EU als moralische Institution?

Von: , Frage gestellt am Di, 1. Feb 2000

Welcher Teufel, um Gottes Willen, reitet die 14 EU-Länder ohne Österreich, dass sie dem Alpenland und EU-Mitglied Austria ohne vorherige Absprache vorschreiben wollen, wer mit wem eine Regierung bilden dürfe, resp. dass der "bilaterale Dialog" zwischen Brüssel und Österreich entfallen würde, falls die Haider-Partei an der Regierung in Wien beteiligt werde.

Nicht nur in Österreich empören sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über diese Anmassung elitärer EU-Aussenminister. Es ärgern sich notabene in Österreich und in der Schweiz auch Leute, die mit Haider nichts am Hut haben und ihn und sein Gedankengut verabscheuen. Aber Hand aufs Herz: Was hat Haider bis jetzt verbrochen? Hat er gegen ein Anti-Rassismus-Gesetz verstossen? Ist ihm die Mitgliedschaft bei einer illegalen rechtsextremen Organisation nachweisbar? (Der weltweit verfemte Staatspräsident Kurt Waldheim war immerhin ein bekannter Nazi gewesen)

Was für eine moralische Institution ist dieses "Brüssel", dass es sich anmasst, den Wienern vorzuschreiben, Haider links oder rechts liegen zu lassen? Die beiden grössten Brocken der EU, Frabkreich und Deutschland, befinden sich tief in einem Sprendensumpf, bei welchem bald niemand mehr weiss, ob nun die Franzosen dem Helmut Kohl den Wahlkampf bezahlt haben oder ob die deutsche Leuna den Präsidenten Mitterrand geschmiert hat Die Regierung in Belgien wird längst nicht mehr vom Volk getragen, sondern verdankt ihre Noch-Präsenz dem Filz der belgischen Parteien. Spanien, Schweden, Grossbritannien, Luxembourg, Holland – alle 15 Mitgliedstaaten der EU hätten genug vor ihrer eigenen Haustüre zu kehren, bevor sie ein Mitgliedsland politisch für unmündig erklären!

Wohin kämen wir, wenn die Franzosen den Deutschen vorwürfen, die Wiedervereinigung nur durch verharmlosende Zahlen und echte Fakten-Fälschungen zustande gebracht hätten. Oder die Deutschen bemängelten, dass in Paris kommunistische Minister der Regierung Jospin angehören.

Die Europäische Union ist noch lange kein politisches Einheitsstück, sondern nach wie vor ein Staatenbund, der in möglichst vielen gemeinsamen Problematiken am gleichen Strick zieht. Aber die EU ist keine moralische Institution und hat keine Legitimität, Regierungen von Mitgliedsländern zu beschimpfen, zu verunglimpfen oder gar zu verhindern, wenn sie politisch den andern nicht passt!

Bezüglich der Schweiz haben die 14 Aussenminister den bilateralen Abkommen einen Bärendienst erwiesen. Auch wenn die Schweiz dank ihrer Sonderstellung keineswegs mit Österreich verglichen werden könnte, wird jetzt in unserem Land das Misstrauen gegenüber der Verwaltung in Brüssel wieder zunehmen. Denn eines ist sicher: Wir lassen uns von Brüssel nicht unsere Souveränität nehmen. Es ist zu hoffen, dass die Bürgerinnen und Bürger der EU gleich denken und ihren unverantwortlichen Aussenpolitikern einen Denkzettel verpassen!

39 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Kleine Korrektur

    (Der weltweit
    verfemte Staatspräsident Kurt Waldheim
    war immerhin ein bekannter Nazi gewesen)
    Irrtum!
    Waldheim war definitiv weder Nazi nach Kriegsverbrecher, sondern ihm wurde diesbezüglich sogar von Simon Wiesenthal, der in diesem Zusammenhang auch mit dem WJC und anderen "zusammengekracht" ist, die "Absolution" erteilt.
    Zuletzt etwa in seinem Artikel "Das Amt und die Pflicht" in der "Sonderausgabe '2000'" (Seiten 57 f) der "Presse" vom 7.12.1999. (Übrigens sehr empfehlenswert und informativ, va hinsichtlich der Vorgänge "hinter der Vorhang".)

    Das ist nur ein weiteres Lügengebäude, dessen Architekt und Baumeister die hiesige SPÖ war.
    (Wenngleich sich Waldheim in der Angelegenheit auch nicht so verhalten hat, wie es vielleicht optimal gewesen wäre.)

    Aber sonst kann ich Dir nur 100%ig zustimmen.

