Ruiniert der Euro Deutschland?

Von: , Frage gestellt am Do, 15. Mai 2003

Hi!

Zur Zeit gewinnt der Euro nahezu täglich an Wert gegenüber dem US-Dollar. Jetzt klagt die exportorientierte deutsche Wirtschaft über Gewinneinbrüche. Wie kann das sein, wenn die Politiker (Hallo, Helmut Kohl!) bereits vor Jahren von den Vorzügen der europaweiten Währung geschwärmt haben, wenn deutsche Unternehmen befreit werden wollten vom Risiko der Kursschwankungen, wenn der weitaus größte Teil der Exporte innerhalb des Euro-Raumes bleibt? Nun haben wir den Euro, und die Wirtschaft jammert schon wieder.

Dabei gilt der Euro mittlerweile als stabile Währung. Woran liegt das? Deutschland trug bereits bei Einführung des Euro als Rechen-Währung mit seiner Wirtschaftskraft entscheidend bei. Seit 1999 liegt die Inflation in Deutschland mehr als deutlich unter dem Inflationswert des Euro-Raumes (aktuell 1,2% in D gegenüber 2,3% im Euro-Raum).

Aber was hat Deutschland davon? Nichts! Ganz im Gegenteil, die deutsche Wirtschaft wird vom Euro bestraft. Das Wachstum tendiert in D gegen Null, also würde bei einer Inflation von 1,2% eine Bundesbank den Leitzinssatz auf 1% senken,um die Wirtschaft anzukurbeln. Die EZB läßt den Euro bei 2,5% stehen. Kein Wunder, daß niemand Geld in Betriebe investieren will.

Und unsere lieben Euro-Partner? Die denken überhaupt nicht daran, die Konvergenzkriterien einzuhalten. Irland hatte 2002 eine Inflation von 4,7%, die Niederlande und Griechenland von 3,9%, Portugal 3,7%, Spanien 3,6%. Diese Länder bekommen billiges Geld von der EZB (eben zu jenen 2,5%) und können entsprechende Mittel in ihre Wirtschaft pumpen und bleiben so unter der 3%-Verschuldungsgrenze. Im schlimmsten Fall steigen die Zinsen der EZB - na und? Solange die eigene Inflationsquote höher ist, kratzt das keinen.

In Deutschland ist man so blöd und drückt die Inflationsquote. Niedrige Löhne, sinkende Umsatzzahlen, geringe Steuerquote. Aber wir halten den Euro stabil. Dafür zahlen wir heftige Geldstrafen, weil wir die 3%-Klausel nicht einhalten können. Schön blöd.

Die Franzosen und Briten haben die Lage der Dinge längst erkannt. Le Figaro schrieb zur Einführung des Euros: "Der Euro bedeutet für die Deutschen ein Versailles ohne Krieg." Und die Times meinte: "Deutschland wird zum Rostgürtel Europas werden." Beide haben inzwischen recht bekommen.

Zu D-Mark-Zeiten war die deutsche Wirtschaft Weltspitze, selbst in Krisenzeiten. Nach der Einführung des Euros sind wir Schlußlicht in Europa. Danke, all ihr Euro-Befürworter!

Grüße
Heinrich

39 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Re: Ruiniert der Euro Deutschland?

    Hi!

    Zur Zeit gewinnt der Euro nahezu täglich an Wert gegenüber dem
    US-Dollar. Jetzt klagt die exportorientierte deutsche
    Wirtschaft über Gewinneinbrüche. Wie kann das sein, wenn die
    Politiker (Hallo, Helmut Kohl!) bereits vor Jahren von den
    Vorzügen der europaweiten Währung geschwärmt haben, wenn
    deutsche Unternehmen befreit werden wollten vom Risiko der
    Kursschwankungen, wenn der weitaus größte Teil der Exporte
    innerhalb des Euro-Raumes bleibt? Nun haben wir den Euro, und
    die Wirtschaft jammert schon wieder.

    Unter der Regierung Kohl war das Wachstum zeitweilig
    über 10 %. Der Euro hat zwar viele Nachteile,
    hätte aber auch viele Chancen geboten.


