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Re: 598 Bundestagsabgeordnete
hallo marc,
im 13. bundestag (also dem letzten) waren 205 von 672 abgeordnete zum ersten mal dabei. d.h. es schieden 195 aus (10 sitze kamen hinzu wg. überhangmandaten). das durchschnittsalter betrug 49,3 jahre und insofern kann man kaum von frührentnern sprechen. zumal alle einen ursprüngl. beruf haben. zumeist anwalt o.ä.
(aus "kürschners volkshandbuch - deutscher bundestag", ndv 1997)
die mutter einer sehr guten freundin von mir ist bundestagsabgeordnete. seitdem regierung und parlament nach berlin gezogen sind, habe ich einiges interessantes erfahren können.
zunächst zu der anzahl der abgeordneten: jeder abgeordnete muss seinen wahlkreis repräsentieren. d.h. er vertritt ca. 120.000 bürger. eine reduzierung wird irgendwann nicht mehr vertretbar, da der aufwand für wahlkampf und öffentlichkeitsarbeit zu groß wird. man muss mit seinen wählern in kontakt stehen um ein guter politiker zu sein und um wiedergewählt zu werden.
das erscheinen im bundestag ist einer der unwichtigsten punkte bei der arbeit eines politikers. bundestagsdebatten sind pure öffentlichkeitsarbeit und hin und wieder abstimmungen über gesetze etc (das ist wichtig). auch dabei ist es nicht notwendig, das alle da sind. warum soll ein gesundheitsexperte zwingend über die rechtliche umsetzung der EU-Datenschutzrichtlinie abstimmen? geht es um wichtiges sind schon aus kalül alle da, sonst hat die opposition mehr abgeordnete (kommt vor).
jeder MdB sitzt in einer Arbeitsgruppe für die er gewissermaßen experte ist. diese gruppen dirigieren die regierungs- u. parlamentsarbeit. gesundheitsreformen müssen geplant werden, modelle berechnet und verglichen, vorherige reformen auf ihre auswirkungen untersucht, lobbies gehört und überzeugt werden. von alldem bekommt der bürger natürlich weniger mit als vond er anwesenheit im bundestag. aber es ist die eigentliche tagtägliche arbeit.
um ein weiteres vorurteil auszuräumen: die neuen regierungsanlagen in berlin sind sehr bescheiden. bundeskanzleramt und reichstag dienen der repräsentation, aber die büros der partein und der bundestagsabgeordneten sind schlicht, funktionell und bescheiden. sehr bescheiden.
viele der sog. verschwendungen (z.b der gern besungene bundestagskindergarten für die kinder der büroangestellten, nicht der MdB's. deren kinder wohnen im wahlkreis nicht in berlin) waren keine pläne der letzten bundesregierung sondern z.B. des landes berlins. die wollten keinen kindergarten bezahlen.
so, das wollte ich mal gesagt haben.
übrigens kann ich auch sagen, daß ich ein wesentlich höheres vertrauen und einen größeren respekt vor dieser arbeit habe, seit ich die bundestagsabgeordnete kenne.
(gesundheitsausschuß)
und das spricht vielleicht für die politik.
tschüss,
sebastian