    Gruß
    Patrick

    • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
      Re: Kleine Korrektur

      Hallo,

      erstens mal zur Information: Ich bin Österreicher und (noch) stolz darauf, ich bin weder rassistisch noch rechtsextrem oder ähnliches und verabscheue die FPÖ und ihren Obmann Haider.
      Also, ich bin froh, in der EU zu sein, denn sonst würde sich kein Mensch im Ausland für unsere Regierung interessieren und wir hätten schon jetzt Schwarz-Blau. Ich glaube ernsthaft, dass eine FPÖ-Regierungbeteiligung Österreich schaden würde, in welchem Zusammenhang auch immer.

      Svobi

      • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
        Re^2: Kleine Korrektur / Stimme zu ( o.T.)

        [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 7 Stunden hilfreich
        Re^2: Kleine Ergänzung

        So, jetzt haben wir den Salat !

        Meldung von ORF ON: "Nach den 14 EU-Partnern drohen jetzt auch die USA mit Sanktionen, falls die FPÖ an einer österreichischen Regierung beteiligt wird. Washington wolle dann die Beziehungen zu Österreich einer Überprüfung unterziehen und würde
        ähnliche Schritte wie die 14 EU-Staaten
        setzen, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, David Leavy, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters." Zitat Ende.

        Kommentarlos
        Svobi

        • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
          Re^3: Kleine Ergänzung

          So, jetzt haben wir den Salat !

          Meldung von ORF ON: "Nach den 14
          EU-Partnern drohen jetzt auch die USA mit
          Sanktionen, falls die FPÖ an einer
          österreichischen Regierung beteiligt
          wird. Washington wolle dann die
          Beziehungen zu Österreich einer
          Überprüfung unterziehen und würde
          ähnliche Schritte wie die 14 EU-Staaten
          setzen, sagte der Sprecher des Nationalen
          Sicherheitsrates, David Leavy, am
          Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters."
          Zitat Ende.

          Kommentarlos
          Tja, wenn Österreich sich jetzt dem Willen der anderen beugt, dann wird es also nicht mehr nur zur rückgratlosen Hure von Schröder und Chirac werden, sondern auch zum Vasallen der USA.
          Und wenn Österreich diesen Dammbruch an Interventionismus nicht zuläßt, dann wird es zum Paria der Welt.
          Schöner Salat...

          Wäre ich radikaler, würde ich jetzt "Lieber stehend sterben als knieend leben..." sagen, aber das tu ich nicht, obwohl es mir schwer fällt...

          Gruß
          Patrick

          • Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
            Re^4: Kleine Ergänzung

            Kein Land der Welt zwingt uns etwas auf. Wenn wir etwas von den USA, von der EU oder von sonst jemand haben wollen, dann müssen wir mit denen zusammenkommen. Es steht jedem Land frei, seine Beziehungen zu uns abzubrechen, weil ihm unsere Regierung oder die politische Einstellung von einem Drittel der Bevölkerung (ich denke aber, dass es weniger ist) nicht gefällt.

            Michael

            • Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
              Re^5: Kleine Ergänzung

              Und wenn Du Deine Frau, Dein Kind, gesund wiederhaben willst, dann zahle eine Million. Erpressung bleint Erpressung! [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^6: Kleine Ergänzung

              Und wenn Du Deine Frau, Dein Kind, gesund
              wiederhaben willst, dann zahle eine
              Million. Erpressung bleint Erpressung!
              "Erpressung" ist etwas hart ausgedrückt, aber grundsätzlich hast Du recht. Ich heiße die Maßnahmen der anderen Länder (nicht der EU) nicht gut, weil sie kontraproduktiv sind. Aber sie haben auf jeden Fall das Recht dazu.

              Michael

          • Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
            Re^4: Kleine Ergänzung

            Tja, wenn Österreich sich jetzt dem
            Willen der anderen beugt, dann wird es
            also nicht mehr nur zur rückgratlosen
            Hure von Schröder und Chirac werden,
            sondern auch zum Vasallen der USA.
            Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Österreich ist der EU beigetreten und hat sich dadurch freiwillig unterworfen (EU-Recht über österr. Verfassung), und wenn die Gespräche zwischen ÖVP und FPÖ abgebrochen werden, muss das nicht ein "klein beigeben" gewesen sein, sondern vielmehr das Ergebnis von innerpolitischen Verhandlungen. Ich glaube nicht, dass die Verhandlungen wegen internatioler Intervention scheitern werden, sondern weil ÖVP und FPÖ nicht miteinander klarkommen.
            Ich werde stehend überleben, denn nur weil das Ausland klar macht, mit einer österr. Regierung unter Beteiligung der FPÖ nicht zu arbeiten, heißt das lange noch nicht, dass Österreich nur brav "ja, sicher" sagt. Ich glaube übrigens nicht, dass Österreich bei Schwarz-Blau isoliert wird.

            Svobi *dernichtkleinbeigibt*



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