Hallo Andrea,
ABer wo kann ich denn nachkucken was ich für einen Boden
habe?
Evtl könnte ich mal den pH-Wert messen.
Von vornherein abschrecken, bevor Du angefangen hast, will ich Dich natürlich nicht. Es geht mir mit dieser Frage um zwei Dinge: (1) Ob man Dir raten kann, jetzt bei schon relativ feuchtem Boden noch umzugraben, solang der Boden offen ist, oder bis Saison 2004 liegen zu lassen. (2) Den Hasenmist gleich oberflächlich einzuarbeiten oder separat ein wenig verrotten zu lassen.
Beides wäre ungünstig bei einer Tallage mit hohem Tonanteil und eher staunassem Boden. Grob abschätzen kannst Du das bereits mit ein paar Spatenstichen: Wenn die Schollen ziemlich fett glänzen und von sich aus nicht oder fast nicht zum Krümeln neigen, gehts wohl um so eine „Ziegelei“, bei der Du ziemliche Verdichtungen anrichten kannst, wenn Du jetzt umgräbst. In diesem Fall sollte der frische Hasenmist, zumal mit Holzspänen, auch nicht ohne Flächen- oder Haufenkompostierung eingearbeitet werden.
Wenn Du in Geislingen nicht grad ganz im Talgrund wohnst, ist das beschriebene Risiko recht klein und Du kannst jetzt, solange der Boden offen ist, schoren soviel Du lustig bist und solang das Kreuz mitmacht. Das gibt schon einmal eine ordentliche Frostgare.
- Ein „heißer“ Boden ist (umgangssprachlich) ein Boden, der genügend durchlüftet ist, um mit Dingen wie frischem Mist und Holzspänen unmittelbar zurecht zu kommen. Der oben beschriebene tonige Auenlehm ist das Gegenteil davon und muss viel vorsichtiger organisch gedüngt werden. Wenn wir bei den schönen volkstümlichen Namen sind: Was Dir möglicherweise an diesem Standort blüht, könnte ein „Minutenboden“ sein. Bei dem zwischen den Zuständen „mörtelartiger Matsch“ nach Regen und „ziegelartiger Panzer“ nach Abtrocknen nur (bildlich, bisschen länger ists schon) Minuten zur Bearbeitung bleiben. Bei dem gilt, dass alles Graben, Hacken usw. dann dringend getan werden muss, wenns grade geht, weils meistens nicht geht.
Wenn Dir der Boden nicht extrem tonig, aber beim Anfassen trotzdem eher dicht oder schmierig, nicht sehr krümelig oder sandig vorkommt, ists sicher nicht verkehrt, wenn Du die Ringelblumen vor dem Umgraben großzügig jätest: Die brauchen Luft zur Zersetzung, das geht je nach Boden auf dem Haufenkompost besser als untergegraben.
Deinen Boden im Einzelnen wirst Du früh genug kennen lernen. Wo vorher ein alter Garten war, wirds nicht grad der Ärgste sein.
Außer Umgraben soweit Du kommst - da gibts verschiedene Schulen, ich bin für Grabgabel statt Spaten, weil damit weniger verdichtet wird; andere sagen Spaten statt Grabgabel, weil man damit gröbere Schollen ablegen kann und eine bessere Frostgare erreicht - kannst Du angesichts der teilweise anspruchsvollen Kulturen (Tomaten, Brokkoli) ein paar Dinge tun, die jetzt mit weniger Schmierage (und entsprechend Schäden) besser gehen als im März:
(1) Frühbeet anlegen und gleich mit der ersten Füllung beschicken. Hier ist der Hasenmist, bedeckt mit Boden, gut geeignet - sobald es im März ein bisschen warm wird, fängt er an bei seiner Zersetzung gerade um die kleinen Temperaturunterschiede zu heizen, die im Frühbeet gebraucht werden. Wenn es Ende Mai nicht mehr gebraucht wird, hast Du dann schon ein ordentliches Substrat.
(2) Angesichts des rauhen Klimas auch nicht verkehrt: Hochbeet anlegen. Dazu hebst Du den Boden etwa zwei Handbreit auf eine Fläche gut ein Meter breit, lang nach Belieben, aus. Die entstandene Mulde füllst Du mit einem Kern aus grobem, luftigem Material (Baumschnitt, oder wenn die Beerensträucher vergreist sind, also dicht und grob gewachsen, auch um diese Jahreszeit noch Strauchschnitt). Darauf eine Schicht feineres organisches Material (sowas wie die Ringelblumen und andere Pflanzen, die noch da sind). Darüber den Hasenmist. Darüber den ausgehobenen Boden. Wenn Du Dich in dem Gärtle so weit engagieren willst, dass Dich Hügelbeettechnik interessieren würde, sag Bescheid, dann gibts mehr dazu per mail.
Winterharte Kräuter (Thymian, Rosmarin, Salbei, Lavendel) kannst Du bei diesem seltsamen Herbst jetzt noch pflanzen, mit leichter Abdeckung. Denen gehts dann im Frühjahr schon ein bisschen besser als bei Frühjahrspflanzung, weil ihnen von vornherein die Feuchtigkeit aus den Wintermonaten zur Verfügung steht.
Je nachdem, wie viel Du machen willst, kannst Du Dich auch bereits um Saatgut kümmern. Auch wenn man sich ideologisch nicht so auf der Müsli-Kante bewegt, ist eine bisschen langsame, aber wertvolle Bezugsquelle für Gemüsesaatgut der „Dreschflegel“-Verein
http://saatgut.pagelion.de
Dieses ist ein Verein, der sich um die Erhaltung von Landsorten kümmert. Für klimatische Grenzlagen wie in Geislingen findet man da eher etwas geeignetes als im regulären Handel, der von Erzeugerbetrieben mit optimalen Klima- und Bodenbedingungen beschickt wird. Die De-Berao-Baumtomaten von dort sind die ersten, die ich mit bloß einer Behandlung (Kupferkalk) ohne Kraut- und Fruchtfäule bis zum Ende ernten konnte.
Ein nettes Büchlein für Deinen Gemüsegarten ist Hans Wagners „Karotte liebt Tomate“
ISBN 3-7787-3868-2 Buch anschauen
Auch hier muss man nicht unbedingt den ideologischen Hintergrund des Autors teilen. Es darf einfach als eine Sammlung von Gemüsegartenerfahrung gelesen werden.
So, diese letzten Empfehlungen sind aber vor allem dafür da, dass es Dir die Schorerei nicht verleidet.
Viel Spaß wünscht
MM