Garten neu anlegen - wie vorgehen?

Hallo Experten,

auf unserem Grundstück wird ein Garten neu angelegt. Hilfe, wie fange ich da an? Nicht dass mir die Fanatasie zur Gartengestaltung fehlt. Es geht um den Boden. Wir haben ekelhaften Lehm im Garten, fest und schmierig. Mann kann sogar Männchen draus kneten. Sand ist auch dabei. Die Humus-Schicht ist gerade mal ca. 50 cm dick, wenn überhaupt. Durch die Bauarbeiten ist alles durcheinandergewühlt; allerding sind grobe Formen (Terrasse etc.) schon angelegt. Was tu ich jetzt? Humus herbeikarren? Alles lassen bis zum Frühjahr? Wächst denn überhaupt was auf der Lehmpampe? Hilfe.

Ratlos
Anni

Hallo Anna,

zuerst kurz was - meine persönliche Meinung - gar nicht ratsam ist: Nämlich mechanische „Bodenverbesserung“ durch Ein-/Aufbringen von Torf, Mutterboden, im schlimmsten Falle Sand etc. Auf einem nassen tonigen Lehmboden erzeugt schon eine Schubkarre - wenn damit die benötigten Tonnen Substrat transportiert werden und man entsprechend oft herumfährt - Verdichtungen im Porenbereich, die Dir lange Jahre Staunässe bescheren können, mit der Du viel Kummer haben wirst.

So, und jetzt paar Vorschläge:

(1) Bodenuntersuchung auf pH-Wert (wichtig!), Nährstoffe (wenigstens N-P-K), vielleicht Korngrößenstruktur (wenn Du den Aufwand treiben magst - im Bereich Ton-Lehm täuscht man sich von Hand schnell). Wie Du die Proben ziehst, sag ich Dir auf Anfrage per e-mail. Adressen hierzu findest Du auf der sehr schönen Seite http://www.stmlf.bayern.de . Die ist insgesamt gut zum Stöbern und nicht durch Reklameinteressen beeinträchtigt. Wenn alles Steuergeld so gut angelegt wäre wie dort…

(2) In Abhängigkeit von den Ergebnissen noch im November, falls zu nass oder Schnee geht auch zeitiges Frühjahr: Aufkalken, falls der Boden sauer ist. Im Voralpenraum unwahrscheinlich, aber wissen ist besser.

(3) Grundlage für Humuswirtschaft schaffen. Wurzeln und Regenwürmer leisten beim „Umgraben“ viel schneller viel mehr als man von Hand tun kann. Auch wenn die Nachbarn maulen: Für 2004 Brache unter Phazelia und Ackerbohnen. Beide kommen mit dichten Böden zurecht, durchwurzeln hervorragend und machen Dir schon nach einer Saison eine - den Umständen entsprechend - recht gute Bodengare (Durchwurzelung, Beschattung, Schutz vor unmittelbar auftreffendem Regen). Künftige oder provisorische Wege ab Anfang März mit Rindenmulch & Weißklee-Einsaat anlegen. Versiegeln kannst Du sie später immer noch.

(4) Wenn es nicht zu nass wird in den kommenden Wochen, kannst Du mit Umgraben schon ein bisschen vorbereiten. Vorsicht, Motorfräsen machen eine optisch schöne Oberfläche, die scheinbar auch „locker“ aussieht, aber richten im Mikrobereich furchtbare Verdichtungen an. Umgraben von Hand mit Grabgabel (Spaten verdichtet und verbraucht sinnlos Körperkraft), grobschollig liegen lassen - Frostgare bringt für die Grünbrache 2004 schon mal ein etwas besseres Saatbett. Zum Anfüttern Deiner künftigen Regenwurmpopulation ein bis zwei Zentimeter Kompost (kann ruhig ein billiger aus kommunalem Kompostwerk sein; ich denke, Minga hat eines, kannst Du bei der Stadt erfragen) nach dem Umgraben oberflächlich verteilen, nicht einarbeiten, damit die Schollen nicht kaputtgehen - der Frost muß noch reinkönnen.

Ich weiß nicht, was Du mit Deinem Garten vorhast. Für eine Anlage „Rasen - Rosen - Blauschwingel und eine Douglasie“ ist mein Vorschlag zu aufwendig. Für dieses Konzept kommen sicher auch von einem Motorfräsenfan noch Hinweise.

Wenn Du Dich aber auf das grob skizzierte Unternehmen (1) - (4) einlassen willst, schick mir eine e-mail und ich schreib Dir dann noch ausführlicher zum Thema Pionierpflanzen auf Neuanlage. Für Dich als „Leseratte“: In Briefen von C.M. Wieland (u.a. mit Klopstock) findest Du zum Trost Zeugnisse davon, welche jahrelange Mühe Wieland mit seinem Osmannstädter Gütlein hatte. Es ist dann am Ende etwas Gutes herausgekommen. So viel ich weiß schon im kommenden Jahr nach Wiederherstellung der Gartenanlage wieder zu besichtigen, wenn Du mal nach Weimar kommst.

Toi toi toi

MM

Hallo!

auf unserem Grundstück wird ein Garten neu angelegt. Hilfe…

Die Humus-Schicht ist gerade mal ca. 50 cm dick, wenn überhaupt.

hab ich das recht verstanden, ihr habt 1/2 Meter Humus?!?!
(das wäre ja fast ein Hochmoor…)
Du meinst sicherlich den etwas dunkleren Mutterbiden, oder?)

Durch die Bauarbeiten ist alles durcheinandergewühlt

normalerweise sollten die grossen Maschinen den Mutterboden zurueckgeschoben haben und der kommt jetzt wieder zurueck…

aber mal was grundsätzliches:

  • was Du beschreibst scheint mir ein ganz normaler Boden zu sein
  • ein Garten (Gemüse, Rasen, Blumen und auch die meisten Gehölze)
      halten sich eh nur in den oberen 20-30 cm Biden „auf“!
  • Mineralboden (wenig Humus) ist ausserdem kein „Gift“ für Pflanzen!
  • Verdichtung und Staunässe etc. sind da schon schlechter!
    -> alles in allem wäre das also kein panikverurschender Zustand
      (wo gebuddelt wird gibts halt nun mal „Baatz“…)

Du solltest Dir eher überlegen, was Du im Garten machen willst:

  • Rasen zum Spielen, Party feiern, sonnen…
  • Rasen zum Angeben *g*
  • Blumenwiese
  • Faulenzergarten
  • Rosenbeete, Kletterrosen, Spalierobst
  • Ökogarten, Igel-Reisighaufen
  • Tiere halten
  • Sichtschutz?
  • Lärmschutz?
  • Bäume (Obst, Dehner-Fichten?)
  • Gemüsebeete/Obststräucher?
  • Häuschen, Schaukel, Sandkasten?
  • behindertengerechte Anlage?

-> dann werden Dir schon einige Jas/Neins einfallen
-> daraus ableiten würde ich ein paar „Kardinalpunkte“
  (wo muß z. B. ne Hecke oder ein Durchgang hin)
-> Bodenuntersuchungen braucht man IMHO erst bei Problemen
-> je nach Zeit/Geduld und Anspruch kann man auch einfach nur warten
-> die Natur würde das Grundstück sicher auch ganz allein besiedeln…

cu
kai *der hofft nicht am Thema vorbei gequatscht zu haben :wink:) *