'Haushasen'-Mist gartentauglich?

Hallo!

Wir haben zwei Hasen - äh Kaninchen (großes „Zwerg“-Kaninchen, was aussieht wie ein Wildes und ein großes sog. Kaschmirkaninchen - aber das tut wohl weniger zur Sache…), die auf handelsüblicher Holzeinstreu gehalten werden.

Bisher haben wir die Streu samt „ihr-wißt-schon“ in der Restmülltonne entsorgt - meine Freundin meint, das darf nicht in den Garten…

Im Artikel „Brachliegenden Garten neu beleben“ (http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…) geht es aber u. a. um das Einarbeiten in Tonböden etc.

Daher meine „grundzipielle“ Frage: ist sowas als Beimengung für Gartenböden tauglich oder zu „scharf“ (riecht ja auch nicht grade „lau“…)?

Unser Garten: Külsheim bei Tauberbischofsheim; Grenze Buntsandstein/Muschelkalk(http://www.saurierwanderweg.de/landschaftumkuelsheim…), ich weiss aber nicht wie ich erkenne ob wir noch auf Buntsandstein oder schon auf Muschelkalk „hocken“; auch die Höhenlage weiß ich noch nicht (sind erst umgezogen), aber es werden schon so um die 400 m sein(?) - oder wenn das unser Külsheim ist: doch nur 280 m (http://www.hnd.bayern.de/niederschlag/tabelle_nieder…)

Der Boden ist recht dunkel und ich finde ihn recht krümelig, ich glaub, der ist nicht schlecht…

Oder kippt man sowas besser auf den „Kompott“: haben einen großen Berg mit allem Möglichen drauf/drin geerbt (Zweige, Gartenabfälle, Grasschnitt, Küchenreste…), den wir im Frühjahr eh mal sortieren wollen (aussiebbarer Humus in den Garten, Rest wieder auf den Haufen…)

Habt Ihr Erfahrungen/Meinungen/Tips?

DANKE!

cu
kai

Hallo Kai,

für Deine Zwecke wäre Buntsandstein-Verwitterungsboden ideal, der saugt alles weg wies kommt. Erkennungszeichen: Er ist charakteristisch sandig, erst nach generationenlanger Gartennutzung halbwegs humos, und er behält auf Dauer den Farbton des dazugehörigen Felsens. Wo Bundsandsteinböden auf Keuper stoßen, erkennt man das oft äußerlich als „Kulturgrenze“: Weil die Böden von Bundsandstein wenig fruchtbar sind und das Wasser nicht gescheit halten, hören mit diesem Horizont die intensiveren Kulturen auf und Wald/Wiese fangen an.

Keuper-Verwitterung macht gerne „Minutenböden“, da kann die Durchlüftung kritisch sein für frischen Mist. Bei Einstreu mit Holzspänen ist kein besonders günstiges C/N-Verhältnis gegeben, im Extremfall kann das Holz bei der Zersetzung so viel Stickstoff ziehen wie der Mist liefert, dann gibts im Ergebnis bloß eine etwas bessere Humusversorgung und keine N-Düngung. Wenns ganz dumm geht, kann auch bei gut puffernden Böden bei Luftmangel eine Art Vertorfung der Holzspäne passieren.

Für Kompostieren spricht, dass der Mist nach Rotte keinerlei pH-Probleme macht. Geruch ist in der Regel unproblematisch, solang nichts Anaerobes passiert.

Mir kommt folgendes sinnvoll vor:

Jetzt über Winter den Mist auf umgegrabenen Flächen vor Starkzehrern (Kohl, Mais, Gurken, Zucchini) oberflächlich liegen lassen und im Frühjahr leicht einarbeiten. Während der Saison, wo der Kompost vieles und Verschiednes bekommt, kompostieren. Kein Mist vor Karotten, Zwiebeln, Bohnen, Erbsen.

