Geld als 'verderbliche' Ware

Von: , Frage gestellt am Mi, 9. Aug 2000

Die "Initiative für Natürliche Wirtschaftsordung" INWO www.inwo.de ist der Meinung, dass unsere gesamten Probleme daher rühren, dass sich Geld durch Zins "vermehren" kann und dass der Gläubiger reich wird, ohne etwas dafür zu tun. Den Zins erarbeitet ja der Schuldner. Das Geld des Gläubigers vermehrt sich exponentiell, sodass irgendwann der Punkt erreicht ist, wo der Zins nicht mehr "bedient" werden kann. INWO sagt, Geld ist nur ein Tauschmittel und darf nicht gehortet werden, muss also im Umlauf bleiben. Es sollte an Wert verlieren, falls es länger nicht in Umlauf gebracht wurde. Praktische, positive Erfahrungen mit einem solchen System hat die österr. Stadt Wörgl während der Weltwirtschaftskrise 1930 gemacht.
Für mich klingt das alles sehr logisch und richtig. Was meinen andere Leser?

36 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Die Idee ist Spitze - darf aber nicht kommen!!!

    Lieber Hans,

    prima Gedanke, den Du der fachspezifischen Leserschaft öffentlich vorstellst. Insidern ist diese Ideal-Lösung ja schon sehr, sehr lange bekannt. Sie wird systematisch unterdrückt.
    Weil sie die "Kreise" der etablierten Macht-Mischpoke nicht nur stört, sondern außer Kraft und Wirkung setzen würde, wenn sie denn nicht nur weitergedacht, sondern auch "in vivo" am Mensch angewendet würde, heute, 2000.
    Dein Vorstellen dieses Gedanken ist der mit Abstand beste, seit es dieses Experten-Brett hier gibt.
    Gehe ich recht in der Annahme, daß der seelige Gottfried Feder der Entwickler und "Promoter" dieser revolutionierenden theoretischen Lösung der Haupt-Wirtschafts-Probleme war?
    Theoretisch deswegen, weil die Praxis niemals irgendwo zugelassen werden könnte, ...?!

    Dein
    Norbert Högel, Köln.

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re: Die Idee ist Spitze - darf aber nicht kommen!!

      Gehe ich recht in der Annahme, daß der seelige Gottfried Feder
      der Entwickler und "Promoter" dieser revolutionierenden
      theoretischen Lösung der Haupt-Wirtschafts-Probleme war?
      Theoretisch deswegen, weil die Praxis niemals irgendwo
      zugelassen werden könnte, ...?!
      Von diesem Herrn hatte ich bis dato noch nichts gehört. Soweit mir bekannt, wurde die Idee schon viel früher im 19. Jh. von Silvio Gesell hervorgebracht. Leider versucht man ihn bzw. seine Idee immer mit den Nazis in Verbindung zu bringen, nur weil diese sie auch gut fanden. Dann müßte man vieles Andere, Positive ebenso ablehnen, was diese Leute für gut befunden hatten.

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^2: Die Idee ist Spitze - darf aber nicht kommen

        Lieber Hans,

        es stimmt, die Idee ist von Silvio Gesell genannt. Gottfried Feder hat sie nur weiterentwickelt. Mein Hintergrund war der Ansatz mit der österreichischen Stadt 1930, daher G. Feder.

        Mit freundlichem Gruß,
        Norbert.

      • Antwort von nach 8 Tagen hilfreich
        Re^2: Die Idee ist Spitze - darf aber nicht kommen

        Von diesem Herrn hatte ich bis dato noch nichts gehört. Soweit
        mir bekannt, wurde die Idee schon viel früher im 19. Jh. von
        Silvio Gesell hervorgebracht. Leider versucht man ihn bzw.
        seine Idee immer mit den Nazis in Verbindung zu bringen, nur
        weil diese sie auch gut fanden. Dann müßte man vieles Andere,
        Positive ebenso ablehnen, was diese Leute für gut befunden
        hatten.
        Die Idee ist viel, viel älter.
        Bereits im 12.Jahrhundert hat der Magdeburger Erzbischof Wichmann mit der Verrufung des Geldes begonnen. Die Folge war ein heilloses Münzwirrwarr, was die Bevölkerung auf die Barrikaden trieb.

        Im Jahre 1301 gab es eine Verordnung, die das Geldhorten unter schwerste Strafe (Exkommunikation) stellte. Ähnlich Schriften gab es 1543 von Martin Luther.

        Im Jahre 1878 hat sich Friedrich Engels mit dem Thema "Dauergeld und Freigeld" befaßt ("Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft» (Moskau 1946, S. 371 ff.).

        So toll und so neu ist das also gar nicht. Und wie will man solche Mikorökonmie auf Makroökonomie umstellen? Das Beispiel Wörgl ist auch gescheitert (interessanterweise wurde in Wörgl die Werttrennung des Geldes vom Edelmetall hin zur Wertbestimmung durch Leistung vollzogen, also die Basis der heutigen Geldwertfestlegung).