    Gruss, Marco

    P.S. Die Wirtschaft hat noch über jede
    Regierung geklagt :-)

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re^2: Ruiniert der Euro Deutschland?

      Moin Marco, Unter der Regierung Kohl war das Wachstum zeitweilig
      über 10 %.
      Wann soll das denn gewesen sein?

      Ciao

      Ralf

  2. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Ruiniert der Euro Deutschland?

    Moin Heinrich, Zur Zeit gewinnt der Euro nahezu täglich an Wert gegenüber dem
    US-Dollar. Jetzt klagt die exportorientierte deutsche
    Wirtschaft über Gewinneinbrüche.
    Da hat Marco Recht: die Wirtschaft klagt immer. Aber was hat Deutschland davon? Nichts! Ganz im Gegenteil, die
    deutsche Wirtschaft wird vom Euro bestraft. Das Wachstum
    tendiert in D gegen Null, also würde bei einer Inflation von
    1,2% eine Bundesbank den Leitzinssatz auf 1% senken,um die
    Wirtschaft anzukurbeln.
    Das ist sehr die Frage. Die Bundesbank hat auch immer nach dem Motto gehandelt: "Wir orientieren uns ausschließlich an der Geldwertstabilität. Fürs Wirtschaftswachstum sind andere zuständig." Anders als z.B. die Fed in den USA. Sicherlich wäre der DM-Leitzins niedriger als der EZB-Leitzins, aber ich sicherlich nicht unterhalb der bundesdeutschen Inflationsrate (vielleicht also 2%). Die EZB läßt den Euro bei 2,5% stehen.
    Kein Wunder, daß niemand Geld in Betriebe investieren will.
    Ja, der Leitzins ist sicherlich einer der Gründe. Ein Teil der europäischen und deutschen Wachstumsschwäche ist auf die EZB zurückzuführen (nur hätte wie gesagt die Bundesbank nicht viel anders gehandelt). Aber sicherlich nicht der einzige. Und unsere lieben Euro-Partner? Die denken überhaupt nicht
    daran, die Konvergenzkriterien einzuhalten. Irland hatte 2002
    eine Inflation von 4,7%, die Niederlande und Griechenland von
    3,9%, Portugal 3,7%, Spanien 3,6%. Diese Länder bekommen
    billiges Geld von der EZB (eben zu jenen 2,5%) und können
    entsprechende Mittel in ihre Wirtschaft pumpen und bleiben so
    unter der 3%-Verschuldungsgrenze. Im schlimmsten Fall steigen
    die Zinsen der EZB - na und? Solange die eigene
    Inflationsquote höher ist, kratzt das keinen.
    Sicherlich schon. Vor allem wenn das Wirtschaftswachstum niedriger als die Inflationsrate ist. Dann liegt es schon im Interesse der Länder ihre Inflationsrate zu senken. In Deutschland ist man so blöd und drückt die Inflationsquote.
    Niedrige Löhne, sinkende Umsatzzahlen, geringe Steuerquote.
    Aber wir halten den Euro stabil. Dafür zahlen wir heftige
    Geldstrafen, weil wir die 3%-Klausel nicht einhalten können.
    Schön blöd.

    Die Franzosen und Briten haben die Lage der Dinge längst
    erkannt. Le Figaro schrieb zur Einführung des Euros: "Der Euro
    bedeutet für die Deutschen ein Versailles ohne Krieg." Und die
    Times meinte: "Deutschland wird zum Rostgürtel Europas
    werden." Beide haben inzwischen recht bekommen.

    Zu D-Mark-Zeiten war die deutsche Wirtschaft Weltspitze,
    selbst in Krisenzeiten.
    Das stimmt so nicht. Schon in den Jahren vor dem Euro war Deutschland auf den hinteren Rängen. Das liegt vor allem daran, dass wir viel Geld in einen Teil des Landes pumpen. Diese Belastung hat sonst keine Nation.

    Und die deutsche Wirtschaft ist ja auch heute noch Weltspitze. Wir haben gegenwärtige den höchsten Aussenhandelsüberschuss aller Zeiten. Das Problem ist allerdings, dass dies mit extrem hoher Rationalisierung und damit Arbeitslosigkeit erkauft wird.

