Bekämpfung der Armut: Wie? / I.
Von: , Frage gestellt am Sa, 12. Aug 2000
Ich habe mir die Seiten der http://www.inwo.de, die Herr Götz hier freundlicherweise vorgestellt hat, mal angesehen und muss sagen: Liebe Freunde, sooo wird das mit der Bekämpfung des "entfesselten Kapitalismus" nichts werden. Auch die ökologische Aufbretzelung der uralten Ideen wie Geld-Reform, Boden-Reform, Abschöpfung von Spekulationsgewinnen usw usw ändert nichts daran, dass alle diese Strategien seit 2000 Jahren auf der Verliererstrasse sind. Das elementare Problem ist, dass hier nur an Symptomen rumgedoktert wird; und daran ändert auch die Berufung auf jüdisch-christliche Wurzeln nix.
Die Wahrheit ist die: Die Leute sind nicht wegen bestimmter Funktionen oder Nicht-Funktionen des Geldes in der Wirtschaft arm, sondern aus einer schlechten performance am Markt heraus.
Was ist Armut?
Armut ist ein Mangel an Essen, Kleidung, Wohnung, Bildung, ärztlicher Versorgung, aber auch an demokratischen Beteilugungsrechten.
Wie kommt es zu Armut???
Ich unterscheide 2 Formen von Armut:
(1) Die "natürliche" Armut, d.h. den schlichten Mangel an Gütern,
Die Ursachen: geringe Erträge der Landwirtschaft, geringe Produktivität der Handwerker.
(2) Die Armut aus Mangel an Geld: Heute existiert die natürliche Armut eigentlich kaum noch, denn es fehlt in der Regel ja nicht an Gütern, sondern den Armen fehlt schlicht das Geld, die benötigten Güter zu kaufen. Beweis: selbst Hungergebiete in Afrika exportieren nicht selten Lebensmittel, weil die einheimische Bevölkerung sie schlicht nicht bezahlen kann!
Armut ist also heute nicht etwa ein Mangel an Lebensmitteln oder Gütern (wie man an der Vernichtung der Überschussproduktion durch die EU ja sehen kann), sondern ein Mangel an Geld.
Wieso haben die Armen also kein Geld?
Die meisten Menschen sind gezwungen, sich am Arbeitsmarkt zu verdingen, um Geld zu verdienen. Damit aber unterliegen sie den Gesetzen des Marktes, denn der Arbeitsmarkt ist letztlich auch nur ein Markt (trotz Gewerkschaften, ArbGeberVerband, Tarifvertrag etc.)
Der Preis jeder Ware am Markt ergibt sich nach der subjektiven Grenznutzentheorie einerseits aus dem Nutzen, den die Ware oder das Gut für den Nachfrager hat, andererseits aus der Relation von Angebot und Nachfrage. Jeder weiss es: begehrte und knappe Güter sind teuer, wenig nachgefragte Güter sind billig.
Da die Menschen andere Interressen und Neigungen haben ist der Nutzen subjektiv zu verstehen. Ich frage z.B. keine Damenbinden, Patrick-Linder-CDs, NS-Devotionalien, Fußballspiel-Karten oder
Esoterik-Bücher nach, daher ist der Nutzen dieser Dinge für mich (subjektiv) gleich null und ich bin also auch nicht bereit, dafür auch nur 1 Mark zu zahlen.
Was nun das Angebot an Arbeit angeht so gibt es bestimmte Angebote, die wir für extrem wichtig halten (= die für viele Leute einen hohen subjektiven Nutzen haben), z.B. Herz-ChirurigIn,Top-ManagerIn, FlugzeugführerIn, Zahnärtin (besonders bei Zahnschmerzen) und Angebote, die wir für nicht so wichtig halten (z.B. Straßenfeger). Dazu kommt, dass die tatsächlichen und insbesondere die rechtlichen Anforderungen an Chirurgen und Flugzeugführerinnen wesentlich höher sind als die an Straßenfeger. Noch wichtiger als die Anforderungen aber ist, dass die Angebots-Nachfrage-Relation bei den Straßenfegern wesentlich ungünstiger ist als die bei den Herzchirurgen, unter anderem deshalb, weil der Arbeitsmarkt nach unten komplatibel ist, nicht aber nach oben. Meint: Im Krankenhaus kann der Chefarzt zur Not auch als Krankenpfleger arbeiten und der Krankenpfleger als Putzmann, nicht aber der Krankenpfleger als Chefarzt. Also ist der Druck auf das "unterste" Angebot am Arbeitsmarkt am größten, also verdienen die Leute mit den einfachsten Jobs das wenigste Geld und haben das geringste Sozialprestige, dden meisten (negativen) Stress und die geringste Lebenserwartung - denn das Sozialprestige ist letztlich auch nur eine Frage der "Belohnung" der Gesellschaft für besondern nützlich angesehene Personen. Auch hier gilt natürlich wieder der rein subjektive Maßstab, wie man an der Verehrung von Stars (z.B. Kelly Family, Wolfgang Petry, Karl Moik und ähnlicher für mich unbegreiflicher Fälle) sieht.
Was also hilft den Armen wirklich?
Die Armen sind arm, weil sie eine schlechte performance am Arbeitsmarkt abliefern. Sie können wenig bis nichts was andere nachfragen = wofür "die Gesellschaft" (= wir alle!!!) bereit ist zu zahlen. Wenn dieses Phänomen der underperformance nun flächendeckend ist wie in der sog. 3. Welt, dann kommt die Sache in einen Teufelskreis: Die Leute sind arm, ihre Kinder gehen nicht zur Schule (z.B. weil das Schulgeld nicht bezahlt werden kann oder die Kinder früh mitarbeiten müssen), die Kiner lernen auch nix = bieten am Markt nix "Gutes" an, erlösen also wenig und sind dann auch nicht in der Lage, ihrerseits ein Einkommen zu erzielen und ihrerseits Güter oder Arbeit nachzufragen: Die ganze Wirtschaft verharrt auf niedrigstem Niveau!
Die einzige Abhilfe ist: Bildung, Bildung, Bildung!!!
Und zwar auch und gerade für Frauen. Nur wenn die Kinder etwas lernen und also am ArbMarkt etwas anbieten können, erzielen sie ein Einkommen, was sie ihrerseits als Nachfrager am ArbMarkt auftreten läßt, und was damit weiteren Menschen Lohn und Brot garantiert (es sei denn, die fetten Onkels Blair, Schröder und Clinton kaufen der 3. Welt die IT-Spezialisten weg). Afrika ist auch daher so arm weil jeder zweite schwarzafrikanische Akademiker inzwischen in den USA oder GB lebt!
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