Pipelinebruch in Alaska ...

Von: , Frage gestellt am Mi, 9. Aug 2006

Hallo,

... das wird jetzt immer wieder als Begründung für steigende Ölpreise angesehen. Jetzt sagte mir jemand: "Ist doch ganz logisch! Pipeline reparieren kostet Geld, Pipeline nicht reparieren bringt Geld - durch höhere Preise. Warum also die Pipeline nicht mal ein bisschen gammeln lassen und das Reparieren ein wenig hinziehen!?"

Was ist von solchen Meinungen zu halten?

Laika

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Pipelinebruch in Alaska ...

    Hallo,

    ... das wird jetzt immer wieder als Begründung für steigende
    Ölpreise angesehen. Jetzt sagte mir jemand: "Ist doch ganz
    logisch! Pipeline reparieren kostet Geld, Pipeline nicht
    reparieren bringt Geld - durch höhere Preise. Warum also die
    Pipeline nicht mal ein bisschen gammeln lassen und das
    Reparieren ein wenig hinziehen!?"

    Was ist von solchen Meinungen zu halten?
    Klingt plausibel. Angesichts der zu erwartenden höheren Ölpreise in Zukunft wäre es eine kluge Taktik, sich Vorwände zu suchen, warum man seine Vorräte heute nicht auf den Markt wirft. Da die Politik eine gewisse Einflussgröße ist und man auch seinem Image nicht schaden möchte, ist es vernünftig, dieses Zurückhalten von Öl nicht als bewusste betriebswirtschaftliche Entscheidung darzustellen, sondern sich einer "höheren Gewalt" zu bedienen, oder allenfalls "technische Mängel" vorzuschieben.

    moe.

  2. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Verschwörungstheorien

    Was ist von solchen Meinungen zu halten?
    Hallo Laika,

    sie passen vermutlich recht gut in unsere Zeiten, in der Verschwörungstheorien Hochkonjunktur haben. Tatsächlich gibt es aber derzeit Dutzende von Arbeitern, die fieberhaft mit der Reparatur der Pipelines beschäftigt sind. Das wäre ja völlig unsinnig, wenn eine künstliche Verknappung quasi angeordnet wurde. Kurz gesagt, man kann einen Störfall nicht koordinieren, weil zuviele Menschen - von Managern über "kleine" Arbeiter - daran beteiligt werden müssen. Zudem würden "Aufdeckjournalisten" Unsummen für eine solche Story zahlen. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Steuerung scheitert m. E. an der Durchführbarkeit.

    Die Wirtschaftlichkeitsrechnung zwischen Reparaturkosten und verbessertem Ölpreis macht auch keinen Sinn, da BP als Anlagenbetreiber einfach viel weniger absetzen kann. Dabei macht es wenig aus, wenn die geringere Produktion für einen höheren Preis abgesetzt werden kann. Momentan ist BP gekniffen und das hilft weder dem Betriebsergebnis noch dem Aktienwert.

    Theoretischen Sinn macht es nur dann, wenn bei schwacher Nachfrage und geringen Preisen in einer oligopolen Marktform - wie bei den Ölproduzenten - reihum mal wieder etwas passiert, das die Produktions- bzw. Fördermenge reduziert. Dann leidet jedes dieser Unternehmen kurz, aber alle gewinnen langfristig. Weil Marktabsprachen für Oligopolisten so reizvoll sind, werden mögliche Verstöße international auch besonders beobachtet. Die Strafen sind sehr hart. Insofern finden Kontakte zwischen Wettbewerbern üblicherweise unter Beisitz eines Rechtsanwaltes statt.

    Hollywood setzt in den letzten Jahren auch stark auf Verschwörungsthemen. Vermehrt werden dabei undurchsichtige Regierungs- und Geheimdienstmachenschaften durch jene internationaler Großkonzerne ersetzt. Vielleicht ermöglicht auch dies die schnelle Verbreitung von Theorien oder Meinungen wie jene, die du uns hier vorgestellt hast.

    Gruß,
    Klaus

  3. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Re: Pipelinebruch in Alaska ...

