Manche Lügen leben ewig: Berufsverbot.

Von: , Frage gestellt am Mo, 21. Aug 2000

Manche Lügen und Fälschungen leben ewig und haben weitreichende Folgen, z.B. die Konstantinische Schenkung.
Ich möchte auf 2 Lügen aufmerksam machen, von denen die zweite auch hier durch das Brett geistert.
LÜGE 1: Die DDR als Wirtschaftsmacht Nr. 5 in der Welt.
Die ganzen 70er und 80er Jahre durch konnte man in den westdeutschen Medien immer und immer wieder hören und lesen, die DDR sei die fünftstärkste Wirtschaftsnation der Erde und läge damit immerhin vor den Briten. Neulich habe ich beim Aufräumen ein GEO-Heft DDR gefunden, wo das so wortwörtlich drin stand.
Wenn man mal nachbohrt woher diese Positionierung kommt stößt man auf eine Liste der UNO, die auf der Selbsteinschätzung (!!!) der damaligen Regierungen beruhte. Und da hatte die DDR-Führung eben beschlossen, dass das Bruttosozialprodukt der DDR so und so hoch sei und es den "Ossis" -welch Triumph des Sozialismus!- besser ginge als den Briten (immerhin Mutterland des Kapitalismus). Nun hatte die DDR ja im Westen unglaublich viele Anhänger und Freunde und so entstand der Mythos von der Wirtschaftsmacht DDR, den die PDS mit ihrem Gejammer über die planmäßige Zerstörung der DDR-Wirtschaft durch die Treunhandanstalt bis heute propagandistisch ausschlachtet.
Wer jemals (zu deren Lebzeiten) in der DDR (insbes. in der Provinz) war und nicht völlig Marx-hörig, dem war klar, dass das von Anfang an totaler Blödsinn war - so als würde man Rumänien zur führenden Nation in der Computer-Branche erklären.
Es wird Zeit, dass mal mit dieser Lüge aufgeräumt wird!
LÜGE 2: Berufsverbote. Ja, es gab in (West-)Deutschland Berufsverbote, und zwar als Maßregel nach den §§ 70, 61 Nr. 6 des Strafgesetzbuches. Danach kann das Gericht jemandem, der eine Straftat unter Ausnutzung seines Berufes begangen hat, dem Verurteilten die Ausübung dieses Berufs oder Gewerbes für die Dauer von 1 bis 5 Jahren verbieten. Es dürfte wohl allgemeine Ansicht sein, dass das eine sinnvolle Maßnahme zum Schutz der Bürger ist.
Daneben gab es den sog. Radikalenerlaß, der Aktivisten von bestimmten verfassungsfeindlichen Parteien vom öffentlichen Dienst fernhalten sollte. Das ist ja nun kein Berufsverbot, da niemand diese Leute an der Ausübung ihres Berufes gehindert hat. Sie sind halt bloß nicht vom Staat eingestellt worden.
Diese Regelung, ob sie nun politisch klug war oder nicht, wurde von der DDR und ihren Fans im Westen zu einer gnadenlosen Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, gerade auch im Ausland, benutzt. Damals traf ich ein paar Schweden im Urlaub hier, die als einziges von Deutschland das "Berufsverbot" kannten und den Eindruck hatten, eine Art Gestapo würde die antifaschistisch gesonnene Bevölkerung damit terrorisieren. (Viele, viele Jahre später kam dann heraus, dass es in Schweden ein viel rigoroseres Berufsverbot gegen Kommunisten gegeben hatte, bloß eben im Geheimen, während die Deutschen -ehrlich, aber doof- den Radikalen den Verwaltungsrechtsweg eröffnet hatten.)
In der Tat war die Zahl der von dem angeblichen Berufsverbot betroffenen recht gering, unter anderem deshalb, weil es nur Aktivisten von DKP, NPD etc. betraf, also Leute die bei Wahlen für diese Parteien kandidierten, Führungspositionen innehatten.
Am Ende war dann eigentlich nur noch dieser legendäre Briefträger übrig, übrigens ein hoher DKP-Funktionär, der von der DDR als so eine Art Vorführ-Berufsverbots-Opfer unterhalten wurde.
Nach dem Ende der DDR haben sich dann folgende Entwicklungen ergeben: Erstens hat der Europäische Gerichtshof diese Praxis für illegal erklärt, die Betroffenen sind -soweit ich weiß- vom Staat entschädigt worden, darunter auch der verhinderte Briefträger. Zweitens hat sich herausgestellt, dass DKP-Anhänger jahrelang wichtige Post der dt. und US-Geheimdienste in die DDR
geschickt haben, und zwar ganz einfach dadurch, dass sie die Sendungen in den Verteilerzentren in die Postsäcke für die DDR warfen und die Stasi, die ja den gesamten Postverkehr aus dem Westen gescannt (und nebenbei mehrere Millionen Mark daraus unterschlagen) hat, hat diese vermeintlichen Irrläufer dann eingesammelt. Ein einfacher "Briefträger" kann also sehr wohl dem Staat erheblichen Schaden zufügen!
Drittens ist nach dem Ende der DDR entdeckt worden, dass die DKPler in der Bundesrepublik Deutschland eine paramilitärische Guerilla-Organisation unterhielten, die im Spannungsfall im Hinterland Sabotageakte und Anschläge verüben sollte. Darunter waren auch Leute, die sich jahrelang als Opfer des Berufsverbots präsentierten!
mfg frank