        Gruß
        Siegfried

  2. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Geld als 'verderbliche' Ware

    Hi,
    Geld vermehrt sich durch Zinsen nicht volkswirtschaftlich, sondern es ist ein System der Umverteilung. Geld wird von den armen Schuldnern abgeschöpft und den reichen Gläubigern zugeordnet. Aber stimmt das denn mit arm und reich? Warum zahlt der Schuldner Zinsen? Doch dafür, dass er sich Geld geliehen hat, das er eigentlich garnicht hat. Wenn es keine Schuldner gäbe, also sich miemand Geld leihen würde, gäbe es keine Zinsen.
    Der Schuldner gibt das geliehene Geld aus und bringt es damit wieder in den Markt. Es wird also nicht gehortet. Es ist nach diesem Verständnis also nicht ein System von Schuldner und Gläubiger.
    Alleine das Ansparen auf Bankkonten, Anlegen in Aktien und Wertpapieren bringt Zinsen, die von Banken aufgebracht werden. Und Banken arbeiten mit dem Geld der Sparer und Anleger.
    Dahin müssen wir unser Augenmerk richten. Es ist unser Banksystem, das überprüfungswürdig ist.
    Es fällt doch auf, dass die Banken die reichsten Institutionen in Deutschland sind. Sie kontrollieren mittlerweile die gesamte deutsche Wirtschaft, sitzen in Aufsichtsräten, beherrschen eigene Konzerne und mischen in der Politik kräftig mit. Wie kommt das? Wo die Banken doch nur unser Geld verwalten sollen?
    Gruß,
    Francesco

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Geld als 'verderbliche' Ware

      Hallo Francesco,
      das Geld der (Normal)-Sparer hat den den großen Anteil am Gesamtvermögen. Das läßt sich den Statistiken entnehmen. Ca. 10% der Bevölkerung besitzen 85% oder mehr am Gesamtvermögen. Vielleicht stimmt die Zahl nicht genau, aber die Richtung stimmt. Fast jeder von uns ist demnach (unterm Strich) Schuldner (Auto, Haus, Möbel-Kredite) und nicht zu vergessen die im Produktpreis enthaltenen Schuldzinsen (derzeit lt. Statistik 25%); also jede 4. Mark geht schon für Zinsen drauf (denn die Unternehmen geben ihre Zinskosten ja an den Verbraucher weiter)
      Wohin diese Spirale führt, haben wir ja schon öfters erlebt (Inflation, Währungszusammenbruch,"Neuanfang"). Das zugrunde liegende Problem in unserem System ist, dass es nur mit Wachstum funktioniert. Aber dauerndes Wachstum gibt es nicht, wie uns die Natur lehrt. Warum soll es denn nicht möglich sein, nach diesem Vorbild zu wirtschaften d.h. nur das herstellen, was wirklich gebraucht wird (Utopie?) Beim Wirtschaftswachstum darf man auch nicht vergessen, dass die angegebenen Prozentzahlen sich immer auf der Basis des Vorjahres berechnen. Somit sind 2% heute absolut gesehen ein vielfaches mehr als 2% in den 60er Jahren. Und das gibt mir zu denken. Es erinnert mich an den See mit den Seerosen, die sich täglich verdoppeln; am Anfang nur eine, nach 20 Tagen ist der See halb voll- nach wieviel Tagen ist er ganz voll??? Vergessen wir in diesem "Spiel" auch nicht die Börsen, wo quasi mit "Luft" gehandelt wird und mehr Gewinn gemacht wird, mit als produzieren bzw. arbeiten. Das alles gibt mir sehr zu denken, ganz zu schweigen davon, dass "nebenbei" die Umwelt mit zerstört wird (Wann kippt das Ökosystem). Wir tanzen auf dem Vulkan. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: Geld als 'verderbliche' Ware

        Vergessen wir in diesem "Spiel" auch nicht die Börsen, wo
        quasi mit "Luft" gehandelt wird und mehr Gewinn gemacht wird,
        mit als produzieren bzw. arbeiten. Das alles gibt mir sehr zu
        denken, ganz zu schweigen davon, dass "nebenbei" die Umwelt
        mit zerstört wird (Wann kippt das Ökosystem)
        Über die ökologischen Nachteile des Börsenhandels gegenüber der industriellen Produktion würde ich gerne noch mehr erfahren.

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Geld als 'verderbliche' Ware

          Es geht mir nicht um die ökologische Seite des Börsenhandels. Nur weil er diesbezüglich unbedenklich ist, muss er ingesamt gesehen, noch lange nicht unbedenklich sein. Die Börse ist doch heute ähnlich wie Roulette. Sie reagiert auf Gerüchte mehr als auf Fakten bzw. Bilanzzahlen. Hier wird mit Geld "gespielt", das im Endeffekt gar nicht "da" (also nicht gedeckt) ist. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^5: Geld als 'verderbliche' Ware

            Hi Hans
            Es geht mir nicht um die ökologische Seite des Börsenhandels.
            Nur weil er diesbezüglich unbedenklich ist, muss er ingesamt
            gesehen, noch lange nicht unbedenklich sein. Die Börse ist
            doch heute ähnlich wie Roulette. Sie reagiert auf Gerüchte
            mehr als auf Fakten bzw. Bilanzzahlen.
            Muss Sie! Wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, liegt der Wert des Unternehmens und damit der Aktienkurs fest. Hier wird mit Geld
            "gespielt", das im Endeffekt gar nicht "da" (also nicht
            gedeckt) ist.
            Ich verrate hier keine Neuigkeiten: Unser Geld, kein Geld der Welt ist gedeckt!!!
            Durch was sollte es gedeckt sein? Durch Devisen? Zettelchen, gedeckt durch Zettelchen! Durch Gold? Der Wert von Gold wird in Geld ausgedrückt, und schon beisst sich die Schlange in den Schwanz.
            Die Wertfestlegung von Geld ist einfache (na ja, nicht ganz so einfache) Massenpsychologie. Eine einfache Übereinkunft, dass ich für nen Hunni 50 Tüten Kartoffelchips bekomme.
            NICHTS auf dieser Welt hat einen ewiglich fixierten finanziellen "Wert".

            Gruss, Mike



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