    Hallo,

    ... das wird jetzt immer wieder als Begründung für steigende
    Ölpreise angesehen. Jetzt sagte mir jemand: "Ist doch ganz
    logisch! Pipeline reparieren kostet Geld, Pipeline nicht
    reparieren bringt Geld - durch höhere Preise. Warum also die
    Pipeline nicht mal ein bisschen gammeln lassen und das
    Reparieren ein wenig hinziehen!?"

    Was ist von solchen Meinungen zu halten?
    Nix

    1. ist die Transalaskapipeline ein technologisch höchst anspruchvolles bauwerk, insbesondere ist es sündhaft teuer in Bau und Unterhalt.
    2. wenn das darin befindliche Öl gefriert (was bei Stillstand in der Leitung im Bereich des Möglichen ist) dann wird das sehr sehr kompliziert, den Ölfluss innerhalb der Pipeline wieder in Gang zu setzen
    3. Kann man produktive Ölquellen nicht wie einen wasserhahn auf- und zudrehen, sondern muss die Lagerstätten ganz planmäßigund kontinuierlich ausbeuten, da ansonsten der Erdölspeicher beschädigt wird. und wo soll das Öl hin, wenn die Pipeline für längere Zeit ausser Betrieb ist???

    Tatsächlich ist der Ölmarkt derzeit hochgradig nervös und sehr spekulativ.

    Gruß
    Mike

  4. Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
    Re: Pipelinebruch in Alaska ...

    Hallo,

    aus bisher ungeklärten Gründen wurde die betreffende Pipeline 14 Jahre lang nicht gewartet. Als dann die ersten paar Liter austraten, hat man sich die Sache genauer angesehen. Da in Alaska empfindliche Geldbußen bei Umweltverschmutzungen anfallen, wird man die Pipeline praktisch vollständig grundsanieren.

    Soviel zu den nüchternen Tatsachen, die das Problem und die Dauer der Stillegung schlüssig erklären.

    Daß man allerdings das Angebot zwecks Preissteigerung absichtlich verknappt, ist auch nichts neues sondern gehört zum gewöhnlichen Marktgeschehen in allen Bereichen dazu.

    Welchen Anteil solche Überlegungen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielten, werden wir hier nicht klären können.

    Gruß,
    Christian

    • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
      Re^2: Kartellrecht

      Daß man allerdings das Angebot zwecks Preissteigerung
      absichtlich verknappt, ist auch nichts neues sondern gehört
      zum gewöhnlichen Marktgeschehen in allen Bereichen dazu.
      Hallo Christian,

      hier muss ich widersprechen. Die absichtliche Verknappung von Guetern zum Zwecke der Preisverteuerung erfordert eine Abstimmung unter den Produzenten. Das waere dann ein Preiskartell und die sind bekanntlich verboten. Die Kartellbehoerden arbeiten international - man glaubt es kaum - schnell und unbuerokratisch.

      Gruss,
      Klaus

      • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
        Re^3: Kartellrecht

        Hallo Klaus, hier muss ich widersprechen. Die absichtliche Verknappung von
        Guetern zum Zwecke der Preisverteuerung erfordert eine
        Abstimmung unter den Produzenten.
        das gilt für den Fall, daß freie Kapazitäten am Markt vorhanden sind, so daß das ausfallende Angebot eines Produzenten durch die bestehenden Überkapazitäten der anderen Anbieter ersetzt werden kann.

        Dies ist aber beim Ölmarkt nicht der Fall. Die OPEC produziert seit einiger Zeit an der oberen Grenze der Kapazitäten, was bspw. durch Saudi-Arabien letztes Jahr so bestätigt wurde. Wie SA zu der Aussage kommt, man werde die fehlenden 300.000-400.000 Barrel pro Tag bereitsstellen, ist mir unklar, aber dies nur nebenbei.

        Eine ähnliche Vorgehensweise gab es vor einigen Jahren, als im Zuge der "Deregulierung" im US-amerikanischen Energiemarkt Anbieter absichtlich und gezielt für Ausfälle bei Energieerzeugung und -transport sorgten, so daß es bspw. zu den bekannten Stromausfällen in Kalifornien kam.

