'schlechter' Boden in neuem Garten?!

Hi Experten,

nach einen Neubau ist auch der Garten entsprechend neu. Der Boden ist sehr lehmig und es muss sicherlich noch Mutterboden darüber.

ABER: Die Einfriedung des Garten erlaubt höchstens noch eine Aufschüttung vom max 15 cm neuem Boden. Nützt das überhaupt was?

Wie kann man den Boden überhaupt so herrichten, dass eine Erstbepflanzung mit Blumen, Hecken, Bäumen etc erfolgreich sein kann?

Dank vorab für Tipps und Hinweise,

Martin

Hallo Martin,

nachdem der Mutterboden ausgebracht worden und das Grobplanum hergestellt
ist, empfehle ich dir, bodenlockernden und nährstoffsammelnden Gründung
einzusäen. Darunter zählt Senf, Lupinen, Kleesorten usw. Um das Erdreich
pflanzfertig zu machen, muss es mit einer schweren Fräse gelockert werden.
Der Nachteil dabei ist die entstehende Frässohle, aber für eine
Bearbeitung mit einem Pflug hast du wahrscheinlich nicht genügend Platz.
Vielleicht wäre noch zu überlegen, ob du den Boden nicht mit einer Fuhre
Sand durchlässiger machen kannst.

Zum Thema Gründung war kürzlich ein Beitrag zu lesen, schau mal im Archiv
nach, ich glaube, er war von Martin May. Der oder Ulf werden sich zu dem
Thema bestimmt auch noch äußern.

Gruß
Horst

PS: Willst du die Gartenanlage selbst bewerkstelligen oder ziehst du einen
GaLa-Bauer zu Hilfe?

Danke für die Infos! Wir hatten vor, Pflanzenarten und die Gestaltung des Gartens mit einem GaLa-Unternehmen zu erarbeiten, die Pflanzarbeiten aber selber zu übernehmen.
Wahrscheinlich werden wir aber sinnvollerweise den Boden mal von einem Fachmann einschätzen lassen.

Gruss,

Martin

Hallo Martin,

zuerst mal eine kurze Begriffsklärung, dann verstehst du dich auch mit dem GaLaBauer evtl. besser:

„Lehm“ ist eine Mischung aus etwa gleichen Teilen Sand, Schluff und Ton und hat sehr gute Eigenschaften, ideal für einen Garten.

„Ton“ ist dieses schmierige Zeug, das kein Wasser mehr abfließen läßt. Vorteil ist, dass Wasser und Nährstoffe lange gehalten werden. Nachteil kann Staunässe sein, wenn ein paar Baumaschinen drüber fahren.

Wenn der Boden sehr tonig und undurchlässig ist, hilft es, 10 cm Sand aufzuschütten, mit einer leichten Fräse unterarbeiten. Dann Gründüngung, Kompost aufbringen und einfach abwarten.

Gruß, Jens

Prima, das macht die Verständigung sicherlich einfacher!! Danke dafür!!

Gruß,

Martin

Hallo Martin,

wie Jens schon schrieb, plagst Du Dich mit Ton bzw. tonigem Boden rum.
Und auch die Therapie die er vorschlug ist m.E. die Richtige - Sand.

Dabei werden allerdings enorme Mengen verbraucht.
Rechne mit 4 - 10 Kubimeter Sand pro 100 Quadratmetern Garten. Das ist kein Schreibfehler!

Den Sand aufs Gelände und grob einarbeiten, den Rest bewerkstelligen die Würmer.
Anschließend solltest Du nahezu optimale Gartenerde haben.

Gandalf

Hi,
reiner Lehm ist zwar eine gute Grundlage für einen Boden, aber en sich kein guter Gartenboden.
Ich hab ca. 10 Jahre einen Garten mit Lehmboden gehabt. Der Boden neigt stark zum Verschlämmen und zu einer sauren Bodenreaktion. Beim Trocknen reißt er auch auf, wenn auch nicht so stark wie Ton. Andererseits hält er gut das Wasser und die Nährstoffe.

Dh. Lehm muss erstens wasserdurchlässiger gemacht und zweitens mit Humus versorgt werden und drittens vor der erstmaligen Beflanzung tiefgründig gelockert werden. Dh. ich hab reichlich Sand und Kompost aus der Kompostanlage untergearbeitet und den Boden im Bereich der Beete z.t. rigolt. Den Effekt konnte man auchz nach mehreren Jahren am besseren Wuchs beobachten.

Dann mal die Kalkversorgung des Bodens / Ph-Wert bestimmen und entsprechend kalken.

A.

Hallo Martin,

alldieweil die Sache mit Ton/Lehm jetzt wohl in Richtung Ton geklärt ist:

Nicht aus eigener Erfahrung - ich geb meiner Ziegelei die Zeit, die sie braucht, um eine Art Gartenboden zu entwickeln - aber aus Erinnerung an Dinge, die ich vor fast hundert Jahren (ca. 1985) beim damaligen Göttinger Bodenkundepapst Brunk Meyer gehört habe.

Der war überzeugt davon (wie man das experimentell ordentlich nachweisen kann, ist mir nicht recht klar), dass insbesondere bei Böden mit den feinsten Korngrößen - Ton - die Verdichtung im Mikrobereich durch Bodenbearbeitung viel mehr und vor allem viel länger schadet als diejenige duch Befahren. Heißt: Auch wenns schlimm aussieht, erholt sich der Boden schneller von der Baustelle als von mechanischer Bearbeitung. Wie gesagt, ich habs nicht mit eigenen Augen gesehen oder ausprobiert, aber Fräsen wäre nach dieser Auffassung etwa das Ärgste, was man dem Boden antun kann.

Alternativ käme in Frage, was allerdings lange dauert, dass man vor dem Aufbringen von angenehmerem Boden (lehmiger Sand, sandiger Lehm) dessen Einarbeitung durch Regenwürmer begünstigt, in der Hoffnung, dass sie die Sache halbwegs drainiert kriegen - rein mechanisch hat man auf der Ebene der Frässohle so oder so wieder einen Horizont für Staunässe.

Die Kerle mögen Kalk und wenig verrottete organische Substanz. Kalk lässt sich bei nicht zu nassem Boden oberflächlich mit einer Ziehhacke oder mit einem Misthaken einarbeiten, ohne dass der Boden mechanisch zu stark angestrengt würde. Mit dem Einbringen von organischer Substanz ists so eine Sache: Es muss unbedingt genügend Stickstoff in Begleitung da sein. In Frage kommt ebenfalls nur oberflächlich eingearbeiteter Mist, Ackerbohnen (die mit ihren ziemlich starken Wurzeln regelrecht „graben“, und außerdem selber für einigen begleitenden Stickstoff sorgen, weil sie mit Bakterien zusammenleben, die den aus der Bodenluft binden). Weiteres zum Thema Gründüngung in Archiv und FAQ.

Diese Ansätze sind allerdings auf eine längere Sicht angelegt und nicht auf eine zügige Gestaltung. Es wäre nicht das einzige Mal, dass Brunk Meyer hinsichtlich Bodenverdichtung durch mechanische Bearbeitung eine Ansicht vertreten hätte, die nicht gar soo zentral bedeutend ist, aber mit der sich die Kollegen trefflich provozieren lassen…

Schöne Grüße

MM