Schöne Grüße

MM

Hallo MM!

erstmal Danke für die Infos…

für Deine Zwecke wäre Buntsandstein-Verwitterungsboden ideal,
der saugt alles weg wies kommt. Erkennungszeichen: Er ist
charakteristisch sandig

naja sandig (und rot) isser nicht!

erst nach generationenlanger Gartennutzung halbwegs humos,

ist sicherlich schon lange Garten (Haus BJ 1940, Fläche aber wohl scho vorher „Gartenland“…)

und er behält auf Dauer den Farbton des dazugehörigen Felsens.

also richtig knietschig rot? -> dann hammer des andere :wink:

Wo Bundsandsteinböden auf Keuper stoßen,
erkennt man das oft äußerlich als „Kulturgrenze“

naja ne Feld-Waldgrenze gibts natürlich schon, aber ich weiß nicht ob’s so einfach ist…

im Ort selbst tut man sich natürlich etwas schwerer…

Keuper-Verwitterung macht gerne „Minutenböden“,

im Frühjahr „babbds“ schon an den Stiefeln, ist aber denke ich durch die lange Nutzung vllt. doch etwas „entschärft“?

Heuer (extrem trocken) war sicher auch nicht representativ…

Für Kompostieren spricht, dass der Mist nach Rotte keinerlei
pH-Probleme macht. Geruch ist in der Regel unproblematisch,
solang nichts Anaerobes passiert.

Sprich auch irgendwas dagegen , oder kann man prompt sagen/behaupten, dass Kleintierstreu (mit Holzspänen) auf dem Kompott immer unbedenklich ist (Keime, Säuren, Herkunft von Streu/Heu/Pellets, "was-weiß-ich"s…)? -> gut man kann ja sagen, „wenns der Has’ überlebt hat…“ aber wie haben seit Mai auch nen kleinen Zweibeiner „rumrobben“ :wink:)

Wie sieht es aus mit Ziervogel-Streu (Nymphensittich/Rosenköpfchen) auf Zeitung(incl. einzelnen Federn, Futterresten, Kot…)?

Mir kommt folgendes sinnvoll vor:

Jetzt über Winter den Mist auf umgegrabenen Flächen vor
Starkzehrern (Kohl, Mais, Gurken, Zucchini) oberflächlich
liegen lassen und im Frühjahr leicht einarbeiten. Während der
Saison, wo der Kompost vieles und Verschiednes bekommt,
kompostieren.

Die Holzspäne gehen da sicher, die Zeitung sieht da wohl eher doof aus…

Kein Mist vor Karotten, Zwiebeln, Bohnen, Erbsen.

Warum grade die?

cu
kai

Hallo nochmal,

Keuper-Verwitterung macht gerne „Minutenböden“,

im Frühjahr „babbds“ schon an den Stiefeln, ist aber denke ich
durch die lange Nutzung vllt. doch etwas „entschärft“?

das in jedem Fall: was ordentlich durchwurzelt ist, hat immer auch ein bisschen Luft (kennst Du aus dem Wald: richtig üble Bodenbildung nur unter Fichten, die nicht gescheit wurzeln und im Gegenzug lauter fiese Nadelstreu obendrauf schmeißen)

Für Kompostieren spricht, dass der Mist nach Rotte keinerlei
pH-Probleme macht. Geruch ist in der Regel unproblematisch,
solang nichts Anaerobes passiert.

Sprich auch irgendwas dagegen ,

allenfalls die im Vergleich zum direkten Einbringen etwas niedrigere Stickstoffausbeute, aber auf die kommts im nicht-gewerblichen Anbau ja nicht an.

oder kann man prompt
sagen/behaupten, dass Kleintierstreu (mit Holzspänen)
auf dem Kompott immer unbedenklich ist (Keime, Säuren,
Herkunft von Streu/Heu/Pellets, "was-weiß-ich"s…)? -> gut
man kann ja sagen, „wenns der Has’ überlebt hat…“ aber wie
haben seit Mai auch nen kleinen Zweibeiner „rumrobben“ :wink:)

Ich denke, das kann man bei Kleintiermist auch hinsichtlich Keimen so sagen. Was auf einem normalen „langsamen“ Wurmkompost liegt, ist mehrfach metabolisiert (Wurm, Assel, Tausendfüßler etc., zuletzt wieder Regenwurm), bis es beim Gemüse landet. Die letzte Schranke ist dann die Nährstoffaufnahme durch die Pflanzen selber. Bei Vögeln würde ich gerne einschränken und an Veterinäre/Mediziner weitergeben, da gibts die seltsamsten Wirtsketten (Hennen im Kuhstall >> Tbc in der Milch usw.). Betreffend Hygiene gibts wohl kaum brauchbare Quellen, weil „Kompostliteratur“ in der Regel ideologisch belastet ist. Wurmeier überleben meines Wissens einen zeitlich so gestreckten Zyklus nicht - die Problematik lag da in Vor-WC-Zeiten in der direkten Jauchedüngung.

