Re: Erster Schnitt beim Apfelspalier
Grüeß Dich Ruedi,
Im November habe ich mit einem Abstand von 1.20 m drei
Apfelspaliere gepflanzt.
Nun steht der erste Schnitt an. Was ist dabei zu beachten? Ist
der Zeitpunkt
jetzt richtig?
Ja. Eher vor Silvester kann riskant sein. Wenn ich die Wetterkarte richtig verfolgt habe, habet Ihr heuer schon etliche Föhntage gehabt, irgendwann fangen die Kerle dann schon bald das Treiben an - dann kommt noch einmal eine gefährliche Zeit, wenn der Baum schon nicht mehr ruhig ist und es in die frischen Wunden hineinfrieren kann.
Lässt sich eine Anleitung mit wenig Worten
überhaupt machen? Ich
bin gespannt und freue mich auf eine Antwort.
In Zürich ist es in so einem Fall das beste, wenn man Fritz Schmid fragt, ob er nicht vorbeischauen will. Aber beschreiben lässt sich die Operation im wesentlichen auch hier.
Für den ersten Teil der Spaliererziehung geht es sogar leichter als später, wenn man Fruchtholz aufbaut.
Abgesehen von ausgesprochenen Liebhaberformen (Kordon, U-Form, Verrier-Palmette) kommen eigentlich bloß drei Formen in Frage: Die einfache Palmette, die waagerechte Palmette, das Fächerspalier.
Die einfache Palmette besteht aus der Stammverlängerung in der Mitte und nur einem schräg nach oben abgehenden Astpaar. An allen dreien wird dann im Folgejahr Fruchtholz aufgebaut. Für die Erziehung nimmt man alle vielleicht vorhandenen Seitentriebe von der Stammverlängerung, die sich im oberen Drittel dieser Verlängerung befinden, glatt ohne "Kleiderhaken" weg. Die zwei künftigen Seitenäste bleiben stehen und werden falls nötig ein wenig eingekürzt, so dass sie einen deutlichen Abstand zur Spitze der Stammverlängerung haben und auf gleicher Höhe aufhören (Saftwaage). Auch von diesen werden jetzt zuerst einmal eventuelle Seitentriebe im oberen Drittel glatt weggenommen. Einkürzen erfolgt so, dass das erste Auge nach außen weist: An diesem gehts dann in dieser Saison weiter mit dem Aufbau. Alle Ständer (= verholzte Austriebe) im unteren Bereich der Stammverlängerung können nach Einkürzen auf ein Auge stehen bleiben; wenn sie kein Fruchtholz bilden, werden sie eine Saison später glatt, ohne Augen, abgeworfen.
Die waagerechte Palmette ist - finde ich - schöner, aber sie geht bloß bei schwachwüchsigen Sorten auf schwachwüchsigen Unterlagen. Sie funktioniert in der Erziehung ähnlich wie die einfache Palmette, aber man nimmt nicht nur ein Astpaar für die Seiten, sondern deren drei, die (im Frühjahr, wenn sie im Saft stehen und nicht mehr brechen) waagerecht heruntergebunden werden. Auch hier: Saftwaage, die Etagen sollten nach links und rechts auf ziemlich gleicher Höhe stehen. Auch hier gilt: Stammverlängerung soll in der Spitze frei von Ständern bleiben, damit der Baum weiß, wo es hingeht und sich nicht zum Besen verwächst.
Beim Fächerspalier arbeitet man frei: Es ist eine auf zwei Dimensionen reduzierte und etwas in die Breite gehende normale Kronenform. Also alle Ständer, die nach vorne oder hinten hinausgehen, glatt abwerfen. Die Stammverlängerung im ersten Jahr ziemlich kurz anschneiden, auch die Ständer, die als Leitäste stehen bleiben sollen, zuerst eher kurz halten. Es kommt sonst leicht zur Verkahlung im unteren Bereich des Spaliers. Der Baum ohne Blätter erscheint viel lichter als später, daher lässt man die Ständer schnell zu dicht beieinander stehen. Vierzig Zentimeter Abstand zueinander sollten die späteren Leitäste auch bei der freien Erziehung im Fächerspalier haben.
(Beschreibungen angelehnt an Metzner, Das Schneiden der Obstbäume, Eugen Ulmer Verlag Stuttgart 1974)
Das waren jetzt doch viele Worte. Wenn Du Dir das vor lauter Einzelheiten nicht recht vorstellen kannst, gern noch ausführlicher per mail.
Schöne Grüße
MM