€ stärken, sooo schwer?

Von: , Frage gestellt am Di, 21. Nov 2000

Liebe Leser, liebe ExpertInnen!

Manchmal, wenn ich so 9*kluge Artikel lese, wo genau steht wie man`s macht, zum Beispiel mal
eben den €-Kurs mit einem massiven Zwei-Jahres-Programm auf 1,10 Dollar hochfahren - und dann auch noch im Spiegel - bin ich schlicht verblüfft.
Im SPIEGEL Nr. 46, im Artikel: "Märkte, hört die Signale" (Seite 130 ff) ist von einem "kühnen
Interventionskonzept" zur Eurostützung die Rede, welches "in Europas Finanzministerien schon
lange diskutiert wird, wenn auch hinter vorgehaltener Hand". Jeden Monat sollen die Europäer 8
Milliarden Dollar an Devisenreserven auf den Markt werfen, solange bis der Euro auf einen Wert
von 1,10 Dollar gestiegen ist.
Die Masse ist da, das Geld könnte kaum zu einem günstigeren Kurs verkauft werden und wird ja
als Reserve gar nicht mehr benötigt, muß es doch die europäischen Landeswährungen nicht
mehr absichern. Mit einem Trick, der die Milliarden-tranchen den europäischen Finanzministerien
rüberschiebt, damit diese sie auf dem Kapitalmarkt verkaufen, können dann auch locker
Schuldenberge zum Abschmelzen gebracht werden.
Wo liegt die Problematik in diesem Konzept???
Schon im Frühjahr hieß es im Spiegel - als Zitat eines Finanzmarktexperten - "die EZB brauche
doch nur mal laut darüber nachzudenken, nicht mehr benötigte Dollar-Reserven zu veräußern,
das würde den € schon sanieren" ...war das eine Fehleinschätzung, oder sind die Herrschaften
selbst zum lauten Nachdenken zu ängstlich?

Gruß hh

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
    Re: € stärken, sooo schwer?

    Hi!

    Diese Problematik hat sicherlich mehrere Seiten.

    Das Hauptargument für eine solche Aktion wäre m.E. allerdings, daß ja die genannten Reserven (u.a.) zur Stützung der Landeswährungen angelegt worden sind.
    Nun wurden die Landeswährungen gegen den Euro ausgetauscht, also wäre doch der logische Schluß, diese Reserven zur Stützung des Euro einzusetzen.

    Allerdings sollte man bedenken, daß es auch noch weitere Verwendungen wie z.B. Kreditsicherung / Haushaltsreserve für die Reserven gibt und daß es schwierig sein dürfte festzulegen, welches Land wieviel zu veräußern hat.
    Es würde wieder an D hängen und ob unsere Reserven ausreichten, weiß ich nicht.

    Die EZB ist ja gegen die Vermögen der einzelnen Mitgleidsländer noch eher ein zahlnloser Tiger.

    Allerdings halte ich es für eine gute Idee, ein bisschen mit dem Säbel zu rasseln und laut darüber nachzudenken.

    Gruß,

    Mathias [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: € stärken, sooo schwer?

      Hi Matthias,
      dank dir für die Denkanstösse! Die Sache ist halt wirklich sehr komplex, und wenn ich eine Hoffnung für einen gelingenden Euro habe, dann beruht sie im Unerwarteten. Schließlich ist es ein Experiment ...gleichwohl mit vielen festgelegten Regeln und Verbindlichkeiten innerer wie äußerer Partner, aber ein Novum, welches jeder seriöse Volkswirtschaftler wohl nur unter extremen Sachzwängen zähneknirschend befürwortet hätte.
      Ich denke die Dynamik, die im vollen Gange ist, lässt sich in ihrer zukünftigen Entwicklung erahnen, aber sie lässt auch die Möglichkeit des Gelingens zu, gerade auch durch die Macht unerwarteter Wendungen an den Märkten. Also, immer schön flexibel bleiben, scheint mir angesagt.
      Übrigens wurde nach einem Artikel in der FAZ die von mir aus dem Spiegel zitierte Idee von DeutschBank-Breuer aufgegriffen und eingefordert (sozusagen)

      Gruß hh Diese Problematik hat sicherlich mehrere Seiten.