Die Holzspäne gehen da sicher, die Zeitung sieht da wohl eher
doof aus…

Ich habe dieses Jahr erstmals bei der Pflanzenanzucht Töpfchen aus Zeitungspapier gerollt als Ersatz für die moralisch bedenklichen Presstorftöpfchen. Im Herbst war ich überrascht, davon schon nach fünf Monaten praktisch nichts mehr vorzufinden: Offenbar wird Zeitungspapier nicht oder kaum mehr mit anorganischen Fungiziden etc. behandelt und schmeckt inzwischen auch den Regenwürmern.

Kein Mist vor Karotten, Zwiebeln, Bohnen, Erbsen.

Die Stickstoffbildner, die sich an Bohnen- und Erbsenwurzeln ansiedeln, fühlen sich bei hohen äußeren N-Konzentrationen offenbar unwohl: Die Pflanzen legen schwungvoll los und bleiben dann stecken. Karotten und Zwiebeln neigen zum Faulen, wenn sie auf frischgedüngtem Boden stehen.

Wie soll ich zusammenfassen? Vielleicht: Kompostieren im Vergleich zur direkten organischen Düngung jedenfalls pH-technisch und hygienisch sicherer, Kleintiermist ja, Vogelmist unter ziemlichem Vorbehalt.

Schöne Grüße

MM

Hallo!

kennst Du aus dem Wald: richtig üble
Bodenbildung nur unter Fichten, die nicht gescheit wurzeln und
im Gegenzug lauter fiese Nadelstreu obendrauf schmeißen

Da kann/muß ich Dir glaube ich widersprechen:

Das typische Bild - das Dir vermutlich vorschwebt - ist ein Fichtenreinbestand auf Pseudogley; Fichten wurzeln dort noch flacher, wie eh schon, der Boden ist extrem scharf vom Rohhumus drüber abgrenzbar, Windwurf ist meist das Ende solcher Bestände.

Aber Pseudogley ist nicht die Folge der Fichten, sondern man hat die Fichten dorthin gesetzt (vor 50-80 Jahren, wenns jetzt en Altbestand ist), da man sich aus der hohen Wasserversorgung gute Wuchsleistungen erhoffte (die Fichten haben dort auch Zuwächse, daß es kracht: 10-14 fm/ha und Jahr sind kein Problem…). Der Fichte gehts prächtig, sie ist auf solchen Stnadorten nur extrem instabil…

Von Natur aus kommen dort z. B. Erlenwälder vor. Oder Stieleichen-Misch/Auwälder… In Süddeutschland gibts in solchen Wäldern auch immer einzelne, oft gigantische Fichten (sog. Alpenschwemmlinge), die quietschfidel und bombig stabil sind.

Rohhumus ist sicherlich nicht sonderlich förderlich für den Boden, ich glaube aber, daß im Wald - wo ja die Durchmischung durch Pflügen/Umgraben fehlt (mal abgesehen von extremen Verfahren mit schwerem Gerät in extrem armen Kiefernbeständen in der Oberpfalz in den 60er/70er-Jahren) - die Bodenbildung viel stärker vom Ausgangssubstrat (Buntsandstein, Grundgebirge, Talsedimente, Kalksteinskelett, Lößauflage…), Überlagerung und Waldnutzung (Streunutzung!!!) geprägt wurde als vom aufstockenden Bestand!

Aber Danke nochmal für Deine Garteninfos!

cu
kai

Hallo Kai,

vermutlich weiß man inzwischen viel mehr über den von Dir zitierten Zusammenhang.

Meine (verkürzte) Wiedergabe „Rohhumus von Fichten macht keinen Boden, sondern bleibt Auflage, bis er irgendwann wieder davonschwimmt“ und „Daran sind die Fichten selber schuld“ ist der Standpunkt des Göttingers Brunk Meyer aus der ersten Hälfte der achtziger Jahre. Damals gabs ja im Zusammenhang mit den „neuartigen Waldschäden“ ziemlich emotional geführte Diskussionen, Meyer - der, wenn ihm eine Hypothese spekulativ vorkam, gerne provokant das Gegenteil ins Feld führte und drauf wartete, ob ihn einer widerlegen konnte - war ein radikaler Vertreter der „hausgemachten“ physiologischen Versauerung, gleichzeitig ein glühender Verehrer der Bodenfauna als wesentlichem Faktor der Bodenbildung im Sinn von „Wenns den Regenwürmern nicht schmeckt, gibts auch keinen Boden, da kann man rigolen, wie man will“ und „Löss für sich allein - ohne Wurm- und Zwieselgänge - ist nichts wert“.

