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Re: Null- Wachstum
Hi,
Sind wir zu ständigem Wirtschaftswachstum "verurteilt?"
Zu dem was Jochen sagt, noch drei Punkte mehr:
1) es gibt ein bestimmtes Wirtschaftswachstum, das erreicht werden muss, damit neue Jobs entstehen bzw. damit mehr Beschäftigung entsteht;
das liegt im Moment an einer sogenannten "Beschäftigungsschwelle" irgendwo zwischen 1% und 3%.
Wie hoch genau ist umstritten, ob es einen solchen direkten kausalen Zusammenhang überhaupt gibt auch;
nachlesbar z.B. hier:
http://www.iwkoeln.de/data/pdf/content/trends02-05-5...
2) An der Tatsache(?), dass etwa mit den fördernd-fordernd-modernden HartzIV-Gesetzen dieser Schwellenwert gesunken ist:
http://www.netzeitung.de/wirtschaft/wirtschaftspolit...
weil dadurch die Menschen mehr zur Annahme irgendeines Beschäftigungsverhältnisses "überredet" werden, sieht man schon recht schön, dass gerade die Politik das Wirtschaftswachstum braucht, weil sie so nicht versuchen muss, mit solchen Scheißmaßnahmen die Besch.-schwelle auf ein Niveau zu senken, das durch das faktische Wirtschaftswachstum auch erreicht werden kann.
Auch allgemein lassen sich mit hohem Wirtschaftswachstum die ganzen unpopulären Einschnitte z.B. die in die Versicherungssysteme, etc. tendenziell vermeiden, und eher noch im Gegenteil Wahlgeschenke austeilen.
3) Es lebe also für die Politik das Wirtschaftswachstum! Ein dreifaches: Heil! Heil! Heil!
Überhaupt könnte man sagen, es habe das Wirtschaftswachstum ein bißchen etwas sakrales in sich, eine Art innerweltlicher Messianismus; um hier mal meinen Lieblings-Bielefelder zu zitieren:
"Die 'invisible hand' [Gott-Surrogat] hatte, schon im 17. Jahrhundert, eine Fortschrittsgarantie symbolisiert. Nachdem sie zunehmend unter Arthrose zu leiden begann, übernahm das Desiderat des wirtschaftlichen Wachstums selbst diese Funktion. Man gab die Annahme einer Mengenkonstanz auf, um durch die Art der Allokation ein Mengenwachstum produzieren und zugleich diejenigen, die dabei zu kurz kommen, abfinden zu können. Den Politikern und der öffentlichen Meinung wird folglich suggeriert, Wirtschaftswachstum sei notwenig, sei eine Bedingung gesellschaftlicher Stabilität".
(Luhmann, Die Wirtschaft der Gesellschaft", S. 99f.)
In diesem Sinne abschließend eine gemeinsame Erbauungspredigt dreier hoher zeitgenössischer Politkleriker:
http://www.insm.de/Downloads/PDF_-_Dateien/Anzeigena...
Wachstum!
Voll der Gnaden!
Amen!
VG
F