      Das Hauptargument für eine solche Aktion wäre m.E. allerdings,
      daß ja die genannten Reserven (u.a.) zur Stützung der
      Landeswährungen angelegt worden sind.
      Nun wurden die Landeswährungen gegen den Euro ausgetauscht,
      also wäre doch der logische Schluß, diese Reserven zur
      Stützung des Euro einzusetzen.

      Allerdings sollte man bedenken, daß es auch noch weitere
      Verwendungen wie z.B. Kreditsicherung / Haushaltsreserve für
      die Reserven gibt und daß es schwierig sein dürfte
      festzulegen, welches Land wieviel zu veräußern hat.
      Es würde wieder an D hängen und ob unsere Reserven
      ausreichten, weiß ich nicht.

      Die EZB ist ja gegen die Vermögen der einzelnen
      Mitgleidsländer noch eher ein zahlnloser Tiger.

      Allerdings halte ich es für eine gute Idee, ein bisschen mit
      dem Säbel zu rasseln und laut darüber nachzudenken.

      Gruß,

      Mathias Liebe Leser, liebe ExpertInnen!

      Manchmal, wenn ich so 9*kluge Artikel lese, wo genau steht
      wie man`s macht, zum Beispiel mal
      eben den €-Kurs mit einem massiven Zwei-Jahres-Programm auf
      1,10 Dollar hochfahren - und dann auch noch im Spiegel - bin
      ich schlicht verblüfft.
      Im SPIEGEL Nr. 46, im Artikel: "Märkte, hört die Signale"
      (Seite 130 ff) ist von einem "kühnen
      Interventionskonzept" zur Eurostützung die Rede, welches "in
      Europas Finanzministerien schon
      lange diskutiert wird, wenn auch hinter vorgehaltener Hand".
      Jeden Monat sollen die Europäer 8
      Milliarden Dollar an Devisenreserven auf den Markt werfen,
      solange bis der Euro auf einen Wert
      von 1,10 Dollar gestiegen ist.
      Die Masse ist da, das Geld könnte kaum zu einem günstigeren
      Kurs verkauft werden und wird ja
      als Reserve gar nicht mehr benötigt, muß es doch die
      europäischen Landeswährungen nicht
      mehr absichern. Mit einem Trick, der die Milliarden-tranchen
      den europäischen Finanzministerien
      rüberschiebt, damit diese sie auf dem Kapitalmarkt
      verkaufen, können dann auch locker
      Schuldenberge zum Abschmelzen gebracht werden.
      Wo liegt die Problematik in diesem Konzept???
      Schon im Frühjahr hieß es im Spiegel - als Zitat eines
      Finanzmarktexperten - "die EZB brauche
      doch nur mal laut darüber nachzudenken, nicht mehr benötigte
      Dollar-Reserven zu veräußern,
      das würde den € schon sanieren" ...war das eine
      Fehleinschätzung, oder sind die Herrschaften
      selbst zum lauten Nachdenken zu ängstlich?

      Gruß hh

    • Antwort von nach 7 Tagen hilfreich
      Re^2: € stärken, sooo schwer?

      HI !

      ....noch ein Gedanke:

      Der Bundesverband deutscher Banken kritisiert die Absicht der EZB zur Veroeffenlichung bestimmter PreisPrognosen am 26. Okt.2000,und meint ua.:

      " An den Maerkten und der Oeffentlichkeit koennen bedingte Preisprognosen zu erheblichen Irritationen fuehren.

      Daher muesse die EZB Sorge tragen, dass diese mit ausgesprochen grosser Sorgfalt geschehe, damit sie ganz GENAU verstanden werde "

      Der vollstaendige Report im ' Euro aktuell ' zeigt auf, wie komplex verzahnt und hochsensibel das Thema ist.

