Julia in Singapur

Von: , Frage gestellt am Di, 19. Mär 2002

Die deutschen Medien machen Wind:
Eine deutsche in Singapur kurz vor der Todesstrafe. SKANDAL.
Habt Ihr das gesehen, gelesen?
Also ich finde die Berichterstattung, mit Verlaub, zum Kotzen.

Ein paar Dinge vorab:
- Ich bin gegen die Todesstrafe
- Ich bin dagegen, dass die USA Ihre Gesetze in aller Welt, notfalls mit Gewalt, durchsetzen will
- Wir erwarten von den Auslaendern sich hier zu integrieren und sich an unsere Gesetze zu halten.
- Ich habe 2 Jahre in Singapur gelebt

In Singapur ist bekannt, dass der Besitz von Rauschgift jedweder Form mit der Todesstrafe belegt wird. Gandenlos. Jeder weiss das. Es ist also nicht Neues.
Es ist bekannt, dass Singapur keine Demokratie ist (sie nennen es guided democracy).
Es ist nicht einfach in Singapur an Drogen zu kommen. Es ist nicht wie in D (Frankfurt) oder Amsterdam oder anderer asiatischer Laender. Wegen der hohen Strafe braucht man schon eine Menge krimineller Energie, um in den Besitz von solchen Mengen (6xx Gramm Hasch, 60 Pillen Ectasy) zu kommen. Die fallen einen nicht in den Schoss.
Der Freund, der Julia angeblich dort reingeritten haben soll und der natuerlich Schuld ist:
Es hat sie niemand gezwungen, mit diesem Freund zusammen zu leben. Und wenn, dann wusste sie sicherlich auch, was er trieb und wo er sich aufhielt. Welchen Umgang er pflegte. In einem Land wie Singapur sollte man dann eben etwas waehlerischer sein, was den Umgang angeht.
D.h.: Ich finde es voll OK, wenn Singapur seine Gesetze anwendet und wir haben nicht das Recht, unsere Gesetze auf Singapur zu projizieren. Wer dort als Auslaender lebt ist ein Gast und hat sich an die dortigen Gestze zu halten. Und wenn das Gesetz sagt, Drogenbesitzt bedeutet Todesstrafe, dann so be it.

132 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Julia in Singapur

    Mahlzeit!

    Ein Blick in unsere Zeitungen: Politiker, die sich als bezahlbar, bestechlich, geschmiert, schwach, gierig heraus stellten. Staatsanwälte, für die einer etwas gleicher als der andere ist. Richter, die noch irgendwo einer bezahlten Nebenbeschäftigung nachgehen. Wer will solchen Menschen, irrend und von allen möglichen Dingen beeinflußt wie jeder andere, die Gewalt über das Leben in die Hand geben? Politik und Justiz in Singapur werden nicht besser sein, eben im Zweifel bezahlbar und geschmiert, blind gegenüber Argumenten und Beweisen oder auch einfach nur strunzdumm.

    Das ist nur eines von vielen Argumenten gegen die Todesstrafe, wo auch immer und gegen wen auch immer sie praktiziert wird. Auch wenn das Mädchen in Singapur bodenlos dumm gehandelt haben sollte und das Risiko kennen mußte, gibt es keinen Grund, sich darauf zurück zu ziehen. Es muß alles getan und versucht werden, um sie vor dem Galgen zu retten.

    Gruß
    Wolfgang

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Julia in Singapur

      Mahlzeit!

      Ein Blick in unsere Zeitungen: Politiker, die sich als
      bezahlbar, bestechlich, geschmiert, schwach, gierig heraus
      stellten. Staatsanwälte, für die einer etwas gleicher als der
      andere ist. Richter, die noch irgendwo einer bezahlten
      Nebenbeschäftigung nachgehen. Wer will solchen Menschen,
      irrend und von allen möglichen Dingen beeinflußt wie jeder
      andere, die Gewalt über das Leben in die Hand geben? Politik
      und Justiz in Singapur werden nicht besser sein, eben im
      Zweifel bezahlbar und geschmiert, blind gegenüber Argumenten
      und Beweisen oder auch einfach nur strunzdumm.

      Das ist nur eines von vielen Argumenten gegen die Todesstrafe,
      wo auch immer und gegen wen auch immer sie praktiziert wird.
      Auch wenn das Mädchen in Singapur bodenlos dumm gehandelt
      haben sollte und das Risiko kennen mußte, gibt es keinen
      Grund, sich darauf zurück zu ziehen. Es muß alles getan und
      versucht werden, um sie vor dem Galgen zu retten.
      NEIN

  2. Antwort von nach 13 Minuten hilfreich
    Re: Julia in Singapur

    Hallo Unbekannt 2001 (Dies ist eine Anrede, tut nicht weh!)

    Ich gebe Dir voll und ganz recht. Die gleichen Medien, die jetzt über das acht so arme Mädchen lamentieren, setzen sich sonst auch immer für Law and Order ein.

    Wenn sie in Singapore mit Drogen zu tun hat, ist sie selber schuld.

    Wir verbitten uns auch die Einmischung von islamischen Staaten in unsere inneren Angelegenheiten, wenn diese kritisieren, dass unsere Lehrerinnen keine Kopftücher tragen dürfen.

    Gruss (Tut auch nicht weh!)
    CrNiMo

    • Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
      Re^2: Julia in Singapur Drogen untergeschoben?