16 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Re: Manche Lügen leben ewig: Berufsverbot.

    zum thema "berufsverbot":

    es ist ja auch vollkommen verstaendlich. wenn jemand in der gefahr steht irgendjemanden zu schaden, sollten man ihn davon hindern. ob es nun der pizzabaecker ist, der tbc hat, oder der alkoholkranke busfahrer oder eben der "radikale" (ob links ob rechts, jedenfalls nicht auf dem boden der fdgo stehend) im oeffentlichen dienst. mir macht es auf jedenfall auch sinn.
    Desweiteren hat sich in diesem land ja auch niemand darueber beschwert, dass bekennenden scientologen es (zumindest in bayern) verwehrt wurde in den oeffentlichen dienst zu treten (m.E. auch zu recht).

    viele Gruesse
    Raoul

  2. Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
    Re: Manche Lügen leben ewig: Berufsverbot.

    Zweitens hat sich herausgestellt, dass
    DKP-Anhänger jahrelang wichtige Post der dt. und
    US-Geheimdienste in die DDR
    geschickt haben, und zwar ganz einfach dadurch, dass sie die
    Sendungen in den Verteilerzentren in die Postsäcke für die DDR
    warfen und die Stasi, die ja den gesamten Postverkehr aus dem
    Westen gescannt (und nebenbei mehrere Millionen Mark daraus
    unterschlagen) hat, hat diese vermeintlichen Irrläufer dann
    eingesammelt. Ein einfacher "Briefträger" kann also sehr wohl
    dem Staat erheblichen Schaden zufügen!
    Ich lach' mich tot!

    Ein Geheimdienst, der seine Post mit der (damaligen) Deutschen Bundespost versendet. Dafür gehört ein Berufsverbot ausgesprochen.

    Elmar

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Postversand & Geheimdienste

      Ich lach' mich tot!
      Ein Geheimdienst, der seine Post mit der (damaligen) Deutschen
      Bundespost versendet. Dafür gehört ein Berufsverbot
      ausgesprochen.
      Elmar
      Hallo Elmar!
      Jede Bürokratie zettelt größere Papierkriege an, so auch die Geheimdienste. Daher ist es schon aus Kapazitätsgründen gar nicht möglich, alle Akten durch Kurier zu verschicken. Im übrigen besteht Geheimdienstarbeit zum größten Teil aus dem Sammeln von scheinbar unwichtigen Details: Wer wird befördert, wer wird versetzt, wer bekommt eine Abmahnung, wer klagt gegen den Diensthern, wer geht zu welchem Arzt? All das sind Ansatzpunkte um z.B. Agenten zu werben. Und das MfS war darin ja sehr erfolgreich! Was soll eine Behörde, und sei es der BND oder MAD denn mit dem ganzen Papierkram machen??? Natürlich wird das Zeug mit der Post geschickt.
      Übrigens verschicken auch Juweliere ihre Diamanten ganz simpel mit der Post, denn im Schnitt ist die Verlustquote der Post minimal!
      mfG frank

  3. Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
    Re: Manche Lügen leben ewig: Berufsverbot.

    LÜGE 2: Berufsverbote. Ja, es gab in (West-)Deutschland
    Berufsverbote, und zwar als Maßregel nach den §§ 70, 61 Nr. 6
    des Strafgesetzbuches.
    Und? Wo ist da die Lüge?