      Es scheint daher nicht geboten mit dem Saebel zu rasseln.

      ciao
      ====== [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
    oh ja

    Hi,

    bei den Pfennigbeträgen bringt das gar nichts. Jeden Monat sollen die Europäer 8
    Milliarden Dollar an Devisenreserven auf den Markt werfen,
    solange bis der Euro auf einen Wert
    von 1,10 Dollar gestiegen ist.
    Jeden MONAT? 8 Mrd. Dollar? Das Volumen, das an den Devisenmärkten gehandelt wird, ist ja pro Tag schon zigmal so hoch.

    Das ist ja das Problem bei den Internventionen: Die fallen einfach zu klein aus, um aus sich heraus dauerhafte Kursänderungen herbeizuführen. Die einzige Wirkung, die ernsthafterweise von Interventionen erwartet werden kann, geht nicht über Angebot und Nachfrage, sondern über Erwartungen. Und hier wollen und sollten die Interventionen eben "Denkanstöße" liefern und die Position der EZB/Notenbanken deutllich machen.

    Gruß
    Christian Die Masse ist da, das Geld könnte kaum zu einem günstigeren
    Kurs verkauft werden und wird ja
    als Reserve gar nicht mehr benötigt, muß es doch die
    europäischen Landeswährungen nicht
    mehr absichern. Mit einem Trick, der die Milliarden-tranchen
    den europäischen Finanzministerien
    rüberschiebt, damit diese sie auf dem Kapitalmarkt
    verkaufen, können dann auch locker
    Schuldenberge zum Abschmelzen gebracht werden.
    Wo liegt die Problematik in diesem Konzept???
    Schon im Frühjahr hieß es im Spiegel - als Zitat eines
    Finanzmarktexperten - "die EZB brauche
    doch nur mal laut darüber nachzudenken, nicht mehr benötigte
    Dollar-Reserven zu veräußern,
    das würde den € schon sanieren" ...war das eine
    Fehleinschätzung, oder sind die Herrschaften
    selbst zum lauten Nachdenken zu ängstlich?

    Gruß hh

  3. Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
    Das Problem liegt woanders.

    Hallo,

    ich denke, das Problem ist anders gelagert. Da hat man uns
    gesagt, daß unser DM-Schnaps von 40% zusammen mit der gleichen
    Menge an italienischem Wein von 12% und griechischem Retzina von
    10% noch immer 40% Gehalt ergibt. In der Schule allemal falsch,
    aber die Politik wollte es anders.

    Da vertraue ich eher dem SPIEGEL, der vor mehreren Jahren
    darüber berichtet hat, daß der EURO die Voraussetzung für die
    deutsche Einheit war. Ein wiedervereinigtes Deutschland mit
    DM-Währung war unseren "Freunden" in Frankreich und England eben
    unerträglich. Dann wären wir als Mittelmacht wieder zur
    europäischen Großmacht aufgestiegen.

    Nö, der Preis für die Deutsche Einheit war der Euro. Eben der
    Verzicht auf eine Vormachtstellung und die Bereitschaft, den
    Verfall von Vermögenswerten hinzunehmen.

    Kohl fiel es noch schwer, vor der Deutschen Einheit war er ein
    Gegner des Euro. Bundesschröder gehört dem Lager der
    Autoindustrie und der Banken an. Der hat damit kein Problem.
    Insofern ist er für mich kein Vertreter der Sozialdemokratie im
    klassischen Sinne und von den Arbeitern weiter weg als die
    Protagonisten von CDU oder CSU.

    In 2 Jahren, wenn wir hier den Euro haben, fahre ich zum
    Einkaufen nach Makedonien. Die haben soeben die DM als alleinige
    Währung eingeführt und den alten jugoslavischen Dinar
    abgeschafft. ;-)))

    Skurriler Gedanke, ausgerechnet in Makedonien oder Albanien mit
    DM zu bezahlen, während in Deutschland der Euro herrscht.

    Meine Grüße

    Otto

    • Antwort von nach 21 Stunden hilfreich
      Re: Das Problem liegt woanders.