    Ciao

    Ralf

    • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
      Re^2: Ruiniert der Euro Deutschland?

      Hallo Ralf, Zur Zeit gewinnt der Euro nahezu täglich an Wert gegenüber dem
      US-Dollar. Jetzt klagt die exportorientierte deutsche
      Wirtschaft über Gewinneinbrüche.
      Da hat Marco Recht: die Wirtschaft klagt immer.
      Stimmt. Einfach nur richtig. Und das liegt daran, dass es für die einen Branchen gut und für die anderen schlecht ist. Aber was hat Deutschland davon? Nichts! Ganz im Gegenteil, die
      deutsche Wirtschaft wird vom Euro bestraft. Das Wachstum
      tendiert in D gegen Null, also würde bei einer Inflation von
      1,2% eine Bundesbank den Leitzinssatz auf 1% senken,um die
      Wirtschaft anzukurbeln.
      Das ist sehr die Frage. Die Bundesbank hat auch immer nach dem
      Motto gehandelt: "Wir orientieren uns ausschließlich an der
      Geldwertstabilität. Fürs Wirtschaftswachstum sind andere
      zuständig." Anders als z.B. die Fed in den USA. Sicherlich
      wäre der DM-Leitzins niedriger als der EZB-Leitzins, aber ich
      sicherlich nicht unterhalb der bundesdeutschen Inflationsrate
      (vielleicht also 2%).
      Das wage ich zu bezweifeln. Die EZB hat die Zinsen aus wirtschaftspolitischen Gründen mehrmals gesenkt.
      Das hätte die Buba nie in dem Maße getan.
      Nebenbei bleibt zanzumerken, dass der Leitzins bei weitem keinen so großen Einfluss hat wie alle tun. Und die Gefahr die droht ist bei zu vielen Leitzinssenkungen japanische Verhältnisse zu bekommen. Sprich gar nicht mehr reagieren zu können. Die EZB läßt den Euro bei 2,5% stehen.
      Kein Wunder, daß niemand Geld in Betriebe investieren will.
      Ja, der Leitzins ist sicherlich einer der Gründe. Ein Teil der
      europäischen und deutschen Wachstumsschwäche ist auf die EZB
      zurückzuführen (nur hätte wie gesagt die Bundesbank nicht viel
      anders gehandelt). Aber sicherlich nicht der einzige.
      Einer der unwichtigsten Gründe.
      Niedrige Zinsen lösen das psychologische Problem nicht, dass Investitionen verhindert. Und unsere lieben Euro-Partner? Die denken überhaupt nicht
      daran, die Konvergenzkriterien einzuhalten. Irland hatte 2002
      eine Inflation von 4,7%, die Niederlande und Griechenland von
      3,9%, Portugal 3,7%, Spanien 3,6%. Diese Länder bekommen
      billiges Geld von der EZB (eben zu jenen 2,5%) und können
      entsprechende Mittel in ihre Wirtschaft pumpen und bleiben so
      unter der 3%-Verschuldungsgrenze. Im schlimmsten Fall steigen
      die Zinsen der EZB - na und? Solange die eigene
      Inflationsquote höher ist, kratzt das keinen.
      Sicherlich schon. Vor allem wenn das Wirtschaftswachstum
      niedriger als die Inflationsrate ist. Dann liegt es schon im
      Interesse der Länder ihre Inflationsrate zu senken.
      Und wie pumpen die die entsprechenden Mittel ohne Neuverschuldung in die Wirtschaft? Die These hinkt gewaltig und erklärt in keinster Weise wieso Portugal so Probleme hat. In Deutschland ist man so blöd und drückt die Inflationsquote.
      Niedrige Löhne, sinkende Umsatzzahlen, geringe Steuerquote.
      Aber wir halten den Euro stabil. Dafür zahlen wir heftige
      Geldstrafen, weil wir die 3%-Klausel nicht einhalten können.
      Schön blöd.

      Die Franzosen und Briten haben die Lage der Dinge längst
      erkannt. Le Figaro schrieb zur Einführung des Euros: "Der Euro
      bedeutet für die Deutschen ein Versailles ohne Krieg." Und die
      Times meinte: "Deutschland wird zum Rostgürtel Europas
      werden." Beide haben inzwischen recht bekommen.

