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Re^4: Feststellung zu Holzmann
Tja, letztendlich tun mir Angestellten
Holzmanns als Gruppe nicht leid. Wer sich
in eine Abhängigkeit begibt muss damit
leben. Im Gegenteil: Ich sehe nicht ein
wieso Menschen die Verantwortung
übernehmen und Arbeitsplätze schaffen
(und wenns nur der eigene ist) dafür
bezahlen müssen das diese Leute nicht den
Mut aufbrachten selber etwas zu
erschaffen.
????????? Kann es sein, dass du die Realitäten in diesem Land etwas falsch einschätzt?
Wenn tatsächlich jeder selbst etwas "erschaffen" sollte, dann wären wir wohl sehr schnell in der gleichen Lage, in der die Arbeiter zu Beginn der Industrialisierung waren. Es würde der Zwang zur Solidarisierung und Bildung von gemeinsamen Organisationen entstehen, da all diese "Einzelkämpfer" irgendwann ausgebeutet werden bis aufs Blut.
Nicht, dass ich was gegen Gewerkschaften hätte (hihi), aber wozu sollte man die Geschichte wiederholen, wenn man doch auch draus lernen kann.
Diese ganze Aktion Schröders war nur der
für ihn letzte Ausweg aus der Misere. Mit
Politik kommt die SPD ja nicht weit, wie
man sieht (vor allem hier in Sachsen, wo
die SPD um den Einzug in den Landtag
bangen musste).
Unterm Strich wird das den Beschäftigten und ihren Familien ziehmlich egal sein. Ich finde staatliche Beteiligungen an Firmen durchaus gut, solange gewährleistet ist, dass diese Organe dann auch eine Kontrolle über die Firmenleitung ausübt.
Ciao Sigi
Hi,
ist es nicht erstaunlich, dass bei der
Holzmannrettung jedermann davon ausgeht,
dass der Beitrag der Banken zur
Finanzierung nur hoch verzinst geliehen
ist und der Beitrag der
Holzmannbeschäftigten logischerweise ein
Geschenk an die Firma Holzmann ?
Mich wundert es auch nicht, dass nun
Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften
wegen Tarifdumping Bedenken haben.
Ausräumen könnte man die Sache, indem man
den Beitrag der Beschäftigten ebenfalls
als zu verzinsenden Kredit gestaltet.
Aber die Tatsache, dass die Beschäftigen
ihren Beitrag als Geschenk abliefern
müssen scheint in diesem Land Philosophie
zu sein.
Sigi
Hi Sigi,
die genauen Kondidtionen der Kredite
kenne ich nicht. Es ist aber durchaus
möglich, daß Risiko und Rendite hier in
einem Verhältnis zueinander stehen, den
keine Bank unter normalen Umständen
eingehen würde. Mit Methoden der modernen
Finanzmathematik könnte man aus
Kreditumfang, Risiko und Zins auch einen
Geldbetrag ermitteln. Den Beitrag der
Banken nämlich. Kann natürlich sein daß
der 0 ist. Aber a priori kann man das
nicht sagen.
Um es anders zu formulieren: Würdest Du
unter den Bedingungen, wie dies die
Banken getan haben an Holzmann zur
heutigen Zeit einen Kredit geben?
Hi Max,
kann ich so nicht sagen, da ich weder die
Lage der Banken, noch die von Holzmann
exakt kenne; abgesehen davon, dass ich
auch gar kein Finanzfachmann bin.
Mir ging es eigentlich primär darum, auf
diese Diskrepanz hinzuweisen. Meiner
Meinung nach wird hier eben mal wieder
ganz deutlich gezeigt, was es heisst
ABHÄNGIG beschäftigt zu sein. Zuerst ist
man abhängig von den Entscheidungen der
Nieten in Nadelstreifen, die die Bude
ohne ernsthafte Konsequenzen in den Boden
wirtschaften dürfen. Dann kommt die
Abhängigkeit von den Banken, die solange
sie Chancen auf Reibach sehen auch
fleissig weiter finanzieren. Zum Schluss
dürfen die Beschäftigten auch noch
Lohnverzicht üben, um wenigstens
überhaupt noch Chancen auf ihren
Arbeitsplatz zu haben.
Für mich ist das eine verkehrte Welt, in
der ein Arbeitsvertrag eben doch ein
bisschen anders ist als ein
Kreditvertrag.
Auf eines kannst du dich verlassen: Wenn
die Bude in zwei , drei Jahren doch noch
Pleite gehen sollte, dann haben die
Banken ihre Investitionen schon wieder
rausgekriegt. Ins Rohr schauen die
Beschäftigten dann in zweierlei Hinsicht:
Ihre Lohnspende war umsonst, nachgezahlt
wird nichts (war ja kein Kredit, sondern
ein Geschenk) und die Arbeitsplätze sind
trotzdem im Eimer. Für die Banker und
Manager hat es trotzdem keine
Konsequenzen.
Da klappt mir doch das
Klassenkampf-Taschenmesser in der
Hosentasche auf!
Sigi