    Mit freundlichen Grüßen,

    A. Tillmann

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Die Lufthoheit über den Lehrer-Stammtischen

      Hallo! Ich wollte darauf hinweisen, dass ein juristischer Fachbegriff, weil er so schön gruselig klingt, für etwas anderes benutzt wurde. Tatsächlich hat der Staat aber niemandem den Beruf "verboten" sondern lediglich bestimmte Leute nicht eingestellt! Wenn ich mich als Justiziar bei DaimlerChrysler bewerbe und nicht genommen werde dann verhängt DaimlerChrysler kein "Berufsverbot" über mich! Niemand hat die DKP- oder NPD-Aktivisten daran gehindert, z.B. bei UPS, GermanParcel, DPD und und und "Briefträger" zu werden! Niemand hat diese Leute daran gehindert, Lehrer an einer privaten Schule zu werden. Es gibt sogar jede Menge Lokführer bei privaten Eisenbahnen in Deutschland. Von Berufsverbot kann also keine Rede sein!
      Einzige Ausnahmen: Richter, Polizist, Soldat - hier wirkt sich eine Nicht-Anstellung beim Staat im Ergebnis wirklich wie ein Berufsaverbot aus.
      mfg frank [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Ok, alles klar (o.T.)

        .

  4. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Lügen haben kurze Beine

    Hallo Frank LÜGE 1: Naja, die hat doch nicht wirklich irgendjemand geglaubt, oder ? Obwohl, was Exportzahlen angeht, war die DDR nicht schlecht, im Vergleich mit anderen "Ostblockstaaten" sogar spitze. Nur hatten die Leute im eigenen Land da natürlich herzlich wenig davon. Ich glaube, es war vor der Wiedervereinigung einfacher, in der BRD ein Bügeleisen zu kaufen, das in der DDR hergestellt wurde, als in der DDR.
    LÜGE 2:
    Daneben gab es den sog. Radikalenerlaß, der Aktivisten von
    bestimmten verfassungsfeindlichen Parteien vom öffentlichen
    Dienst fernhalten sollte. Das ist ja nun kein Berufsverbot, da
    niemand diese Leute an der Ausübung ihres Berufes gehindert
    hat. Sie sind halt bloß nicht vom Staat eingestellt worden.
    Dies ist definitiv falsch. Nach Angaben der GEW gab es bis 1980 136 Entlassungen aufgrund des Radikalenerlasses. Wieviele gar nicht erst eingestellt wurden, werden wir wohl nie erfahren. Und dass es Berufe gibt, die nur im öffentlichen Dienst (bzw. Beamtentum) ausgebildet und benötigt werden, dürften jedem bekannt sein. Diese Regelung, ob sie nun politisch klug war oder nicht,
    wurde von der DDR und ihren Fans im Westen zu einer
    gnadenlosen Hetze gegen die Bundesrepublik Deutschland, gerade
    auch im Ausland, benutzt.
    Das ist eine subjektive Wertung.

    Damals traf ich ein paar Schweden im Urlaub hier,
    wohl nicht sehr repräsentativ, oder ? :-)

    während die Deutschen -ehrlich, aber doof- den Radikalen den
    Verwaltungsrechtsweg eröffnet hatten.)
    mit welchen Aussichten auf Erfolg ? In der Tat war die Zahl der von dem angeblichen Berufsverbot
    betroffenen recht gering, unter anderem deshalb, weil es nur
    Aktivisten von DKP, NPD etc. betraf, also Leute die bei Wahlen
    für diese Parteien kandidierten, Führungspositionen
    innehatten.
    Weist du, wieviele Leute davon betroffen waren, in dem sie z.B. gar nicht erst eingestellt wurden ? Kennst du einen Fall, wo ein NPD-Mensch davon betroffen war ?

    Immerhin gab es bis 1980 (wieder nach GEW) 11000 Verfahren, 2200 Disziplinarverfahren und wie erwähnt 136 Entlassungen aufgrund des Radikalenerlasses.

    Erstens hat der Europäische Gerichtshof diese Praxis für illegal erklärt,
    Das war 1995, trotzdem gibt es immer noch zwei Bundesländer, in denen der Radikalenerlass nicht abgeschafft wurde, merkwürdig oder ?

    die Betroffenen sind -soweit ich weiß- vom Staat entschädigt worden, darunter auch der verhinderte
    Briefträger.
    Da weist du mehr als ich. Quelle ?