      Zu D-Mark-Zeiten war die deutsche Wirtschaft Weltspitze,
      selbst in Krisenzeiten.
      Das stimmt so nicht. Schon in den Jahren vor dem Euro war
      Deutschland auf den hinteren Rängen. Das liegt vor allem
      daran, dass wir viel Geld in einen Teil des Landes pumpen.
      Diese Belastung hat sonst keine Nation.
      Hurra, Zustimmung meinerseits. Und die deutsche Wirtschaft ist ja auch heute noch Weltspitze.
      Wir haben gegenwärtige den höchsten Aussenhandelsüberschuss
      aller Zeiten. Das Problem ist allerdings, dass dies mit extrem
      hoher Rationalisierung und damit Arbeitslosigkeit erkauft
      wird.
      Na dann sags doch anders: Die deutsche Exportwirtschaft ist Weltspitze.
      Die deutsche Wirtschaft gesamt eher nicht.

      Gruß ivo

      • Antwort von nach 21 Stunden hilfreich
        Re^3: Ruiniert der Euro Deutschland?

        Moin Ivo, Das wage ich zu bezweifeln. Die EZB hat die Zinsen aus
        wirtschaftspolitischen Gründen mehrmals gesenkt.
        Das hätte die Buba nie in dem Maße getan.
        Nebenbei bleibt zanzumerken, dass der Leitzins bei weitem
        keinen so großen Einfluss hat wie alle tun. Und die Gefahr die
        droht ist bei zu vielen Leitzinssenkungen japanische
        Verhältnisse zu bekommen. Sprich gar nicht mehr reagieren zu
        können.
        Die japanische Gefahr ist richtig. Und sicher überschätzen manche die Bedeutung des Leitzinses. Andererseits wäre Greenspan nicht so bedeutsam und würde dessen Fed-Politik als so bedeutsam eingeschätzt, wenn der Leitzins nur geringe Bedeutung hat. Ich denke, du unterschätzt ihn.

        Ciao

        Ralf

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^4: Ruiniert der Euro Deutschland?

          Die japanische Gefahr ist richtig. Und sicher überschätzen
          manche die Bedeutung des Leitzinses. Andererseits wäre
          Greenspan nicht so bedeutsam und würde dessen Fed-Politik als
          so bedeutsam eingeschätzt, wenn der Leitzins nur geringe
          Bedeutung hat. Ich denke, du unterschätzt ihn.
          Hallo Ralf,

          Greenspan wird eher immer noch überschätzt, auch wenn er wichtig ist.
          Seine Zinsenkungen der letzten 2-3 Jahre sind nahezu wirkungslos verpufft. Leitzinsänderungen haben zu 95% nur einen psychologischen Effekt. Das ist der Grund warum die Börse (und die ist m.E. ein guter Frühindikator) früher gewackelt hat, wenn Greenspan sich räusperte.
          Nachdem es jetzt immer nur abwärts geht, ist der Effekt anders.
          Da zeigt sich für alle die Investitionen tätigen, dass die Krise noch nicht vorbei ist. Und keiner investiert. Darunter hat die Wichtigkeit des Herrn Greenspan doch ein bischen gelitten.

          Das Problem der keynjanischen Wirtschaftspolitik der USA ist noch ein anderes. Keynes funktioniert nämlich nur wenn man konsequent ist. Das würde bedeuten, dass man die Steuergeschenke und Staatsausgaben in besseren Zeiten wieder zurückfährt. Ich kenne keine Regierung auf dieser Welt die das jemals konsequent gemacht hätte.

          Gruß ivo

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^5: Ruiniert der Euro Deutschland?