      Hallo Otto,

      dank dir für die Ausführungen - ich teile sie soweit - kann aber leider nicht daraus ersehen, was jetzt tatsächlich gegen eine wirkungsvolle Eurostützung spricht.

      sorry, hh

      • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
        Re^2: Das Problem liegt woanders.

        Hallo HH,

        wir können jetzt nichts mehr machen. Wir haben uns durch
        internationale Verträge gebunden, die Rakete ist gestartet -
        und, was geschieht, geschieht

        Wir haben uns schon vor Jahren selbst gefesselt. Interventionen
        stellen allenfalls Tagesbegebenheiten dar.

        Es würde schon enormer und kriegsgleicher Begebenheiten
        bedürfen, um noch den Wahnsinn des Euro anzuhalten und uns die
        Deutsche Mark zu retten. Aber die sind nicht zu erwarten.


        Meine Grüße

        Otto

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re: Das Problem liegt woanders.

      Hallo,

      ich denke, das Problem ist anders gelagert. Da hat man uns
      gesagt, daß unser DM-Schnaps von 40% zusammen mit der gleichen
      Menge an italienischem Wein von 12% und griechischem Retzina
      von
      10% noch immer 40% Gehalt ergibt. In der Schule allemal
      falsch,
      aber die Politik wollte es anders.

      Hi,

      da solltest du vielleicht nochmal zur Schule gehen :-)
      1. Die Währungen im Euro sind gewichtet. DM 34%, Franc 25%, Lira 15%, Gulden 9%, Peseta 9%. Rest kleinere.
      2. Die griechische Drachme ist nicht im Euro enthalten. Wenn sie es wird, wird sie mit etwa 0,6% gewichtet werden.

      snip
      In 2 Jahren, wenn wir hier den Euro haben, fahre ich zum
      Einkaufen nach Makedonien. Die haben soeben die DM als
      alleinige
      Währung eingeführt und den alten jugoslavischen Dinar
      abgeschafft. ;-)))

      Die haben vielleicht DM Scheine und Münzen eingeführt, die Währung ist aber trotzdem Euro.

      Max

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Analogie nicht zur Kenntnis genommen

        Hallo Max, Hallo,

        ich denke, das Problem ist anders gelagert. Da hat man uns
        gesagt, daß unser DM-Schnaps von 40% zusammen mit der gleichen
        Menge an italienischem Wein von 12% und griechischem Retzina
        von
        10% noch immer 40% Gehalt ergibt. In der Schule allemal
        falsch,
        aber die Politik wollte es anders.

        Hi,

        da solltest du vielleicht nochmal zur Schule gehen :-)
        1. Die Währungen im Euro sind gewichtet. DM 34%, Franc 25%,
        Lira 15%, Gulden 9%, Peseta 9%. Rest kleinere.
        2. Die griechische Drachme ist nicht im Euro enthalten. Wenn
        sie es wird, wird sie mit etwa 0,6% gewichtet werden.
        Nö, ich gehe nicht nochmals zur Schule.
        Da mögen Banken gewichten, wie sie wollen. Wenn man eine harte
        Währung in einen Pool von Weichwährungen einbringt, kann sie
        nicht hart bleiben. Da glaube ich schon der Berichterstattung
        des SPIEGEL, der den Euro als Preis unserer Wiedervereinigung
        ansah und dies vor 3 Jahren mit Dokumenten aus dem
        Bundeskanzleramt untermauerte. Es durfte halt nicht sein, daß
        ein wiedervereinigtes Deutschland als größte europäische Macht
        seine Währung und Finanzkraft behält.

        Ja, bald kommt die Drachme hinzu, in einigen Jahren auch der
        Polnische Szloty und die Tschechische Krone und der Slovenische
        Tolar. Herrlich, diese Festwährungen im Euroverbund zu wissen.

        Ist es diese schöne neue Welt, für die Du stehst?

        Ich nicht.

        Ich grüße Dich

        Otto



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