    Zweitens hat sich herausgestellt, dass DKP-Anhänger jahrelang wichtige Post der dt. und
    US-Geheimdienste in die DDR
    geschickt haben,
    *lach*
    wie sah denn so ein Brief aus, Adresse: Dt. Geheimdienst, Absender: CIA und umgekehrt ? *hmmmpf* Drittens ist nach dem Ende der DDR entdeckt worden, dass die
    DKPler in der Bundesrepublik Deutschland eine paramilitärische
    Guerilla-Organisation unterhielten, die im Spannungsfall im
    Hinterland Sabotageakte und Anschläge verüben sollte. Darunter
    waren auch Leute, die sich jahrelang als Opfer des
    Berufsverbots präsentierten!
    Das ist eine interessante Behauptung. Quelle ?

    Gruss
    Marion

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re: DDR-Exporte: Dumping!

      Hallo Frank LÜGE 1: Naja, die hat doch nicht wirklich irgendjemand geglaubt, oder ? Obwohl, was Exportzahlen angeht, war die DDR nicht schlecht, im Vergleich mit anderen "Ostblockstaaten" sogar spitze. Nur hatten die Leute im eigenen Land da natürlich herzlich wenig davon. Ich glaube, es war vor der Wiedervereinigung einfacher, in der BRD ein Bügeleisen zu kaufen, das in der DDR hergestellt wurde, als in der DDR.
      Gruss
      Marion
      Hallo Marion!
      Da muß ich Dich aber leider enttäuschen! Die DDR hatte gerade hier im Raum Köln/Bonn unglaublich viele Anhänger und Fans.
      Ich kann mich an genügend Diskussionen erinnern, wo mich Leute ernsthaft davon überzeugen wollten, dass die DDR das bessere Deutschland sei, dass die DDR nicht nur antifaschistisch, sondern auch ökologisch und ökonomisch ganz weit vorn läge, dass es den Arbeitern in der BRD per saldo besser ginge als im Westen.
      Und die Sache mit dem ökonomischen Erfolg der DDR stand früher jedes Jahr mehrmals in der Zeitung. Das alte GEO-Heft "DDR" erwähnte ich ja schon.
      Der Erfolg der DDR im Export beruhte allein auf Dumping, d.h. der Quelle-Katalog war voll mit DDR-Erzeugnissen (díe bis zur Einführung der Mikro-Elektrik auch bei Haushaltsgeräten gar nicht so schlecht waren, z.B. Kameras!), die alle zu Preisen unter den Erzeugungskosten (z.B: Öl-Preis!) verschleudert wurden. Wohin das am Ende führt haben wir ja miterlebt.
      Kurz gesagt: Ich kann Usbekistan oder Kasachstan in Kürze zur weltweit führenden Export-Nation machen, wenn ich Endprodukte, die mich in der Erzeugung 100 US-$ kosten, für 50 US-§ verschleudere. Es ist bloß die Frage wie lange ein Staat sowas durchhält!
      mfg frank

      • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
        Re^2: DDR-Exporte: Dumping!

        Hallo Frank :-)
        Da muß ich Dich aber leider enttäuschen! Die DDR hatte gerade
        hier im Raum Köln/Bonn unglaublich viele Anhänger und Fans.
        Ich kann mich an genügend Diskussionen erinnern, wo mich Leute
        ernsthaft davon überzeugen wollten, dass die DDR das bessere
        Deutschland sei, dass die DDR nicht nur antifaschistisch,
        sondern auch ökologisch und ökonomisch ganz weit vorn läge,
        dass es den Arbeitern in der BRD per saldo besser ginge als im
        Westen.
        Das kann ich ja fast nicht glauben, zumindest was das ökonomische angeht. Da hat doch ein Tagesbesuch in Ostberlin gereicht, um zu sehen, was diesbezüglich da los war, oder nicht ? Man hatte dort doch schon Probleme, sein paar Mark Umtauschgeld loszuwerden. Der Erfolg der DDR im Export beruhte allein auf Dumping, d.h.
        der Quelle-Katalog war voll mit DDR-Erzeugnissen (díe bis zur
        Einführung der Mikro-Elektrik auch bei Haushaltsgeräten gar
        nicht so schlecht waren, z.B. Kameras!), die alle zu Preisen
        unter den Erzeugungskosten (z.B: Öl-Preis!) verschleudert
        wurden. Wohin das am Ende führt haben wir ja miterlebt.
        Ja klar, aber die DDR war eben wie die meisten Ostblockstaaten auf Devisen angewiesen, um z.B. Öl zu importieren. Dass die Weststaaten diese Marktmacht ausgenutzt haben, kann man ja nicht der DDR anlasten, oder ? Ich wette, die hätten ihre Bügeleisen auch lieber im eigenen Land verkauft. Durch diese "terms of trade" werden heutzutage übrigens immer noch zig Länder in Armut gehalten.

        liebe Grüsse
        Marion



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