Kirschbäume formatieren

Unfälle beim Kirschenpflücken.

Vor einigen Jahren las ich in der Landwirtschaftszeitung „Die Grüne“, dass jährlich beim Kirschenpflücken in der CH durch Unfälle 9-10
Querschnittsfälle entstehen.
Die Ursache habe ich als langjähriger Baumpfleger, eingehend studiert und
bin zur Einsicht gekommen, dass in der ganzen Schweiz Hochstamm-Kirschbäume falsch, oder vernachlässigt gepflegt werden. Unfälle sind vorprogrammiert und könnten mit wenig Aufwand verhindert werden.

Kirschbäume haben im Gegensatz zu Apfelbäumen einen starken „Zentrumswuchs“ und wachsen in der Natur ohne Formatierung , gleich wie eine Fichte oder Tanne.

Aus der Baumschule erhält man Jungbäume mit 4 Leitästen und Mitteltrieb. Nach dem Pflanzen wird noch einige Jahre gepflegt d.h. formatiert, anschliessend schiessen die Bäume in die „Höhe“. Die Leitäste verzweigen sich , diese Zweige schiessen ebenfalls in die Höhe.
Nach einigen Jahren entsteht aus schwachen Aesten eine dichte, kugelförmige Krone.
Die Leitern werden zum Pflücken an diese „Laubkugeln“ angestellt ohne eine sichtbare Anstellmöglichkeit einzusehen. Man wundert sich dann, wenn man auf dem Rücken liegend die Sterne zählen kann.

Mit wenig Aufwand könnte man all diese Unfälle vermeiden wenn Bäume wie folgt formatiert und umgebaut werden.

Junge Bäume ab Baumschule;

Mitteltrieb entfernen, drei Leitäste zu einer „Hohlkrone“ (nach N.Gaucher 1888) formatieren.
Vorteil:
von einem Standpunkt aus kann die Leiter von „Innen“ an alle Leitäste sichtbar angestellt und gesichert werden.
Vogelschutznetze fördern zuzsätzlichen „Breitwuchs“ und Ertrag, erst 3 Wochen nach Ernte entfernen (damit Jungtriebe gebogen nach unten wachsen)

Alte Bäume;
Erfahrungsgemäss ertragen Kirschbäume ohne Schaden Rückschnitte der Kronen bis min 50%
Um auf eine Hohlkrone umzustellen, muss der Mitteltrieb bis auf ca. 2m nach Ansatzstelle entfernt werden
(schräger, steiler Schnitt)
4 Leitäste zur Hälfte auf flachen Seitenast ableiten, alle steilstehenden Seitenäste ganz entfernen.
Vorteilhaft ist es wenn bei der Ernte erstmals teilweise heruntergeschnitten wird (Pflücken am Boden) nachträglich Korrekturschnitt im Winter.

Gruss
Fritz
a.d.Uw.

jährlich beim Kirschenpflücken in der CH durch Unfälle 9-10
Querschnittsfälle entstehen.

Hallo, Fritz,
da hast Du sicher recht.
Ich habe Deine Vorschläge mal mit meinem Schwiegervater diskutiert und er stimmt Dir völlig zu.

Allerdings gab er mir zu bedenken, dass im Erwerbsobstbau das ja weitgehend so gemacht wird. Die Probleme und die Unfallgefahr entsteht wohl mehr bei dem einzelnen Kirschbaum im Garten, wenn der ansonsten Ungeübte die zwei oder drei Körbli Kirschen aberntet. Und gerade bei diesen Bäumen sieht es ja mit dem Schnitt oft gar grauslig aus. Wenn überhaupt, wird halt abgeschnitten, was im Weg ist, oder es wird unterlassen nach dem Motto: Wenn es mehr Zweige hat, können auch mehr Kirschen hängen.

Genauso geht es mit den Zwetschgenbäumen, die ja noch sperriger wachsen als die Kirschen.

Fazit also, Deine sehr richtigen und beherzigenswerten Überlegungen werden wohl gerade da, wo sie nützen könnten am wenigsten umgesetzt.
Eigentlich schade.

Grüße
Eckard.