            Moin Ivo, Greenspan wird eher immer noch überschätzt, auch wenn er
            wichtig ist.
            Ok, diese Einstellung von dir ist wenigstens konsequent. Es ist aber fraglich, finde ich, ob nur du Greenspans Bedeutung richtig und alle anderen falsch einschätzt. Seine Zinsenkungen der letzten 2-3 Jahre sind nahezu
            wirkungslos verpufft.
            Das ist natürlich die Frage. Es ist ja unklar, wie die wirtschaftliche Lage der USA ohne diese Zinssenkungen wäre. Leitzinsänderungen haben zu 95% nur
            einen psychologischen Effekt.
            Das kann ja ausreichen. Wenn ALLE in dem Irrglauben leben, dass Greenspan wichtig ist, dann IST er wichtig. Allerdings ist mir das zu mysteriös. Woher sollte der Irrglauben kommen, wenn er keine Basis hat? Da zeigt sich für alle die Investitionen tätigen, dass die
            Krise noch nicht vorbei ist. Und keiner investiert. Darunter
            hat die Wichtigkeit des Herrn Greenspan doch ein bischen
            gelitten.
            Da stimme ich dir allerdings zu. Das Renomee Greenspans ist in den letzten Jahren sicherlich etwas verblasst. Ob zu recht oder nicht, ist eine andere Frage. Das Problem der keynjanischen Wirtschaftspolitik der USA ist
            noch ein anderes. Keynes funktioniert nämlich nur wenn man
            konsequent ist. Das würde bedeuten, dass man die
            Steuergeschenke und Staatsausgaben in besseren Zeiten wieder
            zurückfährt. Ich kenne keine Regierung auf dieser Welt die das
            jemals konsequent gemacht hätte.
            Nicht ganz, aber etwas schon. Der US-Staat (nicht die Länder und anderen öffentlichen Kassen!) hatte ja in guten Zeiten unter Clinton einen Haushaltsüberschuss und die Sozialausgaben, die in den USA ja nie hoch waren, wurden noch weiter zusammengestrichen. Das hat Deutschland schon seit Jahrzehnten nicht mehr geschafft.

            Ciao

            Ralf

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^6: Ruiniert der Euro Deutschland?

              tach Ralf, Ok, diese Einstellung von dir ist wenigstens konsequent. Es
              ist aber fraglich, finde ich, ob nur du Greenspans Bedeutung
              richtig und alle anderen falsch einschätzt.
              Alle anderen nicht. Zumindest ich stimme Ivo da zu. Das ist natürlich die Frage. Es ist ja unklar, wie die
              wirtschaftliche Lage der USA ohne diese Zinssenkungen wäre.
              Wer soll das schon so genau wissen? Das kann ja ausreichen. Wenn ALLE in dem Irrglauben leben,
              dass Greenspan wichtig ist, dann IST er wichtig. Allerdings
              ist mir das zu mysteriös. Woher sollte der Irrglauben kommen,
              wenn er keine Basis hat?
              Naja, zu Boom-Zeiten war der "Koffer-Indikator" durchaus für viele von Interesse, seit zwei Jahren habe ich nichts mehr davon gehört. Da stimme ich dir allerdings zu. Das Renomee Greenspans ist in
              den letzten Jahren sicherlich etwas verblasst. Ob zu recht
              oder nicht, ist eine andere Frage.
              Das Ansehn als solches ist nicht besonders angekratzt, nur der Glaube an die FED-(fast)Allmächtigkeit. Nicht ganz, aber etwas schon. Der US-Staat (nicht die Länder
              und anderen öffentlichen Kassen!) hatte ja in guten Zeiten
              unter Clinton einen Haushaltsüberschuss und die
              Sozialausgaben, die in den USA ja nie hoch waren, wurden noch
              weiter zusammengestrichen. Das hat Deutschland schon seit
              Jahrzehnten nicht mehr geschafft.
              Nur wurde der Überschuß nicht konsequent zum Schuldenabbau verwendet, was dann ein neuerliches deficit spending ohne bleibenden Verluste ermöglicht hätte. Und das ist eine Sache die lafontaine und Konsorten im Leben nicht rallen.


              Gruß
              L.

            • Antwort von nach 9 Tagen hilfreich
              Re^6: Ruiniert der Euro Deutschland?

