluss von Lausanne kategorisch ab. Der Vertrag wird nie unterzeichnet.

    Im Februar 1953 unterzeichnet die Bundesrepublik Deutschland (vertreten durch Hermann Josef Abs) das Londoner Schuldenabkommen. Darin wird der Bundesrepublik als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches ein Großteil der Auslandsschulden bei 65 Gläubigerstaaten erlassen. Die Bundesrepublik ist damit weltweit wieder kreditwürdig. Bis 1983 zahlt die Bundesrepublik etwa 14 Milliarden DM "Reichsschulden" zurück.

    Die aus der "Young-Anleihe" entstandenen Zinsverpflichtungen in Höhe von 251 Millionen DM werden 1953 durch das Londoner Schuldenabkommen bis zu einer deutschen Wiedervereinigung ausgesetzt. Mit dem 3.Oktober 1990 werden diese Zinsen fällig. Die Bundesregierung gibt dafür die "Fundierungsanleihe" aus, die bis 2010 aus dem Bundeshaushalt getilgt werden soll. Tilgung und Zinsen belaufen sich dabei auf etwa 4 Millionen Euro pro Jahr.

    Alles klar?

    Grüße
    Heinrich

    Quellen:
    Deutsches Historisches Museum, Berlin
    wikipedia.de - Stichwort: Young-Plan
    ratgeber-lexikon - Stichwort: Deutsche Reparationen nach dem Ersten WK

    • Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
      Danke tolle Antwort! owt

      ot

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        @ Ralf N

        ot
        ich habe gefragt, bekam eine ANtwort und hab mich bedankt, daß ist also Deiner Meinung nach kritikwürdig?

        Erzähl weiter!

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          was mich ärgert?

          Dass ich wieder auf einen Troll reingefallen bin

          • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
            Re: was mich ärgert?

            welchen denn?

            an dieser Stelle endet unsere Konversation, mutmasslich!
            Gruß
            elite

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              Re^2: was mich ärgert?

              now and forever

            • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
              MOD: Vorhang!

              Und Schluss!
              Dieser Teilthread ist beendet und abgeschlossen!

              Mike
              [MOD]

    • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
      Re^2: wir zahlen noch für den ersten Weltkrieg?

      Klasse recheriert.
      ****** dafür.
      Was zahlt man dann noch für WK II
      und die damit verbundenen Taten.

      Was zahlt die Repuplik jetz schon geheim
      für Irakkrieg II, und wieviele wird's
      nachtählich werden, wenn die CDU im September
      die Regierungsmehrheit stellen sollte.

      Egal, das Geld muss weg, damit Platz auf dem Konto
      ist für neues.

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: wir zahlen noch für den ersten Weltkrieg?

      hallo Heinrich,
      mit anderen worten: hätte Deutschland nicht diese ganzen Blutsauger zu befriedigen, würden wir keinerlei finanzielle Probleme haben: Renten ok, Krankenkassen ok, Vollbeschäftigung (weil Geld für Investitionen da wäre), usw.
      Mal sehen, ob D auch in 100 Jahren gemolken wird.
      Grüße
      Babalou



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