      Ich habe nicht den ganzen langen thread durchgelesen und weiß deshalb nicht, ob schon jemand meine Gedanken ausgesprochen hat.
      Ich erinnere mich, daß vor langer Zeit eine junge Frau auf einem Londoner Flughafen mit einer Bombe in ihrem Fluggepäck aufgegriffen wurde. Sie wußte davon nichts!! Ihr "Freund" wollte sie loswerden und hat ihr die Bombe ins Gepäck geschmuggelt.
      Könnte es nicht auch sein, daß ein beförderungsgeiler Polizist der Julia die Drogen untergeschoben hat?

      • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
        Re^3: Julia in Singapur Drogen untergeschoben?

        Könnte es nicht auch sein, daß ein beförderungsgeiler Polizist
        der Julia die Drogen untergeschoben hat?
        Bei ihr wurden auch im Urin Drogenrückstände gefunden sie hat also auch selbst konsumiert.
        Eine Unterschiebungsaktion erscheint mir daher unwahrscheinlich.

        [Quelle: compuserve news-nur so gerade beim Emailchecken durchgelesen]

        SAn

  3. Antwort von nach 46 Minuten hilfreich
    Re: Julia in Singapur

    Hi!

    So schlimm dieser Fall auch ist. Das Mädel lebte seit Jahren in Singapur und wusste ganz genau, wie dort die Bestrafungen aussehen.
    Sie ist also, so hart es klingt, nach den Landesgesetzen schuldig.

    Ich persönlich denke, dass in gewissen Fällen die Todesstrafe gar nicht mal so unangebracht wäre. In diesem Fall ist sie das m.E. jedoch nicht. Nur interessiert das in Singapur keinen und auch der Deutsche hat sich im Ausland den jeweiligen Gepflogenheiten anzupassen.

    Grüße,

    Mathias

  4. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: Julia in Singapur

    Es kommt darauf an, was Du kritisierst.

    Die deutschen Medien? Richtig, die kann man kritisieren. Da schließe ich mich den anderen an. Julia wusste, was sie tat, wenn sie es tat.

    Andererseits zeigt dieser Aufschrei, wie sehr die Deutschen gegen die Todesstrafe sind. Jedenfalls in solchen Fällen. Das ist schon beruhigend.

    Die deutsche Regierung? Sie hat eine Schutzpflicht für Deutsche im Ausland. Weiß nicht, wo das steht. Wäre mal interessant zu erfahren, wo das steht. Weiß das einer? Jedenfalls wird diese Schutzpflicht in solchen Fällen immer wieder angemahnt.
    Und solange Deutschland Julia nur Rechtsbeistand leistet, eventuell mit Singapur um Auslieferung und eine Verurteilung in Deutschland verhandelt, hat da ja auch keiner etwas gegen einzuwenden. Noch nicht einmal Singapur selbst.

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Schutzpflicht

      Die deutsche Regierung? Sie hat eine Schutzpflicht für
      Deutsche im Ausland. Weiß nicht, wo das steht. Wäre mal
      interessant zu erfahren, wo das steht. Weiß das einer?
      Eine explizite Schutzpflicht war in der Reichsverfassung von 1871 (Art. 189: "Jeder deutsche Staatsbürger in der Fremde steht unter dem Schutz des Reiches.") und in der Weimarer Verfassung (Art. 112 (2): "Dem Ausland gegenüber haben alle Reichsangehörigen innerhalb und außerhalb des Reichsgebietes Anspruch auf den Schutz des Reiches.") festgelegt.

      Im Grundgesetz gibt es keine derartige Formulierung, jedoch wird vielfach aus Art. 1 (2) (Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. und Art. 16 (2) (Kein Deutscher darf an das Ausland ausgeliefert werden.) eine derartige Schutzpflicht abgeleitet.

      Gruß
      Christian



      Jedenfalls wird diese Schutzpflicht in solchen Fällen immer
      wieder angemahnt.
      Und solange Deutschland Julia nur Rechtsbeistand leistet,
      eventuell mit Singapur um Auslieferung und eine Verurteilung
      in Deutschland verhandelt, hat da ja auch keiner etwas gegen
      einzuwenden. Noch nicht einmal Singapur selbst.

  5. Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
    Re: Julia in Singapur

    Hallo Unbekannt,

    ich finde, Du widersprichst Dir selbst ein wenig. Einerseits bist Du "gegen die Todesstrafe", plädierst aber vehement für die volle Anerkennung der Rechte Singapurs...

    Jedenfalls: Ich denke, im Zweifel für die Angeklagte, oder? Schließlich kann es ja auch sein, dass man ihr diese ganze "Geschichte" untergeschoben hat (von ihrem Freund?). Das kann sie ja nun wirklich nicht voraussehen. Schlimmstenfalls wäre sie naiv gewesen, doch das geht wohl zu weit, über ihren, Julias, Charakter hier zu spekulieren.

    Ich sehe jedenfalls mit Genugtuung, dass sich die Bundesregierung dahingehend stark gemacht hat, dass Singapur den Fall noch einmal gründlichst untersuchen will. Stand jedenfalls in der heutigen (seriösen) Presse. Warten wir es ab.

    Sollte sie tatsächlich zum Tode verurteilt werden, dann fände ich es dennoch traurig. Dennoch akzeptiere ich fremde Länder und fremde Sitten.

    Übrigens: Die deutschen Auslandsvertretungen haben sich "auf die Fahnen geschrieben" die Rechte deutscher Bürger im Ausland zu vertreten. Lies mal auf der Homepage des Auswärtigen Amtes nach (http://www.auswaertiges-amt.de). Das ist ja wohl wirklich nur positiv zu werten. Da gibt es rein gar nichts dran zu rütteln.

    Bis bald
    Jana



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