Hallo Anna,
zuerst kurz was - meine persönliche Meinung - gar nicht ratsam ist: Nämlich mechanische „Bodenverbesserung“ durch Ein-/Aufbringen von Torf, Mutterboden, im schlimmsten Falle Sand etc. Auf einem nassen tonigen Lehmboden erzeugt schon eine Schubkarre - wenn damit die benötigten Tonnen Substrat transportiert werden und man entsprechend oft herumfährt - Verdichtungen im Porenbereich, die Dir lange Jahre Staunässe bescheren können, mit der Du viel Kummer haben wirst.
So, und jetzt paar Vorschläge:
(1) Bodenuntersuchung auf pH-Wert (wichtig!), Nährstoffe (wenigstens N-P-K), vielleicht Korngrößenstruktur (wenn Du den Aufwand treiben magst - im Bereich Ton-Lehm täuscht man sich von Hand schnell). Wie Du die Proben ziehst, sag ich Dir auf Anfrage per e-mail. Adressen hierzu findest Du auf der sehr schönen Seite http://www.stmlf.bayern.de . Die ist insgesamt gut zum Stöbern und nicht durch Reklameinteressen beeinträchtigt. Wenn alles Steuergeld so gut angelegt wäre wie dort…
(2) In Abhängigkeit von den Ergebnissen noch im November, falls zu nass oder Schnee geht auch zeitiges Frühjahr: Aufkalken, falls der Boden sauer ist. Im Voralpenraum unwahrscheinlich, aber wissen ist besser.
(3) Grundlage für Humuswirtschaft schaffen. Wurzeln und Regenwürmer leisten beim „Umgraben“ viel schneller viel mehr als man von Hand tun kann. Auch wenn die Nachbarn maulen: Für 2004 Brache unter Phazelia und Ackerbohnen. Beide kommen mit dichten Böden zurecht, durchwurzeln hervorragend und machen Dir schon nach einer Saison eine - den Umständen entsprechend - recht gute Bodengare (Durchwurzelung, Beschattung, Schutz vor unmittelbar auftreffendem Regen). Künftige oder provisorische Wege ab Anfang März mit Rindenmulch & Weißklee-Einsaat anlegen. Versiegeln kannst Du sie später immer noch.
(4) Wenn es nicht zu nass wird in den kommenden Wochen, kannst Du mit Umgraben schon ein bisschen vorbereiten. Vorsicht, Motorfräsen machen eine optisch schöne Oberfläche, die scheinbar auch „locker“ aussieht, aber richten im Mikrobereich furchtbare Verdichtungen an. Umgraben von Hand mit Grabgabel (Spaten verdichtet und verbraucht sinnlos Körperkraft), grobschollig liegen lassen - Frostgare bringt für die Grünbrache 2004 schon mal ein etwas besseres Saatbett. Zum Anfüttern Deiner künftigen Regenwurmpopulation ein bis zwei Zentimeter Kompost (kann ruhig ein billiger aus kommunalem Kompostwerk sein; ich denke, Minga hat eines, kannst Du bei der Stadt erfragen) nach dem Umgraben oberflächlich verteilen, nicht einarbeiten, damit die Schollen nicht kaputtgehen - der Frost muß noch reinkönnen.
Ich weiß nicht, was Du mit Deinem Garten vorhast. Für eine Anlage „Rasen - Rosen - Blauschwingel und eine Douglasie“ ist mein Vorschlag zu aufwendig. Für dieses Konzept kommen sicher auch von einem Motorfräsenfan noch Hinweise.
Wenn Du Dich aber auf das grob skizzierte Unternehmen (1) - (4) einlassen willst, schick mir eine e-mail und ich schreib Dir dann noch ausführlicher zum Thema Pionierpflanzen auf Neuanlage. Für Dich als „Leseratte“: In Briefen von C.M. Wieland (u.a. mit Klopstock) findest Du zum Trost Zeugnisse davon, welche jahrelange Mühe Wieland mit seinem Osmannstädter Gütlein hatte. Es ist dann am Ende etwas Gutes herausgekommen. So viel ich weiß schon im kommenden Jahr nach Wiederherstellung der Gartenanlage wieder zu besichtigen, wenn Du mal nach Weimar kommst.
Toi toi toi
MM