              Hallo Ralf, Greenspan wird eher immer noch überschätzt, auch wenn er
              wichtig ist.
              Ok, diese Einstellung von dir ist wenigstens konsequent. Es
              ist aber fraglich, finde ich, ob nur du Greenspans Bedeutung
              richtig und alle anderen falsch einschätzt.
              Offensichtlich bin es nicht nur ich, denn auch die Märkte reagieren nicht mehr so hypersensibel auf seine Äußerungen.
              Da macht mir ein Finanzminister dort eher sorgen, der im schwachen USD kein Problem sieht. Seine Zinsenkungen der letzten 2-3 Jahre sind nahezu
              wirkungslos verpufft.
              Das ist natürlich die Frage. Es ist ja unklar, wie die
              wirtschaftliche Lage der USA ohne diese Zinssenkungen wäre.
              Na wirklich durchgeschlagen haben sie wohl nicht, wenn man die US Wirtschaft verfolgt. Der derzeit stark steigende Euro ist leider auch kein Indiz für eine gute Europäische Wirtschaft, sondern spiegelt nur die Komponenten Unsicherheit bezüglich der lahmen US Wirtschaft + Zinsvorteil (und zwar genau in der Reihenfolge) wieder. Leitzinsänderungen haben zu 95% nur
              einen psychologischen Effekt.
              Das kann ja ausreichen. Wenn ALLE in dem Irrglauben leben,
              dass Greenspan wichtig ist, dann IST er wichtig. Allerdings
              ist mir das zu mysteriös. Woher sollte der Irrglauben kommen,
              wenn er keine Basis hat?
              Das ist das selbe wie mit der Charttechnik... wenn nur genug dran glauben funktionierts.
              Greenspan hat in vielerlei Augen einen Großtteil seines Pulvers verschossen. Damit will ich nicht sagen, dass er unwichtig ist. Natürlich nicht. Er ist immerhin der chef der Fed und hat Ahnung von seinem Job. Nur ist die Bedeutung auf ein Normalmaß herabgekommen.
              Nebenbei zum Kurs:
              Keine Notenbank der Welt kann heute alleine gegen die Marktvolumina dauerhaft erfolgreich intervenieren. Da zeigt sich für alle die Investitionen tätigen, dass die
              Krise noch nicht vorbei ist. Und keiner investiert. Darunter
              hat die Wichtigkeit des Herrn Greenspan doch ein bischen
              gelitten.
              Da stimme ich dir allerdings zu. Das Renomee Greenspans ist in
              den letzten Jahren sicherlich etwas verblasst. Ob zu recht
              oder nicht, ist eine andere Frage.
              Ich glaube du überschätzt ihn.
              Für mich verhielt sich das wie der Aktienmarkt... eine Große Blase die wieder auf ein normales Niveau herunter kommen musste (habe ja auch bei Dax 8000 die 3000 prognostiziert).
              Je mehr Leute Greenspan als den "Leithammel" ansehen, desto besser funktionierts mit der Wichtigkeit, die Zweifellos noch da ist, nur nicht mehr so stark. Früher war es so, dass wenn gesagt wurde, alle warten auf Greenspans Rede, stand die Nation... auch unsere gebannt vor dem Ferseher und wartete was der Kerl sagte. Heute sind das sehr sehr viel weniger. Das Problem der keynjanischen Wirtschaftspolitik der USA ist
              noch ein anderes. Keynes funktioniert nämlich nur wenn man
              konsequent ist. Das würde bedeuten, dass man die
              Steuergeschenke und Staatsausgaben in besseren Zeiten wieder
              zurückfährt. Ich kenne keine Regierung auf dieser Welt die das
              jemals konsequent gemacht hätte.
              Nicht ganz, aber etwas schon. Der US-Staat (nicht die Länder
              und anderen öffentlichen Kassen!) hatte ja in guten Zeiten
              unter Clinton einen Haushaltsüberschuss und die
              Sozialausgaben, die in den USA ja nie hoch waren, wurden noch
              weiter zusammengestrichen. Das hat Deutschland schon seit
              Jahrzehnten nicht mehr geschafft.
              Nun ja... aber die Steuern WIEDER erhöht hat bisher noch keiner, wenn es der WIEDER Wirtschaft gut ging. Und das erwarte ich auch nicht von der Bushadministration.
              Clinton hat bei seiner Radikalkur für den US Haushalt auch aus der Not heraus gehandelt.

              Gruß Ivo



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