Aloe

Von: , Frage gestellt am Do, 3. Okt 2002

Hallo,

Ich habe vor kurzem in Namibia einen sogenannten Köcherbaumwald gesehen. In den Reiseführern liest man überall, das seien aber gar keine Bäume, sondern Aloen. Kann mir jemand erklären, was der Unterschied ist? Bzw. was eine Aloe ist?

Danke Antal

1 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
    Ein Köcherbaum ist auch eine Aloe

    Hallo Antal,
    der Köcherbaum ist auch eine Aloe, von der es mehr als 300 verschiedene Arten gibt. Aber wie du weiter unten siehst: Es ist eine Lilienpflanze und hat nur äußerlich etwas mit einem Baum gemeinsam. Und: dieser Köcherbaum hat nichts mit den bekannten Heilwirkungen der Aloe vera zu tun (am wirkungsvollsten ist die Aloe barbadensis Miller). Alles klar? Gruß Wynmuck

    Aloe dichotoma


    © 1983 Markus Kappeler / WWF Schweiz
    (erschienen im WWF-Kalender 1984, WWF Schweiz, Zürich)




    Der Köcherbaum (Aloe dichotoma) ist eine
    Charakterpflanze der Wüsten und Halbwüsten Namibias, des
    ehemaligen Südwestafrikas. Bis zu zehn Meter hoch und
    über einen Meter dick wird der massige Baum mit seinem
    kandelaberartigen Aussehen. «Köcherbaum» heißt dieser
    Vertreter aus der Familie der Liliengewächse, weil die
    Buschmänner- die Ureinwohner der Trockengebiete im
    südlichen Afrika - seine Äste aushöhlen und als Behälter
    für ihre Jagdpfeile benützen.

    Einzelstehende Köcherbäume trifft man in ganz Namibia an.
    Aber nur bei Keetmanshoop, am Rand der Kalahari-Wüste,
    treten sie zu einem größeren, dichteren Bestand zusammen.
    Zwar verdient er kaum den Namen «Wald», aber immerhin
    sind in dieser Gegend über eine eindrucksvolle
    Felstrümmer-Landschaft Zehntausende der urweltlich
    aussehenden Bäume verstreut.

    Köcherbäume sind Überlebenskünstler. Sie gehören zu jenen
    bizarren Lebewesen, die sich als Wohnstätte ausgerechnet
    das lebensfeindliche Extrembiotop «Wüste» ausgesucht
    haben. Hier kann nur überleben, wer spezielle Fähigkeiten
    zur Bewältigung der scheinbar unerträglichen
    Wasserknappheit entwickelt hat. «Sukkulenz» (von lat.
    «succus» = Saft) heißt ein mögliches Überlebensprinzip,
    «Sukkulenten» oder «Fettpflanzen» diejenigen Gewächse,
    die sich dieses Prinzips bedienen. Zu ihnen gehört auch der
    Koecherbaum. Seine dicken, fleischigen Blätter und sein
    voluminöser Stamm sind mit einem speziellen,
    wasserspeichernden Zellgewebe ausgestattet, das dem
    Baum in Trockenzeiten als lebenswichtiges Reservoir dient.
    Während der kurzen jährlichen Regenperioden sammelt und
    speichert die Pflanze innert kürzester Zeit soviel Wasser
    in diesem Spezialgewebe, daß sie auch die längsten Dürren
    schadlos überdauern kann. Im weiteren sind die Blätter des
    Köcherbaums mit einer dicken, wasserundurchlässigen
    Oberhaut versehen und besitzen vollständig verschließbare
    Blattporen. Diese zusätzlichen Einrichtungen tragen dazu
    bei, den Wasserverlust der Pflanze durch Verdunstung auf
    ein Minimum zu reduzieren.

    «Die Wüste lebt» betitelte Walt Disney treffend seinen
    berühmten Naturfilm. Tatsächlich gibt es in der Tier- und
    Pflanzenwelt eine erstaunlich große Zahl von Geschöpfen,
    die zu hoch spezialisierten Wüstenbewohnern geworden
    sind. Sie alle haben das Problem der Wasserknappheit auf
    die eine oder andere - oft geniale - Weise gelöst und sich
    so perfekt an ihren unwirtlichen Lebensraum angepaßt. Sie
    alle sind markante Beispiele für die wundervolle,
    unfaßbare Formenvielfalt des Lebens auf unserem Planeten.
    Der Köcherbaum ist eines davon.

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