Rhabarber, zweite Ernte

Liebe ExpertInnen,

nachdem der Rhabarber abgeerntet war, haben zwei von drei Stöcken nochmal getrieben. Unser Omma sacht nu, die zweite Ernte könne / dürfe / solle man nicht essen, weiß aber keinen Grund anzugeben - könnte giftig sein, vermutet sie. Müssen die tollen Stengel wirklich auf den Kompost? Wer weiß was?

Danke für jede Antwort!

Hallo,

ich habe gestern auch vor unserem Rhabarber gestanden und hatte wohl die gleichen Gedanken wie du.

Meine Oma sagte immer, dass man Rhabarber nur so lange ernten soll bis die ersten Kirschen rot werden.
Grund für dieses Vorgehen soll der immer höherer Oxalsäurewert des Rhabarbers sein. Oxalsäure verursacht Magenbeschwerden. Bei der Weinbereitung wird die Säure mit Kalk ausgefällt. Wie es mit der Oxalsäure bei dem neuen Austrieb ist, kann ich nicht sagen.

Allerding sollte man bedenken, dass durch eine zu intensive Ernte der Wurzelstock leiden könnte. Schließlich braucht er Kraft für den Austrieb im Frühjahr.

Ich gebe die Stängel nicht auf den Kompost, sondern lasse sie am Stock welken.

Viele Grüße

Utemaus

Hallo Drambeldier,
soweit ich weiss, ernet man den Rhabarber auch etwas bis Johanni (wioe den Spargel), danach gönnt man ihm eine Erholungs/Regenerationsphase. er soll ja mit seinen Blättern auch noch assimiolieren können, seine Knolle weiter ausbilden und Reserven anlegen können dürfen. Ab gesehen davon, enthält er mit zunehmendem Alter (in der jeweiligen Vegetationsperiode) Oxalsäure, die schädlich sein soll. Das Thema hatte wir schon mal, evtl. im Kochen-und-Rezepte-Brett. Bezüglich Oxalsäure findest Du sicher auch was im internet.

Lass die Blätter dran, damit er gedeihen kann (s.o.); von Zwiebelgewächsen schneidet man nach der Blüte die Blätter ja auch nicht ab, sondert wartet, bis sie verwelken, denn die Pflanzen brauchen ja die Blätter, um ihre zwiebeln mit Nährstoffen/Reserven für die Überdauerung(-winterung) zu füllen.
Gruss,
K’K

Hi Ralf,

wie Utemaus schon schrieb, steigt im Verlauf des Jahres der Gehalt an Oxalsäure und die ist in größeren Mengen nicht gesundheitsfördernd. Zudem wird der Geschmack nicht besser, ich krieg sowieso schnell von Rhabarber ein stumpfes Gefühl auf den Zähnen.

Als Lostag wird normalerweise Johanni (24.06.) angegeben, danach sollte nicht mehr geerntet werden.

Das Du die Wurzel damit schonst kann sicher auch ein Grund sein.

Gandalf

Hallo drambeldier,

wir hielten uns auch all die Jahre an diesen 24. Juni als „Cut off“ für die Rhabarberernte.

Es stimmt, dass sich der Oxalsäuregehalt im Laufe einer Vegetationsperiode steigert.
Oxalsäure bindet im Verdauungstrakt das Nahrungscalcium (Chelatbildung), sodass man eine Unterversorgung des Organismus mit Calcium befürchtete.
Aber, wer nur hin und wieder mal Rhabarber isst, der wird deshalb noch lange keinen Mangel an Calcium erleiden.

Es stimmt auch, dass Oxalsäure besonders bei Menschen, die zu wenig trinken, die Nierensteinbildung fördert. Patienten mit Niereninsuffizienz, Rheuma, Arthritis, Gicht, empfindlichem Magen und Darm; sehr kleine Kinder und Schwangere sollten grundsätzlich keinen Rhabarber essen, während der Rest der Bevölkerung auch bei einer Ernte nach dem 24.6., wie man heute weiß, keine Schäden, wie z. B. Osteoporose, erleidet.
Ausreichende und regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme schützt vor Nierensteinbildung, vor allem wenn Spinat, Sauerampfer, Mangold, Schokolade, Rhabarber und Co. verzehrt werden!
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass in den Zeiten, als der Johannestag (Namenstag) im damaligen Volksglauben von einer späteren Rhabarberernte abriet, grundsätzlich zu wenig getrunken wurde. Man kritisierte sogar die Kinder, wenn sie Wasser tranken im irrigen Glauben, dies sei ungesund - die Folgen waren vielfältig. Im Zusammenspiel mit reichlich Rhabarberverzehr bildeten sich in diesem Fall sogar Nierensteine.

Hier ist eine Seite, die wunderbar beschreibt, wie man u. a. den Oxalsäuregehalt des Rhabarbers, etwa durch gleichzeitigen Verzehr von Milchprodukten, neutralisieren kann, Stengel gut schälen, Blätter sind stark oxalsäurehaltig und daher giftig - und die auch überzeugend wiedergibt, dass ein moderater Rhabarberverzehr auch nach dem „magischen Datum“ niemand umzubringen vermag (vorsicht aber bei den erwähnten Risikogruppen):

http://www.infodienst-mlr.bwl.de/ernaehrung/lebensmi…

Es versteht sich von selbst, dass man der Pflanze nicht das letzte Blatt raubt, damit sie wie bereits unten gesagt, assimilieren kann. Sie benötigt auf jeden Fall eine ausreichende Ruhepause, um im nächsten Jahr wieder ertragreich zu sein.

Gruß, Renate

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