        In derartigen Fällen sind die Kartellbehörden machtlos, weil eben nicht Absprachen der verschiedenen Produzenten zur Verknappung führen, sondern die Entscheidungen der einzelnen Anbieter in einem durch fehlende Kapazitäten geprägten Markt.

        Ob sich das im konkreten Fall so verhält, vermag ich nicht zu beurteilen.

        Gruß,
        Christian

        • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
          Re^4: Kapazitäten

          Ob sich das im konkreten Fall so verhält, vermag ich nicht zu
          beurteilen.
          Hallo Christian,

          aufgrund der sehr richtigen Feststellungen aus den ersten beiden Absätzen deiner Antwort, kannst du dir die Antwort selber geben: Die Kapazitätsauslastung ist auf sehr hohem Niveau. Insofern wäre es unsinnig, durch einen künstlichen Störfall das Angebot weiter zu verknappen.

          In den USA betrifft der Ausfall der Pipeline immerhin 6 - 8 % der Marktmenge (bzw. 0,5 % der weltweiten Menge). Welche Vorteile sollte das haben bzw. wie hoch müßte eine Preissteigerung ausfallen, um die Kosten für BP abzufedern?

          Gruß,
          Klaus

          • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
            Re^5: Kapazitäten

            Ob sich das im konkreten Fall so verhält, vermag ich nicht zu
            beurteilen.
            Hallo Christian,

            aufgrund der sehr richtigen Feststellungen aus den ersten
            beiden Absätzen deiner Antwort, kannst du dir die Antwort
            selber geben: Die Kapazitätsauslastung ist auf sehr hohem
            Niveau. Insofern wäre es unsinnig, durch einen künstlichen
            Störfall das Angebot weiter zu verknappen.

            In den USA betrifft der Ausfall der Pipeline immerhin 6 - 8 %
            der Marktmenge (bzw. 0,5 % der weltweiten Menge). Welche
            Vorteile sollte das haben bzw. wie hoch müßte eine
            Preissteigerung ausfallen, um die Kosten für BP abzufedern?
            Die Preissteigerung müsste die Abschreibungskosten übersteigen. Außerdem die in der Verknappungszeit nicht gedeckten Fixkosten. Das ist ein realistisches Szenario. So manches Energieinstitut hat das schon mal ausgerechnet. Hinzukommt (in diesem Fall abzüglich) der mit fortlaufendem Stand der Technik sich erweiternde Ausbeutungsgrad der Lagerstätte und die somit "mehr werdenden" Reserven in der Lagerstätte. Ist eine Lagerstätte erst mal nach dem Stand der Technik "leer", muss sie versiegelt werden und alles was man mit zukünftigem Stand der Technik noch hätte rausholen können ist mit ziemlicher Sicherheit verloren.

            moe.

          • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
            Re^5: Kapazitäten

            Hallo Klaus, aufgrund der sehr richtigen Feststellungen aus den ersten
            beiden Absätzen deiner Antwort, kannst du dir die Antwort
            selber geben: Die Kapazitätsauslastung ist auf sehr hohem
            Niveau. Insofern wäre es unsinnig, durch einen künstlichen
            Störfall das Angebot weiter zu verknappen.
            In den USA betrifft der Ausfall der Pipeline immerhin 6 - 8 %
            der Marktmenge (bzw. 0,5 % der weltweiten Menge). Welche
            Vorteile sollte das haben bzw. wie hoch müßte eine
            Preissteigerung ausfallen, um die Kosten für BP abzufedern?
            der Umsatz ist nicht verloren sondern verschoben - schlimmstenfalls in einen Zeitraum, in dem die Preise nur auf heutigem Niveau liegen. Bis zum Nachholen dieses Umsatzes verkauft man sein anderweitig produziertes Öl zu einem höheren Preis als bisher.

            Einen Nachteil für den Produzenten kann ich da nicht erkennen.

            Hinzu kommt, daß man bei derartigen Reparaturarbeiten hervorragende Möglichkeiten hat, zukünftige operative Aufwendungen als a.o.-Aufwendungen zu klassifizieren und so elegant als (steuermindernde) Rückstellungsbuchung in das laufende Geschäftsjahr vorzuziehen.

            Gruß,
            Christian



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!