Pflanzen züchten / kreuzen?

Hallo!
Ich möchte im Rahmen einer „Natur-AG“ mit ein paar Kindern Pflanzen züchten oder sogar kreuzen.
Die Idee kam von den Kindern, nur habe ich von so etwas leider gar keine Ahnung.
Wichtig ist, dass das Unterfangen nicht teuer, am besten noch sehr billig, sein darf, da ich auf Finanzierung des Trägers der Einrichtung, in der ich arbeite, angewiesen bin. Und die sind da eher knauserig…
Also, meine Frage: Welche Pflanzen lassen sich leicht züchten?
Die Pflege darf schon etwas aufwendiger sein. Bloß viel Licht dürfen sie nicht brauchen, weil ja jetzt Winter ist… oder wie macht man das dann?
Welche Pflanzen kann man miteinander kreuzen und wie??
Welche lustigen Experimente kann man mit Pflanzen machen??
Vielen Dank für die Antworten!
Galli

Hallo Galli,

falls dir englische Webseiten kein Greuel sind und du ein wenig Ahnung von Genetik hast, dann kann ich ein Projekt mit den Oregon Wolfe Barleys sehr empfehlen. Geeignet ist das Projekt für Schüler ab der Mittelstufe (ca. 9. oder 10. Klasse).

http://barleyworld.org/owbs.html

Man kann dort kostenfrei kleine Mengen Saatgut von Gerste bestellen. Eine Beschreibung zum Versuch und zur Anzucht der Pflanzen ist auch auf der Seite zu finden. Mit dem Material läßt sich ganz wunderbar Genetik demonstrieren. Eigentlich ist es dazu gedacht in einer nach Mendelschen Regelen aufspaltenden Kreuzungsnachkommenschaft (in diesem Fall sogenannte doppelhaploide Linien) von zwei unterschiedlichen Elternlinien die Spaltungsverhältnisse für verschiedene morphologische Merkmale zu verfolgen.

Die Anzucht der Gerste geschieht am besten in Töpfen (ca. 10x10x10 cm) in normaler Erde. Ein bißchen Platz im Garten sollte man natürlich haben. Und ein bißchen Geduld, denn bis die Pflanzen blühen und man selber kreuzen kann dauert es etwa 3 Monate. Idealerweise sät man das Saatgut im Frühjahr (Ende März, Anfang April) aus. Tja, und dann kann man im Sommer als das Kreuzungssaatgut (also die F1-Körner) ernten. Die sät man dann wieder aus. Nach Mendel ist die F1 uniform. Nun ‚zwingt‘ man die F1-Pflanze zur Selbstung indem man ihr zum Beispiel eine Tüte über die Ähre setzt, damit keine Fremdbefruchtung stattfindet (kann bei Gerste, die eher zu Selbstbefruchtung neigt eventuell auch entfallen). Dann erntet man wieder und sät erneut aus. Nun hat man eine aufspaltende F2-Population vor sich, in der man wunderbar beobachten kann, was da so alles vor sich ‚hinmendelt‘ :wink:

Du merkst schon… Pflanzenzüchtung ist eine langwierige Sache. Bis ein Getreidezüchter eine neue Sorte mit verbesserten Eigenschaften auf den Markt bringen kann dauert es meist 10-12 Jahre. Nicht alles, was bei so einer Kreuzung herauskommt hat die erwünschten Eigenschaften. Und so besteht die Aufgabe des Züchters in der Schaffung neuer Vriation, der Neukombination von Eigenschaften, der Prüfung der Nachkommen… und vor allem aus Wegwerfen.

Ah ja, und das Kreuzen ist nicht ganz trivial. Aber das gilt nicht nur für Gerste sondern für viele Pflanzen. Geduld, eine gute Feinmotorik, feine Pinzetten zur Entfernung der Staubbeutel und vor allem Kenntnisse über die Blühbiologie sind schon nötig. Falls du dich für die Gerste entscheiden solltest, dann kann ich dir vielleicht noch ein paar Tips geben.

Viel Erfolg!
Eva