Ich schätze, es hat in der Zwischenzeit erhebliche Fortschritte in diesem Zusammenhang gegeben. Heute sind ja auch wieder breite Erfahrungen aus den wieder stärker verbreiteten Mischwäldern da, und es lässt sich am Ergebnis besser beurteilen, obs denn die böse Fichte ist, die den ohnehin nicht guten Standort ruiniert hat, oder ob der Standort halt so ist wie er ist. Zu Zeiten gabs ein winziges Waldstückchen bei Schussenried: Das „Franzenhölzle“, zu dem aus dem halben Ländle die Exkursionen gepilgert kamen, weil es sich um einen nachgewiesen nie als Monokultur geführten Mischwald handelte.

Persönlich freue ich mich ja über Deine Ehrenrettung der Fichte, weil - bei allen bekannten Nachteilen - so ein vierzigjähriger reiner Fichtenbestand, wenn er nicht grade extrem eng steht, schon etwas von einer Kathedrale hat…

Schöne Grüße

MM

Hallo!

vierzigjähriger reiner Fichtenbestand, wenn er nicht grade
extrem eng steht, schon etwas von einer Kathedrale hat…

naja 40 Jahre sind schon e weng duester

der lichtdurchflutete Kathedraleneindruck kommt doch erst bei 80 Jahren auf (wenn sie denn noch steht :wink:), am besten bei Sonne auf Morgennebel ueber Drahtschmiele am Waldboden…

cu
kai

Hallo stolzer MIstbesitzer!

Laß Dir diesbezüglich bloß keinen Mist erzählen und fordere Deine Vierbeiner auf, möglichst viel davon zu produzieren, damit Du kostenlosen Dünger kriegst.
Mit Hasenmist habe ich die beste Erfahrung gemacht, denn ich ließ ihn mir extra vom Nachbarn liefern, um meine Beerensträucher im Herbst zu düngen. Sie wuchsen danach besser und trugen auch größere Johannisbeeren. Ein Versuch wird Dich sicher überzeugen.
Beste Grüße
Rosa Rot

Wir haben zwei Hasen - äh Kaninchen (großes „Zwerg“-Kaninchen,
was aussieht wie ein Wildes und ein großes sog.
Kaschmirkaninchen - aber das tut wohl weniger zur Sache…),
die auf handelsüblicher Holzeinstreu gehalten werden.

Bisher haben wir die Streu samt „ihr-wißt-schon“ in der
Restmülltonne entsorgt - meine Freundin meint, das darf nicht
in den Garten…

Im Artikel „Brachliegenden Garten neu beleben“
(http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…)
geht es aber u. a. um das Einarbeiten in Tonböden etc.

Daher meine „grundzipielle“ Frage: ist sowas als Beimengung
für Gartenböden tauglich oder zu „scharf“ (riecht ja auch
nicht grade „lau“…)?

Unser Garten: Külsheim bei Tauberbischofsheim; Grenze
Buntsandstein/Muschelkalk(http://www.saurierwanderweg.de/landschaftumkuelsheim…),
ich weiss aber nicht wie ich erkenne ob wir noch auf
Buntsandstein oder schon auf Muschelkalk „hocken“; auch die
Höhenlage weiß ich noch nicht (sind erst umgezogen), aber es
werden schon so um die 400 m sein(?) - oder wenn das
unser Külsheim ist: doch nur 280 m
(http://www.hnd.bayern.de/niederschlag/tabelle_nieder…)

Der Boden ist recht dunkel und ich finde ihn recht krümelig,
ich glaub, der ist nicht schlecht…

Oder kippt man sowas besser auf den „Kompott“: haben einen
großen Berg mit allem Möglichen drauf/drin geerbt (Zweige,
Gartenabfälle, Grasschnitt, Küchenreste…), den wir im
Frühjahr eh mal sortieren wollen (aussiebbarer Humus in den
Garten, Rest wieder auf den Haufen…)

Habt Ihr Erfahrungen/Meinungen/Tips?

DANKE!

cu
kai